Tag 817: Die Rückkehr nach Griechenland – Teil 2

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Tag 817: Die Rückkehr nach Griechenland – Teil 2

Tag 817: Die Rückkehr nach Griechenland – Teil 2

Fortsetzung von Tag 816:
Noch immer verstanden wir nicht ganz, warum wir in der Lage waren, Menschen mit einer Rakete auf den Mond zu schießen, es aber nicht zustande brachten, eine Fähre zu bauen, die nicht ununterbrochen vibriert und dröhnt. Rein theoretisch musste doch nur eine Schiffsschraube angetrieben werden. Das dürfte doch eigentlich nicht so schwer sein. Ob das auf den großen Kreuzfahrtschiffen wohl genauso war? Eines stand jedenfalls fest, wenn wir wirklich mit dem Schiff nach Amerika fahren wollten, dann brauchten wir eines, das nicht so dröhnte. Ein Segelschiff zum Beispiel. So eines wie aus der Becks-Werbung vielleicht.

Doch zurück zu unserer Fähre. Da wir ohnehin nichts zu tun hatten, da es niemanden gab den wir störten und da wir irgendeine Form der Ablenkung von dem Dröhnen brauchten, entschlossen wir uns, einen Videoabend zu machen und uns den neuen James Bond Film anzuschauen. Wenn man mit dem Flugzeug irgendwo hinfliegt, macht man es ja schließlich genauso. Das einzig störende dabei war die schrille Ansagestimme, die alle Nase lang ertönte und uns auf irgendwelche Banalitäten aufmerksam machte. So Dinge wie „Das Buffet ist nur noch 15Min geöffnet“ oder „Wenn das Boot sinkt, verfallen Sie nicht in Panik und schauen sie, dass Sie gut schwimmen können!“ Das ganze wäre ja in Ordnung gewesen, wenn es nicht immer gleich auf fünf Sprachen wiederholt worden wäre und wenn die Lautsprecher nicht so übersteuert gewesen wären, dass man wirklich Ohrenschmerzen davon bekam. Die beste Ansage ertönte jedoch morgens um 4:00Uhr. Wir hatten nach längerem hin und her gewälze endlich den Weg in die Tiefschlafphase gefunden, als uns die krächzende Stimme plötzlich senkrecht auf den Luftmattratzen stehen ließ.
„Verehrte Fahrgäste! In eineinhalb Stunden erreichen wir Igoumenitsa. Alle Passagiere die dort aussteigen wollen, sollten bedenken, dass es aus sicherheitstechnischen Gründen verboten ist, sich bereits jetzt auf dem Rezeptions-Deck aufzuhalten. Bitte bleiben Sie in ihren Zimmern bis wir etwas anderes sagen!“
Danke dafür! Hätte sie sich die Ansage gespart, wäre sicher niemand auf die Idee gekommen, jetzt schon das Deck zu verlassen, weil jeder geschlafen hätte. In den folgenden eineinhalb Stunden wiederholte sie die gleiche Ansage im Tackt von 15 Minuten.

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Obwohl wir abgesehen von der morgendlichen Störung sogar einigermaßen gut geschlafen hatten, waren wir doch froh, das Schiff endlich verlassen zu können. In Griechenland ging gerade die Sonne auf. Es war noch schweinekalt, aber es wurde ein herrlicher Tag. In der Morgenstimmung an einem Sonntag sah nun alles viel friedlicher und idyllischer aus als bei unserem ersten Besuch hier. Wir wanderten noch etwa zehn Kilometer bis in einen kleinen Hafenort. Dort frühstückten wir an der Strandpromenade. Anschließend machte ich mich auf die Suche nach einem Schlafplatz und war damit sogar erfolgreich. In der Kirche wurde gerade die Messe gehalten. Bislang hatten wir geglaubt, dass es die Katholiken damit gerne etwas übertreiben, doch die Orthodoxen waren sogar noch schlimmer. Das Glockenleuten wollte überhaupt kein Ende nehmen und die Messe dauerte über zweieinhalb Stunden. Das war länger als unser James Bond Film! Der Köster, der im Vorraum der Kirche Wache stand warf mich erst einmal wieder hinaus, als ich ihn nach dem Pfarrer fragen wollte. Doch schließlich hatten wir dann Glück. Eine ruppige Dame, die fließend Deutsch sprach bot sich als Dolmetscherin für den Pfarrer an und sie tat es auf eine Art, dass er nicht wagte, uns abzulehnen. Einen Gemeinderaum hatte er nicht, aber er bezahlte uns ein kleines schäbiges Gästezimmer am Strand. Besser hätte es nicht laufen können! Spannend war jedoch, dass in der Nähe die gleichen Hunde bellten, die gleichen Glocken läuteten und die gleichen Obsthändler mit ihren Marktschreier-Ansagen durch die Straßen fuhren, wie in Italien. Trotz der langen Fahrt merkten wir also eigentlich keinen Unterschied zu gestern.

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Spruch des Tages: Mit ein klein wenig Equipment kann man es sich auf so einer Fähre sogar ganz gemütlich machen.

Höhenmeter: 380 m
Tagesetappe: 19 km
Gesamtstrecke: 14.497,27 km
Wetter: Erst Regen, dann bewölkt, später sogar sonnig
Etappenziel: Gemeinschaftssaal unter der Bar, 44002 Kastaniani, Griechenland

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About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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