Tag 42: Windkraft

Tag 42: Windkraft

Tag 42: Windkraft

Heute war seit langem zum ersten mal wieder ein richtiger Frühlingstag. Der Wind hatte die Wolken fast vollständig aus dem Himmel geweht und die Sonne strahlte mit uns um die Wette. Auch unsere Stimmung war gleich wieder viel sonniger und das wandern machte deutlich mehr Spaß als im Einheitsgrau der letzten Tage. Dennoch merkten wir die Mammutstrecke von gestern noch deutlich in den Knochen. Unser Reiseführer schlug für heute eine Tagesetappe von 39km vor, weil es dazwischen keinerlei Herbergen gab. Gut also, dass wir nicht auf Herbergen angewiesen waren, denn bereits nach der Hälfte der Strecke waren wir mit unserer Kondition am Ende.

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Die Straße schlängelte sich über einige Hügelkuppen und durch ein langgezogenes Tal. Ortschaften gab es noch weniger als an den letzten Tagen und die meisten von ihnen schienen fast gänzlich unbewohnt. Spannend war aber, dass jedes noch so kleine Dorf eine beachtliche Kirche hatte. Keine kleine Kapelle, sondern eine richtige, große Kirche. Wer hatte sich die Mühe gemacht all diese Gotteshäuser zu bauen, wenn hier doch fast niemand lebte? Wie zuvor waren die Kirchen für Besucher verschlossen und wurden nur für besondere Gelegenheiten geöffnet. Gottesdienste zum Beispiel. Nur eine einzige war auch für Touristen begehbar. Es war die größte und prächtigste, die Platz für mehr als 200 Menschen bot. Warum man sie in ein Dorf mit 80 Seelen gebaut hatte, das auch vor Jahrhunderten nicht größer gewesen sein konnte, blieb uns ein Rätsel. So prunkvoll das Gebäude eins auch gewesen war, jetzt war es komplett am Zerfallen. Der Putz bröckelte von den Wänden, die Decke war grün vor Schimmel und an den Statuen war bereits sämtliche Farbe abgeplatzt. Es war traurig mit anzusehen, wie diese aufwendige Arbeit von so vielen Menschen jetzt einfach verrottete. Das galt nicht nur für die Kirchen. Die ganzen kleinen Ortschaften waren voll von leerstehenden Anwesen, Villen und Schlössern, die alle der Verwesung preisgegeben wurden. Der Reichtum dieser Gegend ist offenbar nicht mehr besonders gut verteilt.

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Das wichtigste auf einem Weg wie dem unseren ist, dass man niemals darüber nachdenkt, wie weit man noch zu gehen hat. Heute morgen haben wir auf einer Karte im Pfarrhaus gesehen, dass wir nun etwa ein sechstel von Frankreich durchquert haben. Das sind Weiten, die so unvorstellbar groß sind, dass man verrückt wird, wenn man es versucht. Das gilt vor allem in Gegenden wie dieser, in dem die Landschaft kaum Abwechslung bietet. Wir nutzten die Zeit beim Wandern daher um alles Mögliche zu lernen. Französisch zum Beispiel oder die Vogelsprache. Oder auch praktische Dinge, wie etwa die gute alte Fußballernasenrotztechnik. Ich weiß, das klingt vielleicht etwas eklig, aber wenn man über Stunden durchs Niemandsland wandert und einem der Gegenwind ständig die Nase zum Laufen bringt ist das eine wirklich hilfreiche Sache.

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Wieder einmal kamen wir an einigen Windrädern vorbei und machten uns den Spaß, die Zeit für eine Umdrehung zu stoppen. Es waren wieder 8 Sekunden. Wir hatten diese Zeit in Deutschland und hier in Frankreich mehrere Male gemessen. Einige Male hatte es gestürmt wie bei einem Weltuntergang, andere Male war es fast komplett Windstill und heute hatten wir einen Böigen Wind von mittlerer Stärke. Wie konnte es da sein, dass sich die Räder immer gleich schnell drehten? Nach meinen letzten Bemerkungen über diese alternative Energiequelle haben wir ein Kommentar von einem Leser bekommen, der uns mit einigen sehr interessanten Hintergrundinfos versorgte, die die Energieproduzenten normalerweise nicht an die Öffentlichkeit bringen.

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Zunächst einmal erklärte er uns, dass wechselhafte Energiequellen wie Sonne und Wind aus logistischer Sicht wirklich nicht leicht zu handlen sind. Damit unser Stromnetz funktioniert, muss immer genauso viel Strom produziert wie verbraucht werden. Und zwar auf 0,5 Hertz pro Sekunde genau. Das bedeutet, wenn jemand zu Hause den Stecker einer normalen Nachttischlampe aus der Dose zieht, muss der Stromproduzent innerhalb einer Millisekunde darauf reagieren. Andernfalls würde es zu einer Überspannung kommen, die das gesamte System lahmlegen kann. Die Energieproduktion muss also immer exakt an den Energieverbrauch angepasst werden. Wenn man nur herkömmlichen Kraftwergen wie Kohlekraft arbeitet ist das einfach. Man produziert immer gleich viel Energie und die die nicht gebraucht wird, fließt einfach ins Leere. Logistisch ist das eine gute Methode, aber wirtschaftlich und umwelttechnisch natürlich Schwachsinn. Denn wir haben nur zwei Mal am Tag sogenannte Energiespitzen, also Zeiten in denen die Menschen besonders viel Strom verbrauchen. Diese Spitzen sind Morgens und Abends. Es würde also bedeuten, dass man immer genügend Energie produziert, dass es für die Spitzen reicht sie den Tag über und die ganze Nacht lang dann aber einfach ungenutzt lässt. Um das zu verhindern, gibt es Kraftwerke, die deutlich flexibler sind, als Atom- oder Kohlekraftwerke. Wasserkraftwerke zum Beispiel. Diese können dann zu den Spitzenzeiten hinzugeschaltet werden, und sind den Rest der Zeit inaktiv. Das Problem bei Wind und Sonne ist nun aber, dass sie sich nicht besonders um unseren Energiebedarf scheren. Sie sind da, wenn sie nun Mal da sind.  Als Energiesystem steht man damit vor einer neuen Herausforderung. Man muss nicht nur darauf achten, was die Menschen tun, sondern auch darauf, was der Wind macht. Und dann muss man die übrigen Energiequellen an beides Anpassen. Um dieses Problem zu lösen braucht man ein Backup. Das bedeutet, man braucht eine andere Stromquelle, die innerhalb von Sekundenbruchteilen immer dann einspringen kann, wenn uns der Wind oder die Sonne im Stich lassen. Dafür werden vor allem Gaskraftwerke benutzt, die ebenfalls wieder mit Erdgas oder aber mit Biogas betrieben werden. Im Klartext bedeutet dass, dass es für jede Solarzelle und für jedes Windrad ein Kraftwerk gibt, dass kein bisschen ökologischer Arbeitet, als ein herkömmliches Kohlekraftwerk.

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Jetzt stellen sich da natürlich ein paar Fragen. Warum stecken wir so viel Geld und Zeit in die Entwicklung von Stromquellen, die nicht zu unserem Stromsystem passen? Würde man Solarenergie nicht bei uns sondern in der Sahara betreiben, wäre es eine konstante Energiequelle, auf die man ohne Backup bauen könnte. 1% der Saharafläche würde dabei ausreichen um die ganze Welt mit genügend Energie zu versorgen. Vorausgesetzt natürlich man fände eine Lösung, um die Energie so weit zu transportieren. Denn mit unseren momentanen Leitungen würde von dem Strom bereits in Europa kaum noch etwas ankommen. Dafür hätten wir allein in der Eifel genug geothermische Energie um Deutschland damit zu versorgen. Die seismische Aktivität in Island reicht sogar aus um ganz Europa zu versorgen. Island selbst hat so viel Energie, dass sie die Gehwege in ihren Städten beheizen, weil sie sonst nicht wissen, was sie damit tun sollen. Nicht das beheizte Gehwege nicht cool wären.

Ich will damit nur sagen, dass es durchaus sinnvolle Alternativen geben würde. Also stellt sich doch die Frage, warum wir sie nicht nutzen und warum wir uns stattdessen auf Windkrafträder konzentrieren, die sich im Zeitlupentempo drehen. Noch dazu, wo die Herstellungs- und Wartungskosten eines einzelnen Windkraftwerkes fast halb so hoch sind wie die Gesamtkosten eines herkömmlichen Kraftwerkes. Durch die großen Belastungen, denen ein Windrad ausgesetzt ist, beträgt seine Lebenserwartung nicht mehr als 8 Jahre. In der Öffentlichkeit wird hingegen meist mit 20 gerechnet, was absolut unrealistisch ist. Die Hersteller behaupten meist sogar, dass die Krafträder 40 Jahre lang Strom bringen würden.

Noch schlechter ist jedoch die Bilanz der Offshore-Windparks. Durch die salzige Seeluft und die damit verbundene Korrosion halten die Windräder im Meer nur knapp 2 Jahre. Dann spätestens ist die Feinmechanik im Getriebe komplett zerfressen. Hinzu kommt, dass das Salzwasser und die ständige Strömung die Betonfundamente zerstören, bzw. unterspülen.  Dass man auf Dauer nichts fest im Sandboden eines Meeres verbauen kann, merkt man bereits, wenn man einen Stock in den Teil vom Strand steckt, der von den Wellen überschwemmt wird. Es reichen ein Paar Minuten bis der Stock kippt. Doch das Wasser ist nicht das Einzige mit dem das Fundament zu kämpfen hat. Wo immer man ein Betonfundament ins Meer gebaut hat, konnte man nach kurzer Zeit große Mengen einer Bakterienart feststellen, die sich vom darin enthaltenen Stahl ernährten. Die Bakterien haben Generationenfolgen von nur 20 Minuten und können sich daher sehr schnell an veränderte Umstände anpassen. Um sie zu beseitigen versuchte man beispielsweise die Stahlträger unter Strom zu setzen. Daraufhin bildeten sich neue Bakterien, die sich vom Strom sogar angezogen fühlten.

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Abgesehen davon, dass die Windparks zur tödlichen Falle tausender Vögel und vieler Wale werden, sind sie also allein aus wirtschaftlicher Sicht schon nicht sinnvoll. Mit einer so geringen Lebensdauer verbrauchen sie sogar mehr Strom, als sie je Produzieren können. Angefangen bei der Gewinnung der Rohmaterialien über die Produktion und den Transport bis hin zum logistisch höchst aufwendigen Aufbau um Meer. Kann es also sein, dass diese alternative Energiequelle gar keine wirkliche Alternative darstellen soll? Soll das Projekt vielleicht sogar scheitern? Immerhin haben uns die selben Energiekonzerne, die sich heute mit der Windenergie eine weiße Weste, noch vor ein paar Jahren gesagt, dass eine Energiewende unmöglich sei. Wir wollten das nicht hören, also liegt es doch nur nahe, es uns zu beweisen. Und sie selbst haben keinerlei Nachteil durch die Investitionen in ein hoffnungsloses Projekt, denn es wird vom Staat großzügig subventioniert…

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Aber zurück zu unserem Weg. Am Nachmittag erreichten wir Leschéres-sur-le-Blaiseron, wo wir das erste Mal nach einem Schlafplatz fragten. Die Frau, die wir dabei um Hilfe baten, war zwar sehr freundlich, sprach aber so schnell, dass wir fast nichts verstanden. Beim zweitem Mal hatten wir mehr Glück. Der Mann sprach gut Englisch und empfahl uns, noch einen Ort weiter zu gehen. Dort gäbe es einen Pfarrer, der Pilger aufnimmt und beherbergt. Das war unser Ding! Und 3km waren eine durchaus überwindbare Distanz. Als wir bereits ein Stück weitergegangen waren, hielt ein Auto neben uns an. Es war der gleiche Mann. Er kurbelte das Fenster herunter und sagte: „Excuse me! It´s to help you on the road!“ – „Entschuldigung! Dies ist eine kleine Hilfe für euren Weg!“ Dabei drückte er mir einen 50€ Schein in die Hand. „Merci!“ stammelten wir ungläubig. Er nickte nur und fuhr dann weiter. Das war unglaublich! 5€ oder 10€ wären bereits mega nett gewesen, aber 50!

Kurze Zeit später kamen wir nach Ambonville, wo wir das Haus fanden, das uns der Mann beschrieben hatte. Einen Pfarrer fanden wir nicht, dafür aber zwei Bauarbeiter, die uns in einen großen Raum mit Küche und einen noch größeren mit Kamin führten. Dann verschwanden sie wieder. Seitdem sind wir alleine in einer Art Pilgerwohnung in dem es jede Menge zu essen, einige Sofas, Bücher und noch allerlei mehr gibt. Der Kamin brannte bereits und auch sonst fühlt es sich ein bisschen an, als hätte man uns eingeladen hier zu wohnen. Es fühlt sich schon ein wenig skurril an, so als wären wir in das Leben eines anderen geschlüpft, aber es ist einer der komfortabelsten und gemütlichsten Schlafplätze der letzten Zeit. Man könnte sich also daran gewöhnen.

Spruch des Tages: Das Geld liegt auf der Straße

Tagesetappe: 20 km

Gesamtstrecke: 951,77 km

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