Tag 1328: Wie finanziert sich die englische Kirche

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Tag 1328: Wie finanziert sich die englische Kirche

Tag 1328: Wie finanziert sich die englische Kirche

Fortsetzung von Tag 1327:

„Haben Sie eine Idee, wie die Kirchen sich hier finanzieren?“ fragte Heiko weiter und stieß damit auf ein weiteres interessantes Feld. Eine Kirchensteuer wie bei uns gab es auch hier nicht. Stattdessen wurden einmal in der Woche kleine Briefumschläge verteilt in denen jedes Gemeindemitglied eine Spende abgeben konnte. Wie hoch diese war, sei egal und das Verfahren war angeblich anonym. Dies wäre die Grundlage, auf der die Finanzierung hier läuft. Rechnete man das jedoch einmal nach, kam man auf diese Weise kaum damit hin. Eine kleine Kapelle zu finfanzieren, geschweige denn einen Kirchenkomplex wie den vom Vortag. Gehen wir einmal von 30 Gemeindemitgliedern aus, die pro Woche 5€ spenden, dann sind wir gerade einmal bei 6000€ im Monat, also 72.000€ im Jahr.

Um Überleben zu können ist es wichtig für die Kirche, ihr Publikum zu begeistern

Um Überleben zu können ist es wichtig für die Kirche, ihr Publikum zu begeistern

Das reicht nicht einmal für die Instanthaltung, geschweige denn für den Bau einer 3 Millionen-Villa und einer Kirche, die dies um ein vielfaches übersteigen dürfte. Allein der Pfarrer selbst braucht ja schon ein Gehalt, das in Anbetracht des Lebensstils, den wir bislang mitbekommen hatten, sicher nicht klein war. Und selbst damit waren wir noch lang nicht am Ende. Das Spendengeld finanzierte hier sämtliche Kircheneinrichtungen, also auch Gemeindehallen und eventuelle kirchliche Tagesstätten, Kindergruppen und so weiter. Sogar die Sportplätze, die wir immer wieder gesehen hatten, gehörten nicht der Kommune, sondern der Kirche. Auch dies wiederum hatte zu einer unschätzbaren Absurdität geführt. Denn es ging nun bei den Fußballstadien und Sporthallen nicht darum, die Bevölkerung mit ausreichend Angeboten im sportlichen Bereich zu versorgen, sondern wieder darum, größer und besser zu sein, als die Konkurrenzkirche. Daher konnte es sein, dass ein Dorf mit 300 Einwohnern drei verschiedene Sportzentren hatte, die jeweils mehr als 5000 Personen fassen konnten. Der Gedanke war nicht: „Super, endlich haben wir Sportangebote in unserem Ort!“ Sondern: „Verdammt, diese Katholiken haben ein Sportzentrum gebaut, jetzt brauchen wir unbedingt auch eines!“

große, prunkvolle Kathedrale in Tewkesbury, England

Je größer und auffälliger die Gebäude einer Kirche sind, desto mehr müssen hier die anderen nachziehen.

Damit das funktionieren kann, muss es also Einzelspender geben, die weitaus mehr als 5€ in der Woche in den Briefumschlag legen. Und zwar bedeutend mehr. Eher im Bereich von 5.000€ bis 10.000€ pro Woche. Die Frage ist nur: Was haben sie davon? Wer so viel Geld in etwas investiert, will ja auch einen Nutzen daraus. Wahrscheinlich ging es um Macht und darum, die Menschen irgendwie in einer Systemstruktur zu halten. Aber was genau dahinter steckte, erfuhren wir nicht.

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Klar war nur, dass die Angst, die der Krieg aufgebaut hatte, noch immer nicht aus den Menschen gewichen war. Unser Gesprächspartner brachte es ziemlich auf den Punkt: „Früher, zu Kriesenzeiten, da hätten Fremde wie ihr nicht einfach so herumgehen können. Jeder hätte erst einmal geschaut und wäre hingegangen um mit ihnen zu sprechen und zu prüfen, ob sie nicht irgendetwas im Schilde führten!“ Genau das war es, was er jetzt in diesem Moment tat.

Heiligenstatue

Heiligenstatue

Dies erklärte natürlich auch ein Stück weit, warum man uns mit solch einer Skepsis und Ablehnung, begegnete. Fremde kamen in dieser Region einfach nicht vor und wenn, dann vermutete man gleich einen Attentäter, der es genau aus das eigene, kleine Häuschen abgesehen hatte. Wo aber war die Offenheit von der immer alle erzählten, die von Irland so begeistert waren?
So wie es aussah, bezog sich diese wohl hauptsächlich auf die wenigen aber geballten Touristenregionen auf der Insel. Es gab einige Bereiche, in denen sich die Touristen nahezu auf den Füßen standen, wobei die meisten Touristen auch wieder aus dem eigenen Land stammten. Der Mann konnte diesen zentralisierten Andrang nicht verstehen. Klar waren die Strände im Süden nett, aber letztlich waren es auch nur Strände. Und sind Strände letztlich nicht doch immer wieder gleich?

 

Was sich nach Aussagen des Mannes jedoch deutlich gewandelt hatte, war das Wetter. In seiner Jugend war es normal, dass der Schnee so hoch lag, dass man sich eine Schneise hindurch fräsen musste, wenn man irgendwo hin wollte. Heute schneite es höchstens noch ein paar Millimeter in der Nacht, so dass die Welt mit einer Zuckerschicht überzogen war, die bereits am Mittag wieder verschwand. Letztes Jahr hatte es etwas mehr Schnee gegeben, der auch einige Tage liegen geblieben war. Das galt nun schon bereits als Ausnahme und wurde von den Menschen als „ungewöhnlich“ empfunden., obwohl es vielleicht der einzige Winter war, der noch ein bisschen Natürlichkeit in sich hatte. Auch der Wind verhielt sich nun komplett anders als noch vor ein paar Jahren. Früher hatte es regelmäßige Herbststürme gegeben, die durchaus schon mal ein Dach abdecken oder ein paar Bäume entwurzeln konnten. Heut gab es solche Stürme fast nicht mehr, dafür windete es nun fast das ganze Jahr durch, was von den Einheimischen sogar als vrbesserung angesehen wurde.

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Im Verlauf des Tages bekamen wir beides noch einmal deutlich zu spüren, die Wetterveränderungen wie auch die Absurdität mit dem Kirchen-Konkurrenz-Kampf.

Schon lange vor dem Christentum waren die britisch-irischen Inseln ein Ort der Spiritualität.

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Was das Wetter betrifft ist ein schöner, sonniger Tag hier ein Tag, an dem sich kurze Sonnenmomente mit einem plötzlich und unerwartet auftretenden Platzregen abwechselten. In einer Minute dachte man noch man vergeht vor Hitze und im nächsten Augenblick prasseln schon die dicken Regentropfen auf einen hernieder, die einen innerhalb von Sekunden vollkommen durchnässen, wenn man es nicht schafft, seine Regenkleidung schnell genug anzuziehen. Die Regenkleidung wird hier nun wirklich noch einmal aufs Extremste getestet und bis an ihr äußerstes Limit gebracht.

Immer, wenn man gerade einmal ein bisschen getrocknet war, kam sofort der nächste Schauer und man war wieder komplett durchnässt.

 

So war es auch, als wir unseren Zielort erreichten, der wie immer an einer äußerst unangenehmen Hauptstraße lag. Schön wäre also eine schnelle und unkomplexe Ankunft im Trockenen gewesen, doch das war hier leider nicht so einfach. Der katholische Pfarrer war nicht zu erreichen, doch stattdessen gelang es uns mit dem Reverent der irischen Kirche in Kontakt zu treten. Er traf uns neben einer Firma, die Gasflaschen verkaufte, die von einem jungen Mann mit Gabelstapler alle 4 Minuten laut scheppernd von A nach B verladen wurden.

Spruch des Tages: Konkurenz belebt das Gedchäft

Höhenmeter. 640m

Tagesetappe: 25 km

Gesamtstrecke: 25.064,27 km

Wetter: regnerisch

Etappenziel: Festsaal der Gemeinde, Carville, Frankreich

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About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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