Tag 921: Endlich wieder eine Schlafmatte!

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Tag 921: Endlich wieder eine Schlafmatte!

Tag 921: Endlich wieder eine Schlafmatte!

23.06.2016
Als ich zu unserem Zelt zurückkehrte, war Heiko bereits aufgewacht. Wir packten alles zusammen und machten uns auf den Weg nach Galati. Von hier aus waren es nun noch rund 15km und eine Fährfahrt über die Donau. Als unsere Fähre an der anderen Uferseite anlegte, waren wir bereits mitten in der Stadt. Wieder eröffnete sich uns eine völlig neue Welt, die mit dem übrigen Rumänien nicht das geringste zu tun hatte. Direkt am Donauufer gab es eine lange Promenade, an der es vor Sportlern nur so wimmelte. Jogger, Radfahrer, Skater, Boarder und Spaziergänger kamen uns entgegen oder überholten uns. Am Ufer hatten Boote mit Bars, Cafés und Restaurants festgemacht und aus irgendeinem Grund gab es hier plötzlich keine einzige Mücke mehr. Wie konnte das sein, wenn nicht ganz bewusst Gift versprüht wurde, um die Stadt mückenfrei zu halten?

Zwei riesige Hotelkomplexe ragten in den Himmel und wir versuchten unser Glück, ob wir hier nicht eine Übernachtung ergattern konnten. Man verströstete uns auf später und versprach, dass man sich bei uns melden würde, doch natürlich hörten wir nie wieder etwas.
Auffällig war, dass meist nur eine Straße zwischen einem absoluten Armutsviertel und einer Luxus- oder Scene-Gegend lag. Unsere Wegbeschreibung zur Post war nur ungefähr und so landeten wir zunächst in einem heruntergekommenen Gettho. Eine Straße zurück und dann links anstatt rechts, waren wir im Innenstadtbereich mit Rathaus, großen Einkaufszentren, Ärztehäusern und der gleichen mehr. Hier befand sich auch unsere Poststation, von der wir unser Paket ohne bürokratischen Aufwand abholen konnten. Es ging sogar weitaus schneller und unkomplexer als in Italien.

In einem kleinen Park neben der Post machten wir uns ans Umpacken. Dabei konnte ich zum ersten Mal an diesem Tag einen Blick auf meine Hüfte werfen. Sie schmerzte schon seit Wochen, weil ich immer wieder kleinere Stellen mit dem Hüftgurt meines Wagens wund rieb. Die letzten Tage hatte ich jedoch so sehr geschwitzt, dass meine Haut ständig nass war. Zusammen mit dem permanenten Schlafmangel hatte dies meine Haut so empfindlich gemacht, dass ich mir nun drei tiefe Fleischwunden in die Seite gerissen hatte. Sie waren nicht groß, aber so tief, dass man bis auf die Unterhaut blicken konnte. Dabei waren sie so entzunden, dass sie nicht einmal bluteten. Als Heiko die Wunden sah, entschied er, dass er die Paketlogistig alleine übernahm und schickte mich in eines der Ärztehäuser. Als ich der Sprechstundenhilfe unsere Reise erklärt und ihr meine Hüfte gezeigt hatte, verzog sie mitleidig das Gesicht und bat mich kurz Platz zu nehmen. Wenig später hatte sie eine Ärztin organisiert, die gerade keinen Patienten hatte und die mich unentgeltlich behandeln wollte. Es war gerade Mittagspause und so kamen neben der Ärztin gleich noch drei Arztehelferinnen, die bei der Behandlung assistierten. Nicht das es viel zu tun gegeben hätte, aber offensichtlich war ich gerade der spannendste Patient. Meine Hüfte wurde gereinigt, desinfiziert und dann mit einigen Klammerpflastern zugetackert. Anschließend wurde alles mit einem sterilen Klebeverband abgedeckt. Fürs erste war ich also wieder instantgesetzt. Doch leider mussten wir im Anschluss noch einmal gute 15km wandern und als wir am Abend das Zelt aufbauten, hatten sich alle Pflaster durch die Schweißnässe bereits wieder gelöst. Dennoch verschlossen sich die Wunden innerhalb der nächsten Tage und wurden durch neue ersetzt. Heute sieht meine Hüfte sogar noch weitaus schlimmer aus und ich habe noch immer keine Idee, wie ich damit umgehen soll.

Zunächst aber mussten wir das Paket mit Heikos alter Matte wieder zurück nach Deutschland schicken. Jetzt wurde die Post dann doch etwas komplexer, denn sie nahm weder Euro noch Kreditkarten oder andere Zahlungsmittel, die keine Rumänischen Lei waren. Irgendwie mussten wir also Geld wechseln. Laut Aussage mehrerer Passanten sollte es eine Wechselstube im Einkaufszentrum geben. die gab es auch und ich fand sie relativ schnell, nur behauptete der Besitzer, dass er überhaupt kine Wechselstube sei. Drei Mal lief ich im Zentrum auf und ab, bis ich verstand, dass mich der Mann einfach anlog und er genau der jenige war, zu dem mich alle schickten. Es sei kompliziert, erklärte er mir auf meine ärgerliche Frage, warum er mich hier im Kreis rennen ließ. In gewisser Weise sei er schon eine Wechselstube, aber nicht für Bargeld und deshalb könne er mir nicht helfen. Für was er zuständig war, konnte er mir aber auch nicht erklären. Also lief ich nun wieder in der Stadt umher, bis ich schließlich eine Filiale der Western Union Bank fand, in der man Geld wechseln konnte. Es standen rund zehn Personen im Warteraum, die mich jedoch bereitwillig vor ließen, als sie erfuhen, dass ich nur „kurz“ Geld wechseln wollte. Wenn sie gewusst hätten, was das Geldwechseln hier für ein Akt war, dann hätten sie es sicher nicht getan. Die gute Dame am Tresen war bei weitem nicht die Hellste. Nicht nur, dass sie keine Ahnung vom Wechselkurs hatte, bis ihr Kollege ihn durch die ganze Filliale schrie, sie machte die Aktion auch so komplex, wie sie nur konnte. Ich musste sogar meinen Ausweis vorzeigen und meine Personalien angeben, weil ich Geld im Wert von 20€ tauschen wollte. Als ich endlich fertig war, war so gut wie jeder Mensch in der Bank genervt, außer der guten Sachbearbeiterin.

Der Weg aus der Stadt war auf seine Art ebenso spannend wie der Weg hinein. Wir folgten einer großen Hauptstraße, an der sich eine Uni an die nächste reihte. Es wimmelte von Studenten, die sich hier eine ganz eigene Parallelwelt aufgebaut hatten und plötzlich gab es auch überall die hübschen, erotischen Frauen, für die Rumänien so berühmt war.
An einer Imbissbude fragten wir nach etwas zum Essen. Zunächst sprach ich mit einer jungen Frau, die mich sofort wieder aus dem Laden werfen wollte, weil ich ihre Sprache nicht sprach. Sie wusste nicht einmal, dass ich kein Geld hatte, sondern nahm mich in diesem Moment nur als ganz gewöhnlichen Kunden mit anderer Nationalität wahr. Dennoch weigerte sie sich, mich zu bedienen. Kurz darauf kam jedoch der Chef zurück, der uns gegenüber weitaus aufgeschlossener war. Er rief einen Freund an, der Deutsch sprach und für uns übersetzen konnte und kurz darauf bekamen wir eine Supper und anschließend ein Reisgericht mit Fleisch.

Eigentlich hatten wir gehofft, dass wir nach dem Verlassen der Stadt recht schnell einen Schlafplatz finden würden, doch das war leider ein Irrglaube. Wir folgten einer Straße, die uns an einem See entlang führte und immer mehr verwilderte. Schließlich mussten wir uns dann vollkommen durchs Unterholz und durch tiefes Gras schlagen, bis wir nach rund 7km wieder auf einen einigermaßen festen Weg stießen. Unter einer Weide bauten wir unser Zelt auf und Heiko konnte nun zum ersten Mal seine nuee Matte testen. Er war begeistert! Sie wog nur ein paar Gramm mehr als die alte, doch sie war eine Isomatte, sie war ein Sofa! So bequem war das Schlafen im Zelt noch nie gewesen! Für jeden, der gerne zeltet aber auch gerne in einem richtigen Bett schläft, ist die Them-a-rest Neo Air Dream absolut zu empfehlen. Beguemer und angenehmer kann man im Freien einfach nicht schlafen. Dabei ist das Prinzip vollkommen einfach. Es ist eine stinknormale Luftmatratze, ohne selbstauflasenden Schaumstoff in der Mitte. Dieser Schaumstoff liegt dann als weiche Auflage oben auf der Mattratze auf und das ganze ist in einen waschbaren Bezug verpackt, der ein kuschelig weiches Fleece an der Oberseite hat. Wie gesagt, simpel aber genial!

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Um den Mücken auszuweichen, Wasser zu beschaffen und einen ruhigen Platz zum Arbeiten zu finden, stieg ich die Böschung hinauf bis ich den nächsten Ort erreichte. Hier fand ich einen kleinen Minimarkt mit eingegliederter Bar, der von einer freundlichen italienischen Mama betrieben wurde. Ich durfte Strom und die Terrasse nutzen, bekam Essen und Wasser und konnte ungestört arbeiten. Das einzige, was nicht ungestört möglich war, war die Benutzung der Toilette. Es handelte sich um ein übliches Plumsklo, das direkt neben der Bar an der Straße lag. Kaum hatte ich mich hineinbegeben, kamen zwei Jugendliche und schoben von außen den Riegel vor. Sofort stellten sich mir zwei elementare Fragen. 1. Wieso zum Teufel brachte man an eine solche Toilette außen einen Riegel an, den man von innen nicht öffnen konnte? 2. Wie zum Teufel komme ich nun aus diesem Scheißklo wieder raus? Meine Versuche, mich selbst zu befreien schlugen jedenfalls fehl. Mir blieb also nichts anderes übrig, als um Hilfe zu schreien, bis mich die Barbesitzerin befreite. Ein schelmisches Grinsen konnte sie sich nicht verkneifen, aber das hätte wohl auch niemand geschafft. Sie offenbarte mir jedoch, dass ich nicht der erste war, dem dieses Klo zum Verhängnis wurde, denn unter den Jugendlichen war es ein beliebter Sport, die Toilettengänger darin einzusperren.

Spruch des Tages: Das ist nicht nur ein Bett, das ist ein Sofa!
Höhenmeter: 240 m
Tagesetappe: 18 km
Gesamtstrecke: 16.310,27 km
Wetter: sonnig und heiß
Etappenziel: Zeltplatz hinter einer verlassenen Lagerhalle, Valea Mare, Moldawien

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About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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