Tag 558: Frizerski-Termin

von Heiko Gärtner
15.07.2015 18:51 Uhr

Noch 3 Tage bis zum Treffen mit Paulina!

Das Problem mit unseren Matten ist doch etwas größer als gedacht. Sobald man sich auf die Matte legt, drückt man automatisch mit dem Hintern die Luft in Richtung der kaputten Stelle und erzeugt so eine riesige Blase, die einen fast von der Matte wirft. Gestern hatte Heiko das Vergnügen, beim Schlafen damit zurechtkommen zu müssen. Heute wird sich zeigen, wie gut ich damit klar komme. Fest steht jedenfalls, dass wir eine Lösung dafür brauchen. Lange kann das so nicht weiter gehen. Heiko meinte, er fühlte sich ein bisschen wie Sit von Ice Age, als er versuchte, es sich auf einem runden Stein gemütlich zu machen.

Was die Matten anbelangt, haben wir also noch ein Problem, das es zu lösen gilt. Dafür haben wir gestern jedoch eine Antwort auf unsere Kleiderfrage bekommen. Unsere schönen Ausgeh-T-Shirts waren bereits so verblichen, dass sie nicht mehr so richtig chick waren und die einzigen Stellen, die nicht komplett stanken, waren die großen Löcher, die sich bereits darin befanden. Unserer Gastgeberin von gestern musste das irgendwie aufgefallen sein, denn sie bot uns zunächst an, dass wir all unsere Kleidungsstücke in ihrer Waschmaschine grundreinigen konnten. Dann musste ihr aber auch das hoffnungslos erschienen sein, denn kurz darauf kam sie mit einem Stapel T-Shirts und Hemden von ihrem Sohn auf die Terrasse. „Sucht euch aus, was ihr haben wollt und nehmt es mit. Wenn ihr es dann nicht mehr braucht, schmeißt es einfach irgendwo weg!“ sagte sie und ließ und in Ruhe alles anprobieren. Es waren wirklich einige schöne Sachen dabei und so konnten wir gleich drei T-Shirts aussortieren. Nachdem wir kurz zuvor auch noch eine Badehose gefunden haben, die mir perfekt passt, sind wir eigentlich wieder recht gut aufgestellt und können uns sogar chick machen, wenn Paulina kommt. A pros pros chick machen. Da wir heute etwas Zeit hatten und Paulina ja nicht gleich am ersten Tag wieder vergraulen wollen haben wir uns passend zu unseren neuen Kleidern gleich auch noch eine neue Frisur verpasst. Aus gegebenem Anlass haben wir diesmal sogar richtig mit Kamm und Schere herumexperimentiert und so langsam werden richtig gute Friseure aus uns. Ok, so ganz freiwillig war das nicht. Denn unser Rasierapparat hat mitten in der Friseursitzung plötzlich zum Stinken und Qualmen angefangen. Offensichtlich waren die hohen Temperaturen etwas zu viel für ihn.

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Kurz bevor wir unseren Zeltplatz erreichten, wurden wir von einer Frau auf Englisch angesprochen, die unbedingt mit uns sprechen wollte. Wir setzten uns gemeinsam unter den kleinen Waschpavillon einer Moschee und erzählten ihr von unserer Reise. Sie selbst kam aus Monte Negro und lebte die meiste Zeit in Holland. Auf einer Postkarte notierte sie uns eine ganze Reihe von Orten, die wir in Monte Negro unbedingt besuchen sollten. Darunter war auch ein Naturschutzgebiet und der größte Canyon Europas. Vage glaube ich mich daran zu erinnern, dass ich bereits vor 10 Jahren einmal in diesem Canyon war, als ich mit dem Zug von Serbien aus nach Monte Negro ans Meer gefahren bin. Gemeinsam mit meinem damaligen Mitbewohner hatte ich in einem Schlafwagen gelegen und war aus irgendeinem Grund früh am Morgen aufgewacht, um einen Blick aus dem Fenster zu werfen. Keiner von uns beiden hatte gewusst, was ihn hier erwartete und so standen wir einfach nur mit offenen Mündern am Fenster. Am Abend waren wir in einer kleinen, grauen, nichtssagenden Stadt in diesen Zug gestiegen und nun fuhren wir mitten durch einen gewaltigen Canyon, der beeindruckender war als fast alles, was ich bis dahin gesehen hatte. Es würde mich nicht wundern, wenn dies der gleiche Canyon war.

Da die Frau Muslimin war fragten wir sie einmal nach den Gebetszeremonien, die von den Moscheen ausgingen. Viel konnte sie uns leider nicht dazu sagen, aber die nächtlichen Gebete fanden offensichtlich nur während des Ramadan statt. Anschließend würden die Gebetszeiten sich wieder ändern und dann etwa zur gleichen Zeit stattfinden, wie die christlichen Glockenkonzerte. Immer kurz vor Sonnenaufgang. Nicht, dass das viel humaner war, aber man war es immerhin gewöhnt.

Spruch des Tages: Weg mit der Matte! (Also der auf dem Kopf natürlich. Die andere brauchen wir auch mit Beule noch)

Höhenmeter: 140 m

Tagesetappe: 13 km

Gesamtstrecke: 10.027,77 km

Wetter: sonnig und warm

Etappenziel: Zeltplatz hinter einem Rohbau, Rakovica, Bosnien und Herzegowina

 

Heiko Gärtner
Heiko Gärtner ist Wildnismentor, Extremjournalist, Survivalexperte, Weltreisender und einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Antlitz- und Körperdiagnostik. Nachdem er einige Jahre als Agenturleiter und Verkaufstrainer bei einer großen Versicherungsagentur gearbeitet hat, gab er diesen Job auf, um seiner wahren Berufung zu folgen. Er wurde Nationalparkranger, Berg- und Höhlenretter, arbeitete in einer Greifenwarte und gründete schließlich seine eigene Survival- und Wildnisschule. Seit 2014 wandert er zu Fuß um die Welt und verfasste dabei mehrere Bücher.

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