Tag 1250: Aus Fehlern lernen

von Heiko Gärtner
03.10.2017 19:05 Uhr

Eigentlich waren es die Symbole für archäologische Sehenswürdigkeiten und und Ausgrabungsstätten auf unserer Karte, die uns in dieses Gebiet lockten, doch letztlich waren sie nicht das interessante, das es hier zu sehen gab. Mitten auf dem Weg lag eine große Parkanlage mit lauter alten Stelen, Türmen, Säulen und Ruinen darin, die gerade auf eines der größten Events vorbereitet wurde, das es hier zu sehen gab. Es war rein Reitturnier der Highsociety und dementsprechend nobel wurde es auch aufgebaut. Überall auf den Wiesen standen nun Hindernisse, die mal mehr mal weniger halsbrecherisch wirkten, dabei aber immer top-durchdesignt und boten einiges fürs Auge.

Einige Reiterinnen trabten an uns vorbei und schauten interessiert in unsere Richtung. Ehe sie uns zu nahe kamen, drehten sie jedoch unvermittelt ab und ritten in eine andere Richtung weiter. Erst als genug Abstand herrschte, blickten sie wieder zurück. Man merkte ihnen deutlich an, dass sie zwar aus reichem Hause stammten, sich darin aber eingesperrt fühlten wie in einem Käfig. Jetzt, da sie zu Zweit mit ihren Pferden unterwegs waren, hätten sie ja eigentlich zumindest für einen winzigen Moment ausbrechen und ihrem eigenen Interesse nachgehen können, doch das taten sie nicht, da ihnen ihre Eltern gefühlstechnisch so tief in Nacken saßen, dass sie nicht einmal mehr den Kopf drehen konnten.

Das zweite, das uns hier an diesem Ort interessierte, waren die Pferdewagen, die eine interessante Mischung aus Pferdetransporter und Wohnmobil waren. Sie hatten bereits eine Größe, die wir uns als unterste Benchmark für unser späteres Begleitfahrzeug vorstellen konnten, wenngleich sie für drei Personen noch immer etwas zu klein waren. Aber sie halfen ordentlich dabei, in dieser Richtung ein deutlicheres Gefühl und mehr Klarheit zu bekommen.

Übernachten konnten wir heute in einer einsamen, verlassenen Kirche am Dorfrand, wo wir weitgehend ungestört blieben. Dabei nutzten wir die Gelegenheit, noch einmal Shanias und meine Seelenverstöße und Sanktionen auszutesten. Shania lag bei einem mittleren, ich bei 250.000 überwiegend starken. Zunächst war mir nicht ganz klar, wie diese zustande gekommen waren, doch bei der darauf folgenden Sanktion wurde es relativ klar und deutlich. Ich weiß nicht warum und oft auch nicht wie ich es mache, aber ich kämpfe stets zu rund 80-90% gegen mich selbst und bin permanent damit beschäftigt, mir mein leben so schwer wie möglich zu gestalten.

Meine Aufgabe bestand darin, die Kontaktjonglagekugel für 30 Sekunden auf meinem dritten Auge zu balancieren. An sich keine große Sache und mit ein bisschen Konzentration, Körpergefühl und Balance wäre es in einer halben Minute erledigt gewesen. In meinem Fall jedoch zeigte es mir deutlich die Faktoren, die mich gerade vom Vorankommen abhalten.

Da war zunächst der sofortige Frust, nachdem es zwei Mal hintereinander nicht hatte klappen wollen. Zwei Versuche gab ich mir, dann spürte ich, wie in mir Wut und Verzweiflung aufkamen. Die gleichen Gefühle, die auch immer da sind, wenn ich glaube, mich niemals wandeln zu können, weil ich wieder und wieder die gleichen Fehler mache. Ich schaue nicht nach, welche Fehler es sind, so dass ich sie ausbessern kann, sondern schäme mich nur dafür, überhaupt etwas falsch zu machen und will sofort frustriert aufgeben. Da ich diese Wut aber nicht rauslassen kann, sondern in mir herum trage, sinkt zugleich meine Konzentration rapide ab und ich verzettel mich immer weiter.

Der Grund, warum ich dabei immer auf der Stelle trete und nichts lernen kann, ist meine Angst vor dem Versagen und davor, Fehler zu machen. Deswegen gehe ich immer den gleichen Weg, den ich bereits kenne. Ich weiß, dass er weder effektiv noch praktisch ist, aber die Angst bei einem neuen Weg zu scheitern ist so groß, dass ich ihn dennoch gehe. Auf dem alten Weg dauert es vielleicht 40 Stunden um etwas zu erreichen, das ich mit einem neuen weg in 30 Sekunden erreichen könnte. Doch dazu müsste ich das Risiko eingehen, einen Fehler zu machen, weil der neue Weg noch ungewohnt ist. Und hier steht mir meine Angst im Weg.

Wieder geht es also zunächst einmal darum, mir einzugestehen, dass ich dumm bin, definitiv Fehler machen werde und in jedem Fall lernen muss. Sobald ich auch nur einen Fehler mache, habe ich das Gefühl, nichts mehr wert zu sein. Dies macht es mir natürlich extrem schwierig, mit verschiedenen Ansätzen herumzuexperimentieren und herauszufinden, was klappt uns war nicht. Die Angst vor den Fehlern nimmt mir jede Freude daran und lässt mich sofort weinerlich, zickig und verzweifelt werden, sobald irgendwo auch nur eine kleinen Herausforderung auftaucht, die ich nicht sofort lösen kann.

Man lernt jedoch durch das Try-and-Error-Prinzip und dieses nehme ich mir vollkommen weg, weil ich keine Fehler machen will und mich wenn ich sie doch mache, so dafür schöme, dass ich sie nicht betrachten will. Wenn etwas nicht auf Anhieb klappt, schließe ich den Weg aus und will einen anderen finden. Ich glaube lernen zu wollen, will aber in Wirklichkeit könne,n ohne je gelernt zu haben.

Auch dieses Muster basiert wieder auf einem Film, der mir in der Schulzeit gezeigt wurde. Alle anderen mussten lernen, während ich die Dinge, die verlangt wurden, einfach konnte. Das, was ich jedoch nicht konnte, wie Rechschreibung und Zeitmanagement, würde ich eh nicht lernen, weshalb ich hier stets nach Lösungen suche, mit denen ich mich einfach durchschmugeln konnte. Auch heute ist dieses Muster noch fet in meinem Unterbewusstsein verankert und steht mir noch immer genauo im Wege wie zuvor. Hier gilt es nun, irgendwie die Kuh vom Eis zu bringen und neue Wege auszuprobieren, um dieses Problem zu lösen.

Spruch des Tages: Aus Fehlern wird man nur schlau, wenn man sie sich eingestehen kann und wenn man sie als positiven Teil des Lebens betrachtet.

Höhenmeter: 280 m

Tagesetappe: 15 km

Gesamtstrecke: 22.874,27 km

Wetter: überwiegend sonnig

Etappenziel: Kirche, Northhallerton, England

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Heiko Gärtner
Heiko Gärtner ist Wildnismentor, Extremjournalist, Survivalexperte, Weltreisender und einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Antlitz- und Körperdiagnostik. Nachdem er einige Jahre als Agenturleiter und Verkaufstrainer bei einer großen Versicherungsagentur gearbeitet hat, gab er diesen Job auf, um seiner wahren Berufung zu folgen. Er wurde Nationalparkranger, Berg- und Höhlenretter, arbeitete in einer Greifenwarte und gründete schließlich seine eigene Survival- und Wildnisschule. Seit 2014 wandert er zu Fuß um die Welt und verfasste dabei mehrere Bücher.

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