Tag 830: Vorsicht Skorpione

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Tag 830: Vorsicht Skorpione

Tag 830: Vorsicht Skorpione

25.03.2016

Am Abend bekamen wir dann gleich noch einmal unerwarteten Besuch. Diesmal war er kleiner, leiser und weniger unverschämt, darüf aber nicht unbedingt weniger beunruhigend. Das Holz für unseren Kamin hatte lange Zeit draußen vor der Hütte gelegen und war vollkommen kalt und durchnässt. Es waren zum Teil dicke Stämme, die wir nicht teilen konnten und die wir deswegen immer wieder nachschoben, so dass sie Stück für Stück verbrannten. Nach einigen Stunden hatten sich auch die hinteren Enden aufgewärmt und nun erwachten einige Wesen zu neuem Leben, die sich zuvor im Holz versteckt hatten. Überall aus den Ritzen krabbelten kleine Skorpione hervor und liefen nun über unseren Kaminsims. Wahrscheinlich waren es keine gefährlichen Skorpione, aber eben nur wahrscheinlich. Genau konnten wir es nicht sagen. Bei diesen Kollegen spricht ihre geringe Körpergröße ja nicht unbedingt auch für ihre geringe Giftigkeit. Sie waren jedenfalls Grund genug, dass wir uns doch gegen einen Schlafplatz vor dem Kamin und für die Betten im Hinterzimmer entschieden.

Am Morgen durchquerten wir das Dorf noch einmal. Wir hatten all unsere Vorräte aufgebraucht und brachen daher mit leerem Magen und leeren Taschen auf. Irgendwo in diesem Ort musste es doch jemanden geben, den man nach etwas zum Essen fragen konnte! Doch die Sache war nicht so einfach. Insgesamt trafen wir nur zwei Familien an und beide erzählten zwar lange Geschichten auf Griechich, machten aber keine Anstallten, uns irgendetwas zur Verfüfung zu stellen. Das Einzige, was letztlich einen Erfolg brachte war, dass Heiko neben dem Haus der ersten Kandidaten wartete, bis ich den Rest der Ortes durchsucht hatte. Dabei schaute er immer wieder hungrig zum Haus herüber und knabberte hin und wieder an einem Löwenzahnstängel. Am Anfang blieb der Mann auf seiner Terrasse hart, doch irgendwann musste er vor seinem schlechten Gewissen kapitulieren und brachte uns zwei Äpfel und etwas Brot. Das war zumindest schonmal ein Anfang.
Wie schon einige Male zuvor zeigte sich auch heute, dass Griechenland vor allem ein Land des Zulassens und Vertrauens war, wenn man hier durchkommen wollte. Mit aktivem Handeln biss man oft auf Granit und dann fanden einen die Dinge von selbst, die man brauchte. Heute geschah dies in Form unseres Gastgebers, der plötzlich mit seinem Auto neben uns hielt. Er und sein Sohn stiegen aus und wollten sich noch einmal von uns verabschieden, uns eine gute Reise wünschen und uns ein kleines Lunchpaket mit aus den Weg geben. Mehrmals entschuldigte sich der Mann für die Unannehmlichkeiten mit der Polizei. Es war ihm sichtlich peinlich und unangenehm, dass sie uns so überfallen hatten. Von ihm erfuhren wir auch, wer sie uns auf den Hals gehezt hatte. Wir versicherten ihm, dass es kein Problem sei und dass er sich keine Gedanken machen müsse, aber die Scham für seine Nachbarn war so groß, dass wir nichts daran ändern konnten.
Eine gute halbe Stunde später kam er dann gleich noch ein weiteres Mal vorbei. Dieses Mal waren sie zu dritt und sie hatten eine Kamera dabei, denn der Sohn wollte unbedingt noch ein Foto mit uns machen. Dafür bekamen wir dann auch gleich noch eine Tüte mit Essen. Langsam waren wir richtig gut ausgestattet für die Wanderung. Als wir dann kurze Zeit später auch noch von einem Restaurant zu einem Salat mit Brot, Pommes und gebackenem Schafskäse eingeladen wurden, entwickelte sich der Tag zu einem regelrechten Schlemmertag.
Kurz überlegten wir, ob wir vielleicht gleich in dem Ort bleiben sollten, an dem wir zu Mittag aßen, doch dann entschieden wir uns doch für die Weiterreise. Kaum waren die Häuser außer Sichtweite, bereuten wir unsere Entscheidung auch schon. Wieder begann es zu regnen und wieder wurde es ein heftiger Schauer. Langsam konnten wir uns diese Wassermassen nicht mehr erklären. Es hatte nun fast vier Tage lang Tag und Nacht durchgeregnet. Wo kam nur all dieses Wasser her? Irgendwann musste es doch einmal aufgebraucht sein, oder nicht?

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Unser Zielort lag oben an einem Berghang und machte zunächst auch nicht den Eindruck, als könnten wir hier in irgendeiner Weise Erfolg haben. Dann aber kamen wir an eine Bar, in der ein junger Mann arbeitete, der Englisch sprach. Er übersetze für uns und kurze Zeit später stand fest, dass wir einen großen Festsaal unter der Bar zur Verfügung gestellt bekommen würden. Erst gab es aber noch ein zweites Mittagessen.
Der Saal war groß genug, so dass wir all unsere Sachen zum Trocknen auslegen konnten. Doch noch bevor wir damit fertig waren, bekamen wir schon wieder Besuch von der Polizei. Dieses Mal war er von unseren Gastgebern vorsorglich organisiert worden. Sie hatten den Beamten Bescheid gegeben, dass sie unsere Personalien aufnehmen und uns registrieren sollten, damit die Sache offiziell wurde. Sie wussten, dass die Chance viel zu groß war, dass sich sonst wieder einer der Anwohner über die Fremdlinge beschweren würde.

Spruch des Tages: Vorsicht, Skorpione!

Höhenmeter: 210 m
Tagesetappe: 23 km
Gesamtstrecke: 14.716,27 km
Wetter: sonnig und heiß
Etappenziel: zum Multifunktionssahl umbegaute ehemalige Schule, 50100 Xirolimni, Griechenland

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About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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