Tag 1152: Eichhörnchen im Traumgeschehen

///Tag 1152: Eichhörnchen im Traumgeschehen

Tag 1152: Eichhörnchen im Traumgeschehen

Tag 1152: Eichhörnchen im Traumgeschehen

27.02.2017

In der Nacht hatte Heiko einen etwas seltsamen Traum von einem Eichhörnchen. Wir waren gemeinsam im Wald unterwegs, als Heiko den kleinen Nager bemerkte. Wie in alten Survival-Zeiten machte er sich daran, das Tier zu jagen um es uns als Abendessen zu servieren. Anders als auf den meisten Kursen klappte es hier im Traum sogar tatsächlich. Er erwischte das Eichhörnchen, hielt seinen Körper mit der einen Hand fest und wollte es mit der anderen Hand töten, indem er ihm das Genick brach. Doch als er den Kopf herumdrehte, brach das Genick keineswegs. Der Kopf verhielt sich viel mehr so, wie es oft in Trickfilmen gezeigt wird. Er drehte sich einmal komplett im Kreis und das wars. Ich kam Heiko nun zu Hilfe und wir versuchten gemeinsam den Eichhörnchenkopf so umzudrehen, dass das Tier daran starb. Doch es passierte nicht. Der Kopf ließ sich viele Male herumdrehen und schnellte dann wie ein Gummiband einfach wieder zurück.
Gleich nach unserer heutigen Ankunft schlugen wir in unseren Unterlagen nach, was “Eichhörnchen” für eine symbolische Bedeutung hatte, wenn es einem im Traum erschien. Und wie so oft traf die Beschreibung wie die Faust aufs Auge.

Ein Eichhörnchen, wenn es einem im Traum erscheint, weist darauf hin, dass man besonders aufmerksam gegenüber Lug und Trug sein soll. Vieles von dem, was um dich herum geschieht, ist nicht so wie es scheint. Es kann sein, dass dich Menschen aus deinem nächsten Umfeld oder solche die dir wichtig sind, in gravirendem Maße anlügen, oder dass sie dir eine Welt vorspielen, die nicht existiert. Es kann sogar sein, dass Dinge, Situationen oder Menschen, die du als wahr und real ansiehst, nicht mehr sind als Schein und Fassade. In nächster Zeit oder vielleicht auch schon in den vergangenen Tagen, wirst du immer mehr auf Lügen aufmerksam werden und sie enttarnen. Dies kann teilweise zu großen Enttäuschungen führen, in denen aber stets auch ein Segen und ein Geschenk verborgen liegt, da jede Desillusionierung zu mehr Klarheit und Freiheit führt.

Es war ein bisschen, als wäre dieses Kapittel des Buches direkt für uns und für genau diese Situation geschrieben worden. Zum einen, weil wir tatsächlich erst einen Tag zuvor eine e-Mail von einem alten Freund bekommen hatten, die deutlich machte, dass wir hier schon sehr lange einer Lüge und auch einer Illusion auferlegen waren. Zum anderen, weil wir gerade in diesem Moment immer mehr die Illusionen um uns herum erkannten, die uns vom eigentlichen Leben abhielten. In den Wildnisausbildungen hatten wir immer wieder von den unterschiedlichen Weltensystemen gesprochen, in denen wir uns als Menschen aufhalten können. Der Zivilisationsmensch verbringt den Großteil seines Lebens dabei im sogenannten Beta-Zustand also in einem Zustand der Nicht-Präsenz, der Unaufmerksamkeit und der Nicht-Kontrolle. Wir befinden uns nicht im Hier und Jetzt, treffen keine bewussten Entscheidungen und sind nicht Herr über unsere Lebensgeschichte, sondern steuern ein bisschen wie Zombies umher, immer getrieben von Stress, Angst und dem Gefühl von Muss, Soll und Verpflichtung. In diesem Zustand, ist kein Lernen, keine Entwicklung und keine Heilung möglich, hieß es dabei stets. Es ist ein illusionärer Zustand, ein Zustand also, in dem wir wie in einer Höhle vor einem Diaprojektor sitzen, auf dem uns Bilder vom Leben gezeigt werden, anstatt dass wir hinaus gehen und das Leben selbst erfahren. So richtig hatte ich das nie verstanden. Klar war mir bewusst, dass es irgendwie darum ging, aufmerksam zu werden, raus zu gehen, im Hier und Jetzt präsent zu werden und wirklich mit dem Leben zu beginnen. Doch die Tragweite hatte ich nie erfasst. Mir war nie klar gewesen, dass es bedeutete, dass alles um mich herum eine Lüge, also eine Illusion war. Dass ich nicht lernen konnte, weil ich überhaupt nichts erlebte, sondern nur zu erleben glaubte. Ich saß in meiner Höhle, schaute fern und wunderte mich stets, warum sich dadurch nie etwas veränderte. Erst jetzt wird mir dieser zusammenhang langsam klar. Als wir noch einmal über die Muskeln austesteten, kam heraus, dass Heiko in seinem bisherigen Leben rund 1/12 real erlebt und den Rest als Illusionsfilme wahrgenommen hatte. Bei mir war es noch weitaus dramatischer, denn ich war gerade einmal mit 1/120 an Realmomenten dabei. Heidi lag bei 1/360. Die Sache mit dem Switch zwischen dem Beta-Zustand und dem sogenannten Alpha-Zustand also dem Zustand der Präsenz, der Wachheit und des realen Erlebens wurde damals immer so lapidar dahin gesagt. Klar, es hieß stets, dass es eine dicke Mauer zwischen beiden Welten gibt, die durchbrochen werden will. Doch hatte ich nie geglaubt, dass sie so dick ist. Noch immer weigerte sich mein Kopf, mein bisheriges Leben als Illusion anzuerkennen und zu verstehen, dass ich bisher nie wirklich etwas erlebt hatte. Und das, obwohl es so naheliegend war, da ich in jeder Sekunde spürte, dass ich immer und immer wieder die gleichen Fehler machte. Eine Sache, die bei echtem Erleben kaum möglich ist. Wer auf eine heiße Herdplatte langt und sich dabei verbrennt, der langt nicht direkt danach noch einmal hin. Wer aber einen Film darüber sieht, dass jemand, mit dem er sich identifiziert auf eine Herdplatte fasst, der kann sich diesen Film auch hunderte Male anschauen, ohne etwas davon zu lernen. Es ist wie mit dem Unterricht in der Schule. Wenn wir von unserem Lehrer den Aufbau einer Pflanze erklärt bekommen, ohne dass wir einen Bezug dazu haben, dann bleibt das Wissen mit etwas Glück gerade bis zum nächsten Test haften, bevor es wieder verschwindet. Gehen wir jedoch raus in den Wald und machen uns selbst auch unsere eigene Entdeckungstour, bleibt das wissen für immer in uns bestehen.

Das gleiche Gefühl hatte ich immer wieder bei Dingen, die ich eigentlich lernen wollte. Ich hörte, sah oder las, was es zu erfahren galt, machte aber keine realen Erfahrungen und somit konnte auch nichts hängen bleiben und nichts verwandelt werden. Und doch: Mein Verstand glaubte zu 0,01% daran, dass meine Erfahrungen aus Illusionen bestandne, mein Herz zu 12% und meine Seele immerhin zu 51%. Bei Heiko und Heidi war es anders. Ihre Herzen hatten es zu 99% angenommen und ihre Seelen waren bereits unumsößlich davon überzeugt. Bei Heiko konnte es sogar der Verstand zu 81% annehmen. Bei Heidi hingegen machte ihr Kopf hier noch einen Strich durch die Rechnung, denn er glaubte es mit 0,001% sogar noch weit weniger als meiner.
Spannend ist jedoch, dass es bei uns allen in diesem Jahr bereits eine deutliche Entwicklung in Bezug auf das Realerleben gegeben hatte. Zugegeben, meine ist im Vergleich die geringste, denn ich bin noch immer gerade einmal bei 10% meiner Zeit, die ich nicht im Illusionistischen und erfahrungsleeren Beta-Zustand verbringe. Heidi ist hingegen bereits auf 33% gekommen, was spannenderweise genau die Zeit ist, die sie in Gedanken, Gesprächen und Briefen, bzw. Mails mit uns verbringt. Heiko hatte es sogar schon auf 95% gebracht, wobei ihn die letzten 5% die noch fehlten weit mehr plagten als mich die noch fehlenden 90%.

Ein Grund, warum es mir noch immer nicht gelingen wollte, gänzlich in der Gegenwart präsent zu werden, war, dass ich mich, was meine Vergangenheit anbelangte noch immer betrogen fühlte. Ich war noch immer wütend auf meine Mutter und mein Umfeld, weil die Dinge so gelaufen waren, wie ich es in meinen Erinnerungen für wahr hielt. Ich hatte noch immer Wut in mir, noch immer eine offene Rechnung, die ich beglichen haben wollte und die ich nicht loslassen konnte. Auch Heidi ging es hier ähnlich. Und wieder einmal ging es dabei vor allem um Angst. Die Angst davor, selbst für alles Verantwortlich zu sein und mit dem Loslassen den Weg anzunehmen, der zwar Freude, Entwicklung und Leichtigkeit bringen, aber auch ansträngend und herausordernd werden konnte.
Auch das hatte das Eichhörnchen wohl mit seiner Ankündigung gemeint. Es ging auch darum, die eigenen Lügen zu erkennen und loszulassen, um so die darunterliegenden Gefühle wahrnehmen und dann wirklich loslassen zu können.

Mehr für dich:
Tag 948: Ein schlauer Fuchs

Spruch des Tages: Lügen glauben nur Menschen, die sie glauben wollen! (David Tatuljan)

Höhenmeter: 80 m
Tagesetappe: 26 km
Gesamtstrecke: 21.134,27 km
Wetter: bewölkt, kalt und regnerisch
Etappenziel: Kloster „Saint Jean“, 16370 Cherves-Richemont, Frankreich

Hier könnt ihr uns und unser Projekt unterstützen. Vielen Dank an alle Helfer!

Bewertungen:

 

About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

Leave A Comment

Translate »