Tag 1259: Der höchste Pub von England

Heiko Gärtner
20.10.2017 05:29 Uhr

17.06.2017

Offenbar gestaltet sich die Umstellung zum Polyphasischen Schlafen doch schwieriger als gedacht, denn heute habe ich gleich das erste Mal vollkommen verschlafen. So kann sich der Körper natürlich nicht umgewöhnen! Dass mich dieses Problem noch lange begleiten sollte und das wesentlich mehr dahinter steckt, als ich zu diesem Zeitpunkt vermutete, würde ich erst einige Zeit später herausfinden.

Fürs erste musste ich die Situation zunächst einmal so akzeptieren wie sie war, denn nun lag eine ordentliche Poweretappe vor uns. Außer einem kleinen Pup, der sich damit rühmte, der höchste in ganz England zu sein, lag für die nächsten 35km nichts vor uns auf der Strecke. Außer natürlich ein gewaltiger Anstieg, denn wie sonst hätte der Pub es so weit nach oben schaffen sollen?

Belebte Einsamkeit

Irritierender Weise herrschte auf dem kleinen Sträßchen ins Nirgendwo trotzem ein reger Verkehr. Es war schönes Wetter und da Laufen hier nicht gerade zu den Volkssportarten zählte machten viele Einheimische offenbar eine spazierfahrt. Und dabei war besagter Pub ein beliebtes Reiseziel.

Vor allem weil der Asphalt wieder einmal in einem saumäßigen Zustand war und jedes Auto dreimal so laut ertönen ließ, wie es notwendig gewesen wäre, war dies sehr bedauerlich. Wie schaffte man es nur, in einem so hochzivilisierten Land einen Straßenbelag von so schlechter Qualität zu erzeugen? Wir hatten heute im Sonnenschein vielleicht 17-19°C und auf dem Asphalt vielleicht das Doppelte. Trotzdem begann er an einigen Stellen bereits zu schmelzen, wodurch Einkerbungen, und Risse entstanden, die den eh schon ledierten Belag noch weiter zerstörten.

Einsame Wildnis

Früher einmal musste diese Gegend eine beeindruckende Wildnis voller Wälder und unzähliger Tiere gewesen sein. Heute waren jedoch nur noch kahle Wiesen und Hänge übrig, da man jeden einzelnen Baum gerodet hatte. Den Tieren gefiel das nicht ganz so, dem Wind hingegen umso mehr. Dennoch hatten wir heute auch einige großartige Tierbegegnungen, denn die kargen Hügel zogen verschiedene Vögel an, darunter auch ein paar seltene Arten wie den großen Brachvogel, sowie ein sonderbares Kerlchen, das wir bis zum Schluss nicht identifizieren konnten.

Nach rund 35 Kilometern erreichten wir das erste Dorf, in dem wir zum Glück gleich und große Diskussion einen Platz in einem Kirchensaal bekamen.

Spruch des Tages: Auch Abgeschiedenheit ist hier kein Garant dafür, dass man ungestört bleibt.

Höhenmeter: 130 m Tagesetappe: 15 km Gesamtstrecke: 23.020,27 km Wetter: bewölkt und schwül-warm Etappenziel: Kirche, Gamrew, England

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Heiko Gärtner
Heiko Gärtner ist Wildnismentor, Extremjournalist, Survivalexperte, Weltreisender und einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Antlitz- und Körperdiagnostik. Nachdem er einige Jahre als Agenturleiter und Verkaufstrainer bei einer großen Versicherungsagentur gearbeitet hat, gab er diesen Job auf, um seiner wahren Berufung zu folgen. Er wurde Nationalparkranger, Berg- und Höhlenretter, arbeitete in einer Greifenwarte und gründete schließlich seine eigene Survival- und Wildnisschule. Seit 2014 wandert er zu Fuß um die Welt und verfasste dabei mehrere Bücher.

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