Tag 10: Wandern durchs Jagst-Tal

///Tag 10: Wandern durchs Jagst-Tal

Tag 10: Wandern durchs Jagst-Tal

Tag 10: Wandern durchs Jagst-Tal

Gestern Abend haben wir noch lange bei Tee, selbstgebackenen Keksen und selbstgemachtem Apfelbrot mit Franz und Elisabeth zusammengesessen. Unsere Gespräche waren herzlich und bewegend und es hat sich angefühlt, als wären wir bei alten Freunden zu besuch, die wir lange nicht mehr gesehen haben. Markus, der Sohn der beiden war vor einigen Jahren bei plötzlichen einem Unfall im Urlaub in Ägypten ums Leben gekommen. Er hatte am Rand eines Swimmingpools gesessen, als es einen Defekt an einer unterirdischen Stromleitung gab, der Markus einem tödlichen Stromschlag aussetzte. Alle Menschen die sich komplett außerhalb des Beckens befanden und alle, die ganz im Wasser waren, blieben unverletzt. Außer dem Jungen traf es nur noch einen jungen Mann, der gerade das Becken verlassen wollte. Anstatt der Familie beizustehen, machte ihnen das Hotel, die Situation jedoch noch viel schlimmer, als sie eh schon war. Der Unfall sollte vertuscht werden und es wurde behauptet, dass Markus schlichtweg ertrunken wäre. Damit die Eltern den anderen Hotelgästen nichts über das Geschehene verraten konnten wurden sie separiert und unter strenge Bewachung gestellt. Nur weil sie einige gute Kontakte hatten und es schafften die Bildzeitung auf ihren Fall aufmerksam zu machen, gelang es ihnen schließlich mit Hilfe des deutschen Botschafters für sich selbst und für die Leiche ihres Sohnes die Heimreise zu organisieren. Ohne diese Hilfe, wäre Markus verbrannt worden, um den Fall zu vertuschen. Einige Zeit später wurden sie in die Talkshow von Hans Meisner eingeladen von den Ereignissen zu berichten. Der Moderator stellte ihnen zu beginn der Sendung eine Frage, würgte sie dann aber ab und kam den ganzen Abend nicht mehr auf sie zurück. Hinterher fanden sie heraus, dass der Sender von der Reisegesellschaft unter Druck gesetzt worden war, da es diese versäumt hatte, dem Elternpaar beizustehen. Auch die deutsche Reisegesellschaft, hatte es also vorgezogen, den Fall zu vertuschen um negative Publicity zu vermeiden. Soviel also zum Thema Pressefreiheit in Deutschland.

Nachdem wir uns mit einem guten Frühstück gestärkt und von unseren Gastgebern verabschiedet hatten, setzten wir unsere Reise auf dem Jakobsweg fort. Das Wetter hatte uns in den letzten Tagen recht verwöhnt. Gestern hatten wir fast den ganzen Tag Sonnenschein gehabt und sogar schon die ersten austreibenden Weidenkätzchen gesehen. Als wir heute nach dem Aufstehen aus dem Fenster sahen, war die Welt jedoch weiß überfroren. Den ganzen Tag über wollte es nicht gemütlich werden. Die Temperatur verharrte um den Gefrierpunkt und der Himmel schickte uns abwechselnd Schneegestöber, leichte Hagelschauer und Regen. Dafür war die Landschaft die wir heute durchwanderten eine der schönsten seit unserem Reisebeginn. Wir folgten der Jagst durch ihr idyllisches Tal mit urigen Wäldern und kleinen verschlafenen Ortschaften. Anders als an den ersten Tagen, konnte das Wetter unserer Stimmung heute nichts anhaben. Wir waren gut drauf und fühlten uns reich und frei. Jetzt, da wir nahezu alles an Besitztümern abgegeben hatten, hatten wir plötzlich die Ruhe und die Gelassenheit, jede Kleinigkeit zu genießen. Wie oft hatten wir früher, das Gefühl, dass wir irgendetwas Wichtiges, wertvolles brauchten um glücklich sein zu können. Jetzt reicht dafür eine Thermoskanne mit heißem Tee an einer Bushaltestelle, die den Wind abhält. Oder eine Wärmflasche für die kalten Füße. Oder eine Essiggurke zum Abendessen. Langsam schwindet auch unsere Angst vor dem Ungewissen immer mehr. Wenn es ungemütlich oder anstrengend bei unserer Wanderung wird, freuen wir uns auf einen warmen Platz am Abend und ein gutes Essen. Wir wissen zwar nicht, wie beides aussehen wird, aber Zweifel daran, dass es kommen wird, haben wir im Moment nicht mehr. Es ist so paradox, wie sehr wir normalerweise Genuss mit Besitz verwechseln. Wir glauben, dass wir etwas nur dann wirklich genießen können, wenn es uns auch gehört. Doch vergessen wir dabei, das wir unseren Besitz oft mit so viel Lebenszeit bezahlen, dass wir ihn im Endeffekt nicht mehr genießen können.

Als wir bei einem Metzger nach etwas zu essen fragten, bekamen wir nicht nur vom Verkäufer etwas, sondern auch von der Dame, die nach mir Bedient wurde. Das Jakobspilgern sei auch schon immer ein Traum von ihr und sie fände unsere Sache super. Daher wolle sie uns auch noch etwas unterstützen. Als wir uns draußen nach einer Toilette umsahen, kam sie noch einmal auf uns zu und schenkte uns noch ein Brot, das sie gerade frisch beim Bäcker gekauft hatte. Wir konnten es fast nicht fassen, wie lieb und hilfsbereit diese Dame war.

Unser heutiges Tagesziel war Altkrautheim, wo wir wieder einen Schlafplatz im Gemeindehaus bekamen. Als wir unsere Sachen verstaut hatten, gingen wir noch eine kleine Runde durch den Ort, um etwas zu essen aufzutreiben. Dabei stießen wir auf einen Container vom nahegelegenen Supermarkt, der Randvoll mit originalverpackten, guten und leckeren Lebensmitteln gefüllt war. Wir fühlten uns ein bisschen wie im Schlaraffenland und trauerten gleichzeitig über die große Verschwendung, diedie Lebensweise in unserer Gesellschaft auslöst.

Der Wert der Wahren lag alles in allem locker bei 300 bis 400 Euro, die einfach so weggeworfen wurden, obwohl ihnen nichts fehlte. Es tat uns fast ein bisschen weh, dass wir nicht alles mitnehmen konnten. Wenn unser Bekanntenkreis in Altkrautheim etwas größer wäre, würden wir heute Abend jedenfalls zu einem gemeinsamen Festmahl laden. Aber da wir außer dem Pfarrer niemanden kennen, werden wir wohl etwas mehr essen müssen. Schaut euch die Bilder einmal an und ratet, was davon Geschenke sind uns was nach offizieller Meinung Müll ist…

Spruch des Tages:Wahren Wohlstand kann man nicht mit Geld erkaufen.

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Tagesetappe: 19 km

Gesamtstrecke: 218,37km

 

Bewertungen:

 
2019-03-12T07:03:36+00:00 Deutschland, Tagesberichte|

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2 Comments

  1. Gerhard 12. Januar 2014 at 19:00 - Reply

    Servus ihr zwei einfach unfassbar was alles weggeschmissen wird-

    LG.Gerhard mit Fam.

  2. ines 10. Februar 2014 at 11:15 - Reply

    ihr habt recht gesprochen. Wahrer Wohlstand ist nicht das was man besitzt sondern das was bleibt wenn man alles andere losgelassen hat.
    . Wahrer Wohlstand ist Zeit zu haben…und die Liebe sie mit allen anderen zu teilen. Und Liebe zu haben und die Zeit sie mit allen andern zu teilen…was deutlich macht dass wir uns alle gegenseiten beschenken müssten, mit Zeit und Liebe …so aber alles gerecht geteilt würde.
    Und (Lebens) Zeit wurde uns als Geschenk gegeben…Gechenke kann man annehmen oder nicht. ..verschwenden oder nützlich verwenden. Aber um die Zeit ergreifen zu können muss man es wagen vieles andere loszulassen was die Zeit nur meist ergebnislos und Eiegennützig todschlägt.
    es lohnt sich allemal….wie ihr zwei gerade beweist.
    🙂

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