Tag 112: Der Sturm

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Tag 112: Der Sturm

Tag 112: Der Sturm

Der Weg von Zarautz führte nicht direkt in die Berge, sondern verlief eben an der Küste entlang. Die Aussicht nach rechts war traumhaft, der Lärm von links leider nicht. Früher musste hier einmal eine kleine Küstenstraße gewesen sein, doch nun hatte man sie zu einer Schnellstraße erweitert, die mit aller Gewalt in die Steilhänge hineingefräst wurde. Der Fuß- und Fahrradweg, der neben ihr verlief, war voll von Fußgängern, Joggern Radlern und Fischern. Keiner von ihnen schien die Schnellstraße überhaupt nur zu bemerken. Auf der einen Seite waren wir dankbar für diesen Weg, denn so konnten sich unsere Beine von den vielen Höhenmetern endlich wieder einmal erholen. Auf der anderen Seite tat es uns aber in der Seele weh, dass man eine so schreckliche Straße an einen so schönen Ort gebaut hatte. Die Küste war das größte Kapital, das diese Region besaß und doch wurde mit aller Macht versucht, die so gut wie möglich zu zerstören. Warum?

Vielleicht weil man für den Tourismus große Zufahrtsstraßen brauchte, damit die Menschen so schnell wie möglich an ihrem Urlaubsort ankommen konnten. Denn die Anreise durfte ja nicht zu lange dauern, weil man die Zeit ja zum Genießen brauchte. Und Zeit war schließlich ein knappes Gut. Ist es nicht paradox, dass wir uns nicht einmal mehr ausreichend Zeit für unseren Urlaub nehmen? Wir wollen nicht irgendwo hinfahren, wir wollen irgendwo anders sein. Am liebsten mit einem Fingerschnipsen. Und dafür nehmen wir es dann in Kauf, dass der Zielort so verschandelt wird, dass wir uns dort nicht mehr erholen können. Wir machen einen Wellness- oder Strandurlaub neben einer Autobahn. Und es ist ok, weil wir von dort aus nur unseren Kopf nach rechts drehen müssen um uns selbst einzureden, dass wir in einem Paradies sind.

In Getaria trennte sich die Schnellstraße von der Küste und der Jakobsweg trennte sich von der Schnellstraße. Wir machten eine Pause am Strand und aßen etwas von dem vielen Baguette, das wir am Vorabend bekommen hatten. Nachdem es in Frankreich so schwierig gewesen war, ausreichend Brot aufzutreiben, konnten wir uns hier nun kaum noch davor retten. Es gab Bäckereien ohne Ende und in jeder bekam man ein Baguette. Eine gab uns sogar gleich drei. Auch Wurst und Fleischwaren bekamen wir einfach und reichlich. Nur waren die verglichen mit den bayrischen leider ein Desaster. Die kulinarischen Highlights, die wir in Frankreich so geliebt hatten wurden also etwas rar. Heute bestanden all unsere Speisen aus Baguette mit Wurst. Nicht das wir dafür nicht Dankbar waren, aber auf Dauer dürfen schon noch ein paar andere Dinge hinzukommen.

Von Getaria aus ging es dann doch wieder in die Berge. Der erste Anstieg war so steil, dass uns dabei fast die Waden geplatzt wären. Von den letzten beiden Tagen hatten wir bereits einen anständigen Muskelkater und jetzt kam noch einmal eine absolute Steigerung obendrauf.

Seit wir vor ein paar Tagen das erste Mal über eine Huckelpiste mit Felsbrocken, Schlaglöchern und Geröllfeldern marschieren mussten, hatten unsere Wagen angefangen komische Geräusche zu machen. Es klang so als hätte sich etwas gelöst und würde nun gegen etwas anderes gegenschlagen. Immer wieder hatten wir die Pilgerwagen untersucht, aber die Ursache, konnten wir bisher nicht ausmachen. Bei dem heftigen Aufstieg der wieder einmal über eine Straße führte, die alles andere als eben war, klapperte es so stark, dass wir uns ernsthafte Sorgen machten. Oben angekommen, drehten wir den Wagen auf den Kopf und suchten nach jeder Schraube, die sich gelöst haben könnte. Schließlich fanden wir den Übeltäter. Um alles wieder festzuziehen, mussten wir unser Gepäck allerdings vollständig herausnehmen, um an die Bodenplatte zu gelangen. Gerade als wir den Inhalt von Heikos Wagen auf dem Gehweg verstreut hatten, kam eine ältere Dame an uns vorbei.

„Oh, Lebensabenteurer!“ sagte sie und begann zu erzählen, dass sie ebenfalls aus Deutschland sei und nach Santiago pilgerte. Im ersten Moment freuten wir uns sehr darüber, wieder einmal eine Landsmännin zu treffen. Doch die Frau fühlte sich so einsam, dass sie sofort damit begann alles aus sich herauszuplappern, was ihr gerade einfiel. Da keine wirklich interessanten Informationen darunter waren und wir uns gerade auf die Reperaturarbeiten konzentrieren wollten, dauerte es keine 2 Minuten, bis wir genervt waren. Wir wünschten sofort, dass die Dame einfach weitergehen und uns in Ruhe lassen möge, doch es dauerte noch gute 10 Minuten bis sie uns diesen Gefallen tat.

Als wir den Wagen wieder eingeräumt hatten, veränderte sich das Wetter schlagartig. An die Launen des Wettergottes an der Küste müssen wir uns erst noch gewöhnen. Zwischen einem Unwetter, bei dem man glaubt, die Welt gehe unter und einem strahlendblauen Himmel mit so viel Sonne, dass man fast verbrennt, liegen hier manchmal nur Sekunden. Dort wo man eine freie Sicht auf das Meer hat, kann man die meisten Umschwünge schon kommen sehen, doch überall sonst kommt es fast immer überraschend.

In diesem Moment zog ein Sturm auf, der uns fast von der Straße wehte. Er war so stark, dass wir Mühe hatten, die Spur zu halten. Die Wellen brachen sich bereits weit draußen vor der Bucht. Eine Unterhaltung war nun unmöglich, da der Wind so laut in den Ohren wehte, dass man nicht einmal seine eigene Stimme mehr hören konnte. Genau zu diesem Zeitpunkt standen wir natürlich oben auf einem Bergkamm. Der einzige Weg, der in unsere Richtung von hier herunter führte, war ein steiniger, holpriger Feldweg auf der windzugewandten Seite des Berges. Doch kaum hatten wir die Ebene erreicht und waren im Schutz der Felsen angekommen, die Zumaia vom Meer abschirmten, war es mit einem Schlag windstill. Zumindest, solange man dem Eingang der Bucht nicht zu nahe kam. Um in die Innenstadt zu kommen, mussten wir wieder einmal einen Industriehafen mit einer Werft umrunden. Er war deutlich kleiner und weniger hässlich als der vor San Sebastian, dominierte die Bucht aber dennoch. Auch Zumalia war eine Hafenstadt, die fast ausschließlich aus großen Wohnblocks bestand. Und auch hier schauten die Menschen alles andere als freundlich. Langsam aber sicher begannen wir Frankreich wirklich zu vermissen. Am meisten störte uns jedoch die unglaubliche Lautstärke, mit der sich die Spanier unterhielten. Es schien fast so, als könnten sie nicht miteinander reden, ohne sich dabei anzuschreien.

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Da der Sturm aussah, als würde er eine gewaltige Regenfront hereintragen und da wir Kräftemäßig ziemlich am Ende waren, beschlossen wir, in Zumaia nach einer Unterkunft zu suchen. Ein Unterfangen, bei dem ich fast verzweifelt wäre.

Angekommen sind wir gegen 14:30. Von diesem Moment an versuchte ich, etwas aufzutreiben. Im nachhinein kann ich nicht mehr sagen, warum ich nicht einfach akzeptieren konnte, dass es zu dieser Zeit nicht ging. Vielleicht wollte ich mir selbst irgendetwas beweisen oder vielleicht hatte ich auch einfach nur so eine Angst vor dem Sturm, dass ich auf keinen Fall weitergehen und unser Zelt aufbauen wollte. Vor allem aber konnte ich nicht darauf vertrauen, dass das, was wir brauchten auch kommen würde. Denn bereits nach wenigen Minuten hatte ich herausgefunden, dass der Pfarrer erst am Abend erreichbar war und uns wahrscheinlich aufnehmen würde. Doch diese Zusage mit Vorbehalt reichte mir nicht aus. Statt mich zurückzulehnen und zu entspannen, lief kreuz und quer durch die ganze Stadt: zur Polizei, zur Kirche, zum Altenheim, zur Touristeninformation, zum Rathaus, zu einer Pilgerherberge, zurück zur Kirche und wieder zur Polizei. Als ich nach gut drei Stunden zu Heiko zurückkehrte, hatte meine Suche nichts ergeben als ein „vielleicht“ von einem Herbergsleiter, der uns um 21:00 aufnehmen würde, falls dann noch Betten frei waren. Heiko hatte die ganze Zeit, in einer überlauten Fußgängerzone, direkt neben der Hauptstraße gewartet und war mehrere Male fast durchgedreht durch den Lärm, den die Menschen ununterbrochen verursachten. Als ich zurückkehrte war er stocksauer, weil ich ihn so lange hatte warten lassen. Drei Stunden lang hatte er keine Ahnung gehabt, wo ich war und warum ich nicht zurück kahm. Er hatte sich sorgen gemacht, sowohl über mich, als auch über die kommende Nacht. Jede Minute, die verstrichen war, ohne dass ich zurückkehrte, machte es schwieriger, unser Glück in einer anderen Stadt zu versuchen. Das Wetter wechselte ständig und immer wieder hatte es besorgniserregend stark nach einem Unwetter ausgesehen. Dass es nicht kam war ein reiner Gefallen des Universums. Zunächst hatte Heiko die Wartezeit damit verbracht, seine Gelassenheit zu trainieren in dem er versuchte, inmitten des Lärmes seine innere Ruhe zu finden. Auf einem Platz wie diesem war das keine leichte Aufgabe. Zunächst hatte es gut geklappt, aber dann wurde die Ungewissheit über mein Wegbleiben so groß, dass auch der äußere Unfrieden immer mehr in ihn eindringen konnte. Um nicht einfach nur herumzusitzen und Löcher in die Luft zu starren, war er dann auf eine kleine Wiese umgezogen und hatte weiter mit der Kontaktjonglage trainiert. Auch dies war eine Übung für die innere Gelassenheit und Balance. Damit die Kugel auf seinen Armen, Händen und Schultern blieb ohne herunterzurollen, musste er eins mit ihr werden. Jeder noch so kleine Gedanke, der ihn aus der Konzentration und aus dem Gefühl für die Kugel brachte, reichte aus um alles zu zerstören. Damit ein Trick gelingen konnte, musste man ihn viele hunderte oder tausende von Malen üben, so lange, bis man ihn vollständig verinnerlicht hatte. Doch auch das Üben machte die Unruhe über mein Verschwinden nicht ungeschehen und je länger ich fortblieb, desto stärker wurde der Ärger darüber, dass er so lange im Ungewissen gelassen wurde.  Auch konnte er nicht einfach den Ort wechseln und sich einen neuen Platz suchen, an dem er sich vielleicht wohler gefühlt hätte. Denn zum einen hätte ich ihn dann bei meiner Rückkehr nicht wiedergefunden und zum anderen hätte er zumindest zeitweilig unser Gepäck aus den Augen lassen müssen.

„Was hast du dir dabei gedacht, so lange spurlos zu verschwinden?“ fragte er aufgebracht, als ich endlich zurückgekehrt war. „Glaubst du nicht, dass man in so langer Zeit vielleicht irgendwann auch einmal auf´s Klo muss oder dass dieser Platz hier vielleicht nicht unbedingt geeignet ist, um jemanden stundenlang sitzen zu lassen? Was war überhaupt deine Motivation so lange in dieser Stadt herumzuirren? In Frankreich hast du es doch auch immer erkannt, wenn die Lage Hoffnungslos war und konntest dann weiterziehen! Und wieso fällt es dir hier so viel schwerer, Wie kann es sein, dass es hier so viel schlechter geht, obwohl du die Sprache der Einheimischen sprichst?“

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Da es bereits kurz vor sechs war, entschieden wir uns, zum Strand zu gehen und dort zu warten, bis es Zeit für den Pfarrer war.

„Weißt du Tobi,“ fuhr Heiko fort als wir den Strand erreicht hatten, „es geht mir vor allem darum, dass wir gerade dabei sind unsere Zeit mit Dingen zu vergeuden, die uns nichts bringen und die uns schwächen. Und darum, dass du es nicht einmal merkst. Du verrennst dich in eine Sache und dann ziehst du sie durch, ohne noch einmal darüber nachzufühlen, ob es gerade sinnvoll ist, oder nicht. Es wäre ja überhaupt kein Problem gewesen, gleich heute Mittag weiter zu ziehen, unser Glück in der nächsten Ortschaft zu versuchen oder irgendwo unser Zelt aufzustellen. Woanders hätte es auch einen Pfarrer gegeben, der um 19:00 einen Platz für uns hat. Oder wir hätten uns einfach den Nachmittag über an den Strand gelegt und uns die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Aber stattdessen lässt du dir von jedem Menschen in dieser Stadt die Zeit stehlen. Und heute Abend dauert es dann wieder bis zum Einschlafen, bis wir mit dem Arbeiten fertig sind, obwohl wir so viel Zeit für uns haben könnten. Warum versuchst du es dir so schwer wie möglich zu machen? Normalerweise dürfte ein Gespräch mit jemandem doch nicht länger dauern als drei oder vier Minuten. Du erzählst was du willst, gibst dem anderen Zeit zu reagieren und wenn er nicht will gehst du. Aber im Moment lässt du dich von jedem zu schwallen, auch wenn es dir schon längst nichts mehr bringt. Was erzählst du den Menschen überhaupt wenn du sie fragst?“

„Ich sage,“ erwiderte ich, „dass wir Als Bettelmönche um die Welt reisen um das Wissen der verschiedenen Arten von Naturmedizin zu erlernen, dass wir ohne Geld leben und dass wir einen Schlafplatz suchen.“

„Ok, du sagst ihnen also, dass du Reist, kein Geld bezahlen willst und von ihnen etwas einforderst. Warum sollte jemand dazu ja sagen? Was gibst du denn? Wo ist das Gefühl bei der ganzen Geschichte? Etwas, das den anderen berührt und in ihm den Wunsch weckt, etwas beizutragen? Momentan verkaufst du dich als obdachloser Schmarotzer, der etwas haben möchte, ohne dafür zu arbeiten oder etwas dafür zu geben. Ist es das was du sein willst?“

Ich schüttelte den Kopf.

„Na also!“ fuhr Heiko fort, „dann musst du dir langsam einmal klar darüber werden, was dein Beitrag ist. Es ist ja nicht so, dass du nichts gibst, es ist nur so, dass du es selbst nicht wahrnimmst und deshalb kannst du auch nicht dazu stehen. Du glaubst einfach nicht an dich. Du glaubst, dass du nichts Wert bist. Dass du es nicht verdient hast, etwas zu bekommen, es sei denn es ist ein Almosen.“

Da war es wieder, das alte Thema mit dem Selbstwertgefühl. Wie oft hatte ich schon geglaubt, damit durch zu sein und doch drehte ich mich damit immer wieder im Kreis. Er hatte Recht, ich hatte noch immer keine Ahnung, was mein Beitrag zum Leben auf dieser Erde sein sollte und hier in Spanien, wo ich mit den Menschen sprechen konnte, kam ich mir wirklich immer mehr wie ein Bittsteller vor, der ihnen nichts anzubieten hatte. Plötzlich kam ich mir absolut nutzlos und verloren vor.

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„Ich glaube, das wichtigste ist,“ setzte Heiko wieder an, “dass du dir erst mal wieder klar darüber wirst, wer du eigentlich bist, und warum du dich auf diese Reise begeben hast. Du bist ein Heiler, der versucht, das alte Wissen über die Natur und ihre Heilkraft wieder zum Leben zu erwecken und der es all diesen Menschen nahebringen will, damit sie nicht mehr so frustriert durch die Straßen laufen müssen, wie sie es gerade machen. Das ist eine fette Aufgabe und ein fettes Geschenk, das du gibst. Aber du bist so sehr in deinen eigenen Ängsten und Selbstzweifeln verstrickt, dass du dir vorkommst wie der größte Versager, der jemals auf dieser Erde gelebt hat. Und genau das strahlst du im Moment nach außen. Damit gehst du zu den Menschen und bittest sie um ihre Unterstützung. Wie will das klappen?“

Ein kurzer Blick auf die Uhr verriet mir, dass es bereits 20 vor sieben war. Um sieben begann die Messe und bis dahin musste ich den Pfarrer angetroffen haben, wenn ich ihn um einen Schlafplatz bitten wollte. Wir packten unsere Sachen zusammen und machten uns auf den Weg zur Kirche. In der Ferne hörten wir bereits die Glocken läuten. Mit den Wagen war es unmöglich zu schaffen. Wir schnallten sie ab und ich joggte zur Kirche, während Heiko auf unser Gepäck aufpasste.

Als ich die Kirchenpforte öffnete, hörte ich bereits die Stimme einer Frau, die auf dem Altar sprach. Die Gläubigen in der Kirche beteten ihr die gleichen Sätze nach. Der Pfarrer stand zwar noch nicht vor der Gemeinde, doch ich konnte ihn nirgendwo finden. Ich lief um die Kirche herum, klingelte im Pfarramt und betrat die Kirche erneut. Es war vergebens. Die Kirchturmuhr schlug 7:00 und der Pfarrer betrat aus der Sakristei heraus den Altar.

Deprimiert und enttäuscht verließ ich die Kirche. Ich setzte mich auf die Treppenstufen und begann zu heulen. Zum ersten Mal auf dem Weg kamen mir tatsächlich die Tränen. Als ich wenig später wieder bei Heiko ankam und ihm von dem Misserfolg berichtete, lachte er und meinte: „Naja, dann hast du es ja zumindest schon einmal geschafft, wirklich zu weinen und deine Traurigkeit nicht immer nur in dich hineinzufressen. Das ist ja schon Mal ein Anfang.“

Sofort kamen mir wieder die Tränen.

„Worüber bist du gerade traurig?“ fragte Heiko.

„Keine Ahnung! Vielleicht, weil ich wirklich den ganzen Tag damit verbracht habe, hier herumzulaufen, ohne dass es irgendetwas gebracht hat. Oder weil ich mir grad echt nutzlos vorkomme!“

„Was meinst du mit nutzlos?“ fragte er.

„Ich weiß nicht, dieses Gefühl, nicht zu wissen, was meine Aufgabe ist und was ich beitragen kann.“

„Ach komm schon,“ neckte Heiko, „Das geht 99,9% der Weltbevölkerung ebenso und die heulen auch nicht alle gleich rum deswegen! Manchmal bist du echt ne Memme!“

Ich musste lachen. Wir kehrten zur Kirche zurück und kamen gerade noch rechtzeitig, um den Pfarrer nach seiner Messe abzupassen. Einen Gemeinderaum zu bekommen war keinerlei Problem und dauerte ab diesem Moment nur noch wenige Minuten. Wir hätten also wirklich den kompletten Nachmittag am Strand verbringen können und hätten dann das gleiche Ergebnis gehabt, wie jetzt.

Aus irgendeinem verqueren Grund wollte meine Stimmung dadurch jedoch nicht besser werden. Es fühlte sich ein bisschen so an, als gäbe es einen inneren Schuldirektor in mir, der mir für den Rest des Abends verbot fröhlich zu sein, weil ich mich am Nachmittag in einer unnötigen Mission verrannt hatte. Erst als wir die Pilgerin von heute Mittag wiedertrafen, wurde dieses Verbot aufgehoben. Sie wohnte in der Herberge, dessen Leiter ich mit meiner unentschlossenen Geschichte nicht von uns hatte überzeugen können. Als wir sie trafen hatte sie sich bereits einige Gläser Wein gegönnt und war schon leicht neben der Spur. Ein sinnvolles Gespräch kam daher nicht mehr zustande, aber irgendwie hatte die Frau etwas niedliches, dass einen einfach aufmuntern musste.

Spruch des Tages: Wenn du willst, das jemand an dich glaubt, musst du es als erstes selbst tun.

Höhenmeter: 300m

Tagesetappe 14 km

Gesamtstrecke: 2272,47 km

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About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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