Tag 360: Weihnachtsgans und Stopfleber (Teil 2)

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Tag 360: Weihnachtsgans und Stopfleber (Teil 2)

Tag 360: Weihnachtsgans und Stopfleber (Teil 2)

 Fortsetzung von Tag 360:

Wenn das Rohr aus ihren Hälsen herausgezogen wurde, dann liegen viele der Gänse hechelnd auf dem Boden. Dass sie nicht sterben liegt vor allem an der überaus hohen Menge an Antibiotika, die sie verabreicht bekommen. Dennoch ist die Sterberate in den Stopfmastbetrieben gut zweimal höher als in anderen Mastbetrieben. Und die Gänse, die überleben sehen aus, als würden sie sich den Tod sehnlichst herbeiwünschen.

Die Prozedur des Druckbetankens müssen die Tiere 2 bis 3 mal am Tag über sich ergehen lassen. Wenn sie es einmal erlebt haben, wissen sie bereits was auf sie zukommt. Angsterfüllt versuchen sie ihrem Schicksal zu entkommen. Trotz der enormen Enge in ihrem Käfig schaffen es einige, sich umzudrehen und versuchen ihre Hälse zu verstecken, doch sie haben keine Chance. Sie können nirgendwo hin und die Arbeiter wissen, wie sie ihre Opfer wieder in die richtige Position bringen. Gänse sind extrem Stressanfällig und vertragen keine Schockmomente oder Panikanfälle. Auch dies ist ein Grund, warum sie noch mehr mit Antibiotika voll gepumpt werden müssen. Nach wenigen Tagen schwillt die Leber bereits so stark an, dass sie auf die anderen Organe drückt. Die Tiere haben permanente Schmerzen, sie können nicht mehr richtig Atmen und ihr Herz wird in seiner Leistung eingeschränkt. Viele von ihnen hecheln, röcheln, bekommen Nervenzuckungen und andere Störverhalten.

Zwei Wochen dauert die Stopfmast. Dann sind die Tiere schlachtreif. Das bedeutet im Klartext. Ihre Leber ist durch die permanente Überbeanspruchung mit dem Übermaß an Nahrung, die für die Vögel kaum verwertbar ist so überlastet, dass sie auf das zehnfache angeschwollen ist. Die Gänse sind nun kurz davor zu sterben, doch der Schlachter kommt ihnen zuvor. Auf einem Biohof lebt eine Schlachtgans in der Regel zwischen 6 und 7 Monte. Auch das ist schon kurz verglichen mit dem Alter das eine Gans normalerweise erreicht. Doch hier in der Stopfmast ist das qualvolle Leben bereits nach 11 Wochen vorbei. Es sind also nicht einmal drei Monate.

Die Gänse werden aus ihren Folterzellen geholt und kommen nun in den Todestrakt in Form von kleinen Drahtkisten in denen sie in den Schlachthof transportiert werden. Je nach Hof werden sie hier entweder gleich getötet oder erst mit dem Kopf in einen Elektroschocker gesteckt. Der Stromschlag ist jedoch keineswegs eine Erleichterung für die Tiere, sondern nur für den Schlachter, denn er reicht zwar aus um sie zu lähmen, so dass sie sich nicht mehr bewegen können, macht sie aber nicht bewusstlos. Sie fühlen, sehen und spüren also alles was nun im Anschluss geschieht. Bei vollem Bewusstsein werden sie nun kopfüber in einen Trichter gesteckt, der sie komplett fest hält und aus dem nur noch oben die Beine und unten das letzte Stück des Halses herausschaut. Diese Trichter befinden sich an einem Drehrondell, so dass man viele Gänse gleichzeitig darin unterbringen kann. Dann kommt ein Arbeiter mit einem Messer dreht das Rondell und schlitzt einem nach dem anderen die Kehle auf. Die Wände sind blutverschmiert und blutbespritzt denn das Blut schießt aus den Hälsen wie aus einer Fontaine. Es läuft ihnen aus der Wunde am Hals und aus den Nasenöffnungen am Schnabel. Oftmals zucken die Gänse dabei als ständen sie unter Strom und spritzen dadurch das Blut in alle Richtungen. Schließlich werden die Bewegungen kleiner und schwächer. Der Kopf sinkt herunter und erschlafft. Mit dem Blut tropft auch der Mageninhalt aus den Vögeln heraus. Er sieht noch genauso aus wie vor der Stopffütterung. Die letzte Druckbefüllung konnte also nicht mehr verdaut werden.

Der Nächste Arbeiter kommt und hängt die sterbenden Tiere mit den Füßen an eine Art Drahtbügel, die sich in einem Fließband befinden. Mit dieser Schwebebahnt fahren sie nun über eine Wanne hinweg, die das letzte Blut auffängt. Bei den letzten Opfern ist Wanne fast bis zum Rand mit Blut und Nahrungsbrei gefüllt. Die Vögel zucken hier noch immer und ihre Schnäbel schleifen durch das Blut aus ihrer eigenen Kehle und der ihrer Kameraden. Dann geht es weiter in ein Bad mit kochend heißem Wasser, damit sich die Federn besser lösen. Einige von ihnen sind auch dabei noch immer am Leben.

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Die abgekochten Gänseleichen kommen nun zum Rupfen, denn es wird in der Regel nicht nur die Leber der Tiere verwendet. Ihre Daunen landen später in unseren Deckbetten, Kopfkissen, Schlafsäcken und Winterjacken. Doch auf die Produktion von Daunen werden wir später noch etwas genauer eingehen. Zunächst möchte ich einmal bei dem Schlachtprozess der Gänse bleiben. Den nackten Tieren wird nun zunächst die Leber entnommen. Dafür wird ihnen der Bauch quer von rechts nach links aufgeschnitten und der untere Teil wird heruntergedrückt. Fast der gesamte Bauchraum ist von der Leber ausgefüllt. Alle anderen Organe wurden auf die Seite gedrückt. Sie konnten also nicht mehr richtig versorgt werden und funktionierten auch nicht mehr einwandfrei. Die Leber ist fast weiß, manchmal leicht ockerfarben und hat mit einer gesunden Leber nichts mehr zu tun. Sie sieht nun so aus, wie die Leber, die wir bei dem französischen Mezger gesehen haben.

Es stimmt also!

Die Leber sieht nicht nur aus, als wäre sie von einem kranken Tier, sie ist es wirklich. Denn was ist der Grund für die enorme Vergrößerung? Es ist ein Überlebensmechanismus der Gans. Es ist der verzweifelte Versuch, das Übermaß an Nahrung und an Giftstoffen abzubauen, das täglich in den Körper gepumpt wird. Die Leber ist eines der Hauptentgiftungsorgane und wenn sie überfordert ist, dann lagern sich in ihr alle Toxine ab. Sie muss die Nahrung so schnell verwerten, dass der Körper haufenweise neue Zellen produziert um die Arbeit ableisten zu können. Die Gans stirbt am Ende am Leberversagen oder sie würde es zumindest, wenn sie nicht zuvor geschlachtet wird. Das Tier liegt also bereits im Sterben.

Na dann Guten Appetit!

Das Ganze gilt übrigens nicht nur für Gänse. Entenstopfleber wird nach exakt dem gleichen Verfahren hergestellt und die Enten leiden unter der Fressfolter ebenso wie ihre größeren Verwandten.

Doch selbst ihr zu den Menschen gehört, die keine Stopfleber essen und die zuvor vielleicht noch nicht einmal davon gehört haben, dann heißt das nicht zwangsläufig, dass ihr nicht trotzdem unwissentlich zu ihrer Qual beitragt. Denn die Brust und die Keule der gestopften Gänse werden genau wie ihre Daunen bei uns ebenfalls verkauft. Nach der Entnahme der Leber werden die Vögel feinsäuberlich zerteilt und landen neben denen aus anderen Mastbetrieben in den Kühlregalen unserer Supermärkte.

Doch gibt es wirklich kein Gesetz, das diese Tierquälerei verbietet?

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Es ist wie mit vielen Dingen in diesem Bereichen. Natürlich gibt es Gesetze, doch die sind eigentlich nur dafür da, damit die Menschen beruhigt sind und fleißig weiter Einkaufen, ohne sich Gedanken zu machen. Denn in Deutschland ist es per Gesetz zwar verborten, einen Stopfmastbetrieb zu führen, Stopfleber und andere Teile von gestopften Tieren zu verkaufen ist jedoch legal.

Fragt euch einmal warum!

Wie kann es sein, dass ich als Gesetzgeber eine Sache als Grausamkeit anerkenne, sie jedoch nur soweit verbiete, dass sie nicht mehr offensichtlich vor meiner Haustür ausgeführt wird? Das klingt absolut paradox, doch die Stopfleberproduktion ist nur eines von unglaublich vielen Beispielen für derartige Rechtslagen.

Auf der Ebene der EU-Regierung sieht es ähnlich aus. Generell ist die Stopfleberproduktion zwar verboten, doch es steht den Ländern frei, Sondergenehmigungen zu beantragen, damit sie sie dennoch durchführen können. Dafür muss man lediglich angeben, dass die Stopfleber eine alte und wertvolle Tradition ist, auf die ein Volk nicht verzichten kann. Beispielsweise deshalb, weil die krankhaft vergrößerte Leber einfach seit Jahrzehnten zum Fest der Liebe auf den Weihnachtstisch gehört. Böse Zungen könnten an dieser Stelle sagen, dass dies auch noch einmal zeigt, wie viel Göttlichkeit in unserem Fest noch steckt. Um eine EU Sonderregelung zu bekommen verpflichtet man sich als Land lediglich zu folgendem:

„Länder, die die Herstellung von Entenstopfleber erlauben, sollen die Forschung über die Tierschutzaspekte und über alternative Methoden, die ohne Stopfen auskommen fördern.“

Mit anderen Worten: Die Formulierungen sind bewusst so schwammig, dass niemand zu irgendetwas verpflichtet wird. Kontrollen gibt es nicht und im Endeffekt scheren sich die Betriebe daher einen feuchten Gänsedreck darum. Genauso gut könnte man einem psychopathischen Massenmörder ein Messer in die Hand geben und ihn dazu verpflichten, beim Töten herauszufinden, ob es nicht auch andere Methoden gäbe, mit seiner Tötungswut umzugehen, die vielleicht keine Menschenleben kostet oder ob es nicht zumindest humane Methoden des Mordens gibt.

So kann man in Frankreich, Spanien und Ungarn ganz legal eine solche Tierquälerei durchführen. Allein in Ungarn fristen mehr als 3 Millionen Gänse und Enten ihr trauriges Dasein in den Stopfmastfarmen. Auch Israel ist ein Land in dem gerne und viel Stopfleber produziert und vertilgt wird. Dabei sind die Zustände in den Stopfmastbetrieben sogar meist noch deutlich schlechter als in den Europäischen. Denn so grausam die Prozedur auch ist, die Betriebe, die wir beschrieben haben gelten als vorbildlich geführt! Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie weit die Leidensskala noch nach oben gehen kann.

Ein Bericht über einen Mastbetrieb in Israel zeigte improvisierte Stallungen in denen die Gänse zu panisch Massen herumliefen. Für die Mast wurden sie von den Arbeitern geschnappt und zwischen ihren Knien eingeklemmt. Dann wird ihnen das Rohr schnell in den Hals gestopft. Wie auch in den anderen Betrieben schießt nun das Futter direkt in ihren Magen. Während die eine Gans den Schlauch noch im Schnabel hat wird die nächste schon zwischen den Knien des Fütterers eingeklemmt. Es ist eine Massenabfertigung sondergleichen. Die Vögel stecken ihre Hälse weit aus dem Gitter nach draußen in der Hoffnung, dass sie sich so vor der Qual retten können. Doch der Fütterer packt sie uns zieht sie zurück. Verfüttert wird ein flüssiger Nahrungsbrei, der in handelsüblichen Betonmischern angerührt wird. In dem Brei kann alles sein, meist sind es Nahrungsreste wie Spagetti oder andere Küchenabfälle. Die Gänse bekommen Krämpfe und Zuckungen davon, der Speichel läuft ihnen aus dem Schnabel und sie gehen fast zugrunde. Im heiligen Land geht es also bei weitem nicht heiliger zu.

Ein Verbot, das Fleisch oder die Lebern aus diesen Farmen in Länder zu verkaufen, in denen die Produktion illegal ist, gibt es nicht. Damit sind die Tore für alle Möglichkeiten offen. Der Verbraucher hat nahezu keine Chance herauszufinden, ob seine Weihnachtsgans so gequält wurde oder nicht. Es sei denn, er kauft direkt beim Bauern um die Ecke. Sobald man jedoch in den Supermarkt geht kann man davon ausgehen, das man vergiftetes Fleisch von Tieren bekommt, die unter Qualen gelebt haben. Die einzige Wahl die man hier hat ist die, zu entscheiden, wie viel Gift und wie viel Leid im Fleisch stecken soll. Selbst beim Biobauern kann man sich fast darauf verlassen, das es keine artgerechte Nahrung für die Tiere gibt. Es gibt Weizen und Roggen, also ebenfalls hochgezüchtetes Getreide, das nicht gesund ist und dem die meisten Mineralien fehlen. Diese werden dann oft über künstliche Nahrungsergänzungsmittel hinzugegeben. Soviel also zur Natur. Eine wirkliche Lösung kann also auch dies nicht sein, doch es ist zumindest schon einmal um ein vielfaches besser, als das, was die Gänse in den Stopfmastbetrieben erleben müssen.

Doch wie kann man im Supermarkt erkennen, ob eine Gans aus einer Stopfmast stammt oder nicht?

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Jede Gans, die abgepackt im Kühlregal eines Supermarktes landet, hat einen kleinen Aufkleber oder Stempel, einen sogenannten Hygienestempel. Er besteht aus einem ovalen Kreis mit drei Zeilen von Zeichen in der Mitte. Die Buchstaben in der ersten Zeile geben das Land an, aus dem das Tier stammt. Wer hier bereits darauf achtet, kein Produkt mit F für Frankreich, E für Spanien oder HU für Ungarn zu erwischen ist in Sachen Stopfleber bereits auf der sicheren Seite. Die Zahlen darunter sind die Kennziffern für den Produktionsbetrieb. Hier gibt es im Internet Listen mit den Betrieben, so dass man erkennen kann, ob es sich um einen Stopfmastbetrieb handelt oder nicht. Wer es noch einfacher haben will, kann sich hier sogar eine App fürs Handy runterladen: http://www.vier-pfoten.at/service/tierschutz-app/herkunft-von-gaense-und-entenfleisch/

Spruch: Wie viel Leid kannst du schlucken?

Höhenmeter: 290 m

Tagesetappe: 26 km

Gesamtstrecke: 6698,37 km

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About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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