Tag 1181: Begeisterung steckt an!

von Heiko Gärtner
08.05.2017 15:33 Uhr

25.03. 2017 Zu unserem Glück wurde es eine trockene Nacht und wir konnten unser Zelt am nächsten Morgen ohne zusätzliche Kilo an Wasser wieder einpacken. Der Tag wurde sonnig und einigermaßen warm, dazu aber auch extrem windig. Dies und die Tatsache, dass wir gestern außer zum Wandern zu überhaupt nichts gekommen waren, veranlasste uns heute, relativ zeitig nach einem Platz zu suchen.

Zumindest fürs Erste schienen sich die Wogen des Verwirrungsfilmes wieder geglättet zu haben, denn gleich die erste Bürgermeisterin, die wir antrafen, begegnete uns freundlich und hilfsbereit. Einen Festsaal konnte sie uns dennoch nicht anbieten, da dieser für eine Party belegt war. Dieses Mal stimmte es jedoch wirklich und war nicht nur eine Ausrede, denn draußen fanden schon die ersten Vorbereitungen statt. Auch war die Bürgermeisterin bemüht, uns eine Alternative aufzuzeigen und wurde damit sogar fündig. Ihr Amtskollege aus dem Nachbarort hatte mit seiner Frau gemeinsam ein großes Haus und war bereit, uns für eine Nacht aufzunehmen. Es war nicht ganz das, was wir uns eigentlich erhofft hatten, da der Ort nicht auf unserem Weg lag und wir ja etwas vorsichtig waren, was Privateinladungen anbelangte, aber es entpuppte sich dennoch als gute Option. Unsere Gastgeber waren eher zurückhaltende und wortkarge Menschen, die kein Interesse an ausschweifenden Unterhaltungen hatten. Außerdem waren sie einen Großteil des Nachmittags außer Haus und so hatten wir viel Zeit für uns, um einiges von gestern nachzuholen. Dennoch stellten wir am Abend fest, dass wir nicht so gut vorangekommen waren, wie wir es uns eigentlich gewünscht hätten. Irgendetwas hatte uns trotzdem wieder Zeit geraubt, auch wenn wir noch nicht genau verstanden wir und wodurch.

26.03.2017

Wieder einmal sollte sich zeigen, dass gerade der Sonntag, an dem es durch die äußeren Gegebenheiten immer am schwierigsten sein müsste, einen Platz zu finden, am besten klappte. Alles hatte geschlossen und es gab wenig Möglichkeiten, irgendwo jemanden anzutreffen, der einem einen Platz zu Verfügung stellen konnte. Und doch passierte heute alles fast wie von selbst.

Kaum hatten wir unser Tagesetappenziel erreicht, wurden wir von einem älteren Herren angesprochen, der absolut begeistert davon war, einen Mönch anzutreffen. Er lud uns ein, in der Bäckerei gegenüber einiges an Brot und Teigwaren für uns zu besorgen und wollte uns dann den Weg zum Bürgermeister zeigen und ihn von unserer Reise überzeugen. Dazu kam es aber nicht, denn der Mann war so begeistern von dem was wir machten, dass sich diese Begeisterung auch auf alle anderen Anwesenden übertrug. Sofort bildete sich eine Traube um uns herum und alle Kunden des Bäckers vergaßen, dass sie eigentlich Brot kaufen wollten und hörten stattdessen unseren Geschichten zu. Darunter war auch eine ältere Dame, die uns gleich einen Schlafplatz anbot. Sie hatte zwar selbst keine Räume, die sie uns geben konnte, betreute aber das Gästehaus einer reichen Pariser Familie hier im Ort. „Die haben sicher nichts dagegen, wenn ihr eine Nacht dort bleibt!“ meinte sie, „vor allem auch deshalb, weil sie es niemals erfahren werden.“

„Super!“ rief der Mann, der das Gespräch begonnen hatte, „das ist eine fabelhafte Lösung! Denn unser Bürgermeister ist Kommunist und dazu ein mürrischer Brummbär. Ich bin mir unsicher, ob er auch nur zugehört hätte, also ist das sicher die bessere Lösung!“

Da die Dame das Gästehaus erst noch reinigen und von den Spuren der letzten Gäste befreien musste, verabredeten wir uns für den späteren Nachmittag mit ihr. Bis dahin konnten wir bei einer anderen Familie im Wintergarten arbeiten, wurden mit Essen und Getränken versorgt und konnten an einem windgeschützten Platz die Frühlingssonne genießen.

Spruch des Tages: Begeisterung steckt an

Höhenmeter: 30 m

Tagesetappe: 15 km

Gesamtstrecke: 21.663,27 km

Wetter: Sonnig und relativ warm

Etappenziel: Private Gästehaus, 27400 Montaure, Frankreich

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Heiko Gärtner
Heiko Gärtner ist Wildnismentor, Extremjournalist, Survivalexperte, Weltreisender und einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Antlitz- und Körperdiagnostik. Nachdem er einige Jahre als Agenturleiter und Verkaufstrainer bei einer großen Versicherungsagentur gearbeitet hat, gab er diesen Job auf, um seiner wahren Berufung zu folgen. Er wurde Nationalparkranger, Berg- und Höhlenretter, arbeitete in einer Greifenwarte und gründete schließlich seine eigene Survival- und Wildnisschule. Seit 2014 wandert er zu Fuß um die Welt und verfasste dabei mehrere Bücher.

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