Tag 81: Der Nachtisch

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Tag 81: Der Nachtisch

Tag 81: Der Nachtisch

Unsere Nacht in La Coquille, in der Herberge von Heidy war ausgezeichnet. Nach dem langen Tag mit den vielen Eindrücken war es ein schöner Ort um anzukommen und sich auszuruhen. Beim Abendessen erzählte uns Heidy von einer Freundin aus Florida, die seit zwei Wochen im Koma liegt. Sie hatte einen Gehirntumor im vorderen Hirnareal und war nach der Operation ins Koma gefallen. Es gab immer mal wieder Momente, in denen sie aufwachte und sogar einige Finger bewegen konnte. Dann schlief sie jedoch wieder ein. Das betroffene Gehirnareal ist für den Sehsinn und für das Bewusstsein verantwortlich. Doch bei der ganzen Geschichte geht es nicht nur im die Frau, sondern auch um ihr Kind, denn sie ist im 7. Monat schwanger. Heiko fragte Heidy, ob es irgendwelche Auffälligkeiten im Zusammenhang mit dem Kinderwunsch gab.

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„Ja,“ sagte sie, „sie war zuvor lange Zeit mit einem anderen Mann verheiratet. Vor der Hochzeit hatte er behauptet, dass er Kinder haben wolle, danach war er jedoch strickt dagegen. Sie hatte das nicht verkraftet und nach ein paar Jahren haben sie sich getrennt. Jetzt hat sie einen neuen Mann kennengelernt, und bereits kurz nach der Hochzeit wurde sie schwanger.“

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Heiko überlegte eine Weile um sich die tiefenpsychologischen Zusammenhänge des Gehirns in Erinnerung zu rufen. Dann sagte er: „So wie du es beschreibst, klingt es, als würde sie eine große Angst mit der Schwangerschaft verbinden. Es war lange Zeit ihr größter Wunsch, der sich aber nie erfüllen konnte und mit dem sie bereits einmal sehr stark endtäuscht wurde. Jetzt wo er endlich in Erfüllung gehen kann, ist es gut möglich, dass in ihr die Angst aufkam, wieder und vielleicht noch schlimmer enttäuscht zu werden. Die Operation selbst ist ja gut gelaufen, oder?“

Heidy nickte: „Soweit ich weiß, ja!“

Heiko fuhr fort: „Unser Körper ist nicht blöd und er hat keinerlei Interesse daran, sich selbst zu schaden oder zu zerstören. Wenn er eine Krankheit oder einen Tumor ausbildet, dann tut er es um dadurch etwas Positives zu erreichen. Jede Krankheit ist immer auch ein Teil der Heilung. Wenn sie also einen Tumor in dem Bereich des Gehirns bekommen hat, der für das bewusste und unbewusste denken, sowie für das Sehen zuständig ist, dann passierte das nicht ohne Grund. Ohne mehr über sie zu wissen ist es schwer, sicher zu sagen was es ist, aber meine Tendenz geht dazu, dass sie unbewusst versucht hat, eine Angst auszublenden. Ich glaube dass es wichtig ist, dass ihre Familie viel mit ihr spricht. Auch wenn sie nicht reagiert, nimmt sie es unbewusst war. Vielleicht können sie sie ja beruhigen und ihr ihre Ängste nehmen, so dass sie diese nicht mehr durch das Koma ausblenden muss. Und mir fällt da noch etwas ein. Tobias und ich wurden in den letzten beiden Jahren immer wieder zu einer Gruppe von Medizinleuten eingeladen, die von einem Heiler aus Oklahoma angeleitet wurde. Der Mann heisst  hat viel mit Komapatienten gearbeitet und er ist wirklich, wirklich gut! Vielleicht kann man den Fall auch in die Gruppe geben. Wir haben immer wieder auch Fernheilungen gemacht und es war unglaublich, was dabei herausgekommen ist!“

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Wir gaben Heidy die Mailadresse und sie schrieb Darrel noch an diesem Abend. Vielleicht erfahren wir ja sogar in den nächsten Tagen, wie es sich weiterentwickelt hat und wie es ihrer Freundin geht.

Auch heute führte uns das Wetter ständig an der Nase herum und schenkte uns abwechselnd Sonnenschein, Regen und Hagel. Beim wandern mussten wir noch einmal an das Zen -Kloster von gestern zurückdenken.

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„Mir ist in der Nacht eine Sache eingefallen,“ begann Heiko, „die ich bei meiner Ausbildung bei der Allianz erlebt habe. Damals ging es um Effektivitätssteigerung und für zwei Wochen sollten wir in einer Art Trainingslager genau vorgegebenen Strukturen folgen, die unsere Leistung verbessern sollten. Es war dem Programm im Kloster sehr ähnlich. Morgens um 5:00 aufstehen, dann Joggen und Morgensport vor dem Frühstück, den ganzen Tag über Powertraining in unterschiedlichen Bereichen und so weiter. Es dauerte nur zwei bis drei Tage bis sich fast alle Auszubildenden den Strukturen gefügt haben. Nur mein bester Kumpel und ich kamen mit diesem Blödsinn von wegen ‚mitten in der Nacht aufstehen’ nicht zurecht. Ich weiß noch, dass es damals echt hart war, was wir uns von den anderen anhören mussten. Wir wurden wirklich als Spalter betrachtet. Sie warfen uns vor, dass wir nicht erfolgreich sein wollten, dass wir nicht wüssten, was gut für uns ist und so weiter. Und sie betonten immer wieder, wie gut es ihnen doch mit dem Training ging. Das krasse ist, dass sie damit Recht hatten. Es ging ihnen wirklich gut, aber nur so lange das Training anhielt. Es war nicht gesund, was sie taten und es heilte sie auch nicht. Sie waren nur so unter Stress, dass sie nichts mehr spürten. Ihr Körper wusste, dass er es sich nicht erlauben konnte, krank zu werden, also verdrängte er jedes Gefühl von Schwäche oder Erschöpfung. Zwei Monate lang wurde der Kurs einfach so stehen gelassen. Dann gab es ein Reflexionsgespräch dazu, bei dem klar wurde, dass alles ein Test gewesen war, um zu zeigen, wie leicht es ist, die Menschen gefügig zu machen. Dem Mönch der uns herumgeführt hat, ging es ja genauso. Er wusste genau, dass es nicht gut für ihn war und er hat ja sogar gesagt, es sei die Hölle, aber trotzdem war er irgendwie davon fasziniert und konnte nicht mehr weg. Es ist ein alter Trick aber er funktioniert einfach fantastisch. Wichtig ist nur, dass die Menschen nicht merken, was da passiert. Alles muss einen guten Zweck haben. Es muss ein Ziel sein, dass sie erreichen wollen. Welches Ziel es ist, ist egal. Da funktioniert der Wunsch nach Erleuchtung ebenso gut wie der nach Erfolg und Reichtum. Mir wird langsam immer klarer, warum es in den ganzen Lehrmethoden der Naturvölker immer dieses Prinzip von Mentoring gibt. Alles was der Schüler lernen will muss er selbst herausfinden. Ich glaube, dass ist die einzige Möglichkeit wie man überhaupt lernen kann, ohne Gefahr zu laufen, zu einem Roboter zu werden.“

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Gegen Mittag erreichten wir eine kleine Anhöhe mit einem Hof darauf. Aus dem Schornstein wehten Rauchfahnen, was sich in der Vergangenheit immer als gutes Zeichen erwiesen hatte. Da wir kurz vor dem Hungertod standen, klopften wir an die Tür und fragten nach etwas zu Essen. Zunächst öffnete eine junge Frau mit zwei Kindern, die mich dann an ein Nebengebäude verwies. Dort begegneten wir ihrem Vater (oder Schwiegervater) und ihrem Mann. Der ältere der beiden Herren bat uns, uns zu setzen. Alles, was er uns von nun an auftischte hatte er selbst gemacht und zum großen Teil hatte er sogar die Zutaten dafür selbst angebaut. Wir bekamen zwei verschiedene Sorten Quiche und dann Baguette mit Wurst aus eigener Schlachtung. Wir aßen in dem Gebäude, in dem sich die Küche befand, während die Familie im Wohnzimmer speiste. Der Großvater kam immer wieder zu uns herüber, fragte, ob alles in Ordnung sei und freute sich riesig, wenn wir seine Kochkünste lobten. Als wir fertig waren, standen wir auf und klopften an die Tür des Haupthauses, um uns zu bedanken und zu verabschieden. Als alte Mann uns sah, fiel er aus allen Wolken. „Was? Ihr könnt noch nicht gehen! Es gibt doch noch Nachtisch! Schnell zurück an den Tisch! So geht das hier nicht!“

Wiederstand war Zwecklos. Also marschierten wir zurück auf unsere Plätze und machten uns bereit für einen Pfirsichkuchen mit Früchten aus dem eigenen Garten. Den Kaffee, den er uns danach anbot lehnten wir dann jedoch dankend ab.

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Unser Wanderführer beschrieb den weiteren Streckenverlauf wie folgt: „Von hier aus ist Thiviers (das heutige Etappenziel) gut ausgeschildert!“

„Klasse!“ kommentierte ich, „warum schreibt der Mann eigentlich überhaupt einen Führer? Da hätten doch ein paar Zeilen mit dem Hinweis: „Wenn sie nach Santiago wollen, dann folgen sie halt einfach den Wegweisern mit der Muschel darauf“ auch gereicht.“

In Thiviers hatten wir mal wieder mehr Glück als Verstand. Denn normalerweise ist der Sonntag immer der Tag der Woche, an dem die Schlafplatzsuche am schwersten ist. Keine Touristeninformation hat geöffnet und Rathäuser schon gar nicht. Wenn es keine Privatpersonen gibt, die einen aufnehmen oder wenigstens einen Pfarrer im Ort, dann wurde es echt heikel. Heute aber war das Rathaus geöffnet, da gerade ein neuer Bürgermeister gewählt wurde. Und dazu war es noch voller Menschen, von denen immerhin einer Englisch sprach. Es dauerte nicht lange, da hatten wir einen Schlafplatz in einem kleinen Bungalow auf einem Campingplatz sicher. Der Weg dorthin war dann schon eher ein Problem. Er führte uns rund zwei Kilometer aus dem Ort heraus und alles steil den Berg hinab. Heute war das nicht schlimm, aber morgen müssen wir ja alles wieder hoch. Im Vergleich zur letzten Nacht wird diese wohl eher eine Sparversion. Unser kleines Holzhäuschen hat keine Heizung, die Betten sind knapp 1,80 lang und an mehreren Stellen kann man zwischen den Planken hindurch in die Nacht schauen. Der Wetterbericht hat Tieftemperaturen von Minus 4°C angekündigt. Gut, dass es hier viele Decken gibt.

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Spruch des Tages: Ganz gleich, wie beschwerlich das Gestern war, stets kannst du im Heute von Neuem beginnen. (Buddha)

 

Tagesetappe: 22 km

Gesamtstrecke: 1684,97 km

Bewertungen:

 
2016-03-04T00:17:32+00:00 Frankreich, Tagesberichte|

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