Tag 1384 bis 1386: Chinon - Geheimtipp für Individualurlauber in Frankreich

von Heiko Gärtner
15.03.2018 07:58 Uhr

24.09.2017

Wenn man an die Top-Urlaubsregionen in Frankreich denkt, dann wird der Stadtname Chinon bei den meisten Menschen wohl kaum auf der Liste auftauchen. Auch wir müssen zugeben, dass wir von diesem Ort noch nie etwas gehört haben, bis wir plötzlich mitten in seiner Altstadt standen. Dabei hätte er einen internationalen Ruf als touristische Sehenswürdigkeit durchaus verdient!

Die kleine Stadt mit rund 10.000 Einwohnern liegt am Ufer der Vienne im Herzen von Frankreich und wird von Weinbergen und urigen Wäldern gesäumt. Das besondere ist, dass sie direkt in die Klippen gebaut wurde und somit mehr oder minder auf mehreren Etagen existiert.

Ganz oben, hoch über den Häusern trotzt eine mittelalterliche Sandsteinburg, in der man bis heute die alten Königsgemächer besichtigen kann. Einziger Haken an dem ansonsten durchaus beeindruckenden Rundgang ist, dass die Einrichtung der Burg entfernt und gegen moderne Kunst ersetzt wurde, die leider keinen Hauch einer Burgatmosphäre mehr erzeugen kann. Anders ist es jedoch im Burghof, in dem noch immer die alten Kriegsmaschinen wie Trebuchets, Katapulte und Kanonen ausgestellt werden.

Leben wie die Höhlenmenschen

Weitaus interessanter als die Burg selbst sind jedoch die Höhlen, die ein Stockwerk tiefer in den Fels geschlagen wurden. Heute sind sie leider größtenteils verfallen und werden von den Jugendlichen der Stadt als Party- und Abhängplätze sowie für Graffitti-Übungen missbraucht. Doch man kann sie zum Teil noch immer besichtigen und dabei ihre einstige Größe erahnen. Früher waren es einmal richtige Häuser, die hier zum Teil in die Felsen hineingeschlagen und zum Teil davor gemauert wurden. Man kann sogar noch die alten Kamine erkennen und im inneren die Zimmeraufteilung. Teilweise sind auch noch Fußböden und andere Wohnelemente erhalten.

Sowohl von den Höhlen, als auch von de Festung aus hat man einen absolut einzigartigen Blick über den Fluss, die Weinberge und die angrenzenden Wälder

Auch die Altstadt ist definitiv sehenswert. Schade ist hier nur, dass ähnlich wie bei den Höhlen ein relativ großer Teil der Häuser dem Verfall überlassen wurde. Viele der prunkvollen Gebäude sind unbewohnt und der Sandstein bröckelt wo er nur kann. Doch auf seine spezielle Art und Weise macht genau dies wohl auch den Charme der Altstadt aus.

Übernachten in Chinon

Übernachtungsmöglichkeiten in Form von Pensionen und Hotels gibt es viele, aber da diese bereits recht gut belegt waren, versuchten wir unser Glück wieder bei der Kirche, wo man ja bereit über unser Kommen Bescheid wusste. Trotz der Größe der Stadt und der Menge an kirchlichen Gebäuden, die es hier durchaus gab, hatte der Hauptpfarrer keine Idee, wo er uns unterbringen sollte. Stattdessen meldete sich ein junger Mann, der ehrenamtlich in der Kirche arbeitete und der einen bei weitem tieferen Glauben hatte, als der Pfarrer selbst. Er lebte in einer winzigen Wohnung und hatte noch nicht einmal seine Umzugskartons ausgepackt. Dennoch zögerte er keine Sekunde, uns aufzunehmen und da er ein überaus ruhiger und zuvorkommender Zeitgenosse war, konnten wir seine Einladung annehmen, ohne dass wir uns in den kleinen Räumlichkeiten auf die Nerven gingen. Für ihn war unser Besuch das beste, das ihm hatte passieren können, denn so schaffte er es nun endlich doch noch seine Wohnung aufzuräumen und es sich zumindest ein bisschen wohnlich zu gestalten.

Spruch des Tages: Die schönsten Orte findet man stets da, wo man es am wenigsten vermutet.

Höhenmeter 150m / 190m / 310m

Tagesetappe:  12km + 16km + 17km

Gesamtstrecke: 26.087,27km

Wetter: herbstlich, regnerisch, kalt

Etappenziel 1: Rathaussaal, Duesme, Frankreich

Etappenziel 2: Gästemmer in privatem Chateau, Moitron, Frankreich

Etappenziel 3: Gemeinderaum der Stadt, Poinson-Les-Grancey, Frankreich

Heiko Gärtner
Heiko Gärtner ist Wildnismentor, Extremjournalist, Survivalexperte, Weltreisender und einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Antlitz- und Körperdiagnostik. Nachdem er einige Jahre als Agenturleiter und Verkaufstrainer bei einer großen Versicherungsagentur gearbeitet hat, gab er diesen Job auf, um seiner wahren Berufung zu folgen. Er wurde Nationalparkranger, Berg- und Höhlenretter, arbeitete in einer Greifenwarte und gründete schließlich seine eigene Survival- und Wildnisschule. Seit 2014 wandert er zu Fuß um die Welt und verfasste dabei mehrere Bücher.

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