Tag 810: Radio-Interview

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Tag 810: Radio-Interview

Tag 810: Radio-Interview

10. und 11.03.2016
Nach dem Empfang unserer Pakete wollten wir eigentlich einen Gang zurückschalten und für ein paar Tage ganz gemütliche 10km-Strecken einlegen, um so unseren Überfahrtstermin nach Griechenland noch ein bisschen nach hinten zu schieben. Ich würde mal sagen, wir waren damit halb erfolgreich. Am ersten Tag funktionierte es noch einigermaßen. Nach rund 12km kamen wir in Mesagne an, wo wir uns dann jedoch die Füße bei einer Schlafplatzsuche plattliefen. Der erste Pfarrer erinnerte ein wenig an einen Gecko mit übergewicht. Er lebte in einer dunklen Höhle, die er sich neben seiner Kirche errichtet hatte und befand sich noch immer in seiner Winterträgheit. So ist das mit Kaltblütern eben, sie reagieren erst beim sechsten Mal Sturmklingeln und bewegen sich dann langsam und träge zur Tür. Im Dunkel seiner Behausung hob er sich mit seinem schwarzen Gewand kaum vom Hintergrund ab, wobei ich mir unsicher war, ob es überhaupt einen Hintergrund gab, oder ob er einfach den ganzen Raum ausfüllte. Das einzige, was wirklich zu erkennen war, war sein gigantisches Doppelkinn, das ihm sein geckoartiges Aussehen verlieh. Seine untere Gesichtshaut hing in einer langen Falte von seinem Kiefer herab, ganz genau so, wie es bei den Reptilien der Fall ist. Leider stellte er sich auch auf emotionaler Ebene eher als Kaltblütig heraus und ließ uns mit der gleichen Begeisterungslosigkeit abblitzen, mit der er die Tür geöffnet hatte. Andererseits muss man ihm natürlich auch zugestehen, dass er wahrscheinlich Recht hatte. Sein Pfarrhaus war groß, aber wenn er sich darin befand, gab es wohl trotzdem keinen Platz für einen zweiten mehr.

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Der nächste Versuch scheiterte an der Sturheit einiger Altmönche, die beschlossen hatten, sich in ihrem Kloster zu verbarikadieren und niemanden hineinzulassen, den sie nicht kannten. Schließlich hatten wir dann aber doch Erfolg, bei einer Kirche mit dem präzisen Namen „Kirche sämtlicher Heiliger“. Hier gab es zwei junge Pfarrer die uns einen Gemeindesaal überließen und traurig waren, dass wir nicht mit ihnen gemeinsam essen wollten. Aber gegen die Schaschlikpfanne von Heikos Mutter konnten die üblichen Labbernudeln, die hier als Spezialität galten, einfach nicht anstinken.

Am nächsten Morgen wurden wir dann vom Bürgermeister und vom Hauptpfarrer auf einen Tee in ein Café eingeladen und dort sogar von einem christlichen Radiosender interviewt, der den Namen „Radio Maria“ trug. Der Reporter war von seinem eigenen Sender nicht gerade überzeugt und er schien vollkommen überrascht, dass wir ihn breits kannten.
Damit hatten wir an diesem Tag gleich zwei Radiointerviews, denn am Nachmittag bekamen wir einen Anruf von DeutschlandRadio. Das Interview müsste bereits auch auf ihrer Seite veröffentlicht worden sein. Ansonsten stellen wir es euch aber in Kürze auch selbst zur Verfügung.

Der Plan war, dass wir während des Interviews einen schönen Raum irgendwo im Inneren eines Kirchengebäudes haben, so dass wir ungestört telefonieren können. Es war fast nicht mehr überraschend, dass dieser Plan nicht aufging und wir ausgerechnet heute überhaupt keinen Platz bekamen. Jedenfalls nicht am Mittag. Unser Interview führten wir daher an eine kleine Mauer gelehnt mitten auf einem Olivenhain, wobei wir ständig damit beschäftigt waren, den Wind von uns fernzuhalten.
Erst am späten Abend erreichten wir nach gut 30km eine Ortschaft in der wir einen Raum bekamen. Ein Klo gab es hier nicht, aber man konnte ja auch nicht alles verlangen.

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Spruch des Tages: Video killed the radiostar

Höhenmeter: 30 m
Tagesetappe: 15 km
Gesamtstrecke: 14.390,27 km
Wetter: Sonnenschein, Wind, Bewölkung und Regen im Wechsel
Etappenziel: Gemeindehaus der Kirche, 72100 Brindisi, Italien

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About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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