Tag 852: 15.000km zu Fuß um die Welt

von Heiko Gärtner
03.05.2016 19:21 Uhr

Heute gibt es etwas zu Feiern! Wir haben unsere 15.000km-Marke geknackt. Damit sind wir nun länger und weiter unterwegs, als wir es uns je hätten vorstellen können. Ein fettes Danke an unsere Füße, die uns den ganzen weiten Weg so tapfer getragen haben! Und natürlich auch noch einmal vielen Dank an alle, die uns die Reise bis hierhin ermöglicht haben! Auf die nächsten 15.000km!

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15.04.2016

Sogar die Nächte werden langsam richtig mild und es fühlt sich nun immer mehr nach Sommer an. Mit Marina haben wir die Flachebene erreicht, in der wir die nächsten Wochen erst einmal bleiben werden. Rings um die Ebene ragen die Berge in den Himmel und einige von ihnen sind noch immer schneebedeckt. Anstelle der unberührten, rauen Natur sind nun also wieder Felder und Plantagen gerückt. Heute waren es noch immer hauptsächlich Obstbäume aber langsam kommen auch die ersten Felder hinzu. Übernachten können wir heute wieder in einer alten, ausrangierten Umkleidekabine am Fußballplatz. Es ist dreckig und schäbig, aber mit einem Besen und unserer Plane konnten wir es uns einigermaßen wohnlich machen. Vielleicht spiegeln diese Räume aber auch gerade nur unseren eigenen Reinlichkeitszustand wieder. Dass wir uns richtig duschen und waschen konnten ist schon wieder eine halbe Ewigkeit her. Es ist einfach nicht möglich, sich hier zu pflegen, weil wir entweder keinen Wasserhahn haben, von Duschen und Badewannen mal ganz zu schweigen, oder weil es keine Möglichkeit gibt, die Sachen zu trocknen, wenn sie einmal gewaschen wurden. Und sie nass anzuziehen hilft auch nichts, das haben wir schon probiert. Alles stinkt, nicht nur wir selbst, sondern auch unsere Kleider. Vor allem die Füße und die Socken sind extrem. Es ist noch weitaus schlimmer geworden als in den letzten Jahren, wahrscheinlich deshalb, weil wir wieder einige Entgiftungsprozesse angestoßen haben. Und weil wir dieses Jahr weitaus wengier auf unsere Ernährung achten als zuvor. Nicht das wir es nicht wollen würden, aber es gestaltet sich einfach äußerst schwierig hier. Wir sind schon froh, dass wir zumindest den Zucker fast gänzlich streichen können. Jetzt im Moment kommt noch hinzu, dass Ostern hier in Griechenland deutlich später ist als in Deutschland. Dieses Jahr fällt es auf den 1. Mai. Zurzeit befinden sich die Griechen also in der Fastenzeit und die meisten hier nehmen das viel ernster als in Deutschland. Damit sind die Nahrungsvorräte also noch einmal geringer als sie es ohnehin schon sind.

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16.04.2016 Vor zwei Tagen hat sich Heiko beim Versuch, einen Klimmzug an einem Klettergerüst zu machen die Schulter verrissen. Es lag wohl nicht nur am Klimmzug, sondern auch an einem Lösungsprozess, der ohnehin schon einiges an Verspannungen verursacht hat. Heute jedenfalls erreichten die Schulter-, Rücken- und Nackenschmerzen ihren vorläufigen Höhepunkt. Ich wurde von Schmerzen erst einmal verschon, aber dafür läuft meine Nase, als würde sie für einen Marathon trainieren. Wie es aussieht, bleibt also auch die Frühlingszeit nicht ganz frei von Blessuren. Abgesehen davon ist es aber eine herrliche Zeit. Unseren Schlafplatz bekamen wir heute vom Pfarrer, der sogar Deutsch und Englisch sprach. Seine Karriere war in dieser Form wohl einzigartig, denn er hatte gleichzeitig eine Aufbildung zum orthodoxen Priester und zum Biochemiker gemacht. Als Jugendlicher hatte er in der Schweiz gelebt und war dann nach Amerika ausgewandert, wo er als Pfarrer arbeitete und eine Familie gründete. Seine Frau und sein jüngerer Sohn leben noch immer dort. Der ältere Sohn trat in seine Fußstapfen und wurde ebenfalls Biochemiker in der Schweiz. Wenn alles klappt, wird er demnächst nach Istanbul versetzt um dort die Stelle seines Vaters zu übernehmen. Erst jetzt verstand ich das wirklich kuriose an seiner Arbeitssituation. Am Wochenende lebte der Pfarrer hier im Ort und war Pfarrer. Sonntagsnachmittags fuhr er dann nach Thessaloniki, flog von dort nach Istanbuhl und arbeitete die Woche über als Biochemiker, bis er Freitag abend hier her zurück kehrte. Abgesehen davon, dass es leider wieder einmal keine Schallisolierung gab, war der Raum an sich nicht schlecht. Trotzdem war es dem Pfarrer unangenehm, dass er uns nichts besseres bieten konnte und er machte sich sofort auf die Suche nach einer Alternative.

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Zunächst kehrte er von seiner "kurzen" Erkundungstour überhaupt nicht zurück und so akzeptierten wir den Raum als Heimat und richteten uns ein. Als er dann zwei Stunden später wieder auftauchte, teilte er uns mit, dass wir hier leider nicht bleiben konnten. Man habe ihn darauf aufmerksam gemacht, dass dieses Gebäude der Stadt und nicht der Kirche gehöre und dass er als Pfarrer also nicht einfach irgendwelche Leute hier einquartieren könne. Wir müssten also noch einmal umziehen, in das Haus auf der anderen Straßenseite, das ich alst allererstes vorgeschlagen hatte. Wir sollten aber ganz ruhig bleiben, denn er müsse noch ein bisschen was vorbereiten und käme in einer halben Stunde wieder. Dann würde er uns zeigen, wohin wir gehen sollten. Wir rollten also alle Matten wieder zusammen, packten die Schlafsäcke ein und verstauten alles ordnungsgemäß wieder auf den Wagen. Doch auch dieses Mal ließ sich der Pfarrer nicht blicken. Zum Glück hatten wir unsere Computer draußen gelassen, so dass wir einfach weiter arbeiten konnten. Die Stühle in dem Wartezimmer, in dem wir uns befanden, waren bequem und es fehlte uns also erst einmal an nichts.

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Als der Pfarrer schließlich kam, war es bereits acht Uhr abends. Er war in Begleitung eines sehr zivil gekleideten Polizisten, der uns mit giftgrünem T-Shirt und slabbriger Jogginghose bat, unsere Ausweise registrieren zu dürfen. Das Thema mit dem Umzug war nun wieder vom Tisch. Wenn wir wollten, konnten wir bleiben, wenn nicht, dann konnten wir auch woanders hin. Wir entschieden uns dafür, dass es den Aufwand nicht wert war und bauten alle zuvor weggeräumten Schlafutensilien wieder auf. Als Ausgleich für das Hin und Her bot uns der Pfarer an, uns noch ein Abendessen zu besorgen. Das klang nach einem guten Angebot, jedenfalls so lange, bis wir es zu Gesicht gekamen. Sein Abendessen bestand aus einer riesigen Packung geschmacksneutralem Zwieback und einigen Scheiben Schmelzkäse. Zum Glück gab es um die Ecke eine Pizzeria mit einem freundlichen Besitzer, der uns eine große Pizza ausgab. Man muss wirklich sagen, dass die Griechen das Pizzabacken weit mehr drauf haben, als die Italiener. Wer hätte das gedacht?

Spruch des Tages: 15.000km! Das ist mal ne Hausnummer...

Höhenmeter: 50 m Tagesetappe: 14 km Gesamtstrecke: 15.001,27 km Wetter: durchgängiger Dauerregen Etappenziel: Alte, verlassene Schule, 62042 Gazaros, Griechenland

Hier könnt ihr uns und unser Projekt unterstützen. Vielen Dank an alle Helfer!

Heiko Gärtner
Heiko Gärtner ist Wildnismentor, Extremjournalist, Survivalexperte, Weltreisender und einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Antlitz- und Körperdiagnostik. Nachdem er einige Jahre als Agenturleiter und Verkaufstrainer bei einer großen Versicherungsagentur gearbeitet hat, gab er diesen Job auf, um seiner wahren Berufung zu folgen. Er wurde Nationalparkranger, Berg- und Höhlenretter, arbeitete in einer Greifenwarte und gründete schließlich seine eigene Survival- und Wildnisschule. Seit 2014 wandert er zu Fuß um die Welt und verfasste dabei mehrere Bücher.

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