Tag 460: Neue Reisepläne

von Heiko Gärtner
08.04.2015 15:41 Uhr

 So besonders ereignisreich wurde der Ostersonntag dann wirklich nicht mehr. Wir entschieden uns wirklich dafür, noch etwas an unseren Texten zu arbeiten, machten noch zwei Meditationen und begannen relativ früh mit einem Kinoabend. Dafür schafften wir es jedoch, uns selbst noch ein richtig ansehnliches Osteressen zu zaubern. Eines, das dem Feiertag wirklich gebührte. Wir schlemmten wie die Raupen im Kohl und hatten am Ende sogar noch eine große Schale für heute Mittag übrig. Doch die Sonne, die uns so schön mit ihrer Wärme beschenkte, tat dem Essen leider gar nicht gut. Es war saurer als reiner Essig und absolut ungenießbar. Uns blieb nichts anderes übrig, als es den kleinen Bachlebewesen zu überlassen, die sich aber sicher ebenfalls sehr darüber freuten. Heute hatten wir dann zwar auch wieder Glück, was den Schlafplatz anbelangte, nur waren unsere Essensvorräte diesmal etwas mau. Verhungern werden wir nicht, aber ganz so feierlich wie Gestern wird es wohl auch nicht werden.

Als wir vor zwei Tagen das Internet nutzen konnten, nahmen wir uns etwas Zeit, um uns einige Gedanken über den weiteren Verlauf unserer Reise zu machen. Mit dem Verlassen von Italien, das uns in rund einer Woche bevorstand, würden wir uns immer weiter in Richtung Israel bewegen. Da wurde es also langsam Zeit, uns zu überlegen, ob wir wirklich dorthin wollten und wenn ja, wie es von dort aus weiter gehen sollte. Dabei sind wir auf einige recht spannende Fakten über die verschiedenen Länder gestoßen. Um herauszufinden, ob es überhaupt möglich war, ein Land auf die Art zu bereisen, die wir für uns ausgesucht hatten, war es wichtig zu wissen, wie sehr es bewohnt war. Denn auf der einen Seite war es zwar schön, wenn ein Land nicht überfüllt war, auf der anderen Seite brauchten wir aber auch immer wieder kleine Ortschaften, in denen wir übernachten und unsere Nahrungs- und Wasservorräte auffrischen können. Natürlich kann man auch im Zelt übernachten, sich Vorräte einpacken oder von dem Leben, was die Natur einem bietet. Aber waren wir wirklich schon so weit? Pflanzen zu finden ist kein Thema, aber was die Jagd anbelangt, da brauchen wir sicher noch einiges an Übung. Hinzu kamen weitere Dinge, die wir beachten mussten. Wir brauchten kleine Straßen und Wege, auf denen man gut wandern konnte und möglichst Regionen, in denen es nicht nur Berge gab. Länder, die nur aus Großstädten bestanden, die mit einigen Hauptstraßen verbunden waren, ohne, dass es Ausweichmöglichkeiten gab, fielen also flach.

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Bei all den Überlegungen stießen wir schließlich auf einige Statistiken über die Bevölkerungszahlen, die recht interessant waren. Erst mal zum Vergleich: Deutschland hat eine Bevölkerungsdichte von 226 Einwohnern pro Quadratkilometer und eine Urbanisierung von 88%. Das Bedeutet, im Gesamtschnitt des Landes leben auf jedem Quadratkilometer zwar 226 Menschen, davon konzentriert sich aber 80% auf Städte und Ballungsgebiete. Die Ländlichen Flächen sind dementsprechend dünner besiedelt. In Frankreich leben im Verhältnis zur Landesgröße hingegen deutlich weniger Menschen. Hier sind es nur 99 Einwohner pro Quadratkilometer und nur 76% konzentriert sich dabei auf die Städte. Das Land ist also voller kleiner Ortschaften in denen zwar nur wenige Menschen leben, die sich aber wie ein Netz überall verteilen. In Spanien und Italien ist es ähnlich und auch in Slowenien, Kroatien, Serbien, Albanien und Griechenland erwarten uns etwa die gleichen Bedingungen. Das ist schon mal recht beruhigend, denn hier sind wir bislang ja sehr gut durchgekommen. Spannend wird es hingegen, wenn wir später einmal in die skandinavischen Länder reisen. In Schweden, Finnland und Norwegen leben gerade einmal zwischen 13 und 22 Menschen auf einem Quadratkilometer. Dafür sammeln sich hier nur zwischen 60% und 80% in den Städten, der Rest ist schön verteilt. Es sollte also noch immer Möglich sein, auf diese Weise zu reisen. Doch spätestens in Australien müssen wir uns etwas überlegen. Hier leben mehr als 90% der Menschen in großen Städten und insgesamt wird jeder Quadratkilometer im Schnitt gerade einmal von 2 Menschen bewohnt. Wenn man die Städte ausspart, dann bleiben hier verdammt viele Gebiete übrig, in denen man überhaupt niemanden mehr antrifft. Das ist natürlich schön, aber definitiv eine Herausforderung. Das stärkstbesiedelte Land der Welt haben wir übrigens bereits bereist. Es ist Monaco mit einer Bevölkerungsdichte von mehr als 18.000 Einwohnern pro Quadratkilometer von denen 100% in großen Städten leben. Klar, wie sollte es bei einem Stadtstaat auch anders sein? Der Vatikan kommt übrigens immerhin auf 1900 Einwohnern pro Quadratkilometer. Dabei bin ich allerdings nicht ganz sicher, ob er überhaupt einen Quadratkilometer groß ist, oder ob es sich bei den Angaben nicht um eine Hochrechnung handelt.

Spannend war aber auch, einmal einen Blick auf das Durchschnittsalter der einzelnen Länder zu werfen. In Deutschland liegen wir hier mit 79,2 Jahren im Westeuropäischen Durchschnitt. Doch die Behauptung, dass wir als Menschheit durch die moderne Medizin insgesamt immer älter werden, lässt sich mit einem Blick auf die Statistik nicht bestätigen. Wir haben die Lebensbedingungen, die zu einem frühen Tod führen lediglich in Länder ausgelagert, in denen wir sie nicht mehr sehen. In Indien beträgt es nur 66 Jahre, im Kongo nur 54 und in Afghanistan wird der Durchschnittsbürger gerade einmal 44 Jahre alt. Wären wir dort aufgewachsen, dann hätte Heiko jetzt statistisch betrachtet gerade einmal noch 8 Jahre zu leben. Da sollten wir uns als Alterswohnsitz dann vielleicht doch eher in Richtung Neuseeland oder Kanada orientieren, denn hierdurch würde unsere statistische Lebenserwartung immerhin auf 80 oder sogar 81,2 Jahre steigen. Interessanterweise werden die Menschen in Andorra von allen Ländern, die wir uns angeschaut haben am ältesten. Hier liegt der Schnitt sogar bei 82,5 Jahren. Es macht also sehr wohl etwas aus, wo, wie und unter welchen Bedingungen man aufwächst und lebt.

Doch zunächst einmal zurück zu unserer Reiseroute. Denn ein weiteres Problem, das es zu beachten galt, war die Tatsache, dass Menschen offenbar den Drang verspüren, sich immer wieder irgendwo gegenseitig die Köpfe einschlagen zu wollen. Es ist daher gar nicht so leicht, Länder zu finden, in denen nicht gerade ein Krieg oder wenigstens eine reiche von „kleineren Scharmützeln“ herrscht, wie es auf der einen Internetseite so schön beschreiben war. Das sinnvollste, was wir herausfinden konnten schien der Weg von Israel in Richtung Georgien zu sein. Dort liegt dann zwar ein relativ beeindruckendes Hochgebirge im Weg, aber man kann sich an der Küste daran vorbeischleichen. Auf der anderen Seite haben wir dann die Wahl, ob wir uns weiter Richtung Osten nach Asien oder in Richtung Westen nach Russland und zurück nach Osteuropa wenden wollen. Aber das kann man dann ja immer noch spontan entscheiden. Wo immer uns unsere Reise auch hinführen wird. Es bleibt weiter spannend. 

Spruch des Tages: Wohin auch immer wir reisen, wir suchen, wovon wir träumten, und finden doch stets nur uns selbst. (Günter Kunert)

 

Höhenmeter: 2

Tagesetappe: 11 km

Gesamtstrecke: 8398,77 km

Wetter: sonnig

Etappenziel: Gemeindehaus, 30028 San Michele Al Tagliamento, Italien

 

 

 

Heiko Gärtner
Heiko Gärtner ist Wildnismentor, Extremjournalist, Survivalexperte, Weltreisender und einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Antlitz- und Körperdiagnostik. Nachdem er einige Jahre als Agenturleiter und Verkaufstrainer bei einer großen Versicherungsagentur gearbeitet hat, gab er diesen Job auf, um seiner wahren Berufung zu folgen. Er wurde Nationalparkranger, Berg- und Höhlenretter, arbeitete in einer Greifenwarte und gründete schließlich seine eigene Survival- und Wildnisschule. Seit 2014 wandert er zu Fuß um die Welt und verfasste dabei mehrere Bücher.

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