Winterwanderung durch Dänemark

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Winterwanderung durch Dänemark

Winterwanderung durch Dänemark

Wandertipps für Dänemark

Damit das Wandern in Dänemark Spaß macht, gibt es tatsächlich ein paar Dinge, die man beachten sollte. Denn ähnlich wie Holland ist Dänemark ein verhältnismäßig kleines Land mit recht dichter Besiedelung. Die normalen Straßen sind daher für Wanderer vollkommen ungeeignet und man sollte sich ein bisschen Zeit nehmen, um sich kleine Nebenstraßen, Feldwege oder Wanderwege herauszusuchen. Dann nämlich ist Dänemark mit seinen vielen Küsten, dem weiten Dünenland und der leicht hügeligen aber überwiegend flachen Landschaft ein ideales Wanderland. Empfehlenswert für Wanderer, die etwas länger und rustikaler unterwegs sein wollen sind auch die beiden Fernwanderwege.

Fernwanderwege in Dänemark

Der E1 führt in Richtung Norden bis zum Nordkap und in Richtung Süden bis nach Italien. Der E6 verläuft hingegen vom Nordwesten Finnlands bis hinunter zu den Dardanellen in der Türkei. Leider mussten wir auf unserer Reise immer wieder feststellen, dass die E-Wege, also die Europäischen Fernwanderwege anders als die Jakobswege nur sehr lückenhaft ausgebaut wurden. Das heißt, sie sind mit einem Pilgerwagen größtenteils unzugänglich und nur geeignet, wenn man mit relativ leichtem Gepäck und sicherem Tritt unterwegs ist. Außerdem benötigt man in jedem Fall gutes Kartenmaterial oder die entprechenden GPS-Verlaufspunkte, denn die Ausschilderung lässt mehr als nur zu wünschen übrig. Hier findet ihr eine recht gute Übersicht mit den dänischen Wanderwegen und den passenden Koordinaten dazu: https://hiking.waymarkedtrails.org/

Sehenswürdigkeiten in Dänemark

Anders als beispielsweise Italien ist das kulturelle Angebot in Dänemark eher mau. Vor allem die größeren Städte lohnen sich in der Regel nicht als Ausflugsziele. Wir selbst haben sie als laut, hektisch und nicht besonders schön empfunden. Eine Ausnahme stellt hier nur Koppenhagen dar. Sie ist natürlich die größte Stadt und daher durchaus auch mehr als nur reichlich mit Verkehr gesegnet. Gerade der Altstadtbereich bietet aber dennoch einiges und ist auch deutlich ruhiger und angenehmer, als viele kleinere Städte im Umkreis. Sehenswert ist dabei vor allem die Freistadt Christiania. Es ist eine Commune, die sich selbst für vollkommen unabhängig von Dänemark erklärt hat und daher eigene Regeln und Gesetzte hat, die vom dänischen Staat sogar mehr oder weniger akzeptiert werden.

Kopenhagen Innenstadt

Kopenhagen Innenstadt

 

Segelschiffe in Kopenhagen

Segelschiffe in Kopenhagen

 

Kleine Kanäle in Kopenhagen

Kleine Kanäle in Kopenhagen

 

Besonders schön ist auch der Nyhavn mit seinen bunten Häuschen und den kleinen Kanälen, in denen sich die Schiffe sammeln. Auch die Universität und der Vergnügungspark Tivoli sind einen Besuch wert. Zudem gibt es einige schöne Schlösser, wie das Schloss Amalienborg und das Schloss Rosenborg mit seinem beeindruckenden Garten, sowie die Schlosskirche Christiansborg. Auch die Frederikskirche und das große Aquarium „Der Blaue Planet“ sind einen Besuch wert.

Die Universität von Kopenhagen

Die Universität von Kopenhagen

 

Der Hauptplatz von Kopenhagen

Der Hauptplatz von Kopenhagen

 

Kopenhagener Altstadt Schlosskirche

Kopenhagener Altstadt – Schlosskirche

 

Auf den Wegen der Kindheit

Als wir vor rund 2 Jahren durch den Norden Italiens wanderten und dabei durch Rimini und San Marino kamen, waren in Heiko viele alte Erinnerungen an die Familienurlaube seiner Kindheitstage geweckt worden. Ganz ähnlich erging es nun mir, als wir die Grenze nach Dänemark überquerten. Als Kind hatte ich einen Großteil meiner Sommerferien in kleinen, reetgedeckten Ferienhäusern an dänischen Stränden verbracht. Wir waren in den Dünen umhergewandert, hatten Burgen am Strand gebaut, Feuerholz für das knisternde Kaminfeuer gesucht, Kerzen gezogen, im Meer gebadet, Steine und Muscheln gesammelt und was man eben sonst noch so im Familienurlaub tut. Sehr präsent erinnerte ich mich auch noch an eine ganz Spezielle Fleischpastete, die man mit Röstzwiebeln, einer unwahrscheinlich gelben Remoulade und süß-sauer eingelegten Gurken auf Brot aß. Ausgehend von all diesen Erinnerungen, sowie von unseren Begegnungen, die wir bisher mit Dänen auf unserer Reise hatten, hatten wir eine ganze Reihe positiver Vorurteile über dieses kleine Land entwickelt. Dänemark, da waren wir uns sicher, würde das reinste Zuckerschlecken werden. Eine entspannte Wanderung durch eine idyllisch-ursprüngliche Dünenlandschaft voll von interessanten Vögeln, urigen Dörfchen und netten, hilfsbereiten und herzlichen Menschen.

Geschickte Lösungen

Tatsächlich sah es auch bei unserem Grenzübertritt so aus, als würden diese Vorurteile direkt bestätigt werden. Der Wanderweg, der in Deutschland kaum mehr als ein Trampelpfad auf einer Wiese war, war direkt nach der Grenze zu einem erstklassigen Fahrrad- und Wanderweg ausgebaut worden. Er schlängelte sich geschickt durch die Landschaft, wich den Straßen aus und führte uns schließlich in den ersten Ort, der auch unser Zielort werden sollte. Hier waren wir dann gleich noch mehr begeistert von dem, was wir sahen. Die dänischen Ortschaften schienen komplett anders aufgebaut zu sein, als alle, die wir zuvor gesehen hatten. Die Wohnviertel waren dabei so angeordnet, dass man die Belästigung durch den Verkehr minimiert hatte. Es gab keine großen Stadtbereiche, durch die man hindurch fuhr, um zum nächsten zu gelangen, sondern immer nur kleine Stichstraßen, die für Autofahrer als Sackgassen endeten, aber durch Fuß- und Radwege miteinander verbunden waren. Auf diese Weise gab es in jedem Viertel stets nur die Autos der Fahrer, die auch wirklich hier wohnten oder die ein direktes Anliegen hatten. So ruhig wie hier war es bislang daher nur in wenigen Dörfern gewesen.

Unangenehmes Erwachen

Kaum hatten wir jedoch die Kirche erreicht, in dessen Gemeinde wir nach einer Übernachtungsmöglichkeit suchen wollten, nahm das Blatt eine jähe Wendung. Man begegnete uns ausgesprochen kühl, distanziert und abweisend und es schien niemanden zu geben, der auch nur eine Sekunde überlegen wollte, ob es im Ort eine Übernachtungsmöglichkeit gab. So wenig Hilfsbereitschaft hatten wir erst selten erlebt. Auch in den umliegenden Hotels und Pensionen wurde es nicht besser und beschlich uns langsam das Gefühl, dass sich Dänemark vom Traumurlaub in einen Höllenritt wandeln könnte. Heute war es noch sonnig und einigermaßen warm, so dass es nicht groß etwas ausmachte im Freien zu warten, aber bereits für die nächsten Tage war ein Kälteeinbruch mit Schneefall vorhergesagt worden. Wenn wir dann keinen Schlafplatz fanden, konnte die ganze Sache sehr schnell unangenehm und sogar gefährlich werden.

Neue Zuversicht

Um nicht zu viel Zeit mit erfolglosen Gesprächen zu vergeuden brachen wir die Suche ab und setzten unsere Wanderung in den nächsten Ort fort. Vielleicht hatten wir ja einfach Pech und haben auf einen schlag alle unfreundlichen Dänen erwischt die es gibt.

weiße kirche

Bei dieser weißen Kirche wurden wir herzlich empfangen

Und tatsächlich fanden wir uns im nächsten Dorf schneller in einer Unterkunft wieder als wir bis drei zählen konnten. Gleich im Zentrum traf ich einen Mann, den ich nach dem Weg zum Pfarrhaus fragte. Wir kamen ins Gespräch und er erzählte, dass er eine Kunstgalerie hier im Ort besaß und dass seine Eltern eine Ferienwohnung vermieteten, die sich im gleichen Haus oben drüber befand. Sie stand leer und es reichte ein einziger Anruf bei seiner Mutter um uns mit allem zu versorgen, was wir für den Abend brauchten.

Einige Stunden später besuchte uns die Familie mit einem großzügigen Abendessen und wir erfuhren noch ein Detail, das der ganzen Geschichte eine gewisse Ironie hinzufügte. Der Bruder unseres Gastgebers war nämlich Pfarrer in genau der Kirchengemeinde, in der wir zuvor so schlechte Erfahrungen gemacht hatten. Er war derjenige gewesen, nach dem wir gefragt hatten und zu dem uns niemand weiterleiten wollte, da es ja ohnehin keine Möglichkeiten für fremdartiges Wandererpack gab, um sich hier einzunisten. Als er von der Geschichte erfuhr, war er traurig uns verpasst zu haben und äußerst sauer auf seine Mitarbeiter, dass sie uns auf diese Art begegnet waren und ihn nicht einmal informiert hatten. Es gab nun wohl einige Mitarbeiter in seiner Gemeinde, die es in den nächsten Wochen nicht leicht haben würden.

Eintrittskarte in den inneren Kreis

Am nächsten Morgen wanderten wir weiter und erreichten nach einiger Zeit eine kleine Gemeinde, die von einer jungen Pastorin geleitet wurde. Auch sie war zunächst etwas vorsichtig damit, Fremde einzuladen, über die sie so gar nichts wusste, doch das hielt sie nicht davon ab, uns einen separaten Gemeindesaal zur Verfügung zu stellen. Als später das Eis ein bisschen gebrochen war, erklärte sie sich bereit, den Pfarrer im nächsten Ort über unser Kommen zu informieren und uns gewissermaßen als Gäste zu empfehlen. Damit begann eine Kette, die bis zu unserer Überfahrt nach Schweden auch nicht mehr abreißen sollte. Jeder Gastgeber, der uns aufnahm, fragte uns nach dem nächsten Ziel und telefonierte dann so lange herum, bis er einen geeigneten Platz für uns gefunden hatte. Teilweise waren es Kirchenzentren oder Pfarrhäuser, häufig aber auch private Gästezimmer bei unterschiedlichsten Personen. Wir übernachteten bei Polizisten, bei den Betreibern eines kleinen, christlichen Verlages, bei Rentnern, Doktoren und natürlich bei Pfarrern. Teilweise bekamen wir sogar Einladungen in Häuser in denen niemand zuhause war. „Ihr findet den Schlüssel unter der Fußmatte! Die Gästezimmer befinden sich links und rechts der Küche. Macht euch Tee und was zu Essen wenn ihr wollt! Wir kommen dann irgendwann!“ hieß es in diesen Fällen. Man kann also nicht sagen, dass die Dänen generell ängstliche, skeptische Leute sind. Es gibt hier durchaus Unterschiede.

Wandern im Winter-Wunder-Land

Ohne die Weiterleitungen von einem Gastgeber zum nächsten, so dass wir vollkommen ohne Zwischenwartezeiten direkt nach dem Wandern an einem neuen Platz ankommen konnten, wäre unser Dänemarkurlaub um diese Zeit sicher ein Desaster geworden. Denn bereits am zweiten Tag fing es zu schneien an. Und das nicht nur ein bisschen! Es schneite wie im Märchen von Frau Holle und schon nach wenigen Stunden waren die Straßen von 30 bis 40cm Schnee bedeckt. Hinzu kamen eisige Winde und mindestens jeden zweiten Tag gab es Neuschnee. Unter diesen Bedingungen wäre jede Minute Stillstand im Freien zum Verhängnis geworden. Doch da wir bereits am Morgen wussten, dass für uns gesorgt war, konnten wir das Schauspiel genießen. Die Welt ist einfach eine vollkommen andere, wenn sie verschneit ist. Am schönsten und eindrucksvollsten war es jedoch am Meer, wo die Brandung eine dicke Eisschicht auf den Felsen am Ufer hinterlassen hatte, die gleichzeitig martialisch und filigran wirkte.

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Nicht ganz so schön wie gedacht

Leider entpuppte sich Dänemark selbst nicht als das Traumwanderland, das wir erwartet oder zumindest erhofft hatten. Genau wie Holland hatte es das Problem, dass hier zu viele Menschen auf sehr engem Raum lebten, wodurch es nahezu unmöglich wurde, dem starken Verkehr auszuweichen. Vor allem die größeren Städte erwiesen sich als unangenehme Lärmburgen, die uns sehr stark an England erinnerten. Beruhigte Fußgängerzonen und Stadtzentren gab es in der Regel nicht und auch die Wohnviertelregelung mit dem Sackgassenprinzip ließ sich hier nicht mehr finden. Wir lernten also schnell, dass es auch in diesem Land galt, alles zu vermeiden, was größer war als ein Dorf. Sofern dies eben möglich war. Denn um nach Schweden zu gelangen gab es nur zwei sinnvolle Wege, die beide ihre Vor- und Nachteile hatten. Einer führte bis hinauf an den nördlichsten Punkt von Dänemark, von wo aus man mit dem Schiff nach Norwegen übersetzen konnte. Von dort aus konnte man dann nach Schweden weiter wandern. Wir entschieden uns jedoch für die zweite Variante. Sie führte über die Dänischen Inseln, auf die man über eine Brücke und mit einem Zug gelangen konnte. Für die letzte Überquerung der Ostsee von Helsingør nach Helsingborg brauchten wir dann wieder eine Fähre. Gerade der hintere Bereich, der bereits relativ nahe an Kopenhagen gelegen war, erwies sich als recht dicht bevölkert und hatte nur noch wenige Stellen, die wirklich schön waren. Die ursprüngliche Romantik der Stranddörfer mitten in den Dünen gab es anscheinend nur in einigen gezielt gewählten Touristenregionen. Der Rest war ähnlich ernüchternd wie Ostfriesland.

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Kinder, Kirchen und Küchen

Zum Abschluss über unsere Dänemarkzeit bleiben noch drei Punkte, die erwähnenswert sind. Zunächst wäre da die Kindererziehung die ja international in den skandinavischen Ländern meist über alles in den Himmel gelobt wird. Dies konnten wir leider nicht bestätigen. Im Gegenteil ließ sich feststellen, dass die antiautoritäre Erziehung, die hier üblich war, häufig dazu führte, dass die Familien regelrecht von ihren Kindern terrorisiert wurden. Es kam einige Male vor, dass wir Plätze ablehnten, weil es mit zwei oder drei Kindern im Haus einfach unaushaltbar war. Und damit meine ich nicht, dass es schwierig war, sich zu konzentrieren, weil die Kinder im Wohnzimmer spielten. Ich meine, dass es sich viele Kinder zu einer gezielten Strategie gemacht hatten, dadurch die Aufmerksamkeit ihrer Eltern zu erhaschen, dass sie ganz bewusst alles störten, was nicht sie selbst in den Mittelpunkt des Geschehens rückte. Spannend dabei war, dass einigen Eltern die Dramatik des Zustandes in ihrem Haus erst durch uns bewusst wurde. Zuvor war es für sie einfach normal gewesen, dass Kinder laut und unangenehm sind und dass man am Abend einfach vollkommen erschöpft und ausgelaugt in sein Bett fiel. Nun, da sie es uns aber angenehm machen wollten, fiel ihnen zum ersten Mal auf, dass dies unmöglich war und dass sie dieser Umstand selbst viel mehr störte, als sie es sich je eingestanden hatten. Es dauerte daher zumeist nicht lange, bis sie eine Alternativlösung für uns gefunden hatten. Dafür dauerte es meist um so länger, bis sie bereit waren, diese Alternativlösung selber wieder zu verlassen und zu ihrer Familie zurückzukehren.

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Ebenfalls spannend war die Stellung der Kirche hier im Land. Sie hatte durchaus eine gewisse Präsenz, hatte dabei aber fast vollkommen die Rolle einer Jugendbetreuungseinrichtung übernommen, wohingegen Religion eher ein untergeordnetes Thema war. So bestand der Konfirmationsunterreicht vor allem aus Bastelstunden. Unser persönliches Highlight in diesem Bereich war eine Unterrichtseinheit in der die Kinder Kirchen aus Marshmallows und Spagetti bauen sollten.

Was die dänische Küche anbelangte entsprach sie tatsächlich noch ziemlich genau dem, was ich aus unseren Familienurlauben in Erinnerung hatte. Wohin wir auch kamen gab es reichhaltig gedeckte Tische mit Räucherfisch, besagter Fleischpastete, Remoulade, Röstzwiebeln, Gurken, Käse, Trinkjogurt und einigem mehr. Erstaunlicherweise sah aber dennoch jeder Essenstisch nahezu gleich aus. Es gab die gleiche Pastete, den gleichen Fisch, die gleichen Röstzwiebeln und den gleichen Jogurt in jedem Haushalt. Ein Phänomen, das wir übrigens nicht nur in Dänemark sondern in sehr vielen Ländern beobachteten. Kam man über eine Grenze, so betrat man fast immer ein vollkommen neues Reich der Kulinarik. Hielt man sich längere Zeit im gleichen Land auf, so stellte man fest, dass es sich um eine kollektive Kulinarik handelte, die kaum noch Variationen innerhalb dieses Länderspezifischen Kulturkreises hatte.

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