Tag 220: Beim Fußdoktor

von Franz Bujor
09.08.2014 18:33 Uhr

Auf den ersten Blick wirkte unser Schlafplatz recht ausgefallen, mit der großen Kletterwand am Fußende und den vielen Sportartikeln, die überall verstreut lagen. Doch als wir nach dem Abendessen im Dunkeln heimkehrten stellten wir fest, dass er noch einige Überraschungen für uns parat hielt. Wir waren nicht allein!

Zur Begrüßung flog uns eine Fledermaus um die Ohren, die sich die große Halle als Heimat auserkoren hatte. Noch wussten wir nicht, dass sie hier nicht nur geschützt und ruhig sondern auch wie in einem wahren Schlaraffenland lebte.

Es dauerte eine Weile, bis wir den Lichtschalter fanden, doch dann bemerkten wir, wem diese Halle wirklich gehörte. Auf dem Boden saß ein Käfer. Er war groß und Braun und ich freute mich irgendwie ihn zu sehen. Dann jedoch entdeckte ich einen zweiten und kurz darauf einen dritten. Heiko hatte gerade die Kletterwand für sich entdeckt und hatte unsere Mitbewohner noch nicht bemerkt. Auf dem Weg zu ihm sah ich noch vier oder fünf weitere.

„Das sind nicht einfach Käfer“, sagte Heiko, als wir uns gemeinsam über ein besonders großes Exemplar beugten, „das sind Kakerlaken!“

Wir schauten uns etwas genauer in der Halle um und bemerkten, dass wir uns in einer wahren Kakerlakenkolonie befanden. An sich hatten wir nichts gegen Krabbelkäfer, aber das war dann doch ein bisschen viel. Wir beschlossen in den Vorraum umzuziehen und im Nachhinein muss ich sagen, dass dies eine wirklich gute Idee war. Als ich meine Schuhe hochhob rannten gleich 9 oder 10 Kakerlaken in alle Himmelsrichtungen davon, die sich darunter versteckt hatten. Beim Anheben unserer Gurte waren es mehr als 20 und nicht wenige davon krabbelten über meine Füße. Entsetzt sprang ich zur Seite. Oh mein Gott! Wie ekelhaft war das denn! Ich bekam eine Gänsehaut und musste mich angewidert schüttelt. Ich hatte normalerweise keine Angst vor Insekten und Spinnen oder dergleichen, aber das war gerade zu viel für mich! So schnell ich konnte sammelte ich die restlichen Sachen zusammen und verließ die Halle.

Heiko begegnete den Tieren auf eine etwas andere Art. Er zückte seine Kamera und machte sich auf die Suche nach einem geeigneten Fotomodell. Doch nicht nur die Kakerlaken waren heute Nacht unsere Mitbewohner. Im Vorraum begegneten wir einer Gottesanbeterin, die sich stolz auf Heikos Hut oben auf dem Wagen aufbaute. Doch von ihrer Sorte gab es nur eine und damit war sie als Mitbewohnerin akzeptiert. Auch die Kakerlaken waren nun wieder Ok, wo sie als Nachbarn hinter der verschlossenen Tür herumkrabbelten.

In der Nacht wälzte ich mich hin und her, als hätte ich sämtliche Küchenschaben aus der Halle nebenan im Bauch. Heiko erzählte mir am Morgen, dass ich ihn zwei Mal versehentlich in der Nacht geschlagen hatte. Er sah das jedoch recht entspannt.

Zwei Träume aus dieser Nacht sind mir in Erinnerung geblieben. Im ersten hatte ich mich mit Heiko an einem Strand befunden, wo wir unser Nachtlager aufschlugen. In der Nacht wurden wir dann von der Flut überrascht, die den Sand aufweichte, so dass all unsere Sachen darin einsanken. Verzweifelt versuchte ich die Wagen aus dem Dreck zu ziehen, doch ich merkte, dass ich gegen Windmühlen kämpfte. Sobald ich irgendetwas gerettet hatte, versank es sofort wieder im Sand. Schon bald hatte ich den Überblick verloren und konnte einiges überhaupt nicht mehr finden. Trotzdem gab ich nicht auf und versuchte verzweifelt und krampfhaft an allem Festzuhalten.

„Fallen dir dazu Parallelen zu deinem Leben ein?“ fragte Heiko am Morgen, als ich ihm von diesem Traum erzählte.

Ich überlege einen Moment, stand aber etwas auf dem Schlauch.

„Kann es sein, dass du ein Problem damit hast, etwas loszulassen?“ fragte er mit einem verschmitzten Lächeln.

„Du meinst mein Messi-Verhalten von gestern?“ antwortete ich und dachte einen Moment darüber nach. „Ja“ sagte ich dann, „das fällt mir extrem schwer! Das war auch die Angst aus dem Traum. Ich hatte Angst etwas zu verlieren, und habe versucht, krampfhaft daran festzuhalten.“

„Ich glaube“, antwortete Heiko, „dass du dir zu Gestern noch einige Fragen stellen kannst. Da stecken viele Lehren für dich drin. Vor allem die Sache mit dem Loslassen und mit dem Schaffen von einem System und einer Struktur in deinem Leben.“

Der zweite Traum ging in eine ähnliche Richtung. Ich war wieder mit dem Wagen unterwegs, diesmal jedoch allein. Meine Eltern und meine Schwester wollten mich mit dem Auto abholen. Papa hatte einen großen Bus, mit einer Rampe an der Heckklappe, über die ich den Wagen hineinfahren sollte. Es war eigentlich keine schwere Sache aber irgendwie verzettelte ich mich dabei und bekam es nicht richtig hin. Mein Vater merkte es jedoch nicht und startete den Bus um loszufahren. Der Pilgerwagen hing bereits in der Heckklappe und wurde nun vom Auto mitgeschliffen. „Stopp! Ich bin noch nicht soweit! Halt! Wartet!“ Ich schrie mir die Seele aus dem Leib, aber mein Vater konnte mich nicht hören. Er fuhr immer schneller und musste dabei durch schmale Gassen mit engen Kurven, so dass mein Pilgerwagen gegen die Wände geschleudert wurde und nach und nach immer mehr kaputt ging. Dann wachte ich auf!

„Auch hier kommen mir viele Dinge bekannt vor!“ sagte ich nachdem ich den Traum zu Ende erzählt hatte. „Das Verdaddeln und Vertrödeln von wichtigen Dingen, durch dass ich mich dann in schwierige Situationen bringe. Und wieder war auch das Gefühl mit dem Loslassen dabei.“

„Ich glaube, dass du im Moment ziemlich stark deinem alten Leben hinterhertrauerst. Du willst einen Schritt in eine neue Lebensphase machen, kannst die alte aber nicht loslassen. Ich kenne das gut. Ich habe dafür 2 Jahre gebraucht in denen ich ständig darum getrauert habe, dass es nie wieder so sein würde wie früher. Die Trauerphase ist wichtig, denn es war ja zuvor nicht alles schlecht. Ich hatte viele großartige Highlights, bin für die größte Party meines Lebens bis nach Thailand geflogen, habe Spontantrips nach Berlin gemacht, nur weil dort gerade ein DJ aufgelegt hat, der mit taugte und vieles dergleichen mehr. Es war eine Zeit in der ich viel kaputt gemacht habe aber es waren auch viele Momente dabei die ich nicht missen möchte. Klar hatten sie nichts mit meiner eigentlichen Lebensaufgabe zu tun, aber sie waren wichtig für meine Entwicklung. Und ja, wenn ich damals weiter gewesen wäre, hätte ich vieles vielleicht ganz anders erleben können, aber es war so, wie es eben war. Doch irgendwann kommt die Zeit, in der man sich entscheiden muss, ob man im alten bleiben oder in einen neuen Lebenszyklus eintreten will. Entwicklung bedeutet auch, altes loslassen zu können und zu wissen, dass es nie wieder kommen wird. Du hast dich entschieden, dich auf eine Reise zu deiner eigenen Entwicklung zu begeben, aber du kannst das alte noch nicht loslassen und so lange du das nicht schaffst, kann auch nichts Neues auf dich zukommen!“

Es stimmte! In mir war seit ein paar Tagen wirklich eine tiefe Trauer, die ich nicht zuordnen konnte und jetzt wo er das sagte, fühlte es sich wie ein Treffer ins Schwarze an. In der letzten Zeit habe ich die Dinge viel zu sehr als Schwarz-Weiß gesehen. Ich wollte den Sprung in eine neue Lebensphase schaffen, hatte aber Angst, das alte zu verlieren. Es war, als würde ich von einer Klippe springen, von der ich weiß, das unten das Meer der Möglichkeiten auf mich wartet und mich sanft auffangen wird. Doch durch meine Angst greife ich im letzten Moment nach einer Liane, die mich vor dem Sturz retten soll und statt im Wasser zu landen klatsche ich so gegen die harte Felswand. Dann hänge ich verkrampft an diesem Strohhalm der Unsicherheit fest und werde zum Spielball der Winde, die mich überall hinschleudern nur nicht dorthin, wo ich hinwill. Oben zu bleiben und im alten System zu verharren wäre ok gewesen. Es hätte bedeutet, dass ich mich für ein Leben in alten Mustern und ohne Entwicklung entscheide, doch ich hätte mich mit Highlights soweit ablenken können, dass ich es vielleicht nicht gemerkt hätte. Zu springen und in die neue Lebensphase einzutauchen wäre natürlich besser gewesen, doch hier herum zu baumeln und nicht zu wissen wo ich hingehöre, kann auf Dauer keine Lösung sein. Der Sprung kann bedeuten, dass ich wirklich alles alte verliere. Meine Freunde, meine Eltern, meine Familie, die alten Treffen, vieles von dem, was mir spaß gemacht hat. Natürlich macht das Angst und in mir ist viel Trauer über die schönen Zeiten und die guten Momente bei meiner Familie und meinen Freunden. Vielleicht kam es in letzter Zeit so rüber, als würde ich alles als schlecht empfinden, das ich in meiner Kindheit und in meiner Jugend erlebt habe. Das ist natürlich nicht der Fall. Vieles davon war großartig und ich möchte diese Erinnerungen auf keinen Fall vergessen. Ich bin auch meinen Eltern unendlich dankbar für alles, was sie mir ermöglicht und was sie für mich getan haben, für die vielen Momente der Freude, der Leichtigkeit, des Lachens, des Gemeinschaftsgefühls und des Nach-Hause-Kommens. Nichts ist nur gut oder nur schlecht und ich weiß, dass sie jederzeit nur das Beste für mich wollten. Das jedoch ändert nichts daran, dass es viele fesselnde Verhaltensmuster gab, von denen ich mich nun lösen muss. Ich merke gerade, dass es für mich eine große Lektion ist, zu lernen, dass ich mir meine Fehler eingestehen kann, ohne mich deshalb gleich wie ein Versager zu fühlen. In jeder Familie dieser Erde gibt es Strukturen, die einen im Leben weiterbringen und andere, die einen aufhalten und krank machen. Die eigenen kommen einem dabei natürlich immer am schlimmsten vor. Zumindest ging es mir so und geht es vielleicht auch noch immer.

Je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr fiel mir auf, dass sich das Nicht-Loslassen-Können wirklich auf alle Lebensbereiche ersteckte. Es begann bei Visitenkarten von Hotels und angerissenen Schnürsenkeln, die man vielleicht noch einmal brauchen konnte, ersteckte sich über alte Verhaltensmuster, über Gefühle und Gedankenkonzepte und reichte bis zu Beziehungen, die eigentlich längst keine Beziehungen mehr waren.

„Du bist ein Gefühlsmessi!“ fasste Heiko, die Erkenntnis mit einem Lächeln kurz und bündig zusammen. „Ich glaube du kannst von deinem Wagen wirklich viel lernen, denn ein Messiverhalten kannst du dir auf einer Reise nicht erlauben. Alles, was du dir an Ballast mitnimmst, musst du tragen und wenn du nicht willst, dass dein Wagen oder dein Rücken irgendwann zusammenbricht, dann musst du lernen auszusortieren. Das gleiche gilt auch für deine Gefühle, deine Beziehungen und so weiter.“

Das verstanden zu haben fühlte sich gut an und immer mehr hatte ich das Gefühl wirklich loslassen zu können. Man selbst zu sein und zu 100% zu sich zu stehen bedeutete auch, hinnehmen zu können, wenn einen die ganze Welt für verrückt hielt. Bislang hatte ich davor Angst, aber langsam fühlt es sich so an, als könnte ich die Finger um die Liane etwas lockern und mich Stück für Stück in das Vertrauen in mich selbst und das Universum fallen lassen.

Das Universum jedenfalls stellte seine Vertrauenswürdigkeit schon sehr schnell unter Beweis. Nach einer Fußschon-Etappe von etwa 9km erreichten wir Mancera de Abajo, was für heute unser Tagesziel werden sollte. Auf der Straße trafen wir einen Mann, der mit drei Kindern und einer jungen Frau spazieren ging. Ich fragte ihn nach einer Möglichkeit zum Übernachten und er führte mich zum Haus des Pfarrers. Dieser war jedoch gerade dabei die Samstagsmesse abzuhalten und so kam es, dass uns der freundliche, ältere Herr zum Frühstück einlud. In Spanien war uns dies das letzte Mal auf dem Weg nach Santiago passiert, als wir von der kleinen Nonne eingeladen wurden. Er hatte großes Verständnis dafür, dass wir weder Brot noch Zucker und seit gestern auch kein Schweinefleisch mehr essen wollten und schenkte uns stattdessen Obst, zwei Spiegeleier und je einen Tee. Warum wir auf Schweinefleisch verzichten, muss ich euch ein andermal erklären, denn so ganz weiß ich es selbst noch nicht.

Unser Gastgeber lebte normalerweise in Salamanca, kam aber im Sommer oft für die Ferien hierher. Es war ein großes Haus mit einem geräumigen und farbenprächtigen Innenhof in dem auch ein anständiges Planschbecken stand. Außer ihm wohnten hier zurzeit seine Frau, seine Mutter und vier seiner fünf Kinder mit den dazugehörigen Familien. Der älteste Sohn hatte selbst wiederum fünf Kinder und ein sechstes, das sich gerade erst ankündigte. Während wir im Innenhof unter dem Sonnensegel saßen, spielte einer der Enkel Monopoly gegen sich selbst. Er spielte mit so einer Hingabe und Seelenruhe, dass wir wirklich beeindruckt waren. Nach jedem Spielzug krabbelte er unter dem Tisch hindurch und spielte für die Gegenpartei. „Ich bin der Gelbe!“ erklärte er uns, „aber im Moment sieht es nicht besonders gut für mich aus!“

Seine Schwester spielte mit einem kleinen Putzeimer und einem Mini-Wischmob und erklärte uns, dass wir den frisch geputzten Boden neben dem Tisch wegen der Rutschgefahr nicht betreten durften. Es dauerte nicht lange und Heiko und sie waren wie Pech und Schwefel. Die kleine erzählte Heiko alle möglichen Geheimnisse auf Spanisch und er konnte guten Gewissens versprechen, dass er sie nicht ausplauderte, da er kein Wort verstand. Doch trotzdem die beiden keine gemeinsame Sprache hatten, verstanden sie sich über Mimik und Grimassen so gut, als hätten sie sich nie anders unterhalten.

Der Mann erzählte uns dass er und seine Familie versuchten, ihre Nahrung so gut es ging von Kleinbauern und anderen Quellen bezogen, denen sie vertrauten. Von Lebensmitteln aus dem Supermarkt hielt er wenig. Er erzählte uns auch, dass es den Menschen hier durchaus bewusst war, dass in Spanien Krankheiten wie Diabetes deutlich öfter vorkamen als in anderen Ländern. Nur verstand fast keiner woran das lag. Früher hatte fast jeder in den kleinen Ortschaften eigene Felder und eigene Tiere für den Fleisch- und Ei-Bedarf. Heute gab es das kaum noch. Er bedauerte sehr, dass die kleinen Dörfer immer mehr ausstarben. Die jungen zogen in die Städte und vergaßen was es bedeutete, autark zu leben. Die alten wurden älter und starben nach und nach. Seit der Wirtschaftskriese gab es jedoch einige Jugendliche, die wieder aufs Land zurückkehrten, um hier kleine Ökohöfe aufzubauen und sich selbst zu versorgen. Es waren wenige, aber es war ein Anfang.

Ob es sich bei den riesigen Weizenfeldern um trockenheitsresistentes Gengetreide handelte wusste er nicht sicher. Er vermutete es jedoch stark. „Das Problem ist“, sagte er, „dass nicht einmal die Bauern mehr wirklich wissen, was sie da eigentlich anbauen. Das Saatgut kommt von überall her und keiner kann mehr irgendetwas überprüfen. Mit dem Mehl ist es genauso. Unser Mehl von hier wird nach überall auf der Welt exportiert und wir bekommen es von überall wieder zurück. Eine Kontrolle ist da unmöglich. Wir haben deswegen damit begonnen unser Mehl von einem Bekannten zu kaufen. Sie kaufen es frisch und als Vollkornmehl und backen ihr Brot daraus selbst.

Im Laufe des Gesprächs kamen wir auf das Thema Lateinamerika, zum einen, weil ich von meiner Zeit in Guatemala erzählte und zum anderen weil er selbst ebenfalls viel durch Chile und Peru gereist ist. Einer seiner Söhne lebt außerdem in Peru, was erklärt, warum er heute nicht hier ist. Unser Gastgeber erzählte uns, dass es zur Zeit eine allarmierende Entwicklung in El Salvador gibt, von der ich bei meiner Reise damals noch nichts mitbekommen hatte. Bereits 50% der Bevölkerung leiden so stark an den Folgeerscheinungen einer akuten Mangelernährung, dass ihr Nervensystem dadurch bereits geschädigt wurde. Die Folgen sind unter anderem eine akute Verminderung des Denkvermögens. Die Regierung kennt das Problem, unternimmt aber nichts dagegen, weil sie es als zu nützlich betrachtet. „Wenn man den Menschen, die unter der Einschränkung leiden, einen Wahlzettel in die Hand drückt und ihnen sagt wo sie ein Kreuz machen müssen, dann werden sie ihr Kreuz genau dort machen!“ erklärte er uns. Für die Bevölkerung war der Zustand die reinste Hölle, für die Regierung jedoch war es das Paradies.

Nach dem Essen durften wir noch die Dusche benutzen und anschließend bekamen wir sogar noch eine Fußtherapie. Unser Gastgeber war früher Marathonläufer gewesen und kannte sich daher mit Fußproblemen aller Art aus. Er verarztete unsere Blasen und machte sich dann mit einem Skalpell an unsere verdickte Hornhaut, die dazu führte, dass die Schuhe überall drückten. Kein anderer Ort und kein anderer Zeitpunkt hätte besser sein können für ein solches Geschenk als hier und heute.

Schließlich war es an der Zeit, den Pfarrer aufzusuchen und ihn um einen Schlafplatz zu bitten. Als wir das Haus verließen stieg er gerade aus seinem Auto am anderen Ende der Straße. Er begegnete uns dezent freundlich, behauptete jedoch, keine freien Räume für uns zu haben. Dafür gab er uns aber 30€ für ein Hotelzimmer in Peñarada. Damit hatten wir unser Kehrpaket also schon fast wieder drin.

Unser Gastgeber hatte uns gesagt, dass wir zu ihm zurückkommen sollten, falls der Pfarrer uns abweisen würde. Jetzt, da es soweit war, lud er uns sogar noch für die Nacht ein. Wir konnten unsere Wagen in der Garage unterstellen, hatten einen Platz, an dem wir nahezu ungestört arbeiten konnten und durften mit der ganzen Familie zu Mittag essen. Alles in allem waren wir 18 Personen und trotzdem war es entspannt und locker. Nach unseren bisherigen Erfahrungen in Spanien hätten wir das kaum für möglich gehalten. Besonders die älteste Tochter machte sich ausgiebig über das Verhalten des Pfarrers lustig, der in ihren Augen ein ziemlicher Depp war.

Spruch des Tages: Wage den Sprung ins Urvertrauen

 

Höhenmeter: 30 m

Tagesetappe: 9 km

Gesamtstrecke: 4372,97 km

Franz Bujor
Franz Bujor ist Wandermönch, Web-Nomade und Autor. Nach einem Studium in Kulturwissenschaften, bei dem er unter anderem bei einem Maya-Volk in Guatemala gelebt und in einem Kinderheim in Serbien gearbeitet hat, war er zunächst als Erlebnispädagoge und Wildnismentor tätig. 2014 ließ er sein bürgerliches Leben hinter sich und reist seither zu Fuß und ohne Geld um die Welt. Neben seinem eigenen Entwicklungsweg schreibt Franz besonders gerne über geschichtliche und gesellschaftliche Themen.

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