Tag 30: Ein ganzer Monat

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Tag 30: Ein ganzer Monat

Tag 30: Ein ganzer Monat

Heute ist der 31.01.2014 und damit der letzte Tag des Januars. Es ist jetzt also genau einen Monat her, seit wir in Postbauer-Heng aufgebrochen sind. Ein guter Anlass für einen kleinen Rückblick.

Was war unser Weg bis jetzt?

Er war definitiv eine Reise zu uns selbst. Man sagt, der Jakobsweg ist für niemanden gleich, sondern hält für jeden genau das parat, was er benötigt. In unserem Fall können wir das bestätigen. Die letzten Jahre, in denen wir die Wildnisschule geleitet haben waren zwar sehr reich aber auch sehr anstrengend. Wir haben fast täglich über unser Limit gearbeitet und hatten ständig die Angst im Nacken nicht genug damit erwirtschaften zu können um davon zu leben. Ständig begleitete uns das Gefühl noch mehr machen zu müssen um alle Ziele erreichen zu können, die wir uns selbst auferlegt haben. Nur noch diese eine Sache, dann haben wir den Durchbruch geschafft! Dann können wir endlich frei sein und uns entspannt zurücklegen. Doch wann immer wir etwas erledigt hatten, folgten zwei weitere Aufgaben, die noch größer waren und das Spiel begann von vorne. Das Hamsterrad in dem wir liefen wurde immer schneller, und längst schon hatte es aufgehört für uns gesund zu sein. Als wir beschlossen hatten, auf Weltreise zu gehen, wurde es zunächst einmal noch schlimmer. Denn nun wollten wir alles, was wir uns vorgenommen hatten noch vor dem Start erledigen. Am Ende war der Stress so groß, dass wir kaum mehr schliefen oder abschalteten. Selbst so alltägliche Routinen wie Zähneputzen vielen nicht selten unter den Tisch.

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Und dann kam der Tag des Aufbruchs. In unserer Vorstellung hätte mit diesem Tag jeder Ballast von uns abfallen sollen, damit wir von einem Moment auf den nächsten fröhlich und locker durch die Welt hüpfen konnten. Doch so kam es natürlich nicht. Wie immer wenn man eine Reise zu sich selbst macht, nimmt man jeden Ballast, der auf seiner Seele lastet mit. Das war auch bei uns der Fall und somit war unsere Stimmung die ersten Tage äußerst getrübt. Das Wandern war kein Befreiungsschlag, der alle unsere Probleme löste. Aber es wurde mit der Zeit ein Zustand in dem sich die Wogen in unserem inneren immer mehr glätteten. Man sagt, wandern sei beten mit den Füßen. Jeder Schritt ist eine Art Meditation mit der der Stress der Vergangenheit an Bedeutung verliert. Das Problem mit der Zeit haben wir noch immer. Jeden Tag gibt es dutzende von Dingen, die wir gerne tun würden, für die aber keine Stunden mehr übrig sind. Doch inzwischen fällt es uns leicht das zu akzeptieren. Es gibt eben nur diesen einen Moment und der wird mit dem gefüllt, was gerade dran ist. Die Prioritäten haben sich verschoben. Die wichtigen Dinge wie ausreichend Schlaf, genussvolles Essen, intensive Begegnungen, tiefe Gespräche, herzhaftes Lachen, Bewegung und frische Luft bekommen viel mehr Raum. Wir haben aufgehört zu arbeiten und beginnen nun wieder zu leben. Und mit jedem Tag wächst unser Vertrauen in die Schöpfung, die Menschen und in das Leben an sich.

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Das bedeutet natürlich nicht, dass es uns immer gut geht, dass immer alles perfekt klappt und dass jeden Tag die Sonne scheint. Es gab viele Momente in denen wir alles um uns herum und vor allem uns selbst verfluchten. Es gab auch viele Momente in denen wir uns gegenseitig anmaulten, auf die Nerven gingen oder am liebsten irgendwo ausgesetzt hätten. Doch immer spürten wir dabei auch, dass es ein Lernprozess ist, den wir da eingetreten sind. Ein Prozess zu dem auch das mit dazugehört.

Der Weg war aber auch eine Forschungs- und Entdeckungsreise, bei der wir bereits viel lernen und verstehen durften. Wir sind mit Menschen in Kontakt gekommen, mit denen wir sonst wahrscheinlich nie gesprochen hätten. Wir durften die Nahrungsmittelproduktion aus der Sicht der Landwirte kennenlernen, die Kirche aus Sicht der Pfarrer, ein Altenheim aus der Sicht der Bewohner und vieles mehr. Wir haben große Gastfreundschaft und viel Hilfsbereitschaft erfahren dürfen und wir haben wunderbare Menschen kennengelernt. Spannend war, dass wir sehr viele gläubige Menschen getroffen haben, die oft auf der Suche nach den gleichen Antworten waren wie wir.

Wir sind aber auch vielen Tieren begegnet, die uns oft sogar sehr nahe an sich herangelassen haben. Darunter sogar einige sehr seltene, wie den Eisvogel und einen Grauspecht. Ganz nebenbei, ohne dass es uns groß bewusst war, konnten wir so einiges über die Vogelsprache und über Fährtenkunde lernen, das uns zuvor nie aufgefallen ist.

In wenigen Worten zusammengefasst: Bis jetzt war es schon mal eine tolle Zeit, an die wir uns gerne zurückerinnern und die uns noch lange begleiten wird!

Jetzt aber noch ein paar Worte zu heute:

Die Nacht war sternenklar und bitterkalt. Der Boden war einige Zentimeter tief gefroren und die Pfützen waren zum Teil fast vollständig vereist. Schön also, dass wir nicht auf diesem Boden schlafen mussten, sondern ein warmes Bett in einem warmen Haus mit Kachelofen hatten. Um acht Uhr in der Früh waren wir mit Denis unserem Gastgeber zum Frühstücken verabredet. Es gab Baguette mit selbstgemachter Marmelade und einer Käsespezialität der Region. Dazu heiße Schokolade! Wie könnte ein Tag besser beginnen?

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Denis erzählte uns noch einige interessante Dinge über die Region. Vor 10 Jahren hatte es hier eine Konferenz gegeben, bei der es um die auffällige Wetterveränderung gegangen war. Zuvor waren die Winter hier sehr kalt aber auch sehr sonnig gewesen. Dann hatte es sich plötzlich verändert und seither waren die Wintermonate fast durchgängig grau und trübe, dafür aber wesentlich milder. Das Wetter, dass heute herrschte, war daher im Moment eher eine Ausnahme. Woher diese plötzliche Veränderung des Wetters kam, kann niemand mit Gewissheit sagen. Oder es will niemand mit Gewissheit sagen. Vielleicht ist es der Klimawandel? Oder unsere Versuche mit dem Wetter zu experimentieren? Oder eine natürliche Veränderung?

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Das zweite Thema, von dem Denis erzählte, war Lachs. Im Moment lief im französischen Fernsehen eine Dokumentationsreihe, bei der es immer um andere Lebensmittel ging, die von Wissenschaftlern und Journalisten genau unter die Lupe genommen wurden. Der letzte Bericht beschäftigte sich mit der Lachszucht in Norwegen. Dass die Lachse dabei in riesigen Zuchtbecken aufwachsen und mit Antibiotika und Futterpallets zugeschüttet werden, war uns nicht neu. Anders war es mit den Inhaltsstoffen des Fischfutters. Sie enthalten unter anderem ein Anti-Pilz-Mittel, das von Monsanto hergestellt wird und verhindern soll, dass die Pallets schimmeln. Eine Wissenschaftlerin hatte dieses Mittel im Labor untersucht und dabei festgestellt, das es ein Gift enthält, dass in der Lage ist, die Schutzbarriere des Gehirns zu durchdringen. Normalerweise ist das Gehirn sehr gut vor dem Eindringen von toxischen Substanzen geschützt, nicht aber vor diesem. Der Herrsteller des Pilzmittels reagierte ausgesprochen unbeeindruckt auf die Forschungsergebnisse der Wissenschaftler und dachte nicht im Traum daran, sein Produkt zurückzuziehen. Komisch, wo Monsanto doch sonst so für seine Menschenfreundlichkeit bekannt ist…

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Nach dem Frühstück kehrten wir dann St. Avold den Rücken zu. Mein Fuß war in der Nacht deutlich besser geworden, meldete sich aber noch immer. Der kalten Nacht folgte ein warmer sonniger Tag, der es uns erlaubte, die meiste Zeit im Pullover zu wandern. Nur der Wind auf den Anhöhen war noch immer kalt.

Unser Weg führte uns zunächst durch einen großen Buchenwald. Es war genau der Wald, in dem Denis als Forstvorsteher arbeitete. Die meiste Zeit wanderten wir über gut ausgebaute Forstwege und die Schlammpisten waren heute deutlich in der Unterzahl. Besiedelte Flächen gab es kaum. Vor unserem Tagesetappenziel kamen wir nur durch eine einzige kleine Ortschaft. Dafür aber unterschritten wir eine gewaltige Stromleitung, die bedeutend beeindruckender war als alle Überlandleitungen, die wir bisher in Deutschland gesehen hatten. Der Strom in den Leitungen knisterte so laut, als würde jemand direkt über unseren Köpfen ununterbrochen mit eine großen Plastiktüte rascheln. Bereits Kilometer zuvor hatten wir die riesigen Dampfwolken aus den Kühltürmen des Kraftwerkes gesehen, das diese Leitungen speiste. Da kam dann wohl der Strom für diese Region her.

In Bambiderstroff versuchten wir dann wieder einmal ein Gemeindehaus oder eine andere Übernachtungsmöglichkeit aufzutreiben. Doch mit der Kirche und mit den offiziellen Einrichtungen hatten wir in Frankreich einfach kein Glück. Der Bürgermeister wimmelte uns ebenso ab, wie der Pastor und der Gemeindevorstand. Dies war der Nachteil, wenn man nicht persönlich mit den Leuten sprechen konnte. Angeblich gab es hier kein Gemeindehaus mehr. Es sei an Privatpersonen vermietet worden. Das Gemeindehaus sagte da zwar etwas anderes, aber davon wollte niemand etwas hören.

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Schließlich gaben wir es auf und fanden uns damit ab, heute nun doch unsere erste Nacht im Zelt zu verbringen. Just und diesem Moment kam ein Pärchen an uns vorbei, die uns freundlich grüßten, uns nach unserem Weg fragten und uns schließlich zu sich nach Hause einluden. Es sei zwar nicht komfortabel, aber vielleicht besser als ein Platz auf der Straße.

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Das war es auf jeden Fall! Nicht komfortabel bedeutete nämlich in diesem Fall ein warmer Isomattenschlafplatz eine Küche und eine Badewanne! Als uns unsere neuen Gastgeber das Haus gezeigt hatten, verabschiedeten sie sich wieder von uns, da sie noch verabredet waren. Völlig fremde Menschen auf der Straße aufzugabeln, zu sich einzuladen und dann sofort allein zu lassen, das stellte sogar unser Urvertrauen in den Schatten.

Wir nutzten die Zeit, die wir alleine waren um zu baden, die Bilder des Tages zu bearbeiten und um ein wenig zu lesen.

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Wir wählten ein Buch über Energiemedizin, ein Thema mit dem wir uns auf dieser Reise noch intensiver befassen wollen. Bislang haben wir nicht viel mehr als das Vorwort geschafft, aber auch da fanden wir schon einige interessante Informationen. Die ältesten bekannten Aufzeichnungen zu diesem Thema stammen aus Indien und sind etwa 5000 Jahre alt. Ähnliche Konzepte über eine Lebensenergie, die für die Gesundheit der Menschen verantwortlich ist wurden jedoch unabhängig von einander in mindestens 95 verschiedenen Kulturen überall auf der Welt entwickelt. Auch in der westlichen Medizin war die Annahme, dass es eine Lebensenergie gibt, die für unsere Gesundheit verantwortlich bis Ende des 19. Jahrhunderts ein wichtiger Grundpfeiler für die Heilung. Erst danach wurde dieses Konzept langsam durch die Idee ersetzt, dass der Mensch wie eine Maschine aus Einzelteilen zusammengesetzt ist, die man auch einzeln reparieren oder ersetzen kann. Spannend ist, dass es einige moderne und wissenschaftlich anerkannte Heilmethoden gibt, die auf eben jenen Erkenntnissen über die Energiebahnen im Menschen basieren. Dazu zählen zum Beispiel die Magnetresonanztomographie, die Strahlentherapie, die Laserkeratoplastik, der Herzschrittmacher und Therapien mit ultraviolettem Licht. Andere Therapieformen, die auf den gleichen Grundlagen basieren, jedoch mit Energieformen arbeiten, die nicht so leicht messbar sind, werden jedoch noch immer oft als wirkungslos abgetan. Die Frage, die sich uns da stellt ist folgende: Wenn sich Heilungsmethoden doch über Jahrtausende in mindestens 95 verschiedenen Kulturen, die lange Zeit keinen kontakt miteinander hatten etabliert haben und wenn wir moderne Methoden entwickeln, die auf der gleichen Grundlage basieren, warum schließen wir dann all diese anderen Heilungsmethoden aus? Und warum haben wir uns in unserer Schulmedizin von einem ganzheitlichen Heilungsansatz überhaupt wegbewegt? Aus gesundheitlichem oder vielleicht doch eher aus finanziellem Interesse?

Später kamen unsere Gastgeber dann zusammen mit der Oma und einer Freundin zurück und brachten Kuchen für uns mit. Eine ganze Weile saßen wir noch zusammen und unterhielten uns mit einer Mischung aus Französisch, Englisch und Deutsch. Auch hierrüber gibt es einiges zu erzählen, aber das mache ich morgen.

Spruch des Tages: Man kann die Erkenntnisse der Medizin auf eine knappe Formel bringen: Wasser, mäßig genossen, ist unschädlich. (Mark Twain)

Tagesetappe: 14 km

Gesamtstrecke: 650,77 km

Bewertungen:

 
2019-07-14T01:19:11+00:00 Frankreich, Tagesberichte|

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