Tag 821: Angst vor der Propaganda

///Tag 821: Angst vor der Propaganda

Tag 821: Angst vor der Propaganda

Tag 821: Angst vor der Propaganda

26.03.2016
Zum ersten Mal schien heute wieder die Sonne. Zumindest für eine Weile denn die Chemtrails leisteten wieder ganze Arbeit um den Himmel mit Wolken zuzukleistern, die dort eigentlich nicht hingehörten. Gegen Mittag war alles wieder grau verhangen.
Wir brauchten eine ganze Weile um aus dem Ort herauszukommen, denn jede Straße entpuppte sich als Sackgasse. Erst nach einer Stunde fanden wir heraus, dass der Weg, den wir laut Karte nehmen sollten, eine dieser Sackgassen war. Es gab hier keine Straßen mehr sondern nur noch Pfade und Feldwege, ähnlich wie im Balkan. Wir entschieden uns jedoch gegen dieses Experiment, das uns auf eine Höhe von über 1000 Metern geführt hätte und nahmen die Hauptstraße unten durch das Tal. Die Entscheidung war richtig, denn die Straße war weniger befahren als ein Feldweg in Italien und nach einer großen Biegung stellten wir fest, dass die Berggipfel komplett verschneit waren. Wir wären also ordentlich in die Breduillie geraten.

Auf der anderen Seite des Berges kamen wir in eine kleine Flachebene, die von einem großen See dominiert wurde. Links von diesem See, versteckt hinter einer Hühelkette lag Ioannina, die größte Stadt der Region. Wir hielten uns jedoch rechts und kamen in eine kleine Ortschaft namens Pedini. Erst jetzt wurde uns bewusst, dass Ostersamstag war und dass es wahrscheinlich schwierig werden würde, einen offiziellen Amtsinhaber um Rat zu fragen. Wir wollten schon aufgeben, als wir an einem Haus vorbeikamen, zu dem zwei leere Schaufenster und ein Schild mit einer Englandflagge darauf gehörten. Einen Versuch war es wert und so klingelten wir und standen kurz darauf einer freundlichen, verängstigten Dame gegenüber. Mehrfach mussten wir ihr versichern, dass wir keine Terroristen waren, obwohl wir Halstücher trugen. Dann aber erlaubte sie uns, den Raum hinter dem Schaufenster zu beziehen. Es ist ein seltsamer Schlafplatz, weil man sich hier ein wenig wie auf dem Präsentierteller fühlt. So, als ob man eine lebendige Schaufensterpuppe wäre. Aber es ist besser als nichts. Vor allem, weil es die letzte Nacht über gefroren hatte und auch heute den Anschein machte, als wollte es wieder bitterkalt werden.
Dennoch kamen wir über die enorme Angst der Menschen kaum hinweg. Was musste in den Medien erzählt werden, wenn sie so eine Panik hatten und einem mit so großem Mistrauen begegneten, obwohl sie eigentlich so herzlich waren und einem von Grund auf helfen wollten?
Ich meine, es kann doch nicht sein, dass man sich seine Halstücher abbinden muss, bevor man in einen Ort geht, damit man nicht für einen Terroristen gehalten wird!
“Halt! Verhaften Sie diesen Mann! Er trägt ein Halstuch!”
Das ist doch Wahnsinn! Und das ist Europa! Wir befinden uns hier nicht in einem Kriegsgebiet. Wir sind nicht in Afganistan oder im Irak, wo eine offizelle Militärdiktatur herrscht. Wir sind in Griechenland. Vor ein paar Jahren hätte man uns ausgelacht, wenn wir behauptet hätten, bei uns würde es einmal soweit kommen. Doch genau da stehen wir. Man wird zum Feind weil man Fremd ist und nur ein einziges Atribut am Körper trägt, dass zu dem Klischeebild eines Islamisten passt. Wir sind beide fast zwei Meter groß, hellhäutig, haben relativ helle Haare und Heiko hat sogar stahlblaube Augen. All dies sollte eigentlich zeigen, dass wir wahrscheinlich nicht aus dem mittleren Osten stammen, doch das wird nicht registriert. Wir ziehen Wagen mit einer kompletten Lebensausrüstung hinter uns her und doch hält man uns für Flüchtlinge, die Hals über Kopf ihre Heimat verlassen mussten, um der Gefalt zu entfliehen.

Mehr für dich:
Tag 92: Subtropische Regenwälder

Doch selbst wenn wir aussehen würden, als könnten wir aus Syrien oder einem benachbarten Land stammen wäre dies noch immer kein Grund, uns wie einen Terroristen zu behandeln. Selbst wenn es so etwas wir Terrorismus überhaupt gibt, was einmal dahingestellt sei, dann ist die Wahrscheinlichkeit hier mitten in den Bergen einen Attentäter zu treffen noch immer so gering, dass man sie in Zahlen kaum ausdrücken kann. Und doch vermutet man hinter jedem Fremden einen Terroristen. In sieben Tagen wurden wir zwei Mal von der Polizei besucht und beide Male mussten wir versichern, dass wir keine Attentäter waren. Warum? Weil wir Fremde sind. Man kennt uns hier nicht und wir sprechen kein Griechisch. Das war alles! Kommt euch das nicht irgendwie bekannt vor? Ich will es nicht verschreien, aber wenn es so weiter geht, dann sind wir wirklich nicht mehr allzu weit von einem Nazi-Staat entfernt. Aber danke der EU ist es dieses Mal kein faschistischer Einzelstaat, sondern ein kompletter Kontinent.

Spruch des Tages: Haltet ihn! Er trägt ein Halstuch!

Höhenmeter: 530 m
Tagesetappe: 22 km
Gesamtstrecke: 14.576,27 km
Wetter: erst sonnig, dann bewölkt, nachmittags Regen, nachts eisige Kälte
Etappenziel: leerstehende Kellerwohnung, 44200 Siolades, Griechenland

Bewertungen:

 

About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

Leave A Comment

Translate »