Tag 1100: Die verschwundene Sitzmatte

von Heiko Gärtner
23.01.2017 01:39 Uhr

04.01.2016

Wie unglaublich schön es doch in der Natur ist! So sehr wie heute ist uns dies schon lange nicht mehr aufgefallen, denn meistens waren wir entweder in schönen, natürlichen Regionen, oder in bebauten, verstädterten, in denen wir schnell vergaßen, dass es so etwas wie Natur überhaupt gab.

Heute wanderten wir jedoch die meiste Zeit durch das flache, menschenleere Hügelland und kamen dann kurzzeitig in eine Stadt. Sie war nicht besonders groß und die vielen kleinen Lädchen in der historischen Altstadt waren sogar sehr hübsch, aber man spürte doch sofort, dass man sich hier einfach nicht wohlfühlte. Alles war laut, bunt, hektisch und irgendwie aufgesetzt. Es wirkte surreal, so als wären wir auf einem Maskenball, nur das keiner der Gäste wusste, dass er eine Maske trug. Irritierender Weise gab es hier zum ersten Mal seit Tagen wieder die Möglichkeit, wirklich an Nahrung zu kommen.

Wie konnte es sein, dass es in keinem der Orte hier auch nur eine Bäckerei oder einen Minimarkt gab, während sich hier alles an Einkaufsmöglichkeiten ballten? Das einzige, das es wirklich in jedem Dorf gab, waren Friseure. Und dies teilweise sogar vier oder fünf Stück in einer Ortschaft mit 100 Einwohnern. Irgendwie war dieses Land hier schon auch etwas komisch.Nachdem wir die Stadt verlassen hatten fiel uns auf, dass Heikos Sitzmatte verschwunden war. Ich lief noch einmal fast bis ins Zentrum zurück, konnte sie aber nirgends entdecken. Nach dem aktuellen Stand gibt es nur drei Möglichkeiten, wo sie abgeblieben sein könnte. Wir haben sie gleich heute morgen bei der Abreise liegen gelassen, sie ist uns durch den starken Wind irgendwann auf dem Weg vom Wagen herunter geweht oder sie wurde uns in der Stadt von irgendjemandem entwendet. Was davon stimmt und was nicht kann ich nicht sagen.

Auch heute dauerte es wieder eine Weile, bis wir einen Schlafplatz auftreiben konnten. Am Ende bekamen wir dann aber eine kleine Einzimmerwohnung für uns alleine, die nur einen kleinen Haken hatte. Aus irgendeinem Grund war man auf die Idee gekommen, einen Lüfter mitten in den einzigen Raum zu bauen, der zu rauschen begann, sobald die Temperatur im Raum höher war als außerhalb.

Selbst wenn man den gesamten Strom abschaltete ließ sich das Brummen nicht stoppen. Erst als wir den Lüftungsdeckel komplett mit Klopapier ausstopften wurde es so leise, dass man nicht mehr gestört wurde als von den üblichen surrenden Leuchtstoffröhren oder dem obligatorischen Brummkühlschrank. Wie man auf die Idee kommen konnte, eine normale Mietwohnung mit einem solchen Gerät unbewohnbar zu machen blieb uns ein Rätsel.

Spruch des Tages: Auf Wiedersehen Sitzmatte! Du hast uns gute Dienste geleistet und wir hoffen, dass es dir gut geht, wo immer du auch bist!

Höhenmeter: 160 m Tagesetappe: 25 km Gesamtstrecke: 20.124,27 km Wetter: kalt aber sonnig Etappenziel: leerstehendes Apartment der Gemeinde, 30190 Saint-Chaptes, Frankreich

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Heiko Gärtner
Heiko Gärtner ist Wildnismentor, Extremjournalist, Survivalexperte, Weltreisender und einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Antlitz- und Körperdiagnostik. Nachdem er einige Jahre als Agenturleiter und Verkaufstrainer bei einer großen Versicherungsagentur gearbeitet hat, gab er diesen Job auf, um seiner wahren Berufung zu folgen. Er wurde Nationalparkranger, Berg- und Höhlenretter, arbeitete in einer Greifenwarte und gründete schließlich seine eigene Survival- und Wildnisschule. Seit 2014 wandert er zu Fuß um die Welt und verfasste dabei mehrere Bücher.

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