Tag 706: Albanische Berge

Auch am Morgen mussten wir noch weiter über die Huckelpiste holpern, bis wir schließlich die Hauptstraße erreichten. Dass es sich bei dieser Straße noch immer um die gleiche handeln sollte, über die unten im Tal vierhundert Autor pro Minute rollten, konnte man sich kaum vorstellen. Sie war schmal, löchrig und kaum befahren. Genau das richtige also um auf ihr zu wandern.

Nach einigen Kilometern führte uns diese Straße in eine kleinere Stadt, die sich von denen im Tal ebenfalls deutlich unterschied. Sie war zwar genauso hässlich und bestand auch nur aus unwirtlichen Betonbauten, war dafür aber unwahrscheinlich leise. Nur wenige Menschen zeigten sich in den Straßen und Autos gab es so gut wie keine. Wieder kam dieses unheimliche Gefühl in uns auf, so als wären wir in eine Geisterstadt geraten, die ein finsteres Geheimnis barg. Wirklich wohl fühlten wir uns hier nicht, auch wenn es vielleicht die angenehmste Stadt der gesamten Region war. Im Zentrum gab es einen kleinen Platz, der sogar recht schön gemacht worden war. Er war gepflegt und sauber, besaß einige Parkbänke und sogar ein paar kleine Bäumchen zur Zierde. Dennoch war auch hier die Atmosphäre gespenstisch, was wahrscheinlich vor allem an den vielen Ruinen lag, die den Platz umgaben.

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Mit unserem Handy konnten wir vor einer Bar kurz unsere Mails abrufen und dabei herausfinden, dass man unser Zelt am besten dadurch reparieren konnte, dass man einen Flicken auf die kaputte Stelle nähte. Im Nachhinein betrachtet, ist das eigentlich eine recht naheliegende Idee, aber am Vorabend waren wir nicht darauf gekommen. Das heißt, daran gedacht hatten wir schon, nur hatten wir Angst gehabt, das Zelt dadurch noch stärker zu beschädigen. Nun konnten wir es beruhigt versuchen.

Wir verließen die Stadt und kehrten dabei wieder auf die Hauptstraße zurück. Dabei wurden wir von einem Mercedes überholt, dessen Fahrer die wohl ungewöhnlichste Idee zum Transport langer Gegenstände hatte, die wir je gesehen hatten. Er transportierte ein Abflussrohr, das ein gutes Stück länger war als sein Auto. Da es nicht hinein passte, transportierte er es außen. Nicht auf dem Dach, wie man vielleicht vermuten könnte, sondern seitlich. Es lag einfach auf dem Außenspiegel und auf dem geöffneten Tankdeckel auf. Damit es nicht herunterfiel, war es fachmännisch befestigt worden. Und zwar mit der Hand des Fahrers. Es gab kein Seil und keinen Gurt, mit dem er es abgespannt hatte, er hielt es einfach mit der linken Hand fest während es mit der rechten lenkte. Nur bremsen sollte er dabei nicht, denn dann wurde sein Rohr schnell zu einem Hohlmantelgeschoss von beeindruckender Länge.

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Kurz hinter der Stadt wurden wir in eine weitere Szene aus dem Bereich „Ungewöhnliche Verkehrsereignisse für Anfänger“ involviert. Ein kleiner LKW mit einem riesigen Berg Stroh kam uns entgegen. Auf diesem Berg saß ein ganzer Trupp von Arbeitern, die miteinander Quatschten und uns lauthals mit einem freundlichen „EY!“ grüßten. Dabei drehte sich einer der Männer um und ließ seine Tasche fallen, die vom Strohberg herunterkullerte und auf der Straße landete. Als der Mann das bemerkte neigte er seinen Kopf in Richtung Führerhaus und schrie seinem Fahrer die präzise Anweisung „EY!“ zu. „EY!“ war hier offensichtlich ein Generalwort, das man in jeder Situation und Lebenslage verwendete. Der Fahrer jedoch konnte seinen Passagier nicht hören, da der Motor lauter war als ein Düsenjet und er dazu noch vor sich hin trällerte. Also versuchte der Mann es noch einmal: „EY!“ dann noch einmal etwas lauter „EY!!!“ Und schließlich stimmten alle Männer auf dem fahrenden Strohberg mit ein: „EY!!! EY!!! EY!!!“

Der Fahrer merkte nun, dass irgendetwas nicht stimmte und schaute pflichtbewusst in den Rückspiegel. Doch aus irgendeinem Grund schien ihm nicht sofort klar zu sein, dass er das „EY!!!“ in diesem Fall als „Fahrer halt an! Meine Tasche ist runtergefallen und ich muss sie aufheben!“ interpretieren sollte.

Er fuhr also weiter und die Tasche wurde immer kleiner und kleiner. Schließlich verlor der Ex-Taschenbesitzer die Geduld und beschloss, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Er machte sich seine Tasche zum Vorbild und rutschte einfach bei voller Fahrt den Strohberg hinunter um dann vom fahrenden Wagen zu springen. Der Plan funktionierte bedingt. Das Ziel, auf der Straße zu landen, wurde erreicht. Nur in den Haltungsnoten gab es Punktabzug, denn wie zu erwarten, kam der Mann mit der gleichen Eleganz am Boden auf, wie seine Tasche. Er haute sich so dermaßen auf die Klappe, dass das gemeinschaftliche „EY!!!“ seiner Kameraden zu einem mitleidigen „OU!!!“ wurde. Erst jetzt verstand der Fahrer die Nachricht und bremste.

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Um es dem Mann nicht ganz so schwer zu machen, war ich in der Zwischenzeit zur Tasche gegangen, hatte sie aufgehoben und brachte sie ihm nun entgegen. Es war eine rosafarbene Schulmädchentasche, ein bisschen gewagt für einen Mann seines Kalibers, aber nicht ohne Stil.

„Thank You!“ sagte er als er die Tasche wieder in den Händen hielt und wünschte mir dann noch eine gute Reise. Offensichtlich gab es doch Situationen, in denen man seine Nachricht nicht bloß über ein „EY!“ ausdrückte.

Unser Zelt schlugen wir wieder auf einer Wiese, etwas außerhalb eines Dorfes auf. Den kompletten Nachmittag machte ich mich daran, die Löcher zu flicken und schaffte dabei gerade einmal ein drittel. Die Essenssuche verlief ähnlich wie am Vortag. Die Menschen in den Bergdörfern waren deutlich angenehmer als die in der Flachebene. Nur gab es in diesem Ort hier mehr Kinder als im letzten und diese machten es sich zur Aufgabe mich für den Rest des Tages zu begleiten und mir fragen zu stellen. Eigentlich waren sie ganz niedlich, zumindest wenn man davon absah, dass sie der Überzeugung waren, dass ich ihr Albanisch nur deshalb nicht verstand, weil sie zu leise sprachen. Und wenn man davon absah, dass sie sich mir ans Bein banden wie ein Dutzend bleierne Kugeln. Es kostete mich einiges an Mühe, sie abzuschütteln und ihnen soweit zu entkommen, dass ich ungestört zum Zelt zurückkehren konnte.

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Obwohl es in Albanien eigentlich an jeder Ecke Tankstellen gab, waren wir nun schon lange an keiner mehr vorbeigekommen, die auch wirklich geöffnet hatte. Unser Benzinkocher verlangte nun nach neuem Treibstoff und wenn wir nicht bald eine Lösung finden würden, dann mussten wir wieder auf kalte Ratte umsteigen. Doch für heute sollte das erst einmal kein Thema werden, denn der Tag machte ohnehin was er wollte. In der Früh hörten wir bereits, wie einige leichte Tropfen auf unser Zelt trommelten. Es war eine Art Vorgeschmack, für das, was später noch folgen sollte. Das Wetter wechselte heute mindestens genauso oft, wie die Berge und Täler. Wir wanderten ständig irgendwo rauf und auf der anderen Seite wieder hinunter. Dabei war es manchmal sommerlich warm, dann wieder windig kalt. Manchmal regnete es und manchmal schien die Sonne. Dann wurden wir plötzlich sogar mit Hagel beworfen und kurz bevor der Starkregen begann, kam wieder einmal für einen Moment die Sonne raus.

Seit wir am Morgen das kleine Dorf verlassen hatten, waren wir nu noch ein einziges Mal an ein paar Häusern vorbeigekommen. Danach gab es nichts mehr. Nur noch Berge, Wälder, Täler, Schluchten, Wiesen und Hügel. Schön war es ohne jede Frage, nur eben auch nicht unanstrengend. Und gerade, als der Regen wieder richtig einsetzte, bekam mein rechter Reifen einen Platten, der repariert werden wollte, bevor wir eine Chance hatten, dem Wolkenbruch zu entkommen.

Als wir schließlich einen Platz zum Zelten fanden, an dem wir uns auch mit Nahrung versorgen konnten, hatten wir bereits ganze 45km zurückgelegt.

Vor uns lag eine Kleinstadt, die direkt an eine Felsenklippe gebaut worden war. Wir zelteten ihr gegenüber etwas abseits der Straße. Der erste Platz, den wir und ausgesucht hatten, war leider komplett von Stacheldraht umgeben. Wieso zäunte man eine leerstehende Wiese so hermetisch mit Stacheldraht ein? Das brachte doch nichts! Der zweite Platz war etwas geschützter, dafür lag er an einem Abhang und bestand größtenteils aus aufgeweichtem Lehm. Doch viel mehr Alternativen hatten wir nicht. Es begann bereits wieder zu regnen und wenn wir uns mit dem Zeltaufbau nicht beeilten, dann würden wir im Schlamm versinken, vollkommen gleich, wo wir uns befanden.

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Wir schafften es gerade, das Zelt aufzustellen, da begann eine Sintflut, wie wir sie auf der ganzen Reise noch nicht erlebt hatten. Naja, einmal in Portugal vielleicht, aber damals konnten wir uns unterstellen. Heute waren wir innerhalb von Sekunden durchnässt und mussten nun versuchen alles halbwegs Trocken durch den Schlamm vom Wagen ins Zelt zu bringen. Dabei dämmerte es bereits und wir mussten bei jedem Hin und Her aufpassen, dass wir nicht auf den glitschigen Felsen ausrutschten oder uns im Dornengestrüpp verfingen.

Anschließend machte ich mich auf in die Stadt, um uns ein Abendessen zu besorgen. Kochen konnten wir bei diesem Wetter vergessen, vor allem, da es nun bereits stockdunkel war. Also musste ich etwas auftreiben, das wir auch kalt essen konnten. Ein Unterfangen, das bei weitem nicht so einfach war, wie ich es erhofft hatte.

Zunächst traf ich auf eine junge Frau, die sich unter einem Regenschirm vor dem Wetter versteckte, während sie ein paar andere Leute beim arbeiten beobachtete, die keinen Schirm hatten. Ich zeigte ihr meinen Zettel, den sie natürlich nicht unter den Schirm, sondern in den Regen hielt und sie versprach mir daraufhin, mir etwas zu organisieren. Ich solle ihr nur folgen.

Sie führte mich einige schmale Gassen hinauf zu einem anderen Grundstück. Die Stadt war wirklich so steil in den Hang gebaut worden, wie man es von weitem vermutet hatte und so waren die Häuser eher übereinander als nebeneinander. Sie ließ mich einen Moment vor der für warten, während sie eine Freundin auftrieb, die nebenan wohnte. Dann bat sie mich herein und bot mir einen Platz auf der Terrasse an. Die Einladung war sicher nett gemeint, aber mir war so kalt, dass ich mich nun nicht auch noch ins Freie setzen und plaudern wollte. Vor allem, da wir ja nicht einmal plaudern konnten, denn wir hatte ja noch immer keine gemeinsame Sprache. Es dauerte einige Momente, bis ich erkannte, dass es der Frau jedoch nur darum gegangen war. Ich war nicht hier um etwas zu Essen zu bekommen, sondern um als Maskottchen für ihre Freundinnen zu dienen. Unter anderen Umständen hätte das sicher auch sehr nett sein können, aber mir war kalt und ich hatte Hunger, weshalb ich nicht im geringsten zu solchen Späßen aufgelegt war.

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Ich verabschiedete mich höflich und machte mich erneut auf die Suche. Bei den nächsten Häusern hatte ich mehr Glück. Doch zum ersten Mal in Albanien fragte ich nun wirklich in einer Stadt und nicht auf dem Land. Der Unterschied war immens. Auf dem Land hatten die Menschen immer eigene Höfe mit großen Gärten und Unmengen an Gemüse, Kartoffeln und allem Möglichen gehabt. Hier aber lebten die Menschen in winzigen Häuschen, teilweise sogar Zimmerchen auf engstem Raum und sie besaßen selbst fast nichts. Einige schienen mir so arm zu sein, dass ich mich nicht einmal zu fragen traute und mich einfach nur entschuldigte und wieder ging. Darunter war ein altes Ehepaar, das in einem winzigen Zimmer lebte. Es war so klein, dass mir der Mann die Tür öffnete, ohne dabei sein Bett zu verlassen.

Ein anderes Haus hingegen war größer und so voller Leute, dass ich gar nicht mehr wusste, an wen ich mich überhaupt wenden sollte. Es waren alles alte Damen und alle versuchten meine Verwirrung dadurch aufzulösen, dass sie gleichzeitig durcheinander redeten. Je verwirrter ich dreinblickte, desto energischer wurden sie, bis ich schließlich kurz davor war, die Flucht zu ergreifen. Dann aber kam eine der alten Damen und bat mich noch einmal um meinen Zettel.

„Er will einfach etwas zum Essen!“ erklärte sie den anderen und damit löste sich das Chaos dann langsam auf. Die Hauseigentümerin ging zurück in die Küche und stellte mir eine Tüte mit Brot und einigen anderen Dingen zusammen. Die grauhaarige Dame, die das Chaos zuvor aufgelöst hatte, kümmerte sich derweil um mich wie um einen Enkel.

„Vergiss deinen Zettel nicht!“ bedeutete sie mir, als ich die Tüte ihrer Freundin im Rucksack verstaut hatte. „Und setz deine Kapuze wieder auf, damit du nicht krank wirst!“

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Bevor ich ging schaute sie noch einmal, dass ich wirklich nichts vergessen hatte und dann verabschiedete sie sich wie von einem Enkel, der hinaus in die Welt wollte.

Bei den nächsten Häusern war es dann wieder gemischter, in Sachen Erfolg. Einige sagten zu, andere sagten ab und langsam wurde es immer dunkler. Die Straßen waren steil und durch die Nässe extrem glatt. Außerdem tauchten immer wieder Stufen auf, die man im Dunkel kaum sehen konnte, so dass ich mehr als einmal kurz davor war, mich ordentlich auf die Nase zu legen. Unsicher tastete ich mich von einer Hauswand zur nächsten und versuchte dabei nicht vollkommen die Orientierung zu verlieren. Plötzlich stand ein Mann mit einem Esel vor mir, der völlig unvermittelt aus der Dunkelheit auftauchte.

Er war der einzige Mann den ich in diesem Dorf traf, der fließend Englisch sprach, doch das einzige, was er mir mitteilte war, dass ich mich gerade in einer Sackgasse befand. Hätte ich irgendwo hingewollt, wäre das sicher eine nützliche Information gewesen, doch für meine Zwecke spielte es eher eine untergeordnete Rolle, ob eine Straße ein Ende hatte oder nicht. In diesem Fall wohnte am Ende der besagten Straße ein Mann, der mich sogar nach innen in sein Wohnzimmer einlud. Ich war zwar Dankbar für das Angebot, der Nasskälte zumindest für einen kurzen Moment entfliehen zu können, wollte ihm aber auch nicht das komplette Haus einsauen. Immerhin tropfte der Wegen von mir herab wie von einer Gewitterwolke. Doch der Mann ließ nicht locker. Vorsichtig hüpfte ich von einem teppichfreien Fleck der Wohnung zum nächsten, damit ich so wenig wie möglich einsaute. Doch der Mann schien nicht allzu viel auf seinen Teppichboden zu halten und bedeutete mir endlich ins Wohnzimmer zu kommen, damit ich auf dem Sofa neben dem Kamin Platz nehmen konnte.

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Es war angenehm warm und ich bekam sofort einen Teller mit Honig und Honigwaben von der Frau des Mannes hingestellt. Sonst hatten die beiden nicht viel im Haus, aber sie schenkten mir eine Packung Reis.

Etwa zehn Minuten später stand ich wieder im Regen. So schön die Wärme auch gewesen war, lang hielt sie nicht an.

Da wir keine Chance hatten, den Reis heute Abend noch zuzubereiten, versuchte ich mein Glück noch bei einer einzigen weiteren Tür. Die Klingel war kaputt, deswegen klopfte ich an und wartete. Als sie sich öffnete blickte mir ein bekanntes Gesicht entgegen.

„Ach du bist es!“ sagte die weißhaarige Frau, die mich zuvor als Enkel adoptiert hatte. „Komm rein!“

Ich trat in einen winzigen Raum, der nicht viel größer war als unser Zelt. er diente der Dame sowohl als Wohnzimmer als auch als Küche. Von hier aus gingen zwei Türen ab. Eine führte in eine kleine Nische mit einem Bett und die andere in einen Verschlag, der als Badezimmer diente. An der Wand hing eine riesige Uhr, die auf Punkt 10:00 stehengeblieben war und wahrscheinlich schon seit Ewigkeiten nicht mehr ging. Auf der Anrichte stand in winziger Fernseher, etwa in der Größe eines Gameboys, der fast nur Bildrauschen zeigte in dem man hin und wieder mal eine Silhouette erahnen konnte. Auch der Ton bestand zu neunzig Prozent aus Rauschen und nur zu einem kleinen Rest aus Wortfetzen, die man vielleicht zu einem Dialog zusammenpuzzeln konnte, wenn man viel Fantasie hatte. Vor dem Fernseher stand ein Küchenstuhl, auf dem die Dame gesessen hatte, bis ich sie beim Fernsehen gestört hatte. Es war der einzige Stuhl den es im Haus gab.

Ich brauchte nichts mehr zu fragen, denn sie wusste ja was ich wollte. Ich lächelte mich an und machte sich sofort daran, mir eine kleine Brotzeit zusammenzustellen. Immer wieder öffnete sie dafür den Kühlschrank um nach irgendetwas zu suchen, was sie nicht finden konnte. Dann gab sie es auf und versuchte er eine Minute später noch einmal. Schließlich hielt sie zwei Wienerwürstchen in der Hand und machte dabei ein zufriedenes Gesicht. Ich selbst stand die ganze Zeit neben der Tür und versuchte, so wenig Platz wie möglich einzunehmen. Dabei fielen meine Blicke zunächst auf den riesigen Spalt, der zwischen der für und der Wand klaffte und durch den die Kälte von draußen hereinzog, wie durch ein offenes Fenster. Dann wurde ich jedoch von ihren Schuhen abgelenkt. Sie trug ausgelaufene und löchrige Pantoffeln, auf denen kleine Gesichter mit riesigen Kulleraugen aufgenäht waren. Als ich sie darauf ansprach mussten wir beide lachen. Kein Mensch braucht eine gemeinsame Sprache, wenn er Schuhe mit solchen Kulleraugen hat!

Dann verabschiedeten wir uns ein zweites Mal und ich kehrte durch die kalte, nasse Nacht zu unserem Zelt zurück. Dort musste ich mich im Vorraum erst einmal komplett nackt ausziehen, abtrocknen und neu einkleiden. Es gab keinen Millimeter mehr an mir, der nicht komplett nass war. Gott, wie freute ich mich jetzt auf einen warmen Schlafsack und ein entspanntes Abendessen!

Spruch des Tages: Kein Mensch braucht eine gemeinsame Sprache, wenn er Schuhe mit solchen Kulleraugen hat!

Höhenmeter: 600 m

Tagesetappe: 13 km

Gesamtstrecke: 12.586,27 km

Wetter: leicht bewölkt, später neblig

Etappenziel: altes Pfarrhaus, 88050 Petroná, Italien

Hier könnt ihr unser und unser Projekt unterstützen. Vielen Dank an alle Helfer!

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