Tag 566: Grillparty – Teil 1

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Tag 566: Grillparty – Teil 1

Tag 566: Grillparty – Teil 1

Noch 5 Tage bis zu Tobias’ 2. Weltreisegeburtstag!

Eine weitere dieser Lernsituationen tauchte heute Mittag auf. Wir kamen in ein kleines Dorf, von dem wir wussten, dass es das letzte vor einem 16km langen Wald war. Normalerweise waren 16km nicht unbedingt eine unüberwindbare Entfernung, doch da unsere durchschnittlichen Tagesetappen im Moment bei etwa 5km lagen, war uns klar, dass wir das nächste Dorf nicht mehr erreichen würden. Wir richteten also ein Zwischenlager ein und Paulina und ich machten und auf den Weg, um so viel Nahrung wie möglich einzusammeln, damit wir anschließend irgendwo im Wald nach einem Schlafplatz suchen konnten.

Diesmal aber machten wir es anders als zuvor und gingen getrennt von einander, um in kürzerer Zeit mehr Häuser befragen zu können. Ich geriet dabei an eine Familie, die mich erst einmal mit Schnaps abfüllen und anschließend alle Details über unsere Reise hören wollte, bevor sie mir eine Tüte mit Gemüse schenkten. Kommunikation war hier wirklich ein Thema, denn obwohl einer der Anwesenden Englisch und ein zweiter Deutsch sprach, brauchte ich über zehn Minuten um ihnen klar zu machen, dass wir nicht hier etwas essen wollten, sondern etwas für den Weg brauchten, damit wir es heute Abend kochen konnten.

Als ich zu den Wagen zurückkehrte, war auch Paulina bereits wieder da. Sie hatte bei einem kleinen Lädchen ein paar Bananen bekommen und war dann von einem Mann zum Grillen eingeladen worden. Sein Haus befand sich ein paar hundert Meter weiter hinten und wir sollten in einer Viertelstunde dort sein.

Die gesamte Situation zeigte so deutlich wie es nur Möglich war, den Unterschied zwischen Männern und Frauen, die sich auf einer solchen Reise befanden. Als Mann hätten wir ebenfalls die Bananen bekommen, wären von dem anderen Herren aber ignoriert worden. Und selbst wenn wir ihn persönlich gefragt hätten, hätte er bloß gesagt, dass er nichts im Hause hatte. Kaum aber tauchte eine Frau auf bot er nicht nur an für sie zu grillen, er machte sich auch auf in die nächste Stadt, um dafür das Fleisch einzukaufen. Im ersten Moment kam uns das äußerst ungerecht vor. Dann aber wurde uns auch wieder Bewusst, dass dieser Weiblichkeitsbonus ebenso die größte Hürde war, die eine Frau zu tragen hatte. Denn dieses Spiel zwischen Mann und Frau war es, das es Frauen fast unmöglich machte, sicher alleine in unserer Zivilisation zu reisen. Denn der Mann hatte die Einladung ja nicht ausgesprochen, weil er ein Interesse an Paulina als Person hatte, weil er mehr über ihre Reise erfahren, Geschichten hören und vielleicht etwas lernen wollte. Er hatte sie eingeladen, weil sie eine Frau war und das damit verbundene Interesse war ein rein sexuelles.

Als wir aufgebrochen waren, hatten wir festgestellt, dass das Reisen ohne Geld eine Art Filter darstellte, der einem unangenehme Menschen vom Leibe hielt. Wenn du irgendwo klingelst und um etwas bittest, dann hast du entweder einen netten Menschen, der dir hilft oder einen griesgrämigen, der dir die Tür vor dem Kopf zuknallt. Im ersten Fall ist es natürlich schön, dass einem geholfen wird. Im zweiten Fall ist es aber auch schön, dass man mit besagtem Menschen nichts mehr zu tun haben muss. Natürlich funktioniert dieser Filter nicht immer. Wir hatten schon oft Situationen in denen wir auch auf die Hilfe von Menschen angewiesen waren, mit denen wir eigentlich nichts zu tun haben wollten. Bei Frauen hingegen funktioniert dieser Filter überhaupt nicht. Jedenfalls nicht zuverlässig. Es gibt natürlich noch immer Menschen, die einem Helfen weil sie freundlich sind und es gerne tun, wie beispielsweise die Mütter, die Paulina täglich adoptieren. Es gibt auch noch immer Miesepeter, die einen davonscheuchen und keinen Finger rühren und bei denen man froh ist, nichts mit ihnen zu tun haben zu müssen. Es gibt aber auch noch eine dritte Kategorie, die das ganze Spiel gefährlich macht. Menschen, die einem Helfen, weil sie dabei einen Hintergedanken haben und eine direkte Absicht verfolgen. Das muss nicht heißen, dass hinter jeder Ecke ein Vergewaltiger steht, aber Männer denken nun einmal zu einem nicht unwesentlichen Teil mit ihrem Schwanz und vor allem in einem Land wie diesem, in dem der Schnaps schon zum Frühstück dazu gehört wie in anderen Ländern das Brot, können sehr schnell, sehr unangenehme Situationen entstehen.

In diesem Fall ist es aus zwei Gründen gut gegangen. Zum ersten war Paulina nicht alleine sondern in unserer Begleitung und zum zweiten kam später noch ein junges Mädchen hinzu, das die ganze Situation entspannte.

Doch beginnen wir beim Anfang.

Der Mann, der Paulina eingeladen hatte, sprach selbst kein Wort Englisch und so beschrieb die Frau vom Ladenbesitzer, die Adresse, zu der wir gehen sollten. Es war ein Haus mit braunem Balkon in 100m Entfernung. Dummerweise gab es davon zwei und so liefen wir erst zweimal hin und her, bis wir das richtige fanden. Der Hausbesitzer kam mit nacktem Oberkörper in Begleitung von zwei jungen Frauen, von denen eine schwanger war. Keine der beiden sprach Englisch oder Deutsch, ebenso wenig wie die Frau des Mannes oder dessen Sohn. Sie wiesen uns an, unter einem kleinen Gartenpavillon Platz zu nehmen zu dem in regelmäßigen Abständen der aromatische Duft des nahegelegenen Kuhstalls herüberwehte. Der Vater schickte seinen Sohn weg, um einen Atlas zu holen und bot uns Kaffee an, den wir ablehnten. Wasser wäre ausreichend, meinten wir, woraufhin der Sohn erneut losgeschickt wurde. Die beiden Frauen verschwanden und dafür tauchte ein weiterer Mann auf. Dann versuchten wir die Zeit damit totzuschlagen, dass wir im Atlas herumblätterten um dem Mann unsere Reiseroute zu erklären. Dieser hatte daran jedoch kein wirkliches Interesse.

Bis zu diesem Moment war die Situation nur leicht unangenehm, aber noch erträglich. Nun kam jedoch ein dritter Mann, der beschlossen hatte, für den Rest seines Lebens nur noch schreiend zu kommunizieren. Er war davon überzeugt, dass er uns einen Schnaps aufschwatzen musste, womit er Paulina sofort wieder an das Thema mit dem Grenzen-Setzen heranführte. Sie lehnte zwar ab, traute sich jedoch nicht, dabei wirklich klar zu sein. Heiko und ich waren bei dem Angebot nur nebensächlich mitgemeint worden, daher bedeutete ihm unser Nein nichts. Paulina hingegen redete sich um Kopf und Kragen, konnte den Mann aber nicht davon abhalten, seinen Schnapskanister herauszuziehen. Spätestens ab diesem Moment wurde ihr bewusst, in was für eine Situation sie sich manövriert hatte. Wäre sie alleine gewesen, ohne dass wir ihr den Rücken gestärkt hätten, dann hätten die Männer so lange auf sie eingeredet, bis sie schließlich nachgegeben hätte. Und dann hätte sie irgendwann betrunken mit drei Männern alleine im Nirgendwo gesessen, denen schon der Geifer vom Kinn tropfte und die ihre Hemmschwelle mit einem Glas nach dem anderen stetig weiter herabsenkten. Noch dazu in einem Land, in dem Frauen nichts zu sagen hatten, in dem es zum guten Ton gehörte, Frauen zu unterdrücken und ihnen ihren Willen aufzudrängen.

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Hier nun waren wir beim ersten Thema angelangt, dem unterschied zwischen Vertrauen und Naivität sowie zwischen dem Handeln in Liebe und dem Nett sein.

Jeder Mensch und überhaupt jedes Geschöpf im Universum, tut in jedem Augenblick seines Lebens, das beste, das er gerade tun kann. In unserer westlichen Philosophie glauben wir, dass unsere Welt polar aufgebaut ist, dass es also immer zwei Kräfte gibt, die gegeneinander wirken. Hell und Dunkel, Warm und Kalt, Laut und Leise, Gut und Böse. Daraus folgern wir, dass es sowohl gute als auch schlechte Menschen auf der Erde gibt, bzw. dass jeder Mensch eine gute und eine schlechte Seite in sich trägt und dass sein Charakter davon bestimmt wird, welche dieser Seiten überwiegt. Tatsächlich ist das jedoch ein Irrtum. Es gibt diese Polaritäten nicht, weder in uns Menschen noch in der Physik. Kälte ist nicht das Gegenteil von Wärme, sondern dessen Abwesenheit. Unsere Temperatur wird nicht von Zwei Kräften bestimmt, die gegeneinander wirken, denn faktisch betrachtet gibt es Kälte überhaupt nicht. Wärme ist eine Energieform. Aus einem bestimmten Grund fangen die Atome, die sich in einer bestimmten Umgebung befinden an zu schwingen. Diese Schwingung nehmen wir als Wärme oder als Hitze war und je stärker die Schwingung wird, desto heißer fühlt es sich für uns an. Es gibt jedoch keine Gegenschwingung, die wir als Kälte wahrnehmen. Kälte ist einfach ein Zustand, in dem die Atome kaum oder gar nicht schwingen. Kälte ist also keine eigene Kraft, sondern die Abwesenheit von Wärme. Nichts anderes ist es mit Licht und Dunkelheit. Die Dunkelheit ist keine lichtverschluckende Kraft, die in der Nacht über uns kommt und das Licht der Sonne überlagert. Dunkelheit entsteht dort, wo keine Lichtstrahlen hingelangen. Genau wie die Wärme ist auch das Licht nur eine Energieform, die da ist oder auch nicht und die dementsprechend dafür sorgt, dass wir etwas als hell oder dunkel wahrnehmen. Das gleiche ist es mit Schall, mit Mikrowellenstrahlung, mit Radioaktivität und mit allen anderen Formen der Energie. Auch als Lebewesen funktionieren wir nach dem gleichen Prinzip. Es gibt eine Lebensenergie in uns, jedoch keine Todesenergie. Der Tod ist die Abwesenheit von Leben. Nichts weiter.

Obwohl wir diese Umstände aus der Physik bereits seit Jahrhunderten kennen, halten wir in der Philosophie noch immer an dem Glauben an die gegensätzlichen Kräfte fest und begründen damit auch unsere Überzeugung vom ewigen Kampf zwischen Gut und Böse. Doch warum sollte es ausgerechnet hier anders sein? Warum sollte es eine Böse-Energie geben, die mit der Liebes-Energie einen Kampf austrägt?

Richtig, es gibt sie nicht! Ebenso wenig, wie es eine Kälte-Energie oder eine Dunkelheits-Energie gibt. Es gibt also kein „Böse“ sondern nur ein „Gut“ das je nach Situation mehr oder weniger stark vorhanden sein kann.

Gehen wir jedoch noch einen Schritt weiter und schauen und die Physik des Universums noch einmal genauer an. Alle bekannten Energieformen lassen sich in einander umwandeln. Aus Licht kann man Elektrizität machen, daraus wiederum Wärme, Bewegung oder neues Licht. Bewegung lässt sich in Wärme umwandeln und andersherum funktioniert es ebenso. Sogar die Lebensenergie, die in den Bäumen gespeichert ist und eigentlich aus nichts anderem als umgewandelter Sonnenenergie besteht, lässt sich wieder in Wärme und Licht umwandeln. Faktisch bedeutet es also, dass es keine unterschiedlichen Energiearten gibt, sondern nur eine einzige Energie, die in verschiedenen Formen auftreten kann. Wenn wir noch ein Stückchen weiter gehen und uns die Materie genauer anschauen, aus der unsere Welt aufgebaut ist, dann erkennen wir, dass auch diese in ihren kleinsten Bauteilen nur aus Energiefeldern besteht. Alles, was wir je in unserem Leben wahrgenommen haben, jetzt in diesem Augenblick wahrnehmen und jemals wahrnehmen werden ist also nichts anderes als Energie. Die gleiche Energie, die in immer anderen Formen auftritt. Man könnte sie als Urenergie bezeichnen. Als Grundsubstanz oder als Basis allen Seins. In einigen Völkern wird sie „Der Geist, der durch alles Strömt“ genannt, andere nennen diese Energie Gott und wieder andere nennen sie Liebe. Wie wir sie nennen ist dabei eigentlich egal. Wichtig ist, dass alles im Universum aus dem gleichen Stoff geschaffen ist und dass es nichts anderes gibt oder geben kann.

Wenn wir dies einmal verstanden haben, dann ergeben sich daraus auch einige andere Konsequenzen, die einen großen Einfluss auf unsere Weltsicht haben. Die meisten Menschen in unserem Kulturkreis gehen davon aus, dass das Universum mit samt der Erde und den darauf lebenden Wesen entweder durch einen externen Gott oder aber durch reinen Zufall geschaffen wurden. Bei dem externen Gott handelt es sich zwar um ein allmächtiges Wesen, aber dennoch um ein Wesen, das von seiner Schöpfung getrennt ist und dem ziemlich menschliche Eigenschaften zugesprochen werden. Er ist ein Herrscher, der ausgesprochen Rachsüchtig und Brutal sein kann und vor dem man sich in Acht nehmen muss.

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Der Zufall, an den die Wissenschaftler glauben ist diesem Gott eigentlich recht ähnlich. Auch dieser ist unberechenbar und kann jedes Wesen sowohl belohnen als auch bestrafen.

Wenn wir jedoch davon ausgehen, dass alles, was jemals existiert hat oder existieren wird, aus der gleichen Energie besteht, dann muss auch Gott aus dieser Energie bestehen, sofern es ihn gibt. Gibt es ihn nicht, so stellt sich die Frage, wieso die Energie plötzlich angefangen hat, sich selbst in so unglaublich viele Formen zu wandeln und derart komplexe Gebilde zu kreieren, wie Menschen, Elefanten, Sonnensysteme oder Johannisbrotbäume. Ohne eine Intelligenz ist das kaum möglich. Zufälligerweise können allenfalls simple Gebilde entstehen, jedoch keine komplexen. Stellt euch dazu beispielsweise vor, ihr habt einen LKW voller Backsteine, Fenster, Türen, Dachziegel, Zement und Mörtel, sowie alles was ihr sonst noch für den Bau eines Hauses benötigt. Ihr habt die Unendlichkeit zur Verfügung und könnt diesen LKW so oft ihr wollt auf der Straße auskippen. Ihr könnt die Höhe, die Kippgeschwindigkeit und sogar die Umgebungstemperatur verändern, solange dies zufällig geschieht und ihr keine Berechnungen damit anstellt. Glaubt ihr, dass sich diese LKW-Ladung wenn ihr den Versuch unendlich oft wiederholt irgendwann rein zufällig zu einem Haus zusammenfügt? Glaubt ihr, dass sich die Steine, wenn man durch Zufall die richtige Fallgeschwindigkeit trifft, automatisch mit dem Zement vermischen und so übereinanderstapeln dass eine Mauer entsteht? Dass dann noch die Fenster genau so landen, dass sie in die passenden Lücken fallen, ohne dass sie durch andere Steine erschlagen werden? Dass schließlich die Dachbalken so auf den Mauern landen, dass sie einen Sinn ergeben und dass sich Sekunden später die Dachziegel darauf ausbreiten können?

Nein, das ist vollkommen unmöglich. Dass irgendwann einmal durch reinen Zufall ein Gebilde entsteht, dass man mit gutem Willen als moderne Kunst durchgehen lassen kann, das ist sehr wahrscheinlich. Aber ein bewohnbares Haus kann auf diese Weise nicht entstehen. Es entsteht nicht einmal, wenn man ein intelligentes Wesen als Bauingenieur engagiert, das keine Ahnung von Statik und vom Häuserbauen hat.

Ein Gegenbeispiel: Nehmt einmal an, ihr hättet unendlich viele Affen, die willkürlich auf einer Schreibmaschine herumtippen, so dass jede mögliche Buchstabenkombination mindestens einmal getippt wird. In diesem Fall ist die Wahrscheinlichkeit bei 100%, dass einer der Affen die Bibel schreibt. Genauso wird ein anderer das Lustige Taschenbuch schreiben und bei unendlich vielen Affen käme nichts als gequirlter Buchstabensalat heraus. Bedeutet dies nun, dass man alles zufällig erschaffen kann, wenn man unendlich viel Zeit und unendliche Versuche frei hat? Nein, denn der unterschied ist, dass die Affen nur 26 Buchstaben zur Auswahl haben. Die Möglichkeiten in denen sie sich versuchen können sind also begrenzt. Ihre Versuche selbst sind jedoch unendlich, daher müssen sie irgendwann Erfolg haben. Würde man ihnen jedoch eine Tastatur mit unendlich vielen Buchstaben zur Verfügung stellen, so käme auch bei ihnen ohne Intelligenz nichts dabei heraus.

Wenn wir nun jedoch davon ausgehen, dass das gesamte Universum nur aus einer einzigen Energie besteht, die jedoch jede erdenkliche Form annehmen kann, dann wird die zufällige Entstehung eines Universums sogar noch unwahrscheinlicher. Welche Motivation sollte diese Energie haben, überhaupt irgendeine Form anzunehmen. Es gibt nichts außer ihr. Keine Hitze, die von außen Einwirkt, denn die Hitze ist sie ja selbst. Kein Druck, kein Wind, keine Elektrizität, keine Strahlung, denn all das ist nur eine Form ihrer selbst, die aus irgendeinem Grund erst einmal entstehen muss. Warum also sollte überhaupt irgendetwas entstehen, wenn diese Energie es nicht entstehen lassen will? Doch um das wollen zu können, muss sie intelligent sein.

Wenn man sich die verschiedenen Weltentstehungslehren in allen möglichen Kulturen anschaut, dann findet man dabei fast immer einen sehr ähnlichen Gedanken. In der Bibel steht geschrieben: „Am Anfang war das Wort!“ In den Überlieferungen der Aborigines heißt es: „Am Anfang war der Traum!“ wieder andere Religionen und Kulturen gehen von „Gedanken“, „Liedern“ oder „Ideen“ aus, da waren, bevor es eine materielle Welt gab.

Jeder Erfindung, die von Menschen gemacht wurde, ging eine Idee, ein Gedanke, eine Vision oder eine Überlegung voraus. Warum sollte es beim Universum anders sein?

Konkret bedeutet dies: Das gesamte Universum besteht aus einer einzigen, intelligenten Energie, die sich selbst zu dem geformt hat, was wir heute als die Welt wahrnehmen, die wir kennen. Wenn jedoch alles eins ist, dass ist es absolut unmöglich, dass es so etwas wie „das Böse“ gibt, das die Harmonie im Universum zerstören will. Im Gegenteil. Von unseren Astronomen wissen wir, dass sich das Universum permanent ausdehnt. Wenn das stimmt, dann bedeutet dies, dass sich auch die Urenergie aus der das Universum besteht stetig weiter ausdehnt. Wenn dieses Wachstum auf der kosmischen Ebene in der Natur der Urenergie liegt, dann wird es im kleinen nicht anders sein. Faktisch bedeutet das, dass alles, was jemals passiert, dazu dient, die intelligente Urenergie des Universums auszudehnen. Wenn wir nun weiter davon ausgehen, dass diese Energie nichts anderes ist als Liebe, dann heißt das, dass alles, was je geschieht dazu dient, die Liebe zu vergrößern. Kurz: Alles, was geschieht, geschieht aus Liebe.

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Nach diesem kleinen Exkurs kommen wir nun wieder zurück zu unserer Begegnung mit den Herren am Grilltisch und der Frage nach dem Unterschied zwischen nett sein und dem handeln aus Liebe. Jeder Mensch handelt stets so liebevoll, wie er es gerade kann und entscheidet sich immer für die bestmögliche Option, die ihm gerade zur Verfügung steht. Hätte er eine bessere Option gehabt, so hätte er diese gewählt. Im Nachhinein kommt es uns oft so vor, als hätten wir uns falsch entschieden, weil uns die Konsequenzen der Entscheidung in dem besagten Moment vielleicht noch nicht bewusst waren. Oder weil wir bereits in diesem Moment vom Verstand her wussten, dass unsere Entscheidung unangenehme Konsequenzen nach sich ziehen würde, wir jedoch aus Angst oder aufgrund einer Blockade keinen anderen Weg gehen konnten. Es gibt also keine Fehler, kein richtig und Falsch und auch keine Schuld.

Wenn man so viel verstanden hat oder vielleicht auch ohne irgendein Hintergrundwissen eine Weltsicht hat, die in diese Richtung geht, dann kann man leicht auf den Gedanken kommen, jeder Mensch sei nett. Jeder handelt ja immer im besten Gewissen, was soll also passieren? Jeder hat ja seine Gründe für das was er tut und wenn ich diese Gründe verstehe, dann gibt es keine Feinde mehr. Doch das ist so nicht ganz richtig.

Auch ein Vergewaltiger, ein Serienmörder oder der Leiter eines Milliardenkonzerns handelt stets so sehr in Liebe, wie es ihm gerade Möglich ist. Ich weiß, dass ist erst einmal schwer zu glauben und sicher auch nicht leicht anzunehmen. Wir werden daher irgendwann noch einmal genauer darauf eingehen und das Thema detaillierter erklären. Jetzt würde das jedoch ein bisschen zu weit gehen. Wichtig zu verstehen ist jedoch, dass ein Mensch, egal wie boshaft seine Handlung auch erscheinen mag, nie aus Bösartigkeit handelt sondern aus Angst. Wir ergreifen drastische Maßnahmen nur dann, wenn uns das Vertrauen ins Leben und in unser eigenes göttliches Selbst fehlt.

Dabei ist jedes Wesen im Universum dem Spiegelgesetz unterworfen. Das bedeutet, dass wir genau das in unser Leben ziehen, was wir zuvor mit unseren Gedanken aussenden. Am Anfang war das Wort. Die göttliche Urenergie ist auch in uns und sie funktioniert noch immer nach dem gleichen Prinzip. Wenn wir uns selbst als Opfer fühlen und glauben, die Welt sei schlecht und gemein, dann müssen wir automatisch Situationen anziehen, die diese Ansicht bestätigen. Glauben wir hingegen die Welt sei grausam und ein ewiger Kampf in dem nur der Stärkste überlebt, so dass wir selbst stets angreifen müssen, bevor es jemand anderes tut, so ziehen wir auch das in unser Leben und machen uns selbst damit zu etwas, das wir gerne als „Täter“ bezeichnen.

Ein Mensch, der aus einem inneren Zwang oder einer Angst heraus handelt, tut zwar noch immer das, bestmögliche, was er gerade tun kann, aber dies kann für ihn selbst oder für andere durchaus sehr schmerzhaft und zerstörerisch wenn nicht sogar tödlich sein. Zu begreifen, dass alles Liebe ist, bedeutet nicht, dass die Welt von da an ein rosa Seifenblasenland ist, sondern viel mehr dass man damit beginnen kann, die eigene Selbstliebe zu vergrößern.

Vertrauen ins Leben und in das eigene göttliche Selbst zu haben, bedeutet nicht, naiv jedem Menschen zu vertrauen, dass er es gut mit einem meint. Es bedeutet viel mehr, seiner eigenen Intuition zu vertrauen und die Warnsignale der eigenen inneren Stimme ernst zu nehmen. Und dies kann auch bedeuten, dass man eine Einladung ablehnt und darauf vertraut, dass man von anderer Seite mit Essen beschenkt wird. Urvertrauen ist etwas vollkommen anderes als Naivität. Es ist nicht gemeint, dass man einem Menschen blind vertrauen soll, sondern dass man in das Leben an sich vertraut. Ein Bär, der gerade seine Jungen betreut ist nicht im Geringsten Böse. Naiv auf ihn zu zu rennen und zu glauben, dass er nichts dagegen hat, wenn man seine Jungen streichelt, kann jedoch äußerst tödlich sein. Nicht weil der Bär einem etwas tun will, sondern weil er Angst um seinen Nachwuchs hat und diesen verteidigt. Im Vertrauen zu sein heißt hingegen, die eigenen , wie man mit der Situation gefahrlos umgehen kann. Und vielleicht ist es dann sogar möglich, sich dem Bären auf eine Art zu nähern, durch die er einem den Kontakt mit den Jungen erlaubt.

Fortsetzung folgt …

 

Spruch des Tages: Urvertrauen und Naivität sind zwei paar Schuhe

 

Höhenmeter: 200 m

Tagesetappe: 20 km

Gesamtstrecke: 10.100,77 km

Wetter: sonnig und heiß

Etappenziel: Zeltplatz auf einer Schafswiese, kurz hinter Sokolac, Bosnien und Herzegowina

Bewertungen:

 

About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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