Tag 950: Kein Ausweg aus dem Touristenchaos

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Tag 950: Kein Ausweg aus dem Touristenchaos

Tag 950: Kein Ausweg aus dem Touristenchaos

24.07.2016

Von unserer Bauruine aus kamen wir nun in einen neuen, noch größeren Canyon , der uns tiefer ins Zentralgebirge führte. Die Natur und die Berge, die uns umgaben waren wunderschön, doch ähnlich wie damals in Andorra konnte man sie kaum noch wahrnehmen, da alles so sehr verbaut war. Nun gab es wirklich keinen Millimeter mehr, an dem kein Haus oder Gartenzaun stand. Es war, als hätte man die Welt hier in kleine Teile zersägt und unter den Menschen aufgeteilt. Alles, aber auch wirklich alles war im Privatbesitz und jeder Grundstücksinhaber setzte alles daran, sich selbst ein- und alle anderen auszusperren. Gleichzeitig kamen nun immer mehr Hotels und die Gegend wurde zu einer reinen Touristenregion. Dies brachte nun auch alle anderen Nachteile mitsich, die wir von Touristengegenden bereits kannten.

Die ursprüngliche Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Ukrainer war vollkommen verloren gegangen. Noch immer war es möglich, bei den Minimärkten etwas zum Essen oder zum Trinken zu bekommen, doch es wurde spatarnischer und die Menschen gaben ohne jede Freude. Die Intention der Verkäufer lag nun einmal darin, so viel wie Möglich aus den Touristen herauszusaugen und da passten wir nicht ganz in Muster. Doch auch die Touristen selbst schienen nicht wirklich mit Freude hier zu sein, was ebenfalls verständich war, denn es gab nichts was man hier als Urlauber hätte tun können. Die Berge waren absolut unerschlossen und die einzigen Seitenwege, die in die Wälder führten, waren die Rüttegassen der Forstfahrzeuge, die aus knietiefem Schlamm bestanden. Wandern fiel also schon einmal flach. Ansonsten gab es die Hauptstraßen und die Hotels, die aber auch nichts boten. Das einzige, was man hier wirklich ausgiebig tun konnte war, sich zu langweilen, dem Verkehr zu lauschen oder selbst mit dem Auto hin und her fahren. Die meisten nutzten diese Optionen im Wechsel oder sogar gleichzeitig.

Da es heute leider keinen Ausweg aus dem Canyon gab, wurde die Schlafplatzsuche zur reinsten Tortur. Wir wanderten, wanderten und wanderten ohne irgendwo einen auch nur halbwegs geeigneten Platz zu finden. Erst nach über einer Stunde entdeckten wir einen Seitenweg, der hinauf in einen Wald führte. Hier war es plötzlich ruhig und friedlich und wir konnten unser Zelt neben einer kleienn Jagdhütte errichten. Es duftete nach Fichtennadeln und der ganze Platz stöhmte eine Harmonie aus, die man hier niemald vermutet hätte. So schön wäre das Tal also ,wenn es hier keine Menschen gäbe.

Doch auch hier dauerte es wieder nicht lange, bis die erste Menschen auftauchten. So ungestört, wie wir im Balkan hatten zelten können, war man hier einfach nie. Es war schon ein seltsamer Anblick, als zwei kleine Mädchen mit Chipstüten mitten aus dem Wald kamen und knabbernd an uns vorrüber gingen. Eine Stunde später kamen sie von der anderen Seite und kehrten noch immer knabbernd in den Wald zurück.

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Höhenmeter: 24 m
Tagesetappe: 15 km
Gesamtstrecke: 17.088,27 km
Wetter: sonnig und heiß
Etappenziel: Pilgerherberge, Máriapócs, Ungarn

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About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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