Tag 908: Wenn man nicht entspannt ist

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Tag 908: Wenn man nicht entspannt ist

Tag 908: Wenn man nicht entspannt ist

05.06.2016

Ohne Rücksicht auf Langschläfer warf uns die Sonne bereits am frühen Morgen aus den Federn, so dass wir bereits zeitig mit unserer Wanderung starteten. Obwohl ich unausgeschlafen war, merkte ich aber, dass ich mich sogar darüber freute, denn der innere Druck für die Buchfertigstellung wurde immer höher. Ich war noch immer mit der Überarbeitung des ersten Teils beschäftigt, schrieb und schrieb und hatte nicht das Gefühl, irgendwie weiter zu kommen. Diese Unentspanntheit wurde mir dann auch den ganzen Tag über permanent gespiegelt. Als ich in einem Minimaarkt nach Essen fragen wollte, wurde ich gleich mit einer ganzen Armee an angestellten konfrontiert, die gerade eine Inventur durchführten. Sie wollten mir helfen und waren auch bereit, uns mit Nahrung zu unterstützen, doch als Gruppe waren sie genauso unstrukturiert, wie ich mich in meinem inneren fühlte und so endete die Aktion in einem völligen Chaos, bei dem schließlich niemand mehr wusste, was er von dem anderen wollte. Plötzlich war mein Zettel verschwunden, auf dem meine Fragesätze auf Rumänisch standen. Eine der Frauen hatte ihn genommen und irgendwo hingelegt. Ich fragte danach und wollte ihn wiederhaben, doch niemand verstand worauf ich hinaus wollte. Es war wie bei einer Pantomimenrunde von Activity, bei der alle wild durcheinander rieten. “Klopapier? Nein Servierten? Nein, einen Brief, will er! Er sucht eine Post! Auch nicht! Vielleicht eine Tischdecke? Nein, er will etwas aufschreiben!”

Schließlich kam der Chef, schaute mich grimmig an und fragte, was ich denn für ein Problem hätte, dass ich seine Mitarbeiter alle von der Arbeit abhielt. Wäre ich entspannt gewesen, wäre die Sache sicher innerhalb von einer Minute vom Tich und ich hätte mit einem Arm voll Essen nach draußen gehen können. Doch ich war nicht entspannt, sondern vollkommen hektisch, empört und panisch. Ich war wirklich der Überzeugung, dass sie mir meinen Zettel klauen wollten. Als ich ihn schließlich wieder hatte, war ich so froh und gleichzeitig so gereizt, dass ich einfach mit ihm aus dem Laden lief.

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Den Rest des Nachmittages wanderten wir durch ein einziges Feld, über das eine immense Seilbahn mit großen Lohren gespannt war. Irgendwo am Ende gab es ein Sandabbaugebiet und aus einem unerfindlichen Grund hatte man die Fabrik zur Weiterverarbeitung rund zehn Kilometer entfernt gebaut.
Zelten konnten wir dieses Mal auf einer Wiese an einem Berghang, von der wir einen atemberaubenden Blick über das Tal hatten.

Spruch des Tages: Mit Gelassenheit wäre das nicht passiert

Höhenmeter: 50 m
Tagesetappe: 20 km
Gesamtstrecke: 16.076,27 km
Wetter: sonnig und heiß
Etappenziel: Zeltplatz auf einer Wiese unterhalb des Ortes, 807137 Tămăoani, Rumänien

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About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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