Tag 518: Schlafen unter den Sternen

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Tag 518: Schlafen unter den Sternen

Tag 518: Schlafen unter den Sternen

Eine kleine Anekdote habe ich gestern im Bericht noch vergessen. Unser Fremdenführer erzählte sie uns, als wir uns den Streichelzoo anschauten. Wir kamen dabei irgendwie auf das Thema Kinder und Jugendliche und auf den Umstand, dass der Bezug zur Natur immer weiter verloren ging. Genau zu diesem Thema fiel dem Mann eine Geschichte ein, die sich vor kurzem hier auf dem Hof ereignet hatte und die uns fast aus den Socken haute.

Zum Streichelzoo gehörte auch ein kleines Pony. Es war ein sehr ruhiges Tier, das gerne einfach still dastand und die Welt betrachtete. Als eine Schulklasse mit Grundschülern auf den Hof kam um sich die Tiere anzuschauen, kam auch ein kleiner Junge, der sich besonders für dieses Pony interessierte. Er fragte sich, warum es sich nicht bewegte und kam schnell auf eine für ihn vollkommen schlüssige Antwort. Ohne lange zu überlegen nahm er sein Portmonee aus der Tasche und holte eine Mark heraus. Dann hob er den Schwanz des Ponys nach oben und siehe da, er wurde fündig. Direkt unter dem Schwanz befand sich die Öffnung zum Geld einwerfen, wie er sie auch von den Plastikpferden kannte, die vor den Supermärkten stehen und auf denen man für eine Mark „reiten“ konnte. Der Mitarbeiter, der die Kinder beaufsichtigte bemerkte gerade noch rechtzeitig, was hier los war und konnte den Jungen in der letzten Sekunde davon abhalten, dem armen Pony das Geld in den Arsch zu stecken. Sicher hätte es sich daraufhin bewegt, aber aus einem vollkommen anderen Grund, als die Supermarktpferde.

Und noch etwas anderes erzählte uns der Mann. Es hatte nichts mit dem Öko-Dorf an sich zu tun, war aber trotzdem eine spannende Information. In Bosnien muss man keine Steuern auf Häuser zahlen. Man braucht, wenn man ein Grundstück außerhalb einer Stadt besitzt, nicht einmal eine Baugenehmigung, sondern darf alles dort hinstellen, was einem in den Sinn kommt. Lediglich bei Stadtgrundstücken gibt es die Regel, dass man der Stadt vor Baubeginn einen Plan vorlegen muss, aus dem ersichtlich ist, was für ein Gebäude hier entstehen soll.

Nach dem Abendessen machte ich mich dann noch einmal daran, meinen Wagen genauer unter die Lupe zu nehmen. Irgendetwas hatte tagsüber immer wieder geklappert und ich musste herausfinden, was es war. Es gab viele Dinge, mit denen ich gerechnet hatte, aber nicht mit dem, was ich dann entdecken sollte. Meine rechte Steckachse war verbogen, so dass das Rad nicht mehr senkrecht stand, sondern leicht schief. Noch immer ist es mir ein Rätsel, wie das passiert sein konnte, denn die Achse besteht aus massivem, gehärteten Stahl. Wahrscheinlich musste sie einen Schlag abbekommen haben, als wir durch die Wildnis wanderten und den extrem steilen Berghang mitten durch die Büsche und über die dicken Felsen abstiegen. Dabei ist er mir einmal gekippt, so dass die ganze Belastung auf einer Seite dieses einen Reifens lag. Doch dass dabei gerade die Steckachse nachgibt und nicht das Rad selbst, hätte ich nicht erwartet. Zum Glück hatten wir noch einige Ersatzachsen, so dass ich sie tauschen konnte. Nur die Zeit wurde dadurch wieder einmal ein Problem. Schade, dass im Moment gerade die Tage so voll werden, an denen wir so schöne, entspannte Plätze haben, wie diesen hier.

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Dafür machten wir heute einen wirklich entspannten Tag. Wir wanderten nur einmal halb um den See herum, bis zu einem Karmelitenkloster. Dort traf ich einen jungen Mönch mit einem riesigen, ausgefranzten Strohhut, der gerade barfuß durch den Garten lief, um die Hühner mit Mais zu füttern. Er führte mich zu den anderen Mönchen, die im hinteren Teil des Gartens die Beete pflegten. Der Superior sprach gut Deutsch und lud uns ohne Umschweife ein, hier zu übernachten. Anders als im Franziskanerkloster von Tomislavgrad bekamen wir diesmal keine Gerümpelkammer sondern ein richtiges Zimmer. Das Kloster ist in erster Linie ein Seminarbetrieb und wirkt fast eher wie ein Hotel als manche Hotels in denen wir in der letzten Zeit wahren. Kurz nachdem wir eingezogen waren, bekamen wir ein ordentliches Mittagessen. Nun haben wir endlich mal wieder einen ganzen Nachmittag Zeit, um alles zu erledigen was wir in den letzten Wochen auf die lange Bank schieben mussten.

Am Anfang unserer Reise hatten wir eine Phase, in der wir kurz davor waren, unser Zelt wieder nach hause zu schicken, weil wir glaubten, es wohl nie brauchen zu würden. Doch zum Glück haben wir diesen Gedanken niemals ausgeführt, denn seit wir Italien verlassen haben übersteigen die Zeltnächte die Indoornächte langsam immer mehr. Dabei mussten wir auch oft an unsere Zeiten auf den Survivaltouren zurückdenken, in denen wir ganz im Freien übernachtet haben. Im Moment ist es hier etwas zu unsicher dafür, weil sich das Wetter so schnell wandelt und wir nur einen Schlafsack pro Person haben. Aber eine schöne Erfahrung war es schon immer. Oder besser gesagt meistens, denn es waren auch einige wirklich fiese, kalte und ungemütliche Nächte darunter. Auf der anderen Seite gibt man der Natur dadurch natürlich auch die Möglichkeit, sich uns noch einmal auf völlig neue Weise zu nähern.

Als Heiko vor einigen Jahren in steinzeitlicher Manier nach Spanien gewandert ist und 100 Tage lang im Freien übernachtet hat, kam eines nachts sogar ein kleiner Feldhase, kuschelte sich an ihn und schlief die ganze Nacht neben ihm. Erst als er am Morgen wieder aufwachte, sprang auch er auf und hoppelte davon.

Solche Erfahrungen passieren natürlich nur selten, doch man kann sie nur dann erleben, wenn man ihnen die Chance dafür gibt. Auch beim Zelten ist man der Natur bereits viel näher, als in einem geschlossenen Raum, doch noch immer ist man von der Welt durch eine Plastikhaut getrennt. Wirklich eintauchen in die Natur kann man nur dann, wenn man ihr ganz ohne Wand begegnet.

Auf der anderen Seite hat es natürlich auch einen Grund, dass wir Menschen irgendwann damit begonnen haben, uns in Zelte, Höhlen und Häuser zurückzuziehen, wenn wir schlafen wollten. Denn die Einflüsse von Kälte, Nässe aber auch von Mücken und anderen Insekten, können doch recht unangenehm sein. Trotzdem möchten wir euch das Übernachten im Freien ans Herz legen, für den Fall, dass ihr es noch nicht gemacht habt. Damit eure erste Nacht unter freiem Himmel aber nicht gleich auch eure letzte wird, weil ihr so frustriert seit, dass ihr es nicht noch einmal wiederholen wollt, solltet ihr einige Dinge wissen und beachten.

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1. Der richtige Zeitpunkt

Wer wenig Erfahrung mit dem Leben in der Natur hat, der sollte nicht gleich im Herbst oder im Winter damit beginnen. Sucht euch am Besten eine Nacht in einer Zeit aus, in der es mit großer Wahrscheinlichkeit nicht kälter als 10°C wird. Vor allem aber sollte der Wetterbericht eine trockene Nacht prophezeien. So schön das Einschlafen unter dem Sternenzelt auch ist, so unangenehm kann das erwachen durch Regentropfen sein, die einem ins Gesicht fallen.

2. Der richtige Ort

Ebenso entscheidend wie der Zeitpunkt, ist der Platz, den ihr euch zum Schlafen aussucht. Achtet zunächst einmal darauf, dass ihr wirklich in der Natur landet und nicht an versteckten Partyplätzen, an denen nachts gefeiert und getrunken wird. Wir haben es durch Zufall einmal geschafft, bei einer solchen Aktion auf einem Swinger-Parkplatz Mitten im Wald zu landen. Ihr könnt euch sicher unsere Gesichter vorstellen, als uns bewusst wurde, dass die vielen nächtlichen Wanderer nicht zum Mondscheinangeln hier hergekommen waren. Vor allem an Wochenenden solltet ihr darauf achten, dass ihr euch von Plätzen fern haltet, an denen Alkohol getrunken wird, denn sonst kann es wirklich gefährlich werden. Auch solltet ihr euch nicht direkt neben einen Fluss, einen Bach oder mitten auf eine Wiese legen. Denn hier wird es nachts sehr schnell feucht und damit auch kalt. Achte auch darauf, dass du einen Platz wählst, den man auch im Dunkeln zu Fuß leicht und sicher erreichen kann. Wenn es aus irgendeinem Grund nötig sein sollte, ihn nachts wieder zu verlassen, dann sollte dies gefahrlos möglich sein. Laufe also nicht zu weit durch unwegsames Gelände in den Wald hinein, sondern bleibe in der Nähe eines festen Weges und achte darauf, dass du immer weißt, wo er sich befindet und wie du auf ihm wieder zurück nach Hause oder zu deinem Auto findest.

3. Die richtige Ausrüstung

Die Ausrüstung, die ihr bei eurer Übernachtung im Freien dabei habt, entscheidet sehr stark, was für eine Art Erlebnis ihr erhaltet. Bei der ersten Nacht im Freien ist des durchaus sinnvoll, sich einen Schlafsack und eine Isomatte mitzunehmen. Wenn ihr eine Luftmatratze verwenden wollt, solltet ihr zusätzlich eine Gewebeplane mitnehmen, die ihr im Wald unterlegen könnt. Sonst kann es passieren, dass euch sehr bald die Luft ausgeht. Bedenkt auch, dass ein Schlafsack, der mit Daunen gefüllt ist nur dann wärmt, wenn er trocken ist. Wenn ihr also an einem Platz seit, an dem eine hohe Kondensfeuchtigkeit entsteht oder wenn es in der Nacht doch regnen sollte, dann verliert ihr sämtlichen Wärmeschutz. Daher ist es ratsam, einen Daunenschlafsack zusammen mit einer Wasserdichten Biwak-Hülle zu verwenden, oder eine solche Hülle zumindest für den Notfall dabei zuhaben. Synthetikschlafsäcke hingegen wärmen auch dann noch, wenn sie nass werden. Bedenkt jedoch auch, dass Schlafsäcke, Isomatten und Luftmatratzen fast immer aus Kunstfasergewebe bestehen und daher sehr feuerempfindlich sind. Wenn ihr neben eurem Schlafplatz also wirklich ein Feuer machen wollt, dann achtet darauf, dass ihr genügend Sicherheitsabstand zum Feuer habt. Außerdem solltet ihr nur Laubhölzer für das Feuer verwenden, da Nadelhölzer durch den Harzeinschluss oft springen und ihre Glut weit verteilen, so dass es schnell zu Brandlöchern kommen kann. Alternativ könnt ihr natürlich die Nacht auch vollkommen im Freien verbringen, also Ohne einen Schlafsack. Eine Unterlage ist aber in jedem Fall ratsam, da der Boden in der Nacht feucht und kalt wird. Hierfür kannst du aber auch eine beschichtete Picknickdecke oder ein Fell nehmen, je nachdem wie rustikal du es haben möchtest. Wichtig ist es aber in jedem Fall, dass du deine Hände und Füße vor Kälte schützt. Nimm dir am besten warme Socken mit und halte deine Hände nah am Körper. Falls ihr unsicher seid, ob es doch vielleicht regnet, könnt ihr euch auch eine Plane spannen, die euch wie ein kleines Dach vor dem Regen schützt, ohne euch aber wirklich von der Außenwelt abzuschirmen. Für den Fall, dass du nachts doch noch einmal aufstehen musst, solltest du außerdem eine Taschenlampe dabei haben.

4. Der richtige Umgang mit Tieren

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Wenn du in Deutschland oder in Mitteleuropa bleibst, brauchst du dir um Tiere zunächst keine großen Gedanken zu machen. Wildschweine, Füchse und Dachse werden dich nicht angreifen und auch nicht fressen. Im Gegenteil, wenn du bei deiner Nacht im Wald ein größeres Tier zu Gesicht bekommst, kannst du dich glücklich schätzen, denn normalerweise halten sie einen recht großen Abstand. Im Sommer sind es eher die kleinen Tiere, genauer gesagt die Mücken, die dir die Nacht vermiesen können. Sie lieben Feuchtigkeit und tauchen daher vor allem in feuchten Laubwäldern oder in der Nähe von Gewässern, Sümpfen oder Pfützen auf. In trockenen Nadelwäldern hingegen fühlen sie sich nicht so wohl und auch leichter Wind führt dazu, dass sie einen nicht, oder nicht so sehr belästigen. Wenn ihr aber wirklich in der Mückenhochsaison raus wollt, dann hilft es, sich ein kleines Feuer zu machen, dass ihr in der Nacht immer wieder am Laufen haltet. Dies hält die kleinen Plagegeister ebenfalls fern. Spinnen, Schlangen und Käfer sind in unseren Breiten hingegen harmlos und mit Ameisen bekommt man nur dann ein Problem, wenn man sich direkt in oder neben ihren Staat legt.

5. Die richtige Einstellung

Das wichtigste an einer Nacht im Freien ist es jedoch, dass ihr für die Erfahrung offen seit und euch darauf einlasst. Es mag vielleicht nicht die gemütlichste Nacht eures Lebens werden, aber dafür bekommt ihr ein Geschenk, das ihr in einem Haus oder Zelt nie so bekommen könnt. Ihr spürt die Freiheit und wenn ihr die Erfahrung öfter macht, dann werdet ihr feststellen, dass der Wald langsam zu eurem Wohnzimmer wird. Ihr werdet spüren, dass ihr hier zuhause seit, dass ihr es schon immer wart, genau wie unsere Vorfahren seit Anbeginn der Menschheit. Wir haben es nur vergessen.

Spruch des Tages: Es gibt zwei Arten von Menschen: die einen scheißen auf die Natur, die anderen scheißen in die Natur (Weisheit, die uns vor vielen Jahren bei einer Nacht im Freien im Elbsandsteingebirge eingefallen ist)

Höhenmeter: 50m

Tagesetappe: 5km

Gesamtstrecke: 9364,77 km

Wetter: sonnig und heiß

Etappenziel: Kloster Karmel Svetog Ilije, 80245 Zidine, Bosnien und Herzegowina

 

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About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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