Tag 210: Verrückter Wind

von Franz Bujor
30.07.2014 22:55 Uhr

 Grimaldo bestand wirklich aus nichts weiter als einer einzigen Straße mit rund zwanzig Häusern. Für unser Abendessen wurden wir in das einzige Restaurant des Ortes eingeladen. Die Leiterin des Restaurants Asador de Grimaldo war eine ganz liebe Frau, die sofort auf unsere Bitte einging, uns keine Weizen- und Zuckerprodukte zu geben. Wir bekamen einen leckeren Salat und ein Gericht aus Zucchini und Rührei, das wir noch nie gegessen hatten, das aber ebenfalls sehr lecker war.

Auf der heutigen Wanderung änderte sich die Landschaft allmählich. Die Steppe wurde grüner, es kamen mehr Bäume hinzu und die ersten grünen Felder tauchten auf. Am späten Nachmittag hatte die Umgebung fast nichts mehr mit der gemein, in der wir am Morgen gestartet waren. Es wirkte fast ein wenig wie in Deutschland oder Frankreich. Wir waren umgeben von Mais- und Paprikafeldern und von Agrarflächen mit anderen Pflanzen, die wir aber nicht kannten.

Am meisten faszinierte uns jedoch der Wind. Er war am Vormittag wieder so stark, dass er richtig unangenehm war. Wir mussten die ganze Zeit gegen ihn anlaufen und er rauschte so laut in den Ohren, dass wir uns kaum unterhalten konnten. Es fühlte sich an, als wären wir direkt am Meer. Selbst am Camino del Norte, wo wir ja wirklich am Meer waren, war der Wind nicht so heftig und vor allem nicht so kontinuierlich gewesen. Es wirkte fast wie ein Unwetter, das auf uns zu kam, doch es blieb immer gleich. Keine Wolke, kein Regen, keine Kälte. Nur der permanente Wind, wie ein heißer Föhn der auf Dauerbetrieb gestellt war.

Und dann war der Spuk plötzlich vorbei! Um Punkt zwölf, als die Sonne ihren höchsten Stand erreicht hatte, hörte der Wind von einer Minute auf die andere auf. Von nun an wehte kein Lüftchen mehr und es wirkte fast, als hätte dieses Land noch nie Wind abbekommen. Von jetzt an wurde es heiß. Sehr heiß, denn nun gab es nichts mehr, dass die Sonne bremsen konnte. Wir durchquerten einige Solarkraftwerke, die mit dem vielsagenden Schild: 2 Megawatt markiert waren. Auf den ersten Blick wirkte das viel, doch um es wirklich einschätzen zu können, hätte man einen Zeitraum dazuschreiben müssen. 2MW pro Stunde? Pro Tag? Pro Monat? Pro Jahr? Oder vielleicht in der ganzen Zeit die man ihm an Lebenserwartung zuspricht? Wie kommt es, das solche Informationen weggelassen werden? Wenn es werbewirksam wäre, dann hätte man es bestimmt getan.

Der Weg war auch heute wieder ein gutes Stück länger als in unserem Plan angekündigt. Als wir Galisteo erreichten waren wir erschöpft und durchgeschwitzt. Wenn wir hier keine Unterkunft finden würden, würde es ein wirklich harter Tag werden. Zunächst sah es nicht gut aus. Die Herberge hatte geschlossen und das einzige Hostal im Ort war bereits voll. Etwas außerhalb des Ortes gab es jedoch noch ein weiteres Hotel und dort sagte man uns nach einigem Zögern zu. Das Hotel Medina Ghaliayah ist ein schönes Etablissement mit freundlichen und einladenden Zimmern.

Als wir unsere Wagen auf die Rückseite des Hauses brachten, um sie in der Garage unterzustellen, viel uns auf, wie hart das Überleben in dieser Region auch für ein Hotel sein musste. Das ganze Haus wurde klimatisiert und wenn man Gäste anziehen wollte, dann musste man das auch beibehalten. Die Kosten dafür mussten enorm sein, doch die Gegend ist so dünn besiedelt und so unbekannt, dass sich nur selten jemand hier her verirrt. Man braucht also ein dickes Fell, wenn man hier nicht untergehen will.

Beim Checken unserer e-Mails sind wir dann auf das folgende Video gestoßen, das uns sehr beeindruckt hat. Wenn das kein Grund ist, um die Welt zu wandern...

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Spruch des Tages: The anwere is blowing in the wind! (Bob Dylan)

Höhenmeter: 160 m

Tagesetappe: 25 km

Gesamtstrecke: 4154,97 km

Franz Bujor
Franz Bujor ist Wandermönch, Web-Nomade und Autor. Nach einem Studium in Kulturwissenschaften, bei dem er unter anderem bei einem Maya-Volk in Guatemala gelebt und in einem Kinderheim in Serbien gearbeitet hat, war er zunächst als Erlebnispädagoge und Wildnismentor tätig. 2014 ließ er sein bürgerliches Leben hinter sich und reist seither zu Fuß und ohne Geld um die Welt. Neben seinem eigenen Entwicklungsweg schreibt Franz besonders gerne über geschichtliche und gesellschaftliche Themen.

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