Tag 410: Warten auf das Jetzt

von Heiko Gärtner
17.02.2015 19:46 Uhr

So kalt wie der Abend wurde auch die Nacht. Wir hatten unsere Wasserflaschen mit heißem Wasser gefüllt, in Socken gesteckt und als Wärmflaschen umfunktioniert. Dann legten wir uns mit dicken Socken, Daunenpuschen, langer Hose und Pullover in unser Schlafsackinlay und mit dem Inlay in den Schlafsack. Oben drüber kam eine dicke Wolldecke und am Ende froren wir noch immer. Das Loch in der Fensterscheibe hatte Heiko zuvor notdürftig mit Pappe gestopft. Doch das zweite Fenster war so undicht, dass die Gardine davor mit jedem Windzug hin und her flatterte.

Das Thema Darma beschäftigte uns noch immer. Wir lagen da, in unseren Schlafsäcken, lauschten den Regentropfen und warteten auf den Schlaf, der eigentlich hätte kommen sollen, um uns zu übermannen. Warten. Warten war eigentlich ein ziemlich komischer Zustand, dachte ich mir. Warten bedeutete in den meisten Fällen nicht zu tun, als darauf zu hoffen, dass irgendein Ereignis, das man in die Zukunft projiziert hat, in die Gegenwart kommt, weil man denkt diese Gegenwart sei dann besser als die jetzige. Der Gedanke war sogar für mich selbst etwas zu lang und zu komplex, um mir wirklich sinnvoll zu erscheinen. Einfacher ausgedrückt hieß warten: Der nächste Moment ist wichtiger als der jetzige. Jetzt habe ich noch nicht was ich will, also muss es mir die Zukunft bringen. Wenn man jedoch bedenkt, dass es gar keine Zukunft gibt, sondern immer nur ein Jetzt und dass das, was wir für Zukunft halten, in Wirklichkeit nur aus Gedanken in unserem Kopf besteht, die wir im Jetzt haben, dann ist warten also eigentlich eine reine Verschwendung von Gegenwart. Dies gilt natürlich vor allem dann, wenn man mit dem Warten verbindet, dass der jetzige Augenblick weniger Wert ist, als der zukünftige. Irgendwann, wird die Erlösung kommen, die dazu führt, dass ich mich Besser fühle als jetzt. In meinem spezifischen Fall war dieses etwas also gerade ein erholsamer, Energie bringender Schlaf. Da sich Heiko neben mir ebenfalls hin und her wälzte und ich nicht wusste, was ich gerade tun sollte, teilte ich im meine Gedanken mit. Er stieg sofort darauf ein.

Weißt du noch“, fragte er, „wenn wir in unseren Seminaren über Selbstfindung, Vertrauen und Leben in der Gegenwart gesprochen hatte, verstanden die Seminarteilnehmer den Zustand des Wartens oft als faules Abwarten auf die Erlösung. Ich hingegen hatte es anders erfahren. Es ging nicht darum einen erlösenden Zustand in der Zukunft zu suchen, sondern viel mehr so präsent in der Gegenwart zu sein, dass man alles was man brauchte im gegenwärtigen Augenblick anzog.“

„Du meinst also, in unserem Fall ist das in diesem Moment gerade eher eine Philosophiestunde, als eine Portion schlaf?“ witzelte ich.

„Schätze schon!“ meinte Heiko, „denn andernfalls wäre der Gedankengang an dieser Stelle wohl beendet und wir würden einfach einschlafen.“

Wenn das so gewesen wäre, dann wäre das nächste was ich euch jetzt erzählen würde, wie wir morgens wieder aufgestanden sind. Keine Angst, dazu komme ich auch noch! Nur Geduld. Glaubt nur nicht, dass der Moment, an dem ich von unserer Weiterreise erzähle besser oder wichtiger wird, als der Moment, in dem ihr nun dies hier lest.

Ich setzte unser Gespräch jedenfalls folgendermaßen fort: „Wenn es doch auf der einen Seite nur den gegenwärtigen Augenblick gibt und es somit keinen Sinn macht zu warten oder eine Verbesserung in der Zukunft zu suchen, wie kann es dann auf der anderen Seite möglich sein, sein Darma zu finden? Braucht man dafür nicht die Zukunft, also einen Moment in dem die Schöpfung sagen würde: ‚Bingo! Da hast du sie?’ Lohnte es sich nicht, auf diesen Moment zu warten?“

„Mir fällt auf“, sagte Heiko, „dass es unterschiedliche Arten von Warten gibt. In den Kursen wurde ich oft gefragt: ‚Soll ich auf ein Wunder oder eine Erleuchtung warten, um mein Darma zu finden?’ Das würde bedeuten, dass es meine Aufgabe wäre, mich hinzusetzen und nichts mehr zu tun, bis sich das Universum alles kümmerte. Es kann sein, dass das hin und wieder funktioniert aber meistens wird das Universum sehr lange auf sich warten lassen. Die andere Form des Wartens ist eine aktive. Auch hier gibt es wieder zwei unterschiedliche Möglichkeiten wie man sie umsetzen kann. Die eine und in unserem Kulturkreis die beliebtere Variante ist die, dem Glück in der Zukunft hinterher zu rennen. Im ersten Moment sieht das nicht unbedingt nach warten aus, weil es mit einer Menge Stress verbunden ist, aber wenn man genau hinschaut, geht es ja darum das Universum zu überreden, den nächsten als wichtiger empfundenen Moment möglichst schnell näherzubringen. Man kann es mit Menschen in einem Wartezimmer in einer Arztpraxis vergleichen. Der erste, passiv wartende Mensch sitzt in einer Ecke, und starrt Löcher in die Luft. Der zweite rennt wie ein aufgezogener Spielzeugleopart im Wartezimmer umher, schaut dauernd auf die Uhr und nervt immer wieder die Sprechstundenhilfe mit Fragen, wie lange es noch dauern wird. Beide warten aber auf die Erlösung durch den Arzt, der ihnen ihrer Meinung nach die Erleuchtung mit Hilfe eines besonderen Medikamentes oder einer Operation einflößen kann. Doch das wird sie nicht an ihr Ziel bringen. Als ich selbst in diesem Wartezimmer auf und ab lief, wurde mir irgendwann etwas klar. Das Darma ist nichts, das man erreichen, finden oder zu dem man gelangen musste. Es ist bereits die ganze Zeit da. Denn auch wenn ich meinen Lebensfluss verlassen habe und mich nun auf dem Weg nach Jericho befinde, bin ich doch gleichzeitig noch immer auf dem Weg zu meiner Lebensmission. Klar, ich laufe in die falsche Richtung, aber trotzdem war der Weg ja nichts anderes als die Strecke zwischen meinem aktuellen Standort und meinem Ziel, egal wo dieser Standort auch war. Wahrlich aktives Warten hat also nichts mit dem hoffen auf ein späteres Ereignis zu tun, sondern bedeutet, sich aktiv nach den Zeichen umzusehen die einem das Leben JETZT schenkt und diese als Wegweiser zu nutzen. Egal wann, wo, wie und warum wir gerade sind, das Leben schenkt uns bereits in diesem Augenblick alles was wir brauchen um unserem Lebensziel ein Stück näher zu kommen. In meinem Wartezimmerbeispiel ist dieses Zeichen aller Wahrscheinlichkeit nach das grüne Schild mit dem Symbol für Notausgang, das meinen beiden unterschiedlichen Patienten sagt, dass sie besser aufgehoben wären, wenn sie rausgehen und ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Doch obwohl dieses Symbol allgemein bekannt und für jeden sichtbar ist, fällt es uns oft schwer, es zu verstehen.“

„Ohja,“ sagte ich, „das kenne ich gut! Die Zeichen sind da, ich muss sie nur wahrnehmen und verstehen!“

„Da wären wir dann wohl wieder beim Training!“ meinte Heiko, „Bei mir kam das auch nicht von Heute auf Morgen. Nur durch das Aufmerksamkeitstraining in meinen Wildnisseminaren war ich bestens darauf vorbereitet, die Zeichen, die mir von der Schöpfung geschickt wurden zu deuten, und als Richtungsweiser für mein Darma zu erkennen. Es geht also nicht darum, sich etwas Zukünftiges herbeizusehnen, oder ihm hinterher zu hetzen, sondern das anzunehmen, was einem die Gegenwart bietet und damit einen Schritt in die richtige Richtung zu machen. Je mehr Ablenkung um uns herum ist, desto schwieriger ist es natürlich, die wichtigen Informationen zu erkennen. Durch die meditativen Aufmerksamkeitsübungen lernte ich, meine innere Stimme besser kennen. Je tiefer die neugeborenen Stille in mir wurde, desto klarer drang die Herzensstimme meines Darmas an die Oberfläche. Je gegenwärtiger wir leben, desto größer sind unsere Chancen, das Universum bewusst wahrzunehmen. Auf diese Weise gelingt es einem, jene Zündungsmomente zu initialisieren, die einem das Gefühl geben, die richtige Richtung gefunden zu haben und in den Fluss des Lebens zurückgekehrt zu sein. Lethargisches rumsitzen in der Hoffnung das irgendjemand kommt, hat nicht das Geringste damit zu tun. Eine der größten Herausforderungen auf dem Weg zur inneren Vision ist es, sanft und flexibel zu bleiben und keinem angstgesteuerten Kontrollzwang zu unterliegen. Laotse sagte: ‚Lass dich vom Leben leben.’ Ich habe mich oft gefragt, was er damit meinte. Es hat nichts damit zu tun, etwas besonderes erleben zu müssen, sondern offen für die Signale der Schöpfung zu sein, und die Chancen und Möglichkeiten die es einem auf dem Weg zum eigenen Darma gibt, dankbar anzunehmen.

Wenn wir anerkennen, dass Krankheitssysteme, Träume, Schicksalsschläge, Begegnungen und ähnliches uns darauf hinweisen wollen, welchen Herzensweg wir gehen sollten, können wir uns auf unserem Lebensweg faktisch nicht mehr verlaufen. Durch die Gesetze der Natur können wir uns mit der Quelle des Lebens zu jederzeit verbinden, wenn wir unserer Herzensstimme zu 100% vertrauen. Die Schöpfungsgeschichte hat für jeden von uns wahren Wohlstand vorgesehen, wenn wir das tun was unser Herz begehrt und der Schöpfung dient. Die wichtigste Botschaft dabei ist, dass wir versuchen müssen, dass sich unser Ego nicht in Lebensentscheidungen mit einmischt. Wir sollten lernen, das wir in unserem ganzem Leben im Urvertrauen sein sollten, um bewusst wahrzunehmen, das alles zu jeder Zeit gut ist und die Schöpfungswege für uns geebnet sind. Wenn wir mit wachen Augen durch die Welt gehen, werden wir erkennen, dass zur Erfüllung unserer Bestimmung alles durch die Anziehungskraft des Göttlichen vorbereitet ist. Aus diesem Grund können wir mit Leichtigkeit unserer Lebensvision folgen, wenn wir dem Schöpfungsplan vertrauen und zweifelsfrei an das göttliche in uns glauben. Der Weg wird erst dann steinig, wenn wir zwanghaft versuchen etwas zu erreichen, was sich außerhalb unserer Lebensvision befindet und das nur unserem eigenen inneren Ego dient. Durch die Kompassnadel unseres Herzmagneten können wir jederzeit erkennen, ob wir vom Lebensweg abgekommen sind. Sobald wir nicht mehr den Magnetismus des Herzens verspüren und sich unser Bauch zusammenzieht wissen wir, dass wir unsere Schöpfungsaufgabe aus den Augen verloren haben. Die Leichtigkeit in unserem Leben geht erst dann verloren, wenn wir gegen unsere innere Bestimmung handeln. Die Darmaerfüllung ist der direkte Weg, auf dem wir den Menschen und allen anderen Lebewesen auf dieser Welt am besten dienen können, um wahren Lebenswohlstand zu kreieren. Sobald wir aus der Rolle des haben Wollens, in die Rolle des Dienens gekommen sind, bleibt vom Universum nichts ungetan, um uns bei der Erfüllung unserer Lebensaufgabe zu helfen. Wenn wir für uns unser Darma im Herzen anerkannt haben, werden wir unweigerlich in die Tuns-Phase gelangen. Wir spüren von ganzem Herzen, dass es wichtig ist, genau diese Arbeit auszuführen. Solange wir unserem Herzen folgen, wird uns automatisch die Arbeit Spaß machen. Natürlich wird es vor allem am Anfang nicht immer leicht sein, denn je nachdem wie weit wir bereits von unserem Ursprungsweg abgekommen sind, müssen wir natürlich erst mal eine Weile durch recht unwegsames Gelände. Aber wenn uns das Überwinden dieser Hindernisse näher zu unserem Lebensziel bringt, werden wir die Hürden mit Freude und Leichtigkeit überwinden. Allein wenn wir an unsere Arbeit denken, sollte unser Herz schneller schlagen und eine allgemeine Freude in uns aufsteigen. Ab diesem Zeitpunkt ist unser Beruf keine Arbeit mehr sondern unsere Lebensberufung. Wahrscheinlich werden wir sogar aktiver und agiler sein als jemals zuvor. Wenn wir durch unser Herz vollständig unserer Lebensaufgabe vertrauen, wird alles zum richtigen Zeitpunkt für uns bereitstehen und es wird uns an nichts mangeln. Wir müssen nur wissen, wie wir die Zeichen der Schöpfung richtig deuten. Je aufmerksamer wir sind, umso leichter fällt es uns die Hilfslinien des Schöpfungsplans zu erkennen. Diesen unerschütterlichen Glauben und dieses Urvertrauen zu entwickeln ist natürlich keine allzu leichte Aufgabe, wenn man in einer Gesellschaft aufgewachsen ist, die einem seit der Geburt beigebracht hat in Zweifel, Angst und Misstrauen zu leben.“

Deutlich merkte ich, dass es auch für mich immer noch eine Frage des Glaubens war, ob ich wirklich so tief im Urvertrauen verwurzelt war, dass ich zu 100% daran glaubte, dass alles zur rechten Zeit für mich bereitstand. Seit wir zu unserer Weltreise aufgebrochen waren, hatte ich mir jeden Tag gewünscht, dass wir immer genau dann einen geeigneten Schlafplatz finden würden, wenn wir unser Laufpensum erreicht hatten. Immer wenn es mir gelang, diesen Wunsch für mich präsent zu halten, ohne an seiner Erfüllung zu zweifeln oder mich auf die Suche nach einem Platz krampfhaft zu versteifen, hatte ich die schönsten Plätze die man sich vorstellen konnte. Zweifelte ich jedoch oder hatte Angst, dass ich nichts finden würde, wurde die Suche fast immer eine Katastrophe. Je kleiner die Wünsche waren, desto besser funktionierte es auch. Je größer meine Wünsche jedoch waren, desto mehr spürte ich mein noch unausgewogenes Urvertrauen. An dieser Stelle musste ich mich immer wieder zurück besinnen, dass mir in den ersten neun Monaten meines Lebens alles vom Schöpfer geschenkt worden war, obwohl ich nichts selbst initialisiert hatte. Warum sollte dies die nächsten 90 Lebensjahre plötzlich anders sein? Seit Beginn unserer Reise bemerkte ich immer wieder, dass ich nicht erhalte, wenn sich mein Egoverstand einmischte. Erst heute morgen war wieder so ein inneres Streitgespräch entstanden. ‚Es kann doch nicht sein, dass genau innerhalb der nächsten 5 km eine Asia-Restaurant liegt, dass euch zum Essen einlädt, nur weil du ihn dir wünscht! Du musst doch absolut hirnverbrannt sein, wenn du daran glaubst.’ Wetterte mein Ego-Ich. Nur weil mein Vertrauen, durch den Egoverstand gestört wurde, mussten wir ohne Mittagspause weiterziehen. Der Asia-Imbiss war zwar da, hatte jeodoch geschlossen.

Heiko Riss mich aus meinen Gedanken: „Zu Zeiten meiner Allianzkarriere, hatte ich mich stets so gefühlt, als hätte mich irgendjemanden zu diesem Job gedrängt. In Wirklichkeit jedoch war es meine freie Entscheidung den Schlipsträgerjob des staatlich anerkannten Spießers auszuwählen. Auch dass ich durch das Erziehungsparadigma meiner Eltern indirekt dazu genötigt wurde, einen sicheren Job auszuwählen war nicht ganz richtig. Hatte ich doch trotzdem im Herzen immer die freie Entscheidungsgewalt gehabt, welchen Job ich als richtig erachte. Es hatte Zeiten gegeben, da wuchs der Groll über meine Berufswahl ins unermessliche an. Ich war schließlich sogar sauer auf das Leben selbst. Ich konnte nicht erkennen, dass mein Ego sich bei der Jobwahl auf Sicherheit berufen hatte und dass ich deshalb in diese missliche Lage geraten war. Zu jenem Zeitpunkt der Erkenntnis war mir sehr wohl bewusst, dass mir die Schöpfung nach den vielen intensiven Träumen einen Schmerzkörper schicken würde, wenn ich weiterhin so herzlos und berechnend blieb. Und genau das war passiert. Ich hatte den Schmerzkörper geschenkt bekommen, den ich benötige, um wieder auf den rechten Weg des göttlichen Plans zurück zu finden. Das W in Wut drehte sich um 180° und wurde zu Mut. Ich war nun endlich bereit meinem Herzen zu folgen. Ich zerbrach mir keinen Kopf mehr darüber, welche Gründe mich davon abhalten könnten, meine Berufung auszuüben. Ab diesem Moment war für mich klar, dass der Tod die Folge sein würde, wenn ich nicht dem Lebensstrom folgte. Das mag zunächst drastisch klingen ist aber im Endeffekt sogar recht freundlich von der Schöpfung. Wenn man davon ausgeht, dass wir als Seele nicht nur einmal sondern immer wieder auf die Erde – oder auch auf einen anderen Planeten – geboren werden, ist der Tod ja nichts anderes als ein Neustart. Wenn wir uns also so dermaßen in unseren Lebensumständen verrannt haben, dass wir keinen Weg mehr in die richtige Richtung erkennen können, oder wenn wir so lange in die falsche Richtung gerannt sind, dass wir nicht mehr die Kraft für eine Wendung haben, ist es ja nur fair, wenn uns durch den Tod eine Art Resetknopf zur Verfügung steht. Hätte ich mein Fehlhandeln nicht aufgegeben und mich damit weiterhin krank und unglücklich gemacht, wäre ich also schließlich zur Quelle zurückkehrt und hätte meine Aufgabe im nächsten Leben erneut gestellt bekommen.

In meiner Wildnisausbildung hatte ich einmal nach einer intensiven Visionssuche einen Brief an mich selbst geschrieben. Ich hatte den Brief dann meinem Mentor gegeben und bekam meine Zeilen ein Jahr später zugeschickt. Auf dem Stück Papier stand: "Finde deine Berufung und verlasse die Erde ein Stück besser als du sie angetroffen hast." Als ich das las wurde mir klar, dass ich nicht sterben musste um meine wahre Berufung zu finden. Als ich die Hirnhautentzündung überwunden hatte, wusste ich plötzlich mit einer tiefen inneren Sicherheit, dass der Tod nie eine Erlösung von der Lebensaufgabe sein konnte. Denn der Tod war ja nur ein Neustart bei dem man die gleiche Aufgabe wieder bekam. Wenn ich mich also im nächsten Leben wieder dem gleichen Kram stellen musste, konnte ich es auch gleich in diesem hier tun, dann hatte ich die nächsten wieder frei für etwas neues. Wie wir aus der Quantenphysik wissen, geht Energie niemals verloren. So geht auch zu keiner Zeit der Schöpfungsauftrag an das Seelengeflecht verloren. Da Zeit relativ ist, bleibt die Lebenslektion beim Seelenübergang in das neue Leben bestehen. Nur durch meine schwerwiegenden Krankheiten konnte mein Egoverstand ausgeschaltet werden, um zur Läuterung meiner Gedanken beizutragen. Erst als ich mich vom Ego lösen konnte, spürte ich, wie sich bedingungslose Liebe im Herzen anfühlen musste. Der Quantenmoment zeigte mir auf eine tiefgreifende Art und Weise, dass ich wieder mit der Quelle allen Lebens und der bedingungslosen Liebe verbunden war. Egal welches Lebewesen auf dieser Welt seine Bestimmung erkennt, es hat stets die Aufgabe der bedingungslosen Liebe. Erst wenn wir zur Bestimmung unseres Lebens zurückkehren, kommen wir zur ursprünglichen Kraft unseres irdischen Lebens zurück. Wenn wir unsere Vision gefunden haben, sind wir mit solch einem Enthusiasmus und mit bedingungsloser Liebe an der Vollführung unserer Berufung interessiert, dass die griechische Übersetzung des Wortes Enthusiasmus perfekt auf unsere Lebensvision trifft. Enthusiasmus heißt: "Finde deinen Gott in dir." Wenn wir den Lebensenthusiasmus in uns spüren, ist das der Geist Gottes der mit uns spricht und sagt, dass es an der Zeit ist, deine Berufung in vollkommener Liebe auf die Welt zu bringen. Damals war es schwer für mich, meine Krankheiten trotz ihrer Schwere als etwas Positives anzunehmen. Inzwischen ist mit jedoch bewusst, dass es für mich keine größere Tragödie hätte geben können, als wenn ich zu diesem Zeitpunkt keine Hinweise bekommen hätte. Nie hätte ich dann meiner Berufung folgen können und die göttliche Präsenz der Liebe und des Dienens wäre nie in mein Bewusstsein und in mein Leben getreten. Nie hätte ich mein Leben verändert und die Sinnleere in meiner Seele gefüllt anstatt sie mit Partys und Adrenalinkicks zu überlagern. Nie wäre ich auf meinen Medizinweg nach Santiago aufgebrochen. Nie hätten wir uns getroffen und nie wären wir gemeinsam auf diese Weltreise aufgebrochen.“

„Und nie wären wir in die Lage geraten nun hier in dieser Herberge zu liegen und über all dies nachzusinnen“, fügte ich hinzu.

 

Spruch des Tage: Der Weg zu allem Großen geht durch die Stille

 

Höhenmeter: 260 m

Tagesetappe: 18 km

Gesamtstrecke: 7561,27 km

Wetter: Erst sonnig, dann bewölkt, am Nachmittag regnerisch

Etappenziel: Pfarrhaus, 01028 Orte, Italien

Heiko Gärtner
Heiko Gärtner ist Wildnismentor, Extremjournalist, Survivalexperte, Weltreisender und einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Antlitz- und Körperdiagnostik. Nachdem er einige Jahre als Agenturleiter und Verkaufstrainer bei einer großen Versicherungsagentur gearbeitet hat, gab er diesen Job auf, um seiner wahren Berufung zu folgen. Er wurde Nationalparkranger, Berg- und Höhlenretter, arbeitete in einer Greifenwarte und gründete schließlich seine eigene Survival- und Wildnisschule. Seit 2014 wandert er zu Fuß um die Welt und verfasste dabei mehrere Bücher.

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