Tag 1128: Wandern mit Sommerfeeling

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Tag 1128: Wandern mit Sommerfeeling

Tag 1128: Wandern mit Sommerfeeling

31.01.2016

Im Moment scheint es, als sei der Sommer ausgebrochen! Es ist der 31. Januar, wir befinden uns auf 600 Höhenmetern am Fuße der Pyrenäen, die noch immer komplett verschneit sind sind und wir wandern im T-Shirt. Das heißt, Heiko wandert im T-Shirt und ich habe mich wieder auf die Basis-Version meiner Robe beschränkt, ohne lange Unterwäsche und Weste. Man möchte es nicht für möglich halten, aber wir haben trotzdem fast den ganzen Weg über geschwitzt.

Die Sonne hatte schon wieder so viel Kraft, dass sie regelrecht auf der Haut brannte. Nicht unangenehm, aber doch spürbar. Dieser strahlende Sonnenschein in Verbindung mit der großartigen Landschaft, in der wir gerade unterwegs sind, machte das Wandern zu einem wahren Vergnügen. So machte es einfach am meisten Spaß, draußen in der Natur unterwegs zu sein, irgendwo ein kleines Picknick zu machen, die Wärme im Gesicht zu genießen und die beeindruckenden Berge zu bewundern. Ganz am Anfang unserer Reise war uns bereits einmal aufgefallen, dass uns die Tiere immer wieder verfolgten, wenn sie uns sahen. Nicht die nervigen Hunde, die es hier überall gab und die jeden Passanten wie wahnsinnig ankläfften, sondern viel mehr die Pferde, Esel, Kühe und Schafe auf den Weiden, die neugierig zu uns herüber kamen und uns ein Stück begleiteten. Das taten sie auch heute wieder und es war ein schönes Gefühl, die Verbundenheit zu ihnen zu spüren.

Das Dorf, in dem wir übernachtet hatten war eines der schönsten gewesen, die wir überhaupt bereist hatten. Nicht weil es in irgendeiner Form besonders war, sondern weil es wunderschön ruhig und einsam dalag, eine grandiose Aussicht bot und dazu noch zu großen Teilen renoviert und gut erhalten war. Es war außerdem der letzte Ort, an dem man noch wirklich wohnen konnte, denn gleich im Nachbardorf hörte man schon die Autobahn, die mitten über das Hochplateau führte. Von hier aus mussten wir und über kleine Feldwege und Trampelpfade zwischen den großen Hauptstraßen hindurchschlängeln, da es hier keine Nebenstraßen mehr gab. Am Rande des Plateaus machten wir in einer kleinen Ortschaft halt. Hier bekamen wir einen großen Saal, der sauberer ansonsten aber in jeder Hinsicht schlechter war als alle Säle der letzten Wochen. Anstatt einer Heizung gab es nur ein Belüftungssystem, das warme Luft mit einer Lautstärke von gut 70 Dezibel ausstieß. Es war also in etwa so, als würde man sich neben einen LKW stellen um die warme Luft abzubekommen, die der Motor abgab. Nach oben hin war der Saal offen und mit einem Treppenhaus verbunden, das zur Bibliothek führte.

Alles war so hellhörig, dass man jedes Kratzen mit dem Fingernagel hören konnte. Das beste war jedoch, dass es lediglich eine öffentliche Toilette im Freien gab, zu der aber kein Waschbecken gehörte. Wir hatten also einen lauten, kalten, hellhörigen Saal ohne einen Tropfen Wasser. Jedenfalls wenn man das Wasser nicht mitzählte, das unten aus der Toilette lief, wenn man die Spülung betätigte. Man muss sagen, ich hab die Sache mit dem Anziehen von guten Plätzen schon einmal besser hinbekommen.

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Spruch des Tages: Es ist Sommer, egal ob man schwitzt oder friert – Sommer ist, was in deinem Kopf passiert (Wise Guys)

Höhenmeter: 450 m
Tagesetappe: 15 km
Gesamtstrecke: 20.636,27 km
Wetter: sonnig aber frisch
Etappenziel: Mehrzweckraum der Gemeinde, 65200 Argelès-Bagnères, Frankreich

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About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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