Tag 26: Sonnige Begegnungen

///Tag 26: Sonnige Begegnungen

Tag 26: Sonnige Begegnungen

Tag 26: Sonnige Begegnungen

In meinen ersten, noch ungeübten Tagen als Kapitän eines Pilgerwagens hatte ich mein Gefährt an einer schwierigen Stelle zum Kentern gebracht. Dabei ist zum Glück nicht viel passiert, aber eine Befestigungsschnalle an der rechten Deichsel zerbrach. Das war am Dritten Tag unserer Reise gewesen und am Abend hatte ich in der Scheune, in der wir übernachteten ein Ersatzteil zusammengenäht. Leider ist meine Nähkunst nicht von allzu langer Dauer gewesen. So kam es dass ich heute meinen Abend nach den Pfannkuchen nicht mit einer Breußmassage, sondern mit einer Nähstunde im kalten Vorraum des Jugendheims verbrachte (Ich weiß ich bin da selbst Schuld, aber falls trotzdem jemand Mitleid haben möchte, wäre hier jetzt die richtige Stelle dafür.) Die einzige Lichtquelle für meine Handarbeit befand sich in meinem Rücken, so dass ich ununterbrochen einen Schatten auf meine Hände warf. Am Anfang machte mir die Arbeit sogar noch einigermaßen Spaß, aber nach einiger Zeit kamen ein paar kleine Dinge, die alles daran setzten, mir die Laune zu verderben. Habt ihr schon mal versucht euch im Halbdunkel mit völlig verspannten Schultern und kalten Fingern auf eine Arbeit zu konzentrieren, bei der man sich ununterbrochen selbst stechen kann? Dass es dann auch noch auf ein Uhr zuging und ihr unterm Nähen fast einschlief, machte die Sache nicht unbedingt leichter. Mein größter Gegenspieler aber war der Faden, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, einen neuen Weltrekord im Verkräuseln, Zerreißen und aus der Nadel Rutschen aufzustellen. Eine Schönheit ist es am Ende nicht geworden, aber ich hoffe es hält diesmal länger als beim ersten Mal. Wenn nicht, habe ich zumindest die Möglichkeit meine Nähkünste noch ein bisschen zu vertiefen.

Kurz nachdem ich in der Nacht noch eine knappe Stunde wach gelegen hatte, bis ich nach der Nähen-im-Kalten-Aktion wieder eine Körpertemperatur hatte, mit der ich einschlafen konnte, klingelte mich unser Wecker auch schon wieder raus. Um 8:00 mussten wir Aufbruchsbereit sein, da dann eine Frau von der Kirchengemeinde kam um das Jugendheim abzuschließen. Das bedeutete Aufstehen um kurz nach sieben und lospilgern in den frühen Morgen hinein.

Mehr für dich:
Tag 13: Tierbegegnungen

[av_gallery ids=’1535,1530,1532,1533′ style=’thumbnails‘ preview_size=’portfolio‘ thumb_size=’thumbnail‘ columns=’4′ imagelink=’lightbox‘ lazyload=’avia_lazyload‘]

Wenn wir nicht gewusst hätten, dass wir uns mitten im Pfälzerwald befanden, hätten wir wetten können, dass wir hinter der nächsten Hügelkuppe das Meer sehen würden. Der Wind blies und mit jener konstanten Kraft entgegen, die man sonst eigentlich nur aus Küstenregionen kennt. Hätten wir ein Segel gehabt, hätten wir mit voller Fahrt über die Wiesen gleiten können. Nur dummerweise in die falsche Richtung. Aber da wir kein Segel hatten war das ja egal.

[av_gallery ids=’1540′ style=’thumbnails‘ preview_size=’portfolio‘ thumb_size=’entry_without_sidebar‘ columns=’1′ imagelink=’lightbox‘ lazyload=’avia_lazyload‘]

In Walsheim, unserem eigentlich geplanten Etappenziel kamen wir an einem kleinen Lädchen vorbei, das gleichzeitig Bäckerei, Café und Tante-Emma-Laden war. Wir beschlossen nach etwas zu Essen und nach der Adresse des Pfarrers zu fragen. Im Inneren saßen einige Leute um einen kleinen Tisch herum, die sich gerade über Jakobspilger unterhielten, als ich eintrat. Ob sie die Unterhaltung begonnen hatten, weil sie uns vor der Tür gesehen hatten oder ob es reiner Zufall war, weiß ich nicht. Auf jeden Fall waren sie sehr hilfsbereit, was die Suche nach einem Schlafplatz anging. Ein älterer, leicht untersetzter Herr schlug uns zwei Möglichkeiten vor, von denen er wusste, dass man dort als Pilger schlafen konnte. „So weit ist das nicht weg, mit dem Auto würde ich sagen etwa 20km“ Mit dem Auto war das wirklich nicht weit, aber für uns doch etwas zu viel. Die nächstliegende Alternative war das Pfarrhaus im 2km entfernten Gersheim, denn Walsheim selbst hatte keinen eigenen Pfarrer mehr.

[av_gallery ids=’1527,1528,1529,1531,1534′ style=’thumbnails‘ preview_size=’portfolio‘ thumb_size=’thumbnail‘ columns=’5′ imagelink=’lightbox‘ lazyload=’avia_lazyload‘]

Mehr für dich:
Tag 4: Einen guten Weg!

Draußen vor der Tür trafen wir dann noch auf einen Mann und eine Frau, die gerade dabei waren sich zu der geselligen Runde im Café hinzuzugesellen. Sie erzählten uns, dass sie sich hier regelmäßig trafen um sich in gemütlichem Rahmen über die Vorkommnisse in der Welt auszutauschen. In ihrer Runde gab es Mitglieder aus den verschiedensten Kreisen: eine Tierärztin, ein Landwirt, ein Rechtsanwalt, usw. Jeder von ihnen kannte eine andere Fassette unserer Gesellschaft und der Mann gestand uns, dass er jede davon beunruhigend fand. „Wenn du der Tierärztin, die sich vor allem um Masttiere kümmert zulange zuhörst, kannst du kein Fleisch mehr essen. Hörst du dem Landwirt zu, isst du kein Brot und kein Gemüse zu. Wenn der Anwalt erzählt glaubst du nicht mehr länger an Gerechtigkeit. Deswegen haben wir uns einen so gemütlichen Ort ausgesucht um zu Reden, denn sonst würde es keiner aushalten.“ Als wir uns verabschiedeten fügte er noch hinzu: „Ihr macht es richtig! Innerhalb des Systems kann man nichts mehr verändern, da kann man eigentlich nur noch gehen und das Leben genießen. Und vielleicht erreicht ihr damit ja sogar mehr als jeder andere.“

Gerade wollten wir uns schon zum Gehen wenden, da rief der Mann noch einmal: „Wer ist denn Tobias Krüger?“

„Ich!“ antworte ich und drehte mich um. Er hatte sein Handy in der Hand und hielt uns freudig die Googleseite mit unseren Blogeinträgen entgegen. „Sehr ihr!“ meinte er grinsend, „da hab ich euch schon gefunden!“

[av_gallery ids=’1526,1538,1540,1541,1542′ style=’thumbnails‘ preview_size=’portfolio‘ thumb_size=’thumbnail‘ columns=’5′ imagelink=’lightbox‘ lazyload=’avia_lazyload‘]

Keine 500m weiter hatten wir dann eine Begegnung, die sogar das noch in den Schatten stellte. Kurz vor dem Ortsausgang rief eine Stimme hinter uns her und bewegte uns zum Stehenbleiben. Eine Frau kam auf uns zu und rief: „Ich weiß nicht, warum ich euch so toll finde, aber ich bin grad irgendwie fasziniert von dem was ihr da macht. Wie kommt ihr dazu?“

Mehr für dich:
Tag 100: 100 Tage auf Weltreise!

„Gute Frage,“ sagten wir, „wir hatten Lust zu wandern!“

Daraufhin fragte sie uns ob sie uns mit jeweils 5€ bei unserem Vorhaben unterstützen dürfe. Wir waren so überrascht, dass wir erst gar nicht wussten was wir antworten sollen. Die Frau übernahm die Entscheidung für uns, drückte mir einen Zehner in die Hand und sagte: „Als Erzieherin habe ich viele Jahre lang auf wilde Jungs achtgegeben, das steckt einfach noch in mir drin!“

Als die Frau verschwunden war, konnten wir es noch immer nicht glauben. Egal was das Universum auch mit uns vorhatte, es schickte uns auf jeden Fall immer wieder einen Engel vorbei!

[av_gallery ids=’1546,1543,1544,1545,1537′ style=’thumbnails‘ preview_size=’portfolio‘ thumb_size=’thumbnail‘ columns=’5′ imagelink=’lightbox‘ lazyload=’avia_lazyload‘]

In Gersheim machte unsere Glückssträhne eine kurze Pause, ging dann aber umso stärker weiter. Der Himmel beschenkte uns mit einer Mischung aus Regen, Hagel und Schnee und sorgte so dafür, dass unsere Motivation, einen schönen Schlafplatz aufzutreiben noch einmal deutlich stieg. Einen Pfarrer gab es aber auch hier nicht mehr, denn der war mit der jüngsten Reform Wegrationalisiert worden. Dafür gab es ein Schullandheim, das gerade renoviert wurde und das daher komplett leer stand. Hier haben wir für die Nacht ein Doppelzimmer mit Dusche, Internetflatrate und Wasserkocher bekommen.

Spruch des Tages: Eine schöne Begegnung bringt die Sonne ins Leben! Egal wie das Wetter ist.

Tagesetappe: 21 km

Gesamtstrecke: 572,27 km

Bewertungen:

 
2014-01-27T20:32:48+00:00 Deutschland, Tagesberichte|

About the Author:

2 Comments

  1. doris 28. Januar 2014 at 16:50 - Reply

    hallo, tja mit dem nähen ist so ne sache.als junges mädchen hatte auch immer probelme mit dem faden .der sich immer wieder verhetterte. meine mutter sagte mir – langes fädchen faules madchen.ich weiss inzwischen dass sie wusste .dass man mit kürzeren fäden viel besser zurecht kommt. hab mich sehr mit euch über die schönen begegnungen gefreut. klar musste auch geschehen. habs euch ja auch von herzen gewünscht. so jetzt muss ich los ins geschäft. machts gut .l.g. doris

    • info@naturspirit.de 31. Januar 2014 at 1:08 - Reply

      Oh, ein weiser Hinweis von deiner Mama! Werde ich mir für´s nächste Mal merken!

      Danke dir für die guten Wünsche! Die sind tatsächlich in Erfüllung gegangen! Wenn wir dass ausbauen können, dann können wir das Leben auf dieser Erde für alle deutlich schöner gestalten!

Leave A Comment

Translate »