Tag 820: Fast im Zelt ertrunken

von Heiko Gärtner
31.03.2016 01:42 Uhr

23.03.2016 Nach einem ebenso gehaltvollen wie leckeren Frühstück wurden wir wieder zurück zum Rathaus gebracht, wo unsere Wagen in einem kleinen Touristenbüro aus uns warteten. Beim Umpacken lernten wir einen jungen Mann kennen, der in Deutschland aufgewachsen und dann mit seinen Eltern hier her zurückgekehrt war. Es war schwer für ihn, sich hier richtig einzufinden, denn er hatte in seinem Geburtsland sogar noch mehr den Eindruck, ein Ausländer zu sein, als in Deutschland. Zum ersten Mal erfuhren wir auch von einem Einheimischen direkt, wie sich die Griechenlandkriese auf die Menschen ausgewirkt hat. Der junge Mann arbeitete in der Stadtverwaltung und hatte früher ein Gehalt von 1400€ im Monat bekommen. Nun betrug sein Einkommen gerade einmal noch 900€ im Monat und das bei steigenden Unkosten für Lebensmittel, Benzin und Miete. Dass da die Leute auf unsere gute Frau Merkel, der sie die Verantwortung für die Kriesenregelungen geben, nicht allzu gut zu sprechen sind, lässt sich nun auch wieder nachvollziehen.

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Der Regen, der bereits am gestrigen Nachmittag begonnen hatte, hatte noch immer nicht aufgehört. Es plätscherte Munter auf uns hernieder und machte auch nicht den Anschein, als wollte es je wieder aufhören. Erst nach einigen Stunden wurde es weniger und schließlich stoppte der Regen ganz. Heute hatten wir jedoch weniger Glück was die Schlafplatzsuche anbelangte. Obwohl es jede Menge Räume gab, fühlte sich niemand dafür zuständig. Zum ersten Mal bekamen wir ein anderes Gefühl zu den Leuten. Es gab viele Menschen hier, die wirklich hilfsbereit waren und sie tauchten immer wieder von den unglaublichsten Seiten her auf. Es gab aber auch eine große Gruppe von Menschen die keinerlei Gefühl zu haben schien. Für sie war es wichtig, dass man sich nicht in ihrem Dorf aufhielt. Ob man verschwand weil man irgendwo anders einen Platz fand oder weil man verstorben war, spielte keine Rolle. Hauptsache man stand nicht im Weg herum und sah dabei Fremd aus. Wir nutzten also die Trockenphase und bauten unser Zelt auf. Dabei stellten wir fest, dass wir es schon wieder an einer neuen Stelle flicken mussten. Die dauernde Beanspruchung im letzten Sommer hat den Stoff wirklich mürbe und emfpindlich gemacht. Lange wird er wohl nicht mehr halten und wenn dass soweit ist, verlieren wir unser Notfall-Dach über dem Kopf. Wir brauchen also dringend eine Ersatzlösung, wenn wir nicht am Ende doch noch zu Obdachlosen werden wollen. Darum möchten wir euch an dieser Stelle noch einmal um eure Hilfe bitten. Wenn ihr irgendwo auf dem Dachboden oder im Keller noch ein 3-Personen-Zelt habt, das nich allzu schwer oder allzu instabil ist und das ihr vielleicht nicht mehr braucht, dann könntet ihr uns damit einen riesigen Gefallen tun. Es muss auch nicht besonders schön sein. Vielen Dank schon einmal für eure Unterstützung!

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Gerade rechtzeitig schafften wir es auch, Heikos Bremsklötze zu erneuern. Dann begann der Regen von neuem! Und wie er begann! Er goss wie aus Eimern und wollte einfach nicht mehr aushören. Gut also, das wir das Zelt zuvor geflickt hatten, denn sonst hätten wir heute eine ordentlich kalte Dusche abbekommen. Da an Solarstrom heute nicht zu denken war, versuchte ich noch einmal einen netten Anwohner zu finden, der mich mit Strom versorgen konnte. Dieses Mal traf ich eine Familie, die eine Weile in Nürnberg gelebt hatte und die mir eine Steckdose auf der Terrasse, sowie heißen Tee und noch einiges an Nahrung für den Abend zur Verfügung stellte. Der Wind wurde nun so stark, dass er den Regen teilweise bis zu mir unter das Vordach wehte und das obwohl es riesig war und die Seite außerdem mit einer Plastikplane abgegangen war. Heiko wurde währenddessen mehrere Male fast von unserem Zelt erdrückt, weil sich dieses flach auf den Boden legte, um dem Wind auszuweichen. Alles in allem wurde es eines der heftigsten Unwetter, die wir je erlebt hatten.

Spruch des Tages: So viel Regen kann doch in diesem Himmel gar nicht sein!

Höhenmeter: 540 m Tagesetappe: 23 km Gesamtstrecke: 14.554,27 km Wetter: sonnig und bewölkt im Wechsel, nachts leichter Frost Etappenziel: Zeltplatz auf einer Wiese, 45500 Miliotades, Griechenland

Hier könnt ihr uns und unser Projekt unterstützen. Vielen Dank an alle Helfer!

Heiko Gärtner
Heiko Gärtner ist Wildnismentor, Extremjournalist, Survivalexperte, Weltreisender und einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Antlitz- und Körperdiagnostik. Nachdem er einige Jahre als Agenturleiter und Verkaufstrainer bei einer großen Versicherungsagentur gearbeitet hat, gab er diesen Job auf, um seiner wahren Berufung zu folgen. Er wurde Nationalparkranger, Berg- und Höhlenretter, arbeitete in einer Greifenwarte und gründete schließlich seine eigene Survival- und Wildnisschule. Seit 2014 wandert er zu Fuß um die Welt und verfasste dabei mehrere Bücher.

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