Tag 54: Stimmungstief

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Tag 54: Stimmungstief

Tag 54: Stimmungstief

Die Nacht in der Gite Agrippa Cottage Semizelles war super, vor allem, wo die Nacht draußen -4°C hatte. Unsere beiden Gastgeber waren wirklich liebe und herzliche Leute und falls ihr einmal Urlaub in der Gegend machen wollt, können wir das kleine Häuschen in der 2 Grand Rue in Semizelles wärmstens empfehlen.

Eigentlich hätte der Tag heute so ablaufen sollen: Wir brachen um kurz nach 9:00 Uhr in der Früh nach einem kleinen Frühstück und einem netten Abschiedsgespräch mit unseren Gastgebern auf. Die Tagesetappe betrug nur 12 Kilometer also konnten wir ganz gemächlich wandern und dabei die Sonne genießen. Wir machten viele Pausen, freuten uns über die Ruhe und das schöne Wetter und erreichten Vézelay gegen Mittag. Früh genug also, um uns entspannt die Basilic anzuschauen, viele schöne Fotos zu machen und dann einen Schlafplatz aufzutreiben.

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Doch leider kam alles ein bisschen anders. Ich wachte bereits mit einem miesen Gefühl auf. Die Sache mit den zusätzlichen Kosten für den Blog hatte mich in der Nacht noch lange beschäftigt. Vor allem aber war es der Auslöser für viele weitere Ängste gewesen, die ich in letzter Zeit sehr erfolgreich verdrängt hatte. Ohne Geld zu reisen war eine Sache, die für eine gewisse Zeit oder vielleicht sogar auch für sehr lange gut funktionieren konnte. Essen und Schlafplätze zu bekommen war kein Problem, das hatte die Vergangenheit deutlich genug gezeigt. Doch damit war es leider nicht getan. Früher oder später würden unsere Kleidung, unsere Wagen und unsere sonstige Ausrüstung so verschlissen sein, dass wir sie ersetzen mussten. Für Heiko war das kein Problem, denn in den Jahren, in denen er für die Allianz gearbeitet und durch die Firma, die er aufgebaut hatte, konnte er sich eine Grundsicherheit erwirtschaften, die ausreichte um locker davon Leben zu können. Ich jedoch hatte diesen Backround nicht. Ich habe nie in meinem Leben wirklich auf eine Weise gearbeitet, mit der ich ein Kapital erwirtschaften konnte. Es hatte immer gerade so eben zum überleben gereicht. Plötzlich wurde mir bewusst, dass mich jeder Schritt den ich nach vorne setzte näher an ein finanzielles Desaster heranbrachte. Denn es war ja nicht nur die Ausrüstung. Ich muss regelmäßig Versicherungen und Krankenkassen bezahlen. Irgendwann werden wir in Länder kommen, für die ich ein Visum beantragen muss. Was werde ich dann tun? Die Gedanken führten noch weiter. Will ich wirklich ewig Tag für Tag wandern müssen um überleben zu können? Was ist, wenn es mir an einem Platz gefällt? Die Menschen nahmen uns auf, weil sie wussten, dass es nur für eine Nacht war. Man konnte nicht hingehen und fragen: „Entschuldigung, darf ich vielleicht eine Woche oder einen Monat kostenlos bei dir wohnen?“ Plötzlich stellte ich den ganzen Sinn der Reise in Frage. Hatte ich wirklich den richtigen Weg gewählt? Sollte ich nicht vielleicht doch lieber irgendwo einen Richtigen Job annehmen? Hatte der Mann, der uns gestern den Schulmeistervortrag gehalten hatte am Ende doch Recht? War die Idee in unserer Zeit ohne einen festen Job mit regelmäßigem Gehalt leben zu können ein Hirngespinst? War ich am Ende doch nur ein Schmarotzer, der sich einen günstigen Urlaub auf dem Rücken gastfreundlicher Menschen erschlich? Der letzte Gedanke traf mich am Meisten. Ich merkte, wie ich immer trauriger wurde. Was trug ich eigentlich wirklich zum Leben der Menschen bei? Heiko hatte jahrelange Erfahrungen was Therapien und Anamnesegespräche anbelangt und konnte den meisten unserer Gastgeber ein großes Stück auf ihrem Heilungsweg voranbringen. Doch was trug ich dazu bei? Was konnte ich beitragen? Was wollte ich überhaupt beitragen. Wieder einmal war ich an einem alten, bekannten Punkt angelangt: Wer will ich sein? Wohin führt mich mein Herz überhaupt? Was ist meine Aufgabe auf dieser Erde? Es kam mir vor, als wäre ich von einer Antwort weiter weg als je zuvor. Ich fühlte mich schlecht und fing an mich selbst zu bemitleiden.

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Das Gefühl blieb auch während der Wanderung. Die Sonne strahlte, wir befanden uns in einer der schönsten Gegenden von Frankreich und ich hatte nichts anderes zu tun, als mich schlecht zu fühlen und in Selbstmitleid zu versinken. Heiko war meine miese Laune nicht entgangen und er fragte mich was los sei. Ich versuchte es zu erklären, konnte es aber nicht recht in Worte fassen: „Ich merke einfach eine gewaltige Schwere in mir. Eigentlich sollte es mir gut gehen, aber irgendetwas hält mich fest.“

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„Kann es sein, dass es mit deiner Unstrukturiertheit zusammen hängt?“ fragte er.

„Wie meinst du das?“ fragte ich zurück.

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„Ich meine, es sind jetzt bereits fast zwei Monate zusammen und darunter waren viele Tage an denen wir jede Menge Zeit und gutes Internet hatten. Du hattest also jede Menge Gelegenheiten um dir selbst eine Sicherheit zu erschaffen. Du wolltest ein Exposee von unserem Buch schreiben, damit wir es an die Verlage schicken können um einen Vorschuss zu bekommen. Du wolltest herausfinden, wie du über den Blog Geld verdienen kannst. Und so weiter. Doch nichts davon hast du bisher gemacht. Und jetzt merkst du, dass dir ein bisschen die Zeit davonläuft. Du weist ich unterstütze dich echt bei allem, aber dies ist nicht mein Thema. Es war deine Verantwortung sich darum zu kümmern und  für deine Zukunft ist es wichtig. Ich mach es dir am besten einmal an einem Beispiel deutlich: Stell dir vor, du lebst wirklich frei in der Natur und es ist gerade Herbst. Alles ist voller Nüsse, Obst und Beeren, mit denen du sicher durch den Winter kommen würdest. Aber du sagst gerade: „Ich glaube es ist mir zu ansträngend, sie zu sammeln, es wird schon irgendwie gutgehen.“

Ich überlegte einen Moment. Es gab wirklich viele Dinge, die ich mir vorgenommen, die ich aber nie getan hatte und einige würden meine finanziellen Sorgen tatsächlich lösen. Stattdessen aber versuchte ich diese Sorgen immer zu verdrängen oder herunterzuspielen, so lange, bis sie mich aufgrund einer Kleinigkeit wieder einholten. Und dann erwischte es mich aus voller Wucht und ich hatte das Gefühl, nichts dagegen tun zu können, als mich selbst zu bedauern. Da das auf Dauer keine Lösung war, verdrängte ich es dann wieder und hoffte, dass es doch irgendwie gutgehen würde.

„Kann es sein, dass wir da schon wieder bei dem Thema ‚kindliche Naivität’ angelangt sind?“ fragte Heiko nachdem ich ihm meine Gedanken mitgeteilt hatte. „Warum fällt es dir so schwer, die Verantwortung für dich zu übernehmen? Sobald ein Problem auftaucht, verschließt du davor die Augen und hoffst, dass es sich von alleine löst. Und ja, ich glaube das hat in der Vergangenheit auch sehr gut funktioniert, weil du diesen Niedlichkeitsfaktor hast, der dafür sorgt, dass dir jeder helfen will. Aber fühlt sich das für dich gut an?“

Ich schüttelte den Kopf. Das tat es wirklich nicht. Allzu oft hatte ich das Gefühl, hilflos zu sein, oder nicht selbst für mich sorgen zu können. Auch jetzt war es wieder da. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass ich von mir aus selbst einen Wert hatte, mit dem ich etwas beitragen konnte. Das war der Knackpunkt! Aus irgendeinem Grund fühlte ich mich selbst nicht wertvoll.

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Die kommenden Stunden verbrachte ich damit, mich mit diesen Selbstzweifeln und Gedankenspiralen im Kreis zu drehen. Immer tiefer versank ich im Selbstmitleid und je mehr ich versuchte dagegen anzukämpfen desto schlimmer wurde es. Als wir an eine kleine Kirche kamen, die ausnahmsweise einmal offen stand, gingen wir hinein um ein paar Fotos zu machen. Das heißt Heiko machte ein paar Bilder. Ich setzte mich auf eine Kirchenbank und war den tränen nahe. Es heißt, der Jakobsweg zwingt irgendwann jeden einmal in die Knie. Der Weg zerstört dich, um dich dann wieder aufzubauen, als jemand neues. War es bei mir nun soweit?

Ich wusste es nicht. Für einen Moment hatte ich gehofft, vielleicht irgendeine göttliche Verbindung zu spüren. Immerhin saß ich in einer Kirche. Aber außer der angenehmen kühle, einer guten Akustik und einer unendlichen Trauer spürte ich nichts. Aus irgendeinem Grund hatte ich Fernweh. Ich wünschte mir irgendwo anders zu sein und verband damit die Hoffnung, dass ich mich dann besser fühlen würde. Dass das blödsinn war, merkte ich selbst. Doch das Gefühl blieb.

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Wir setzten unsere Reise fort und wanderten durch ein herrliches sonnenbeschienenes Tal. Manchmal kann genau das das grausamste sein, was einem passieren kann. Ein perfekter Ort und ein schöner Tag, der genau so ist, wie man sich ihn gewünscht hat. Hätte es geregnet, hätte ich meine Stimmung einfach auf das Wetter schieben können und alles wäre ok gewesen. So aber war klar, dass es nichts mit dem Außen zu tun hatte. Ich war das Problem. Plötzlich kam eine neue Angst in mir auf. Tag ich vielleicht doch genau das, was ich nicht tun wollte? Reiste ich nicht um zu lernen, sondern um vor mir selbst davonzulaufen? Ich fühlte mich mit einem mal vollkommen verloren. Egal wo ich jemals ankommen würde, es würde immer nur ein Zwischenziel sein. Es war immer nur ein Punkt von dem aus es weiter ging. Ein wirkliches Ziel gab es nicht. Vézelay war keins und Santiago erst recht nicht. Wohin sollte das alles führen?

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Ein Straßenschild riss mich jäh aus meinen Gedanken. Es war ein Wegweiser mit der Aufschrift „Avalon 4 km“. Avalon? Das konnte nicht sein! Die Stadt lag rund 15 km von Vézelay entfernt. Einige Sekunden lang versuchte ich es noch zu leugnen. Dann wurde mir schmerzlich bewusst, dass das Schild die Wahrheit sagte. Wir waren den ganzen Tag lang in die falsche Richtung gelaufen. Einige hundert Meter weiter kam dann das nächste Schild: „Vézelay 11 km“

„11 Kilometer?!?“ fragte Heiko und war außer sich. „Dass heißt dann also, wir sind 12km gelaufen und haben gerade einmal einen Kilometer geschafft? Na herzlichen Glückwunsch!“

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Einen Moment lang war ich eingeschnappt, weil er mir die Schuld daran gab, dass wir uns verlaufen hatten. Dann wurde mir klar, dass er Recht hatte. Ich hatte die Karte, die ganze Zeit über in der Tasche gehabt und es war meine Aufgabe gewesen, auf die Orientierung zu achten. Doch ich war so damit beschäftigt gewesen, schlecht drauf zu sein, dass ich nicht ein einziges Mal auf den Weg geachtet hatte. Die Straße, die von hier aus nach Vézelay führte war eine Hauptstraße, also von allen möglichen Straßen die unangenehmste.

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„Merkst du eigentlich, was du machst, Tobi? Du führst uns im Zickzack! Und das nicht nur was den Weg angeht, sondern auch sonst. Warum versuchst du es dir immer so schwer wie möglich zu machen?“ Mit diesen Worten drehte sich Heiko um und ging voraus in Richtung Vézelay. Ich folgte ihm nach. Für die nächsten Kilometer gingen wir schweigend hintereinander her. Die ganze Zeit über wollte ich mich für die Unachtsamkeit entschuldigen. Die Orientierung war meine Verantwortung gewesen und ich hatte es verpatzt. Doch so sehr ich es auch wollte, die Worte kamen nicht über meine Lippen. Ich kaute auf ihnen herum, wie auf einem sehnigen Stück Fleisch, dass immer holziger wurde und mir schließlich im Hals stecken blieb. An einem Feldweg blieb Heiko stehen. „Tobi, wir müssen reden!“ sagte er. Er war stocksauer. Nicht nur wegen dem Verlaufen, auch wenn das letztlich der Auslöser gewesen war. „Es kann doch nicht sein, dass du uns mit deiner Unachtsamkeit permanent das Leben schwer machst! Seit wir unterwegs sind habe ich ständig das Gefühl dass ich mich verhalten muss als wäre ich dein Vater. Du achtest nicht auf deine Sachen, du verdaddelst die Hälfte, du führst uns im Kreis, du erledigst deine Aufgaben nicht! Es kann doch nicht sein, dass du länger für drei Seiten Text brauchst als ich für die Bearbeitung von 100 Bildern und das Beantworten von Mails. Wann willst du Endlich einmal lernen, eine Struktur einzuhalten. Du verzettelst dich in jeder Kleinigkeit und vergisst ständig den Blick für´s Wesentliche! Tobi, das geht so nicht weiter. Ich brauche einen Partner und kein Kind um dass ich mich kümmern muss. Ich bin grad so kurz davor, zu sagen, dass du dich zum Teufel scheren kannst!“

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Ich stand nur da und sagte nichts. So wie ich es in Streitgesprächen immer tat. Es war wie ein Blackout in einer wichtigen Prüfung. Plötzlich war alles weg. In diesem Fall ging es jedoch nicht um einen Lernstoff, sondern um meine Gefühle und Gedanken. Ich fühlte mich wie ausgehöhlt. Unfähig irgendwie zu reagieren. Warum konnte ich mich nicht streiten? Ich versuchte einige klägliche Erklärungen und Entschuldigungen vor mich hinzumurmeln, aber das machte die Situation nicht besser. Schließlich ging Heiko ein Stück wegaufwärts und setzte sich ins Graß. Ich stand da wie ein begossener Pudel und fühlte mich erbärmlich. Das Schlimme war, dass es mir genauso ging, wie Heiko. Auch ich war sauer auf mich selbst und auch ich empfand mich gerade als unnötigen Ballast, der ihn nur aufhielt und ihm das Leben schwerer machte, anstatt eine Hilfe zu sein.

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Schließlich kam er zurück. „Gehen wir weiter!“ sagte er. Der Ärger war verflogen, aber das Thema stand noch im Raum. „Es hilft dir nicht, wenn du dich selbst jedes Mal fertig machst, wenn ein Problem auftaucht!“ sagte er nach einem Moment. „Es ist ja alles keine große Sache! Irgendwie musst du es schaffen, innerhalb der nächsten Monate ein finanzielles Polster anzulegen, damit du den Blog, deine Versicherungen, Visa und was sonst noch so kommt bezahlen kannst. Irgendwie musst du lernen, eine Struktur zu finden, mit der du selbst umgehen kannst und mit der du dir nicht immer im Weg stehst. Du musst deine Aufmerksamkeit trainieren und du musst anfangen, dir selbst einen Wert beizumessen. Du darfst dich nicht immer in alles hineinsteigern! Und vor allem musst du aufhören alles zu zerdenken. Hat dich dein Selbstmitleid heute in irgendeiner Form weitergebracht?“

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„Nein,“ sagte ich, „es hat mir sogar noch weitere Probleme eingehandelt.“

„Nimm die Herausforderungen doch einfach an. Es ist doch cool, dass es was zu lernen gibt. Ich habe auch meine Themen an denen ich arbeiten muss und du hast eben deine. Du musst nur endlich einmal anfangen ehrlich zu dir zu sein uns sie dir eingestehen. Du dachstest diese Reise ist dein Traum und sobald du losgehst, wir alles gut. Und jetzt merkst du, dass das nicht stimmt. Es ist Arbeit. Es ist anstrengend und es läuft nicht immer alles glatt. Du bist einfach scheiße frustriert deswegen. Aber du versuchst dir selbst einzureden, dass es dir gut geht. Lass die Gefühle doch einfach mal zu und nimm sie an, anstatt sie den ganzen Tag in dich hineinzufressen, so dass du auf nichts anderes mehr achten kannst.“

Ich musste lächeln. Er hatte den Nagel ziemlich auf den Kopf getroffen.

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Wir setzten unsere Reise fort und auch meine Gedankenspirale drehte sich noch eine weile weiter. Doch Gedanken und Gefühle sind wie Wolken. Manchmal bedecken sie den ganzen Himmel, so dass man sich nicht vorstellen kann, dass sie je wieder verschwinden. Doch dann ziehen sie weiter und alles klart wieder auf. Irgendwann kreisten meine Gedanken wieder um andere Themen und schließlich wurde meine Stimmung wieder heller. Dann erreichten wir Vézelay und mit ihm das Ziel einer weiteren Etappe unserer Reise.

Spruch des Tages: Die größte Herausforderung ist ein Blick in die eigene Seele.

 

Tagesetappe: 21 km

Gesamtstrecke: 1161,37 km

Bewertungen:

 
2014-02-27T03:13:19+00:00 Frankreich, Tagesberichte|

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5 Comments

  1. marie 27. Februar 2014 at 9:38 - Reply

    Hallo Tobias und nicht zu vergessen Heiko!

    Erstmals für dich Tobias 🙂 „Ganz gleich, wie beschwerlich das Gestern war, stets kannst du im Heute von Neuem beginnen.“ (Buddha)

    Sofern ich dazu komme verfolge ich eure Berichte und bin gespannt wie eure Weltreise weitergeht. Seit Heiko mir davon erzählt hat das ihr das vor habt, hab ich nur gedacht RESPEKT!

    Dein Stimmungstief kenne ich sehr gut, von meinem Freundeskreis, als wärt ihr Brüder. Ich kann dir nur eins auf dem Weg deines Lebens mitgeben. Du wirst an jeder Aufgabe/Hürde/Steine etc. die du bewältigen kannst und willst daran wachsen. Heiko hat schon recht in manchen Dingen oder besser gesagt in vielen Dingen ;).
    Aber er hat vollkommen Recht laufe nicht vor weg vor der Verantwortung über dich selber.

    Ich wünsche euch auf jeden Fall auf der weiterreise noch viele tolle Momente Erlebnisse etc.

    Marie (aus der Schweiz)

  2. ines 27. Februar 2014 at 20:03 - Reply

    …also ich finde überhaupt NICHT dass du den Blick für das Wesentliche vergisst.
    Im Gegenteil- der Zick-Zack-lauf hat dich doch letzten Ende zu deinem Wesen- zum wesentlichen geführt.
    Das , GENAU DAS gehört eben zum lernen dazu- Oberflächlichkeiten können termingerecht und zielstrebig erreicht werden- alles aber was tifer geht muss manchmal eben erst ergründet und gesucht werden. Dabei gehen wir imLeben viele viele Umwege, Irrwege …mal mit Absicht, mal unbewußt…mal aus Wut, aus Angst, Feigheit oder einfach nur falschm Stolz.

    das Wesenlichste eurer Reise sollte doch aber das Lernen sein- nicht das finden eines ganz bestimmten Ziels- sondern der Weg selbst ist das Ziel. Dieser Spruch sollte euch doch gerade auf dem Jakobsweg schon so oft gesagt wurden sein,d ass er euch aus den Ohren süfft.

    Was bedeutet dass denn genau? Doch nicht den Weg von A nach B zu gehen. Der Weg auf dem du bist, ist eine innere Reise. der Jakobsweg ist nur die Oberfläch. Du könntest auch einfach zu Hause bleiben und versuchen dort auf die selben Gedanken zu kommen. Da die meisten Menschen aber zu Hause meistens in ihrem Alltagsstress und Trott verbleiben ist das Wandern eben eine Möglichkeit es anders zu machen. Unterwegs merkt man dass man alles wesenliche immer bei sich hat-Problemen kann man nicht entwandern…sei es auch um die ganze welt 😀

    Ich fand bisher eh eurer Tempo etwas seltsam anmutend. Habe mich gefragt welche Termine ihr denn habt und ob ihr die Reise nur so schnell wie möglich zu Ende bringen wollte…so schnell wie möglich irgendwelche Abenteuer erleben wollt, Neues sehen, Neues hören…bloß weg und irgendwo ankommen und am Ende der 5-10 Jahr möglichst guten Stoff zusammen zu haben um viel Geld darauf zu scheffeln?Ich denke malnichtd ass das euer Ziel ist oder?
    Oder ist es eher ein persönliches Reifen? Eine persönliche Erfahrung…

    1km am Tag- NA UND? Das ist der äußerliche km…immerlich bist du dir doch aber mitlerweile doch schon viel weiter gekommen oder? Selbst wenn du bisher erstmal „nur“ erkannt hast was deine Art ist, was deine probleme sein könnten …was auch immer. Manche Menschen laufen 3x um die Welt und haben nicht EINEN km zurückgelegt- sind am Ende nur um Abenteurer reicher- aber nicht wirklich an Weisheit gereift.

    Natürlich wäre es optimal wenn man das Außen udn Innen im Gleichgewicht hätte- dann hättest du an diesem sonnigen Tage ienen schönen Tag gehabt und ihr wäret mehr km gelaufen….aber so ist es nun mal nicht. und das würde ich nicht bedauern- denn ich finde du bist auf dem richtigen Weg.

    Das göttliche was du an der Kirche gesucht hast, ist nicht an der Kirche oder in ihr zu finden…sondern ja immer bei dir selbt. Du bist nicht Gott, aber Gott ist bei und für den Menschen. Gott liebt alle Menschen und wer bittet, dem wird gegeben werden. Du hast dir viele Fragen gestellt…machst dir viele Sorgen…und hast deine Sorgen vielleicht auch gedanklich zu Gott gesandt. Nun musst du eben noch zuhören lernen was Gott dir zu sagen hat. Und dazu wird er ander Menschen gebrauchen die dir auf deinem Wege begegnen…dazu wird er dich vielleicht auch noch viele male im Zickzack durch die Gegend ziehen lassen…
    lernen bedeutet auch immer Fehler zu machen. Ohne Fehler- keine vorran kommen.

    Und (d)eine naive kindliche Natur ist die beste Grundlage um offen zu sein für das Lernen.
    Wie man ja an deiner Bereitschaft sich mit dir selbst auseinander zu setzen ganz gut merkt.

    🙂

    Behalt dir das bei- bis ins hohe Alter!

  3. ines 27. Februar 2014 at 20:09 - Reply

    “ Darum sage ich euch: Sorget euch nicht um euer Leben, was ihr essen und was ihr trinken sollt, noch um euren Leib, was ihr anziehen sollt. Ist nicht das Leben mehr als die Speise und der Leib mehr als die Kleidung? Sehet die Vögel des Himmels an! Sie säen nicht und ernten nicht, sie sammelnamme auch nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater nährt sie doch. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? Wer aber von euch kann durch sein Sorgen zu seiner Länge eine einzige Elle hinzusetzen?

    Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Betrachtet die Lilien des Feldes, wie sie wachsen. Sie arbeiten nicht und spinnen nicht;ich sage euch aber, daß auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie deren eine. Wenn nun Gott das Gras des Feldes, das heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, also kleidet, wird er das nicht viel mehr euch tun, ihr Kleingläubigen? Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen, oder was werden wir trinken, oder womit werden wir uns kleiden?Denn nach allen diesen Dingen trachten die Heiden; aber euer himmlischer Vater weiß, daß ihr das alles bedürft.

    Trachtet aber zuerst nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles hinzugelegt werden.Darum sollt ihr euch nicht sorgen um den andern Morgen; denn der morgende Tag wird für das Seine sorgen. Jedem Tage genügt seine eigene Plage!“

    Matthäus 6.25 f

  4. Frank Frikker 9. März 2014 at 6:04 - Reply

    Hallo Tobby, hab gerade Tag 54 Stimmungstief gelesen. Und wenn Du noch so viel Zweifel an Dir hast, eines ist auffaellig: Du hast Talent zu schreiben! Sehr packend. Mach was draus! Ich hoffe, Du schaffst es bis Australien. Wir haetten eine Menge zu besprechen.

    • info@naturspirit.de 20. März 2014 at 3:32 - Reply

      Danke! Ja, das möchte ich auf jeden Fall weiter ausbauen und wenn wir einen schönen Platz finden, an dem wir länger bleiben können, dann schreibe ich auch die letzten Seiten von unserem neuen Buch fertig.
      Bis nach Australien ist es noch ein weiter Weg, aber ich freue mich schon darauf!

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