Tag 552: Kochen unter polizeilicher Aufsicht

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Tag 552: Kochen unter polizeilicher Aufsicht

Tag 552: Kochen unter polizeilicher Aufsicht

Noch 9 Tage bis zum Treffen mit Paulina!

Vom Hotel aus ging es erst einmal eine ganze Weile an der Hauptstraße entlang, bevor wir über eine Brücke auf die andere Seite des Bergflusses abbiegen konnten. Dieser wurde nun zu einem richtigen Bergsee, der abgesehen von dem vielen Müll wirklich schön anzusehen war. Einige Kilometer schlängelten wir uns am Ufer entlang, dann bog unsere Straße wieder in die Berge ab. Heute war der erste Tag einer längeren Hitzeperiode, die alle bisherigen Temperaturen in diesem Jahr in den Schatten stellen soll. Gerade waren es noch knapp 33°C im Schatten reale und 37°C gefühlte Temperatur. Morgen würde es noch einmal ein paar Grad wärmer werden und anschließend sollte das Thermometer sogar auf 40°C im Schatten klettern. Treffenderweise erwartete uns genau in zwei Tagen die härteste Strecke, die wir in Bosnien überhaupt zurückgelegt hatten. Da wir nicht entlang der Hauptstraße nach Sarajevo wandern wollten, zumindest nicht drei Tage am Stück ohne eine Pause, mussten wir über die Nebenstraßen ausweichen und diese führten mitten durchs Zentralgebirge. Zunächst hielt es sich noch ganz gut, indem die Straßen durch einen Canyon führten aber in zwei Tagen mussten wir über den Pass und der lag auf 1200 Metern. Hinzu kam, dass es auf einer Strecke von gut 30km keine Ortschaft gab. Wie wir diese Monsterstrecke meistern würden, war uns noch immer ein Rätsel. Vor allem, da wir nun bereits mit 7°C weniger und nur leichten Steigungen bereits an unserem Limit waren. Zum ersten Mal in meinem Leben spürte ich diesen Sommer wirklich bewusst die Einschränkungen, die meine Trichterbrust verursachte. Ich hatte auch schon als Kind häufig das Gefühl, schlecht Luft zu bekommen, so als drückte jemand auf meine Lunge und verhinderte so, dass sie sich richtig ausdehnen konnte. Nun kamen auch noch eine ganze Reihe von Muskelverspannungen hinzu, die das Atmen noch schwerer machten. In Kombination mit der permanenten Hitze und der großen Anstrengung, die Berge hinauf, kann einem da schon mal ordentlich der Schädel brummen. Nach dem letzten großen Anstieg hörte ich mich dadurch sogar selbst wie unter Wasser. Ein seltsamer Druck lag auf meinen Ohren und selbst nachdem wir bereits an unserem Übernachtungsplatz angekommen waren dauerte es noch eine ganze Weile, bis es sich wieder beruhigt hatte. Ganz offensichtlich muss ich lernen, mit meinem Energiehaushalt anders umzugehen. Trotz des Druckes auf meiner Lunge muss ich mir antrainieren tief uns gleichmäßig zu atmen, anstatt zu hecheln wie ein Hund mit Asthma. Besonders dann, wenn es heiß und ansträngend ist. Andernfalls speichere ich die Hitze in meinem Körper und überhitze dabei so stark, dass ich mit dem Schwitzen nicht mehr hinterher komme.

Heiko entdeckte eine stillgelegte Garage, etwas abseits des Weges, unter die wir unser Zelt bauen konnten. Sie hatte den Vorteil, dass die permanent Schatten spendete, so dass sich unser Zelt nicht aufheizte wie ein Backofen sondern nur wie eine Sauna. Der Nachteil war allerdings, dass nicht nur wir den Vorteil dieser Kühle erkannt hatten, sondern auch ein ganzer Zoo von Insekten, darunter verschiedene Arten an Mücken und Bremsen. Sobald man sich außerhalb des Zeltes aufhielt wurde man gefressen und damit meine ich gefressen, nicht einfach nur angepiekst.

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Zum Kochen zogen wir am Abend daher ein Haus weiter zu einem Rohbau, auf dessen Treppe wir unsere Küche einrichten konnten. Hier wimmelte es zwar auch immer noch von Plagegeistern aber der Stichrhythmus war etwas geringer. Kurz bevor die letzte Fuhre fertiggeköchelt war, hielt plötzlich ein Polizeiwagen neben uns. Das war uns schon lange nicht mehr passiert, vor allem nicht in einem solchen Minidorf in den Bergen und noch dazu auf einem Seitenweg. Es war unmöglich, dass die Beamten zufällig hier vorbeigekommen waren. Jemand musste sie auf uns gehetzt haben. Vielleicht der Mann, der uns ununterbrochen angestarrt hatte und dabei im Weg stand, als wir Heikos Wagen packten? Er hatte versucht ein Gespräch mit uns zu beginnen, mitten in dieser Mückenhölle wo wir eh schon am Durchdrehen waren, weil man nicht gleichzeitig arbeiten und um sich schlagen konnte. Wir waren dementsprechend unmotiviert gewesen, auf seine Annäherungsversuche einzugehen und vielleicht hatte er uns das übel genommen. Oder war es die alte Frau, die uns so grimmig aus dem Fenster heraus angeschaut hatte, als wir an ihrem Haus vorbeigegangen waren? Keine Ahnung, auf jeden Fall standen die beiden Polizisten nun vor unserem Kochplatz, sprachen wieder einmal kein Englisch und kein Deutsch und wollten unsere Ausweise sehen.

Es ist schon erstaunlich, wie sehr sich die Einstellung zu den Beamten nach der fünften sinnlosen Kontrolle verändert. Am Anfang war es noch aufregend und irgendwie hatten wir ein mulmiges Gefühl, ob auch alles glattgehen würde. Jetzt waren wir eigentlich nur noch besorgt, dass unser Essen anbrannte und das machten wir den Polizisten auch deutlich. „Klar könnt ihr unsere Ausweise sehen, aber erst Mal muss ich diesen Topf hier umrühren!“

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Tatsächlich hatten sie nichts weiter vor, als unsere Ausweise zu kontrollieren. Dass wir hier in einer fremden Garage wild campten, dagegen hatten sie keine Einwände. Auch nicht gegen das Kochen mit einer offenen Benzinkocherflamme auf einem Privatgrundstück, das uns nicht gehörte. Das einzige was sie Interessierte waren unsere Daten und unser Streckenverlauf. Nachdem sie gehört hatten, dass wir in Medjugorje waren, wurden sie sogar richtige Fans. Ärgerlich war nur, dass sie uns noch ein gutes Dutzend zusätzliche Mückenstiche bescherten, die eigentlich nicht nötig gewesen wären, wenn wir nach dem Kochen schnell wieder ins Zelt hätten huschen dürfen.

Spruch des Tages:

„Was ist das ukrainische Wort für Monogamie?“
„Wir haben keins! Entweder du bist hässlich, oder du schläfst mit jedem!“
(aus „2 Broke Girls“)

Höhenmeter: 280 m
Tagesetappe: 17 km
Gesamtstrecke: 9939,77 km

Wetter: sonnig und sehr heiß

Etappenziel: Zeltplatz in einer alten Garage, Trusina, Bosnien und Herzegowina

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About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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