Tag 253: 5000km!

von Heiko Gärtner
11.09.2014 17:08 Uhr

Heute haben wir es geschafft! Die 5000-Kilometer-Marke ist erreicht! Damit sind wir nun länger unterwegs als wir es uns selbst vorstellen konnten. Als wir vor rund 80m unsere ersten 50km beieinander hatten, wirkte eine so große Distanz schier unerreichbar. Doch Stück für Stück haben wir sie nun zurückgelegt, ohne es groß zu merken. Man reist keine 5000km. Man geht jeden Tag ein bisschen spazieren und an einigen Tagen auch mal etwas länger und irgendwann schaut man dann auf den Tacho und sieht eine wirklich große Zahl.

Wie schön also, dass dieser große Tag auch der Tag ist, an dem wir die Stadt mit unseren neuen Päckchen erreichten. Wir durften also schon wieder Bescherung feiern! Dafür erst einmal ein fettes Danke an Paulina und Kai, die uns die Pakete zugeschickt haben! Danke Paulina, für den Nasenhaarrasierer, mit dem sich Heiko nun seinen Riechkolben wieder pflegen kann. Bislang musste ich die Aufgabe immer mit einer Schere übernehmen, was weder für Heiko noch für mich besonders angenehm war. Es ist einfach kein gutes Gefühl, jemandem mit einem spitzen, scharfen Gegenstand in der Nase herumzubohren. Und es ist ein noch weniger angenehmes Gefühl, wenn einem jemand mit einem spitzen Gegenstand in der Nase herumbohrt. Jetzt haben wir für den Urwald in Heikos Nase eine deutlich elegantere Lösung und zu Not kann man sie sogar zum Stutzen der Augenbrauen nutzen.

Danke auch für das Lederband, mit dem ich mir nun das Amulett umhängen kann, das Heiko mir zum Geburtstag geschenkt hat. Und natürlich vielen Dank für den Cayennepfeffer! Er kommt genau rechtzeitig, denn gestern ist uns unser Chilipulver ausgegangen.

Danke an Kai für das Paket mit den neuen Mänteln und mit den mega geilen Nüsschen, die Würstchen und das Studentenfutter! Darauf hatten wir schon lange einmal wieder Bock!

Und zu guter Letzt ein riesiges Danke an Schwalbe für die Rettung vor unzähligen Stunden des Plattenreparierens in der prallen Sonne, des Flickens am Abend und des ständigen Reifenwechsels. Jetzt sind wir endlich wieder frei und können ohne Angst auch mal durch die Pampa fahren. Dornen: Jetzt habt ihr verspielt! Vielen, vielen Dank dafür!

Wo wir gerade dabei sind: Auch noch einmal vielen Dank an Jeannine Ropcke für die Spende!

A pro pro Dankbarkeit: Gestern haben wir uns in unserem Dankbarkeitsritual dem Wasser zugewandt, das uns mit seinen vielfältigen Formen und Aggregatszuständen das Leben auf der Erde überhaupt erst ermöglicht. Alle unsere Stoffwechselprozesse finden auf Wasserbasis statt und gleichzeitig können wir das Wasser auf so viele verschiedene Weisen nutzen. Denkt nur einmal ans Schwimmen, Tauchen und Duschen oder ans Bootfahren, ans Segeln und Rudern, ans Kochen, Trinken, an das Wachstum der Pflanzen und an so vieles mehr. Ist es nicht ein Wunder, das ausgerechnet Wasser der einzig bekannte Stoff ist, der größer wird, wenn er fest wird? Ohne diese Eigenschaft wären so viele Dinge, die für uns vollkommen normal sind, absolut undenkbar! Darrel hat damals bei einem unserer Treffen gesagt: „Wasser, in seiner reinsten Form, ist bedingungslose Liebe!“ Wenn man bedenkt, dass Wasser Informationen abspeichern kann und dass die Meere der Ursprungs allen Lebens auf der Erde sind, dann fällt es leicht zu glauben, dass dieser Satz der Wahrheit entspricht.

Heute richteten wir den Blick auf die vielen coolen Ereignisse in unseren eigenen Leben, für die wir dankbar sind. Dabei kam einiges zusammen und es würde ewig dauern, jetzt alles wiederzugeben. Viele schöne, lustige und verrückte Dinge aus unserer Kindheit und Jugend waren dabei. Die vielen Festivals die Heiko als Jugendlicher Besucht hat, die Partys, die ich ab der 11. Klasse mit meinem besten Freund in dessen Garten organisierte. Wir nahmen uns damals Wochen Zeit um alles zu organisieren und aufzubauen und um den ganzen Garten zu illuminieren. Aber auch viele unserer früheren Reisen waren dabei. Meine erste halbwegs survivalmäßige Tour durch Italien, Heikos Reisen nach Islang, Kanada und Neuseeland, der Roadtrip mit meiner Schwester und zwei Freunden durch Tschechien und vieles mehr.

Besonders präsent waren uns natürlich die Ereignisse des letzten Jahres. Unsere Obdachlosentour, bei der wir zum ersten Mal versuchten vollkommen ohne Geld und Mittel zu leben und zu reisen. Damals lernten wir von dem Menschen auf der Straße, dass Freiheit und Lebensqualität nichts mit Geld zu tun hat und zum ersten Mal festigte sich wirklich unser Urvertrauen. Ohne diese Tour, wären wir niemals aufgebrochen!

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Oder unser erfolgreicher Versuch, als erste uns bekannte Menschen vollkommen Blind die Zugspitze zu besteigen. Es war ein harte aufstieg und wir haben ihn oft verflucht. Doch das Gefühl, oben in der Gipfelhütte anzukommen und vor Freude zu heulen und zu jubeln, war einfach gigantisch!

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Auch heute gab es wieder viel, für das wir dankbar sein konnten. So haben wir rechtzeitig vor Dienstschluss das Postamt erreicht und bekamen anschließend sofort und unkompliziert einen Schlafplatz in einem Nonnenkloster. Sogar den Brief an die Hostingfirma unserer Homepage konnten wir noch abschicken. Hier gab es allerdings eine Sache, die uns extrem verwirrte: Den Brief zu Faxen kostet von Spanien nach Deutschland ganze 9,33€. Für ein Fax!!! 33 Cent hätte ich OK gefunden! Dafür kostet ein Einschreiben jedoch nur 3,30€. Hier hätten wir beide mit deutlich mehr gerechnet. Es ist hier also doch wieder alles anders als man denkt!

Kurz bevor wir die Stadt erreichten, durften wir einen Bauern bei der Mandelernte beobachten. Ich hatte zuvor schon gehört, wie das funktioniert, doch es einmal zu sehen, war wirklich beeindruckend. Der Traktor fährt an den Baum heran, umschließt ihn dann mit einem riesigen, kopfstehenden Regenschirm und schüttelt ihn kurz und kräftig. Die Mandeln fallen herab, werden vom Schirm gefangen und rutschen nach unten in ein Auffangbehältnis. Alles in allem dauert nicht mehr als 15 Sekunden! Der Traktor braucht wirklich länger um von einem Baum zum nächsten zu fahren, als für die Mandelernte selbst.

Spruch des Tages: Krass, 5000km!

 

 

Höhenmeter: 130 m

Tagesetappe: 22 km

Gesamtstrecke: 5020,97 km

Heiko Gärtner
Heiko Gärtner ist Wildnismentor, Extremjournalist, Survivalexperte, Weltreisender und einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Antlitz- und Körperdiagnostik. Nachdem er einige Jahre als Agenturleiter und Verkaufstrainer bei einer großen Versicherungsagentur gearbeitet hat, gab er diesen Job auf, um seiner wahren Berufung zu folgen. Er wurde Nationalparkranger, Berg- und Höhlenretter, arbeitete in einer Greifenwarte und gründete schließlich seine eigene Survival- und Wildnisschule. Seit 2014 wandert er zu Fuß um die Welt und verfasste dabei mehrere Bücher.

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