Tag 971: Wandern in der Slowakei

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Tag 971: Wandern in der Slowakei

Tag 971: Wandern in der Slowakei

15.08.2016

Auch die Slowakei machte auf uns den Eindruck, ein schönes und angenehmes Wanderland zu sein. Wir blieben den ganzen Tag auf kleinen Straßen und auf Feldwegen, begegneten nahezu keinem Menschen und keinem Auto und konnten das Wandern in der Stille so richtig genießen. Es war hier nicht spektakulär oder irgendwie besonders, aber es war friedlich und schön und es wirkte irgendwie vertraut und heimisch.

Bei einem kleinen Picknick im Wald testeten wir noch einmal die nächsten Sanktionen aus, die sich bei mir schon wieder angesammelt hatten. Es waren 16 Minuten Brennesseln und 205 Kneifer. Ganz so schlimm wie am Anfang waren die Brennesseln nun nicht mehr und es gelang mit immer leichter, sie anzunehmen. Trotzdem spürte ich noch immer die extreme Angst in mir und auch ein Gefühl von Verzweiflung kam wieder in mir auf. Die letzten sechs Minuten der Sanktionszeit verbrachte ich damit, selbst durch das Brennnesselfeld zu laufen, auf sie einzuschlagen, die um mich zu winden und an meinen Körper zu drücken. ich spürte dabei, wie eine immense Wut in mir aufstieg und ich beide verletzen wollte, sowohl die Brennnesseln als auch mich selbst. Es war jedoch nicht die Wut eines Erwachsenen, sondern die Wut eines kleinen Kindes, das sich trotzig gegen eine klare Anweisung seiner Mutter wehrt. Ein bisschen so, als wollte ich sagen: „Ich will aber noch nicht ins Bett!!!!“ Es war, als würde ich nun noch einmal die Phasen durchleben, die ich als kleiner Jung hätte ausleben wollen, mir aber damals selbst verboten habe, da ich ein braver Sohn sein wollte.
Bis zu unserem Zielort führte uns der Weg nun auf einem schier endlosen Damm entlang eines Flusses weiter. Als wir im Ort ankamen, hatte sich der Himmel bereits so zugezogen, dass es jeden Moment zu regnen beginnen musste. Im Garten eines Hauses neben der Kirche traf ich einen Mann, den ich nach dem Pfarrer fragte. Dieser sei nicht da, aber ich solle bei seinem Nachbarn klingeln, denn der sei hier der Boss, der uns weiterhelfen könne. Mit dieser Information klingelte ich an der genannten Adresse und landete bei einer Farmerfamilie, die uns tatsächlich weiterhelfen konnte. Wir bekamen das Gemeindehaus zur Verfügung gestellt, das so schön, gepflegt und modern war, wie wir es seit Deutschland nicht mehr erlebt hatten. Die Schwester unseres Gastgebers kam später noch einmal mit einem Mittagessen vorbei und blieb noch für ein längeres Gespräch. Es war lange her, dass wir von unserer Reise erzählen konnten und ich geriet dabei in eine Art Flash, bei dem ich kaum noch aufhören konnte. Wenn die arme Frau gewusst hätte, dass ich gleich so loslegen würde, hätte sie sich die Frage zu unserer Reise wahrscheinlich gespart.

Trotz unsere frühen Ankunft und trotz meines Wunsches, die Zeit zu nutzen, um den immensen Rückstand aufzuarbeiten, den ich mir durch das Buch und meinen Bericht über meine Wandlung zum Mönch eingehaldelt hatte, kam ich so gut wie überhaupt nicht voran. Ich spürte, dass ich vollkommen unkonzentriert war und es war, als würde die Zeit in der doppelten Geschwindigkeit an mir vorbeirasen. Ich hielt mich so gut es ging mit Kaffee wach und arbeitete bis um 05:00 Uhr in der früh, ohne dabei jedoch nennenswert voranzukommen. Irgendetwas blockierte mich und führte dazu, dass ich uneffektiver wurde als je zuvor. Die Frage war nur: Was?

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Spruch des Tages: Wahrer Wohlstan bedeutet, mit dem zufrieden zu sein, was man hat.

Höhenmeter: 1300 m
Tagesetappe: 22 km
Gesamtstrecke: 17.602,27 km
Wetter: überwiegend sonnig und warm, abends das heftigste Gewitter aller Zeiten
Etappenziel: Kloster Kalwaria, Kalwaria Zebrzydowska, Polen

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About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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