Tag 1042: Aufbruch die Zweite

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Tag 1042: Aufbruch die Zweite

Tag 1042: Aufbruch die Zweite

26.10.2016

Heute war es dann wieder so weit. Der Tag des Abschieds und des Wiederaufbruchs war gekommen. Den Vormittag verbrachten wir noch damit, all unsere Sachen zu packen und die letzten Punkte auf unserer To-Do-zu-Hause-Liste abzuhaken. Dann setzten wir uns noch einmal zu einem vorerst letzten gemeinsamen Mittagessen zusammen an den Küchentisch. Zum krönenden Abschluss hatte Anneliese noch einmal ihren berühmten Balsamikobraten gezaubert. Nun sah sie uns Sorgenvoll an, weil wir nur langsam und zögerlich aßen und kaum etwas herunter brachten. Das Heilritual vom Vortag oder besser von der letzten Nacht, wirkte noch nach und weder Heiko noch ich hatten wirklich Hunger, auch wenn es noch so gut schmeckte. Anneliese sollte Recht behalten, als sie meinte, dass wir uns später sicher noch einmal nach dem Braten zurücksehnen würden, den wir gerade verschmähten, aber in diesem Moment wollten unsere Mägen einfach nicht mehr aufnehmen.

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Die ersten Kilometer der Wanderung waren fast wie ein Deja-Vu von vor drei Jahren. Die Strecke war zunächst nahezu die selbe und auch die Pannen schienen sich zu wiederholen. Dieses Mal hatten wir zwar kein schimmeliges Essen dabei, dafür hatten wir uns aber aus Versehen die leere Hülle einer Wanderkarte eingepackt, nach der wir uns eigentlich orientieren wollten. Wir mussten also wieder einmal frei nach Schnautze laufen und darauf vertrauen, dass Heiko seine Heimatgegend wirklich so gut kannte, wie er es in Erinnerung hatte.

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Am späten Nachmittag erreichten wir die Stadt Feucht, wo wir sogar gleich zwei Zusagen bekamen. Der evangelische Pfarrer lud uns in einen Gemeinderaum ein, der aber leider direkt zur Hauptstraße hinaus gelegen war und nur dünne Einfachscheibenfenster hatte. Im katholischen Pfarramt war es da deutlich ruhiger und angenehmer. Jedenfalls so lange, bis der Samba-Kurs im Raum neben uns begann.

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27.10.2016: Alte Werte

Jeder kennt die Klagen älterer Menschen darüber, dass die guten alten Werte in Deutschland immer mehr verloren gehen. Als Kinder haben wir sie oft belächelt und als Jugendliche sogar verurteilt. Jetzt, nachdem wir alles ein bisschen mit Abstand betrachten, müssen wir jedoch sagen, dass an diesen Eindrücken vielleicht doch mehr drann ist, als wir selbst glauben wollten. Höflichkeit zum Beispiel ist ein Wert, an den wir in vielen Ländern oft sehnsüchtig zurückgedacht haben. „Diese Tschechen sind ja ein unfreundliches Volk! Keiner grüßt hier auf der Straße! Unmöglich! Wenn sowas in Deutschland vorkommen würde, das wäre ja ein Skandal!“ Das waren oft unsere Gedanken. Aber Pustekuchen. Auch hier gibt es weit mehr Menschen, die einen mit Missachtung strafen und weder von sich aus grüßen noch auf einen Gruß erwiedern, als solche die mit der guten alten Höflichkeit aufwarten.

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Ein bisschen verstehen kann man das natürlich, denn gerade heute waren wir wieder einmal von Autobahnen eingekreist und es gab fast nirgengwo auch nur einen Platz, an dem kein Autolärm zu hören war. Um sich das Spazierengehen, Wandern oder Radfahren hier trotzdem erträglich zu machen trug fast jeder einen Kopfhörer mit Musik in den Ohren und schottete sich damit komplett von der Außenwelt ab. Was gegen Straßenlärm half, half natürlich auch gegen grüßende Mitmenschen. Trat man jedoch in eine Stadt, änderte sich das Verhalten der Menschen schlagartig. Hier wurden wir zwar noch immer nicht gegrüßt, was in Städten ja normal ist, weil man sonst aus dem grüßen nicht mehr herauskäme, aber dafür wurden wir nun mit skeptischer Neugierde begafft. Auch das ist bis zu einem gewissen Grad verständlich, denn wir sahen mit Robe und Wagen natürlich durchaus ungewöhnlich aus. Sonderbar war es jedoch, von Menschen angestarrt zu werden als wäre man ein Alien, die selbst aus jeder Kategorie herausfielen. Ein Mann im Cowboydress mit australischem Lederhut zum beispiel. Oder ein Gothik-Punk mit schwarz geschminkten Augen, schwarzer Lederjacke und einem viel zu langem Hemd, das schief darunter hervorlugte. Oder einer buntgewandeten, moslimischen Frau mit Kopftuch. Von diesen Menschen, die selbst aufgrund ihres Auftretens oft argwöhnische Blicke auf sich ziehen, hätte ich vermutete, dass sie mit mehr Tolleranz reagieren. Spannend war auch, dass Heiko alleine und ohne Wagen genauso seltsam angestarrt wurde und das obwohl er neue, gut gepflegte und „normale“ Kleidung trug, die nicht erkennen ließ, wie er lebte. Irgendwie schienen es die Menschen aber trotzdem zu spüren, dass wir anders waren.

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Wobei auch hier wieder viel Angst dahinter zu stecken scheint. Denn gegen das Interesse am Ungewöhnlichen ist ja nichts einzuwenden. Nur trauen sich in der Regel nur die wenigsten, dieses Interesse auch offen zuzugeben, sei es in einer Gefühlsregung oder in einem Ansprechen. Die jenigen, die uns ansprachen waren fast immer ältere Herrschaften, die auf den ersten Blick oft eher so wirkten, als wären sie dem Andersartigen gegenüber nicht besonders offen. Sie aber trugen die guten alten Werte der Höflichkeit noch in sich und verhielten sich auch dementsprechend. Manchmal entstanden dadurch ganze Ketten der Hilfsbereitschaft, wie heute auf dem Wochenmarkt in Schwarbach. Dort kamen wir in Kontakt mit der Verkuferin vom Olivenstand, die uns nicht nur mit ausgefallenen Köstlichkeiten versorgte, sondern gleich noch an ihre Kollegin vom Obststand verwies. „Bei der Hilde müsst ihr nachfragen, die gibt euch bestimmt etwas!“ Genauso war es auch und sie stellte dann noch einen Kontakt zum Bäcker und zum Käsestand her. Damit waren wir dann für den Abend und den kommenden Morgen vollverpflegt.

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Um aber noch einmal auf die Werte zurückzukommen: Auch was das Thema Sicherheit anbelangt haben wir Deutschen in den letzten Jahren ordentlich nachgelassen. Klar, auf der einen Seite werden wir in diesem Bereich immer fanatischer, bauen uns Doppel- und Dreifachverriegelungen in unsere Türen ein, überwachen unsere Gärten mit Kameras und so weiter. Man weiß ja nie, wer da alles so herumstrolcht. Und wenn es um Unfallschutz geht, sind wir weltweit sicher noch immer führend. Nirgendwo haben wir bislang Schaukeln und andere Kinderspielplatzgeräte mit doppelt redundanten Sicherungssystemen gesehen. Auf der anderen Seite stellen wir uns dann aber wieder als alte Frauen auf hohe, wackelige Leitern um unsere Äpfel zu ernten und achten nicht einmal darauf, dass die Leiterfüße nicht im weichen Boden unseres Gemüsebeetes stehen, wo sie jederzeit einsinken könnten. Das Haushaltsunfälle auf der Rangliste der Unfallgefahren so hoch im Kurs stehen ist also kein Wunder. Die Krönung war jedoch heute ein Bauhoffahrzeug der Stadt, das an uns vorbei fuhr.

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Der Fahrer hatte hinten außen an der Ladeklappe zwei Metallhalterungen angebracht, die wie nach oben geöffnete Haken aussahen. In diesen Haken lag ein Freischneider, ohne jede weite Sicherung. Ein kleines Schlagloch auf der Straße oder ein übersehener Verkehrsberuhigungspollar reichte aus, um den Freischneider mit einem netten Hüpfer aus seiner Halterung zu befreien und ihm das Fliegen zu lehren. Ob sich die nachfolgenden Fahrzeuge wohl wirklich darüber freuten, wenn sie so unvermittelt von einem fliegenden Gartenarbeitsgerät freigeschnitten wurden? Normalerweise würden wir sagen, dass so etwas überall vorkommen könnte, niemals aber in Deutschland. Hier bei uns wurde Sicherheit doch groß geschrieben! Aber die Zeiten ändern sich offenbar. Langsam und schleichend, aber doch bemerkbar.

Spruch des Tages: Es geht wieder los!

Höhenmeter: 40 m
Tagesetappe: 23 km
Gesamtstrecke: 19.067,27 km
Wetter: Windig und kalt, Temperaturen um die 3°C
Etappenziel: Privates Gästezimmer, Äpfingen, Deutschland

Hier könnt ihr uns und unser Projekt unterstützen. Vielen Dank an alle Helfer!

Bewertungen:

 
2019-03-07T23:54:37+00:00 Deutschland, Tagesberichte|

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