Tag 1096: Das dritte Jahr geht zu Ende

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Tag 1096: Das dritte Jahr geht zu Ende

Tag 1096: Das dritte Jahr geht zu Ende

31.12.2016

Heute ist der letzte Tag des Jahres und somit ein guter Zeitpunkt für eine kleine Abschlussreflexion. Wenn man es auf einen Punkt zusammenfassen will, dann war es das Jahr der Extreme. Im Außen, vor allem aber im Innen. Es war ein Jahr, das mit einer Sinnkrise in Italien begonnen hat. Wenige Tage vor dem Jahreswechsel haben wir Sizilien bereist und waren davon so frustriert, dass wir die ganze Reise in Frage gestellt haben. Und dann, nur ein paar Wochen nach Jahresbeginn bekamen wir den Auftrag für unser neues Buch, das am Anfang klang, als wäre es ein Kinderspiel, das wir kurz einmal zwischen zwei Tagesberichten abreißen, das unser Jahr jedoch stärker prägen sollte, als irgendetwas anderes in dieser Zeit. Es wurde der Startschuss um uns selbst und die Welt noch einmal aus einer vollkommen anderen Perspektive zu betrachten. So dermaßen anders, dass es sogar zum Tod von Tobias Krüger und zur Geburt von Franz von Bujor führte.

Es war ein Jahr des Loslassens, des Abschließens und des Neubeginns. Alte Kontakte aber auch alte Ziele, Verpflichtungen und Glaubensmuster wurden gelöst und neue Verbindungen wurden geknüpft. Zum Teil vollständig, zum Teil auch nur zu einem kleinen Stück, das sich in Zukunft weiter vergrößern darf. Es war ein Jahr des Aktivierens und Initialisierens, ein Jahr in dem viel angestoßen wurde, das nun ins rollen kommen und seine Früchte entwickeln darf.
Uns so vielfältig und umbruchreich das Jahr in unserem Inneren war, so sehr wurde uns dies auch im Außen gespiegelt. Es waren nur 365 Tage und doch fühlt es sich an wie ein Leben, in dem wir viele unterschiedliche Welten bereist haben.

Von Italien aus brachte uns die Fähre wie durch eine Dimensionsschleuse in die Welt von Griechenland zurück, die wir rund fünf Monate zuvor verlassen hatten. Hier erwarteten uns vor allem die Tiere, die uns häufiger und intensiver begegneten als je zuvor auf der Reise. Mit jedem Schritt, den wir die Griechische Grenze hinter uns ließen und uns durch Bulgarien und Rumänien an Moldawien annäherten, war es als reisten wir in der Zeit zurück und Gast in einer Welt zu werden, die so vollkommen anders als unsere eigene zu sein schien. Die kommenden Monate waren vor allem Monate der Wetterextreme. In Bulgarien hatten wir die heftigste Regenperiode der ganzen Reise und nur wenige Tage später begann die heißeste und trockenste Dürrezeit unseres Lebens. Im Donautal trafen wir auf mehr Mücken als je zuvor in unserem Leben und um ein Haar wäre Heiko von ihnen sogar vollständig leer gesaugt worden. Mit Moldawien erreichten wir dann ein Land, von dem wir zuvor nicht einmal gewusst hatten, dass es existiert. Und nur wenige Monate später standen wir plötzlich wieder vor der Haustür von Heikos Eltern, um der Heimat einen Besuch abzustatten. Eine Heimat, die sich nun weit fremder anfühlte, als die Fremde.

Es war aber auch das Jahr, in dem Heidi in unser Leben trat. Im Februar tauchte sie das erste Mal auf und von da an war sie auch in der Ferne ein steter Begleiter, der auf seine Weise immer näher zu uns heranrückte, so dass wir vom Reiseduo immer mehr zu einer kleinen Herde wurden.

Auch kulinarisch betrachtet war es ein Jahr der Extreme. Es gab Phasen in denen wir so reich und edel beschenkt wurden, dass wir uns nur noch kugeln konnten und andere in denen wir vor lauter Geschmacklosigkeit kaum mehr einen bissen herunter brachten. Wir durften in einem Edelrestaurant speisen, in dem uns unser Abendgedeck mehrere hundert Euro gekostet hätte und wir ernährten uns aus den Abfällen, die wir in einer Mülltonne finden konnten. In Griechenland war die Schere hier am größten. An einem Tag wurden wir gemästet bis wir platzten, am nächsten weichten wir etwas hartes Brot in Wasser ein, um überhaupt etwas zwischen den Zähnen zu haben.

Und schließlich war es auch menschlich betrachtet das Jahr der Extreme. Es gab kaum ein Land in dem wir nicht sowohl überwältigende Herzlichkeit und Gastfreundlichkeit als auch immense Angst, Misstrauen und Kaltherzigkeit erfahren haben. Oft waren es nur Minuten, die zwischen sterben lassen und adoptiert werden lagen. Nie zuvor war die Angst, die unsere Medien durch die permanente Terror-Panikmache streuen so sehr spürbar wie in diesem Jahr. Und dennoch oder gerade deswegen war es großartig, wie viele Menschen ihr Herz noch immer offen halten und voller Urvertrauen stecken.

Wir haben viel gesehen, viel erlebt, viel erfahren und viel erkannt. Und wir hatten unendlich viel Hilfe und Zuspruch von allen, naja, von fast allen Seiten. Dafür sind wir sehr Dankbar! Danke aber auch für alle Erfahrungen, die sich zunächst unangenehm anfühlten und deren Sinn mir zunächst nicht klar war. Alles hat uns weiter gebracht und dazu geführt, dass wir nun bereit sind für die nächsten großen Schritte und für das, was unser viertes Weltreisejahr so mit sich bringt!

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Spruch des Tages: Danke für alles was war und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Höhenmeter: 0 m
Tagesetappe: 2 km
Gesamtstrecke: 20.048,27 km
Wetter: bewölkt, nebelig, kalt
Etappenziel: Pfarrhaus, 84850 Camaret-sur-Aigues, Frankreich

Bewertungen:

 
2019-06-24T08:15:08+00:00 Frankreich, Tagesberichte|

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