Tag 705: Materialspenden

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Tag 705: Materialspenden

Tag 705: Materialspenden

Etwas unterhalb des kleinen Dörfchens errichteten wir unser Zelt auf einer Weidewiese. Heiko war gerade dabei die Heringe in den Boden zu treiben, als er plötzlich erschrocken auffuhr: „Scheiße, was ist das denn!?“

„Was ist was?“ fragte ich beunruhigt.

„Schau dir das an!“ sagte er in einem Tonfall, der keineswegs zu meiner Beruhigung beitrug, „Wir haben ein paar wirklich große Löcher im Zelt!“

Ich schaute mir den Zeltstoff an der Stelle an, auf die er deutete. In und neben der Tür war er an mehreren Stellen aufgerieben und gerissen, so dass einige kleinere und größere Löcher entstanden sind.

„Wie konnte das denn passieren?“ fragte ich entgeistert, wodurch eine längere Diskussion über Ursächlichkeiten, Verantwortung und Schuldzuweisungen entstand. Heiko war der Meinung, dass ich am Vortag auf den Stoff getreten sein musste und dabei die Löcher mit meinen Füßen verursacht hatte. Ich war der Überzeugung, dass dies nicht stimmte und dass die Löcher stattdessen durch Reibung in der Tasche entstanden waren. Wahrscheinlich weil die Strecke so holperig war.

Die wirkliche Ursache fanden wir nicht heraus. Vielleicht war beim Einpacken ein Steinchen mit ins Zelt geraten, doch auch darauf fanden wir keine Hinweise. Wir erfuhren nur einige Zeit später von Hilleberg, dass es vorkommen konnte, dass der Zeltstoff bei zu intensiver Sonneneinstrahlung instabil wurde, so dass sich leicht kleinere Risse ergeben konnten. Auch wenn unser Zelt inzwischen wie ein Haus für uns war, mussten wir nun doch wieder schmerzlich erkennen, dass nichts für die Ewigkeit bestimmt war. Bis zu diesem Abend war für mich immer klar gewesen, dass wir uns auf unser Zelt verlassen konnten. Doch nun spürte ich, dass auch dies nur eine Illusion war. Ein einziger Riss an der falschen Stelle genügte, um uns im Handumdrehen zu Obdachlosen zu machen. Trotz all unserer Sicherheitsvorkehrungen und all der Dinge, die wir inzwischen als Redundanz und zur Reparatur dabei hatten, gab es noch immer Schwachstellen, die wir nicht bedacht hatten und durch die wir in wirklich ernste Schwierigkeiten geraten konnten. Nicht nur unser Zelt, auch die Packsäcke und mein Rucksack waren solche Faktoren. Wenn wir Europa wirklich verlassen und uns in entlegene Gebiete vorwagen wollten, dann mussten wir in der Lage sein, alles, aber auch wirklich alles zu reparieren. Und wir brauchten Ersatzmaterialien, die wir uns jederzeit zuschicken lassen konnten. Als wir zu unserer Weltreise aufgebrochen waren, hatte ich die naive Vorstellung gehabt, dass wir das Material, was wir in unseren Wagen verstaut hatten, bis zum Ende aller Tage bei uns tragen würden. Das konnte natürlich nicht funktionieren, aber dass wir sogar bei unserem Zelt schon nach so kurzer Zeit über Ersatz nachdenken mussten, hätte ich auch wieder nicht vermutet. Noch waren die Risse nur klein, doch was war, wenn nun ein heftiger Sturm aufkam? Würden sie weiter aufreißen? Würden neue hinzukommen?

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Irgendwo auf meinem Computer hatte ich eine Mail vergraben, in der wir eine genaue Anleitung bekommen hatten, wie man den Zeltstoff flicken konnte. Die Frage war nur: „Wo?“ nach einer Dreiviertelstunde des Suchens gab ich es auf und wir beschlossen, es durch das gute, alte Try-And-Error-Verfahren herauszufinden. Unsere Befürchtung war, dass wir den Zeltstoff mit einem zu aggressiven Klebstoff vielleicht noch mehr beschädigen würden. Doch das Gegenteil war der Fall. Nichts, aber auch gar nichts wollte auf diesem Stoff haften bleiben. Er stieß alles wieder ab und sah anschließend wieder aus wie zuvor. Erst später fanden wir heraus, dass der Stoff mit einer Silikonschicht überzogen war, die nicht nur Nässe sondern einfach alles abperlen ließ. Die einzige Möglichkeit den Stoff zu reparieren bestand also darin, ihn zu nähen. Doch darauf kamen wir erst am Folgetag. Für Heute versuchten wir es mit dem Kleben und hofften, dass die Flicken zumindest die Nacht über an der richtigen Stelle bleiben würden.

Nach dieser Erfahrung beschlossen wir, euch noch einmal um eure Unterstützung auf unserer Weltreise zu bitten. Bislang hatten wir ja einige Male um Geld gebeten und daraufhin auch mehrfach großartige Spenden von euch erhalten. Dafür möchten wir uns noch einmal ganz herzlich bei euch bedanken! Wir freuen uns natürlich auch zukünftig noch über finanzielle Unterstützung, aber ebenso freuen wir uns auch über alle anderen Formen der Hilfe. In unserem Alltagsleben bitten wir die Menschen ja schließlich auch nicht um Geld, sondern fragen direkt nach den Dingen, die wir gerade benötigen. Warum sollten wir es im Blog also anders machen. Falls ihr uns also eine Freude machen wollt, könnt ihr uns gerne auch mit etwas Material unterstützen. Wir freuen uns über alles, was man auf einer Weltreise gebrauchen kann. Natürlich über Zelte, in denen man gut zu zweit oder zu dritt schlafen kann, denn die haben ja den Anlass gegeben. Aber auch über Isomatten, Luftmattratzen, T-Shirts, Regenkleidung sowie Kleidung im Allgemeinen, Schuhe, Reifen, Rucksäcke, Wasserdichte Packsäcke, Smartphones, Laptops, Foto-Kameras, Pilgerwagen oder Sonnenhüte. Alles darf auch gerne gebraucht sein. Vielleicht hat ja der eine oder andere irgendwelche Ausrüstung auf dem Dachboden oder im Keller liegen, die er eh nicht mehr braucht und die sich über einen neuen Einsatz irgendwo auf der Welt freuen würde. Und wer weiß, vielleicht hat ja sogar jemand einen Wohlwagen, in dem wir irgendwann einmal unsere Rente verbringen dürfen.

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Passend zu dieser Idee haben wir beim nächsten Internetzugang auch eine kleine Unterseite mit einer Wunschliste eingerichtet, auf der wir alles notieren, was wir gerade im Moment gut gebrauchen können. Dabei gibt es auch eine Kategorie mit nichtmaterieller Unterstützung. Wie ihr vielleicht gemerkt habt, ist unser Heilungsshop nicht gerade der schönste, was vor allem daran liegt, dass wir keine Ahnung vom Programmieren haben. Wenn es euch da anders geht, sind wir für jede Form der Hilfe offen. Genauso freuen wir uns über Menschen, deren Rechtschreibung besser ist als unsere (also so gut wie jeder) und die uns bei der Lektorierung unserer Bücher unterstützen möchten. Oder deren Übersetzung, Illustration oder Veröffentlichung.

Egal für was, vielen Dank schon einmal im Voraus! Und vielen Dank, dass ihr uns nun bereits seit fast zwei Jahren so treu begleitet, so aufmerksam lest und unsere Abenteuer teilt und verbreitet!

 

Spruch des Tages:
„Alles hat seine Zeit, richtig?“ fragte der Schüler seinen Meister.
„Ja!“ antwortete der Meister.
„Dann gibt es auch für alles eine Zeit in der es kommt und eine Zeit in der es vergeht. Daraus folgt, dass es nicht zur Erleuchtung führen kann, wenn man an etwas festhält, das vergangen ist.“, fuhr der Schüler fort.
„Richtig!“ bestätigte der Meister, „Das ist eine weise Erkenntnis. Wie kommst du darauf.“
„Nun“, sagte der Schüler und zeigte dem Meister ein paar Scherben, die er in der Hand hielt, „weil ich gerade deine Lieblingsvase zerbrochen habe!“

 

Höhenmeter: 310 m

Tagesetappe: 10 km

Gesamtstrecke: 12.573,27 km

Wetter: leicht bewölkt

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Etappenziel: Pfarrhaus, 88838 Mesoraca, Italien

Hier könnt ihr unser und unser Projekt unterstützen. Vielen Dank an alle Helfer!

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About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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