Tag 876: Wandern in Bulgarien

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Tag 876: Wandern in Bulgarien

Tag 876: Wandern in Bulgarien

07.05.2016

Unser Hotelier hatte so ein schlechtes Gewissen, dass er uns erst abgelehnt hatte und dann vom Bürgermeister persönlich aufgefordert worden war, uns doch aufzunehmen, dass er uns heute morgen sogar noch ein kleines Lunchpaket zurecht machte. Vor uns lag nun eine etwa 20km lange Strecke, bis zum ersten Ort in Bulgarien. Auf dem Weg wurden wir drei Mal misstrauisch von Polizisten angeschaut, die jedoch jedes Mal zufrieden weiterzogen, sobald sie erfuhren, dass wir aus Deutschland und nicht aus Syrien waren. Auch jetzt sahen wir noch immer keinen Flüchtling und das änderte sich auch an der Grenze nicht. Die Warnungen vor den Massenaufläufen, die es hier geben sollte und der damit einhergehenden Gefahr, dass man überfallen und des Passes beraubt werden könnte, damit die verzweifelten Fliehenden den Hauch einer Chance hatten, ins nächste Land weiter zu kommen, waren also vollkommen an den Haaren herbeigezogen. An der Grenze warfen die Beamten einen kurzen Blick auf unsere Ausweise und winkten uns dann durch. Der bulgarische Beamte war sogar so freundlich, uns einen Stempel zu geben, nachdem wir ihn darum gebeten haben, obwohl dieser rechtlich betrachtet natürlich nicht nötig war. Aber er macht sich ganz gut neben den anderen.

Landschaftlich war unser erster Eindruck von Bulgarien nicht schlechter als der von Griechenland. Wir befanden uns inmitten eines beeindruckenden Gebirges, dessen Gipfel noch immer verschneit waren. Wenn man bedenkt, dass wir in ein paar Tagen bis auf 1400 Höhenmeter aufsteigen müssen, macht das noch nicht unbedingt ein gutes Gefühl, aber es sieht chick aus. Seltsamer weise war auf der Straße nach der Grenze deutlich mehr Verkehr als zuvor, obwohl es ja noch immer die gleiche Straße war.

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Die Menschen machten mehrheitlich einen freundlichen Eindruck, doch die Dörfer selbst wirkten schon wieder deutlich ärmlicher und spatarnischer als in Griechenland. Es wirkte ein bisschen wie in Bosnien. Viele Häuser waren aus Lehm oder hatten keinen Putz und keine echte Fassade. Andere waren uralt und vergraut. Dennoch waren sie fast immer gepflegt und den Umständen entsprechend schön gemacht. Nur dass man hier einen Schlafplatz finden konnte, konnten wir uns noch nicht wirklich vorstellen. Zwischendurch gab es aber auch immer wieder neue und hoch moderne Häuser mit detailreich verzierten Gärten, die irgendwie nicht richtig ins Gesamtbild passen wollten. Auch die Autos waren erstaunlich nobel und teuer für eine Region in dem die Menschen augenscheinlich so arm waren. Es gab auch einige Eselkarren und Pferdekutschen sowie rostige Klapperkisten, die sich kaum noch auf den Rädern halten konnten. Doch daneben waren auch jede Menge Limousinen von Mercedes, BMW, VW, Ford und sogar ein Bentley. Straßen und Häuser schienen den Menschen also nicht so wichtig zu sein, Autos hingegen sehr.

Für die erste Nacht hatten wir dann aber doch ordentlich Glück, was unsere Schlafsituation anbelangte. Wir kamen an einem Kloster vorbei, in dem wir übernachten dürfen.

Spruch des Tages: Der Anfang ist schon mal nicht schlecht!

Höhenmeter: 260 m
Tagesetappe: 22 km
Gesamtstrecke: 15.418,27 km
Wetter: überwiegend sonnig
Etappenziel: Zeltplatz in einer verlassenen Einfahrt, kurz vor 5340 Kmetovtsi, Bulgarien

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About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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