Tag 907: Wasserknappheit

02.06.2016 Das Wasser einmal so ein Problem werden sollte, hätten wir nie gedacht. Quellen gab es keine mehr, das Leitungswasser war untrinkbar und die Minimärkte verkauften fast ausschließlich Bier, Fanta und Cola. Wir kamen uns langsam ein bisschen vor wie in dem Film Idiocraty. Er parodiert recht anschaulich, wohin unsere Gesellschaft kommt, wenn wir uns so weiter entwickeln wie bisher und uns immer mehr auf Fastfood, Fernsehen und Smartphones konzentrieren. Am Ende wurde sogar zum Blumengießen und für die Toilettenspühlung ein Engergie-Drink verwendet, weil die Menschen nicht einmal mehr wussten, dass man Wasser ohne Zucker überhaupt verwenden konnte. Viel Unterschied zu diesem System hier gab es da nicht mehr.

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Am Nachmittag erreichten wir eine Wiese mit einigen Bäumen und einem recht nervigen Kuhirten, die wir als Tagesheimat auserkoren. Ideal war es mal wieder nicht, aber es war das beste, was wir finden konnten und daran hatten wir uns ja inzwischen gewöhnt. Meine Tagesaufgabe hätte eigentlich darin bestehen sollen, die Einleitung des Buches fertigzustellen, doch ich schrieb mich um Kopf und Kragen und kam einfach nicht voran. Um mir meine innere Zerrissenheit und Zwiegespaltenheit zu diesem Thema zu spiegeln, bekam ich Besuch von einem Ameisenstaat, der als geschlossene Gruppe über meine Beine und meinen Rücken krabbelte. Ih war nun so verbissen, dass ich einfach nicht mehr weiterkommen konnte und doch versuchte ich es krampfhaft zu erzwingen. Erst nach einer kurzen Frustwanderung und einer langen Besprechung mit Heiko löste sich der Knoten ein wenig und ich konnte weiterschreiben. Ich schieb die halbe Nacht durch und bekam dabei sogar einen Text hin, der einigermaßen Sinn ergab. Die Betonung liegt dabei jedoch auf einigermaßen, denn ein Großteil stimmte noch immer hinten und vorne nicht und insgesamt wurde ich mit meinem Text nun so lang, dass ich vollkommen den Rahmen des Buches sprengte. Aber das sollte mir erst einige Tage später bewusst werden.

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03.06.2016 Der heutige Tag verlief relativ ereignislos und ähnelte in allen Bereichen den letzten. Die Landschaft bestand aus immer den gleichen Feldern, das Wetter aus immer der gleichen Hitze und das Essen aus immer dem gleichen Brot, der gleichen Wurst und dem gleichen Gemüse. Unser Zelt bauten wir in einem Gebüsch kurz von einem Mini-Ort auf, in dem ich sogar unerwarteter Weise einen Platz fand, an dem ich mienen Laptop laden konnte. Es war eine Art Aufenthaltsraum in einem ansonsten leeren Gebäude, in dem die alten Männer abends zum Saufen und Kartenspielen kamen. Irgendwann entdeckte mich der Bürgermeister und schenkte mir einige Dinge aus dem benachbarten Minimarkt. Wie es die Dorfbewohner schaffte, unser Zelt ausfindig zu machen weiß ich nicht, doch als ich am Abend wieder zurück war, tauchte der gleiche Mann gmeeinsam mit einigen anderen Einheimischen auf, und wollte uns um jeden Preis überreden, unser Zelt abzubauen und bei ihm zu übernachten. Es war ja unheimlich lieb gemeint, aber leider überhaupt nicht hilfreich, vor allem, weil es uns fast eine viertelstunde kostete, ihm die Idee wieder auszureden.

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04.06.2016 In der Nacht hatte es ein heftiges Gewitter gegeben und auch heute wechselte das Wetter permanent zwischen Regen und einer erschöpfenden Schwülwärme. Das war dann aber auch alles, was dieser Tag an Abwechslung bot. Die Landschaft blieb wieder gleich, ebenso die Probleme bei der Zeltplatzsuche. Nur mit dem Essen hatten wir mehr glück, denn wir trafen einen jungen Türken, der uns mit allem versorgte.

Spruch des Tages: Ein Tropfen auf den heißen Stein

Höhenmeter: 120 m Tagesetappe: 26 km Gesamtstrecke: 16.056,27 km Wetter: sonnig und heiß Etappenziel: Zeltplatz neben den Bahngleisen, 7km hinter 800000 Galați, Rumänien

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