Tag 336: Verfrühtes Nikolausgeschenk

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Tag 336: Verfrühtes Nikolausgeschenk

Tag 336: Verfrühtes Nikolausgeschenk

Er ist wieder da! Ich hätte ihn knutschen können vor Freude und um ganz ehrlich zu sein habe ich es auch getan. Nach eineinhalb Monaten, in denen ich die Tagesberichte nun auf dem iPad geschrieben habe, habe ich nun endlich meinen Computer zurück! Nun kann ich wieder effektiver und schneller arbeiten. Wenn ich mich nun verdaddle, dann weiß ich zumindest wieder, dass es meine Schuld ist und nicht die der kleinen Bildschirmtastatur. Endlich kann ich wieder selber tippen und muss mich mit der Autokorrektur herumärgern, die ständig schreibt, was sie will! Alle Rechtschreibfehler, die ich jetzt in den Berichten habe, sind also wieder auf meinem Mist gewachsen und nicht mehr auf dem von Apple. Ein tolles Gefühl! Ein fettes Danke daher an den Compustore für die saubere und einwandfreie Reparatur! Und natürlich auch für die Reinigung! So geglänzt hat der kleine das letzte Mal als ich ihn das aller erste Mal aus der Verpackung gezogen habe.

Doch der Computer war nicht das einzige Geschenk zum dritten Dezember oder zum vorverlegten Nikolaus. Das Paket, das uns Heikos Eltern zusammengestellt hatten, wog insgesamt 18kg und war voll von kleinen und großen Überraschungen. Natürlich waren wieder Nüsse darunter! Viele Nüsse und die können wir in der Vorweihnachtszeit auch sehr gut gebrauchen. Doch das absolute Highlight in Sachen mütterlicher Verpflegung waren eingepackte Rinderrouladen mit Kartoffelknödel, die wir uns heute Abend warm machen werden.

Nachdem nun durch die dicken Wanderschuhe meine Füße mal wieder kurz davor stehen, auseinander zu fallen, freuen wir uns besonders über die weichen Einlegesohlen von pedag. Wenn alles so läuft wie geplant, müsste es den Füßen damit bald wieder besser gehen. Vor allem, weil Heikos Eltern gleich auch noch einige Pflegeutensilien wie Murmeltierfett mit beigelegt haben.

Dann noch einmal Danke an Schwalbe für die neuen Schläuche. Die Mäntel halten zwar noch immer ohne ein einziges Loch, doch unsere alten Schläuche waren so zerstochen, dass sie noch immer etwas Luft verlieren. Das sollte sich nun auch erledigt haben.

Danke an den Bergverlag Rother für den Wanderführer, der uns demnächst bis nach Rob führen wird. Wir sind zwar noch nicht an der Einstiegsstelle, doch wir haben nun wieder eine Richtung, auf die wir zugehen können.

Nach elf Monaten haben wir jetzt auch endlich eine Schutzhülle für unser Smartphone, das zeitgleich auch unser Dolmetscher und unser Wanderführer ist. Es hat zwar bereits einige Macken aber zumindest sollten jetzt keine neuen hinzukommen. Dafür bedanken wir uns alle drei (Heiko, ich und das Handy) bei deinphone.de

Nicht zuletzt ein riesengroßes Dankeschön an Paulina für unsere neuen Schilder, die ab heute unsere Wagen zieren. Wir haben bereits den Nachmittag im Flur unserer heutigen Gastgeber damit verbracht, die alten schäbigen Plakate von den Wagen herunterzureißen und die neuen anzukleben. Nun können die Menschen auf einen Blick erkennen, was wir machen und müssen sich dabei nicht mehr über die miserable Googletranslater-Übersetzung lustig machen. Wobei sie das vielleicht ja sogar ganz gerne gemacht haben. Auch meine Schultern werden sich über das Paket freuen, denn ganz oben auf lag ein neuer Rucksack, der den alten ab Morgen ersetzen wird. Leider war es nicht der Rucksack, an den wir dabei eigentlich gedacht hatten, denn ungünstiger Weise hatte ich die Liste mit den Dingen, die wir bei Heikos Eltern auf dem Dachboden eingelagert haben, nur auf meinem Computer. Sie lag also ebenfalls in Deutschland und so konnten wir nicht genau sagen, welchen Rucksack wir haben wollten.

Ich habe nun also den alten Rucksack von Heiko, mit dem er schon durch Neuseeland, Kanada und Island gewandert ist. Immerhin ein Rucksack mit einer langen Geschichte. Der einzige Haken ist, dass er ein paar leichte Litzen hatte und so verbrachte ich die zweite Hälfte des Nachmittages damit, ihn zu flicken. Ihr glaubt gar nicht, wie viele Nadeln man sich in die Finger stechen kann, wenn man versucht, etwas so festes wie ein Rucksackgurtband zu nähen. Meine Finger glauben es nun schon und sie sind nicht besonders glücklich darüber.

Andererseits haben sie sich damit auch schon einmal auf unsere neue Therapie eingestimmt, mit der wir ab heute beginnen wollen. Denn im Paket waren auch zwei Instrumente für das sogenannte Mikroneeling. Es sind kleine Roller, bzw. Stempel mit winzigen Nadeln daran, mit denen man über die Haut fährt um Mikroverletzungen zu verursachen. Dadurch wird die Regenerationsfähigkeit der Haut angeregt und man kann beispielsweise Narben, Hautunreinheiten und Mittesser wegbekommen. Mal sehen wie gut es funktioniert und wie schmerzhaft die Prozedur ist. Gerade ist mein Gefühl dazu noch etwas skeptischer, als damals bei der Umstellung auf den Klolappen. Doch an den haben wir uns ja schließlich auch bereits gewöhnt.

Ich gebe zu, Aix en Provence war als Zielort für unser Päckchen alles andere als ideal gewählt. Nicht nur, dass die Stadt viel zu weit weg lag und uns deshalb die letzten Tage immer wieder in Stress versetzt hat, sie ist auch viel zu groß. Es gibt hier 130.000 Einwohner und damit ist die Suche nach einem geeigneten Schlafplatz, an dem wir auch gut umpacken konnten, wieder einmal schwieriger gewesen, als sie hätte sein müssen. Die Stadt wollte uns lediglich einen Wärmebus für Obdachlose zur Verfügung stellen, der uns um 20:00Uhr einsammeln und in ein Massenschlaflager bringen würde. Das war tendenziell eher mal keine Option. Alternativ gab es eine Kirche, in der Jakobspilger übernachten konnten.

Doch der Mann, der sie betreute bedauerte sehr uns mitteilen zu müssen, dass wir außerhalb der Saison kämen. Der Raum war zwar leer, aber im Winter vergab er ihn einfach prinzipiell nicht an Wanderer. Daran ließ sich nichts rütteln. Wo also sollten wir nun hin? Mussten wir die Stadt doch wieder verlassen und alles erst einmal unter den Arm klemmen, bis wir irgendwo sonst einen Schlafplatz gefunden hatten? Doch auch diese Idee scheiterte an eine Dummheit meinerseits. Ich hatte den Plan für den weiteren Weg nämlich nur bis Aix en Provence herausgesucht. Von hier an wussten wir nicht einmal im Ansatz, wie es weitergehen sollte. Zum Glück wurden wir von einer alten Dame gerettet, die uns empfahl zur Kathedrale zu gehen und dort nach einem Platz für Pilger zu fragen. Die Dame am Empfang lud uns zu sich nach hause ein, wenn sie Feierabend hatte. Bis um 14:00 Uhr warteten wir also vor der Kirche und nutzten die Zeit um schon einmal umzuräumen.

Dabei wurden wir von einer rumänischen Bettlerin erspäht, die auf uns zukam und nach etwas zu essen fragte. Wir boten ihr ein paar Nüsse aus der offenen Packung an, an der wir gerade aßen, doch sie lehnte ab. Stattdessen zeigte sie auf unseren Beutel mit den Nusspäckchen von Heikos Eltern. Heiko nahm eines heraus und gab es der Frau. Sie nahm es an sich, ohne es zu würdigen und zeigte ein weiteres Mal auf den Beutel. Diesmal wollte sie die Rinderrouladen und die Klöße.

„Momentmal!“ rief ich auf Deutsch, „wir sind doch kein Selbstbedienungsmarkt!“ Dann erklärte ich ihr auf Französisch, dass wir selbst ohne Geld lebten und das dies die Geschenke waren, von denen wir lebten. Sie nickte und ging weiter um unsere Sachen herum, als hätten wir sie eingeladen, sich etwas davon auszusuchen. Nun fiel ihr Blick auf Heikos neue Hausschuhe. (Danke übrigens auch dafür! Heiko war sofort begeistert, dass sie so gut passen!) Langsam wurden wir ärgerlich. „Nix da!“ rief Heiko, „das sind meine!“ Freu dich über die Nüsse und sei Glücklich damit!“

Als sie schließlich weg war fügte er an mich gewandt hinzu: „Ich glaube ich kann gerade verstehen, warum den Menschen die Lust am Helfen vergeht. Wie kann man denn so unangenehm und so aufdringlich sein? Ich meine wir sind ja schon manchmal dreist aber es gibt immer noch eine Grenze und ein pathetisches Gefühl. Aber sie verschreckt ja wirklich jeden.“

Kurz darauf trafen wir unsere Gastgeberin, die uns in ihre Wohnung begleitete, wo wir uns dann an die weiteren Umpackarbeiten machten.

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Spruch des Tages: Endlich wieder effektiv arbeiten, schreiben und forschen!

 

 

Höhenmeter: 20 m

Tagesetappe: 11 km

Gesamtstrecke: 6312,37 km

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About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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