Tag 547: Vermessenheit

von Heiko Gärtner
01.07.2015 22:16 Uhr

Noch 15 Tage bis zum Treffen mit Paulina!

Heute ist der 1. Juli und damit sind wir nun auf den Tag genau eineinhalb Jahre unterwegs. Ansonsten ist heute allerdings nicht allzu viel passiert. Wir sind weiter durch die Berge gewandert und mussten wieder einiges an Höhenmetern überwinden. Dabei durften wir zum ersten Mal in unserem Leben Pillendrehern bei der Arbeit zusehen. Die kleinen Käfer bauen im Vergleich zu ihrer Körpergröße riesige Schneebälle aus Mist, mit denen sie dann ihre Jungen ernähren. Dabei rollen sie die Kugel wie beim Schneemannbauen zu zweit über den Boden. Kurioserweise laufen dabei beide Rückwärts. Einer geht vorweg und rollt die Kugel mit den Vorderbeinen auf sich zu, während er immer einen Schritt nach hinten geht. Der andere hat eine noch abstraktere Haltung. Sein Kopf befindet sich von der Kugel abgewandt am Boden und seine Hinterbeine befinden sich oben auf der Kugel. Er sieht dadurch ein bisschen so aus, wie ein Kind, das Schubkarre Spielt, nur dass er dabei nicht vorwärts sondern rückwärts geht.

Auf dem Weg nach Nevesinje überquerten wir wieder einmal die Grenze vom kroatischen in den serbischen Teil Bosniens. Und wieder mussten wir feststellen, dass die Menschen hier wieder vollkommen anders waren, als auf der anderen Seite der Grenze. Sofort kehrte die alte Verschlossenheit, der Argwohn und die Abneigung zurück. Wenn wir an den wenigen bewohnten Häusern nach essen fragten, dann lautete die Antwort stets „Nema ništa!“ – „Wir haben gar nichts!“

Bei den Häusern, die ärmlich aussahen, da lässt man sich das ja durchaus eingehen, aber bei der einen Farm, die definitiv die Reichste der ganzen Region war, fanden wir die Antwort dann schon etwas dreist. Vor allem, wenn man bedachte, wie freundlich, hilfsbereit und spendabel die Frau gestern Mittag auf der anderen Seite der Grenze war. Wir können nur hoffen, dass die Serben in Serbien etwas besser drauf sind. Sonst wird das kein angenehmer Aufenthalt.

In Nevesinje war der Erfolg genauso mager. Es gab rund 20 Obstläden und mindestens fünf Restaurants oder Imbissbuden, doch alles was wir auftreiben konnten waren vier Bananen und eine Art Sandwitsch mit Formkäse und Formschinken, das in der Mikrowelle aufgewärmt und dann mit reichlich Majonäse und Ketchup eingestrichen wurde. Ich hätte nie gedacht, dass es selbst bei Fastfood noch solche Untergrenzen geben könnte.

Da sonst nicht viel passiert ist, kommt heute einmal wieder ein Text von Heiko, der ganz gut zu dem Thema mit dem Mangel- und Armutsgefühl passt, auch wenn er nicht deswegen geschrieben wurde:

Vermessenheit

Wie vermessen sind wir eigentlich? 

Wir drücken ein Samenkorn in den Boden und glauben die Pflanze gehört uns. Wir glauben, dass ihre Früchte nun unsere Früchte sind, über die wir von nun an bestimmen können. Ist das nicht eine sonderbare Einstellung?

Der Schöpfungscode hat ermöglicht, das diese Pflanze mit der Frucht, die wir essen wollen überhaupt entstehen konnte. Der Boden auf dem sie steht ist göttlich und als Teil unseres Planeten gehört er allen Wesen gleichermaßen. Wir aber nennen ihn Feld oder Garten und behaupten, er sei unser Besitz. Wir bewässern die Pflanzen mit dem Wasser das Gott uns durch Regen oder durch Grundwasserspeicher geschenkt hat, mit deren Hilfe wir eine künstliche Bewässerung bauen konnten. Nur durch die Sonne konnte die Pflanze wachsen und es ist ihre göttliche, schöpferische Energie, die in die Frucht fließt, so dass sie uns überhaupt nähren kann. Doch wir sagen, es ist unsere Pflanze. Wie kann das sein?

Die Mineralien und Spurenelemente also die Grundsalze des Lebens, werden von der Pflanze über die Wurzeln aus dem Boden aufgenommen. Dort sind sie jedoch nur, weil sie durch die Reduzenten also die Insekten, die Pilze all die anderen Leute, das Tote zersetzen und die Gesteinsschichten lösen, damit die Mineralien frei werden. Sie sind also die Produkte, die von verschiedensten Gottesgeschöpfen geschaffen und umgewandelt werden. Es ist nichts anderes als Gottesenergie, die von einem Wesen ins nächste strömt und die auch uns vollkommen natürlich mit allem versorgt, das wir für unser Leben brauchen. Es ist die Energie, die durch alles fließt und die uns alle miteinander verbindet. Und doch sagen wir, nicht alle können von der Pflanze profitieren.

Nein! Wir sagen „nein“ weil wir denken, wir beherrschen die Welt. Nicht die göttliche Kraft ist der Schöpfer des Universums, wir sind es. Wir sind das mächtigste Wesen, dass es gibt. Wir herrschen über die Natur, über uns selbst über die Welt, über Gott. Ist das nicht eine vermessene Einstellung?

Doch das Göttliche beherrscht uns. Wenn wir in Habsucht leben und in den Schöpfungscode pfuschen, weil wir glauben, die Natur sei nicht gut genug für uns, wenn wir unsere Nahrungspflanzen wie wild kreuzen oder genetisch manipulieren, um noch größere Ernteerfolge, also Früchte und Ehren zu bekommen, dann schneiden wir uns damit stets ins eigene Fleisch.

Warum?

Weil es einen Schöpfungsplan gibt, dessen Gesetze wir nicht brechen und auch nicht überlisten können. Für Pflanze X ist Summe Y an Energie vorgesehen. Ergo erhalten wir immer Summe Y Lebensenergie, wenn wir diese Pflanze essen. Wenn wir sie nur verändern und beispielsweise den Weizen aus einem Gras züchten, das früher einmal als Einkorn bekannt war, dann verändern wir zwar die Form, nicht aber die Energie. Das Einkorn hatte, wie der Name verrät nur ein einziges Korn, während die heutigen Weizenähren nun 34 Körner haben. Doch die in der Pflanze enthaltene Energie hat sich dadurch nicht verändert. Wir haben nun nicht 34 Mal soviel Energie wie beim Einkorn, wir haben noch immer die gleiche Energiemenge Y, die sich auf alle Körner verteilt. Das heißt, wir können Gott nicht austricksen, indem wir an seiner Schöpfung herummanipulieren. Durch jahrhundertelanges Kreuzen und nun sogar noch durch die Genmanipulation haben wir immer größere Tiere und Pflanzen erschaffen, doch die Lebensenergie die sie uns spenden können, ist stets gleich geblieben.

Die Großpflanzen, die wir hauptsächlich für unseren täglichen Nahrungsbedarf verwenden, haben dadurch auf die Masse gerechnet im Schnitt nur noch 30 Prozent der Nährwerte und der Energie der wilden Urpflanzen, aus denen wir sie geschaffen haben. Die Früchte, die uns die Natur schenkte, waren uns nicht groß genug und so haben wir ihre Masse um 70% vergrößert. Wir haben nun 70% mehr Volumen gewonnen und hofften daher, auch 70% mehr Energie von Gott zu bekommen. Doch diese Rechnung geht nicht auf.

Da Energie nicht mehr oder weniger werden kann, sondern immer gleich bleibt, müssten wir nun im Schnitt siebzig Prozent mehr Lebensmittelmasse zu uns nehmen um die gleiche Gottenergie zu erhalten wie früher. Energie, die wir als göttliche Wesen brauchen, um in der vollen Power zu stehen und selbst zu kreativen Schöpfern zu werden.

Sind wir also zu einem Betrüger von Gott geworden?

Nein, wir unterliegen einem Selbstbetrug. Da wir selbst Tropfen aus der göttlichen Quelle sind, sind auch wir ein Teil Gottes und damit selbst Gott. Gott ist die Unendlichkeit und wir sind ein Teil davon. Was aber ist eine tausendstel Unendlichkeit? Richtig, sie ist ebenso unendlich wie das Ganze auch, wenn sie nur ein winziger Teil davon ist. Wir sind also nichts anderes als Gott, was wir jedoch vergessen haben müssen, denn sonst würden wir uns wohl kaum selbst unser göttliches Leben in ein stressiges, arbeitsreiches und ansträngendes Leben verwandeln, das von Leid und Krankheit durchsetzt ist und oftmals eher der Hölle als dem Paradies gleicht.

Als Götter sind wir schöpferische wesen und so wie es uns unmöglich ist, nicht zu kommunizieren, ist es uns auch unmöglich, nicht zu erschaffen. Jeder Körperausdruck, jede Haltung, jede Mikrogeste und jeder Gedanke, den wir nach außensenden, teilt unseren Mitmenschen und allen anderen Wesen im Universum etwas über uns mit. Selbst wenn wir also nur stumm dasitzen und schweigen, können wir nicht verhindern, dass wir durch die Art unseres Sitzens und Schweigens eine Geschichte erzählen. Selbst wenn wir längst verstorben sind teilt unser Körper der Nachwelt noch viele Dinge mit, die jemand mit einem geübten Auge lesen kann wie ein Buch.

Genau das gleiche ist es auch mit unserer Schöpferkraft. Jede Sekunde unseres Lebens verbringen wir damit, die Welt um uns herum zu erschaffen und zu gestalten. Jedes Gefühl, das wir haben, jeder einzelne Gedanke, der in unserem Kopf herumgeistert, jede Überzeugung, jedes Wort das wir aussprechen, jede Wahrnehmung, jeder Glaubenssatz, jede geistige Haltung und jede Vorstellung kreiert unser Leben und unsere Wirklichkeit.

Aus genau diesem Grund können wir uns den Himmel auf Erden aber auch die Hölle erschaffen. Es ist unsere gedankliche Entscheidung. Habe ich den Gedanken in mir, dass es zu gibt zu wenig auf der Welt gibt und ich deswegen arbeiten und an der Schöpfung herummanipulieren muss, so das ich mehr Sicherheit habe, erschaffe ich mir selbst die Hölle. Denn meine Überzeugung wird dafür sorgen, dass ich immer mehr Arbeiten muss, während ich dafür immer weniger erhalte. Die hochgezüchteten Pflanzen, die auf den Industreifeldern wachsen, weil ich dem natürlichen Fluss des Lebens nicht vertrauen kann, haben kaum noch Energie und Mineralien, mit denen sie mich nähren können. Der Mangelzustand, den ich im außen sehe, setzt sich in mein inneres fort und führt durch die minderwertige Nahrung ganz automatisch zu einer Demineralisierung meines Körpers. Diese wiederum erschafft Krankheit und Leid als Zeichen dafür, dass wir uns von unserem göttlichen Sein entfernen und als Resultat der Unterversorgung unseres Körpers. Faktisch haben wir nun einfach nicht mehr genug Lebensenergie.

Wie will ein Ei einen Menschen mit ausreichend Energie versorgen, wenn ein Urhuhn maximal vierzehn Eier im Jahr gelegt hat, es ein Hochleistungsindustriehuhn nun aber auf 360 Eier bringen muss? Wie würdet ihr euch als Frau fühlen, wenn eine andere Rasse die Kontrolle übernimmt, beschließt, nicht mehr in die Nahrungsversorgung von Mutter Erde zu vertrauen und euch zwingt, von nun an ein Kind in der Woche zu gebären? Glaubt ihr wirklich, dass eure Kinder dann noch immer genauso leistungsstark und energiegeladen sind als wenn ihr nur ein paar Babys, verteilt auf euer ganzes Leben zur Welt bringt?

Fortsetzung folgt...

Spruch des Tages:

I choose To life by choise and not by chance To be motivated, not manipulated To be usefull not used To make changes not excuses To excel not compet I choose selfesteem not selfpitty I choose to listen to my inner voice, not to the random opinions of others.

 (Ich entscheide mich dafür, nach meinen Entscheidungen und nicht nach dem Zufall zu leben, motiviert zu sein und nicht manipuliert, nutzvoll zu sein und nicht benutzt zu werden, Veränderungen zu machen und keine Ausreden, ein herausragend zu sein aber kein Konkurrent Ich entscheide mich für Selbstachtung nicht für Selbstmitleid Ich entscheide mich dafür, auf meine innere Stimme zu hören und nicht auf die wechselnden Meinungen anderer.)

Höhenmeter: 4100 m

Tagesetappe: 23 km

Gesamtstrecke: 9857,77 km

Wetter: sonnig und heiß

Etappenziel: Pfarrhaus der orthodoxen Gemeinde, Nevesinje , Bosnien und Herzegowina

Heiko Gärtner
Heiko Gärtner ist Wildnismentor, Extremjournalist, Survivalexperte, Weltreisender und einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Antlitz- und Körperdiagnostik. Nachdem er einige Jahre als Agenturleiter und Verkaufstrainer bei einer großen Versicherungsagentur gearbeitet hat, gab er diesen Job auf, um seiner wahren Berufung zu folgen. Er wurde Nationalparkranger, Berg- und Höhlenretter, arbeitete in einer Greifenwarte und gründete schließlich seine eigene Survival- und Wildnisschule. Seit 2014 wandert er zu Fuß um die Welt und verfasste dabei mehrere Bücher.

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