Tag 215: Wie uns die Massenproduktion krank macht und warum

///Tag 215: Wie uns die Massenproduktion krank macht und warum

Tag 215: Wie uns die Massenproduktion krank macht und warum

Tag 215: Wie uns die Massenproduktion krank macht und warum

Das Gebirge, dass es hier zu überwinden gilt, ist doch etwas größer, als wir zunächst dachten. Es war auch irgendwie klar, dass die Idee, es sei nur eine einzige Kette, etwas überoptimistisch war. Hätte der Schöpfer dieser Erde wirklich ein so kleines Gebirge hier hingestellt, dann hätten ihn die anderen Götter dafür wahrscheinlich ausgelacht. Es hätte mit der Arbeit ja nicht einmal beginnen brauchen und hätte das Land einfach ganz zur Steppe machen können. Doch so unkreativ war er dann doch nicht. Hinter der Ersten Gebirgskette tauchte eine zweite, deutlich höhere auf und auch am Ende des Tages stehen uns noch immer große Berge im Weg. Die Strecke war dementsprechend anstrengend aber auch genauso schön. Der Zielort hieß Bejar und wir erreichten ihn bereits gegen Mittag. Noch vor dem Ortsschild kamen wir an das Hotel Beletri und zu unserem unwahrscheinlich großen Glück wurden wir hier sofort herzlich eingeladen. Erst später im Ort merkten wir, dass wir ohne diese Einladung komplett aufgeschmissen gewesen wären. Denn die Hilfsbereitschaft der Menschen hatte mit dem Verlassen von Extremadura wieder deutlich abgenommen. In den Bars verwies man uns ans Rathaus und dort empfahl man uns zu aller erst, mit dem Bus nach Salamanca zu fahren, denn dort gäbe es bessere soziale Einrichtungen. Nachdem ich diese Option als unakzeptabel erklärt hatte, bekamen wir zwei Bocadillos. Dafür mussten wir jedoch unsere ganzen Personalien aufnehmen lassen, was uns irgendwie etwas umständlich war, für ein Brötchen, dass man eigentlich gar nicht essen wollte. Der Polizist hatte ein sehr eigenes und hoch entwickeltes Adler-Such-System beim Abtippen unserer Personalausweise und brauchte dafür länger, als ich für den heutigen Tagesbericht.

Eine Frau in einem Obstladen war gerade dabei, angebräunte Bananen in einen riesigen Müllsack zu stopfen, als ich durch die Tür trat.

„Der Chef ist nicht hier, deshalb kann ich leider nichts entscheiden!“ sagte sie als Antwort auf meine Frage nach etwas Obst.

„Aber sie werfen doch gerade kiloweise Lebensmittel weg, die noch gut sind. Damit wären wir vollkommen zufrieden!“

„Nein, ohne meinen Chef kann ich ihnen leider nichts geben!“ damit beendete sie das Gespräch und machte sich wieder daran, Bananen zu vernichten.

An vielen anderen Orten erging es uns ähnlich. Nach drei Stunden Stadtspaziergang hatten wir etwas Formschinken, ein paar Wurstreste, etwas Obst und zwei Bocadillos. Schließlich kamen wir an einem Restaurant vorbei, in dem wir dann noch einen Salat bekamen. Der Salat selbst war lecker, doch die Atmosphäre im Restaurant war fast unerträglich. Insgesamt waren nur 17 Menschen in dem Raum und davon redeten nie mehr als 5 oder 6 Leute gleichzeitig. Und doch war es lauter als auf der Nationalstraße. Erst als wir den Salat fast vollständig aufgegessen hatten, merkten wir, das unter all den Stimmen auch noch ein Radio lief. Zuvor war es nicht zu hören gewesen. Es war uns unbegreiflich, wie so wenig Menschen so viel Lärm machen konnten. In Deutschland gab es doch auch Restaurants in denen teilweise sogar hundert Menschen gleichzeitig sprachen und trotzdem hatte man nicht das Gefühl, das man den Ort so schnell wie möglich verlassen musste.

Noch etwas war auffällig in der Stadt. Es ist Heiko aufgefallen, als ich nach Nahrung suchte. Die Männer und die Frauen unterscheiden sich hier in Bezug auf ihren Gesundheitszustand deutlich. Vor allem die älteren. Während die Frauen noch recht munter und fidel unterwegs sind, können die meisten Männer kaum mehr laufen und gehen fast immer gebückt und krumm. Vor allem bei Paaren lässt sich daran auch deutlich erkennen, wie die Rollenverteilung aufgebaut ist. In den wenigen Fällen, in denen der Mann offensichtlich die Führende Rolle hat, geht es der Frau schlechter. In den meisten Fällen gibt es jedoch keinen Zweifel daran, wer hier unterm Scheffel steht.

Zurück im Hotel machten wir uns wieder an unsere Studien. Vor ein paar Tagen hatten wir ja bereits einiges über das System unserer Lebensmittelproduktion zusammengetragen und heute schaffte ich es endlich, die Fakten auszuformulieren. Beim letzten Bericht hatte ich mit der Frage aufgehört, ob es wirklich die Überbevölkerung ist, die unsere Massenproduktion begründet, ober ob vielleicht noch etwas anderes dahinter steht. Hier ist nun die Antwort, soweit wir sie bislang haben:

Bereits vor sechstausend Jahren warnten die Philosophen Sokrates und Platon davor, was passieren würde, wenn wir als Gesellschaft über unsere Verhältnisse hinausleben und in Habgier verfallen würden. Solange wir mit unseren Ressourcen gut umgehen, kann jedes Lebewesen auf diesem Planeten in innerem und äußerem Frieden leben.

Wenn wir jedoch anfangen würden, nach immer mehr zu streben und auch unseren Nahrungsbedarf immer weiter auszubauen, dann würde „das Land, das Land, das ursprünglich groß genug war, um all seine Bewohner zu ernähren, […] auf einmal zu klein sein. Also werden wir von den Nachbarn Land abschneiden müssen, wenn wir genug haben wollen zur Viehweide und zum Ackerbau und sie auch wiederum von unserem, wenn sie sich ebenfalls gehen lassen und – die Grenzen des Notwendigen überschreitend – nach unangemessenem Besitz streben. Und so werden wir von dann an Kriege führen müssen.“ (Sokrates, zitiert von Platon, Politeia, 13-14)

Mehr für dich:
Tag 214: Volljährigkeit

Damit hat eigentlich alles angefangen und vor 5.000 Jahren haben die Menschen, die etwas nachgedacht haben schon gesehen, dass es nicht gutgehen kann.

Nach Schätzungen der UNO leiden heute rund 868 Millionen Menschen unter Hunger und Mangelernährung. 1,4 Milliarden hingegen leiden an Übergewicht und Fettleibigkeit. Das sind fast doppelt so viele. Im Klartext heißt das, dass wir rein theoretisch jeden Menschen auf der Welt sattbekommen würden, ohne irgendetwas im System zu verändern, außer der Nahrungsmittelverteilung. Wenn man bedenkt, dass unsere Äpfel im Supermarkt eh aus Neuseeland oder Indien zu uns gekarrt werden, dann dürfte das kein Problem sein.

Einen wirklichen Mangel an Nahrung gibt es also definitiv nicht. Im Gegenteil, wir verschwenden die angebauten Lebensmittel in so großem Maß, dass man fast Kopfschmerzen davon bekommt.

300 Millionen Tonnen Obst und Gemüse werfen wir jedes Jahr in den Müll, einfach nur deshalb, weil sie nicht schön sind. Darin sind die Früchte, die schön sind, aber das Pech hatten, in einer Kiste neben einer angefaulten zu liegen, nicht einmal mitgerechnet. Auch die Lebensmittel, deren Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist, die aussortiert werden, weil ihre Verpackung verschmiert oder bekleckert wurde oder die Platz für eine neue Lieferung machen müssen, weil jetzt gerade der LKW ankommt, bleiben dabei außen vor. Alles in allem kommen wir wie schon ein paar Mal erwähnt auf rund 80% unserer Nahrung, die auf dem Müll landet.

Doch wenn wir noch einen Schritt weiter hinter die Kulissen schauen, dann kommt es sogar noch besser.

Nehmen wir beispielsweise einmal die Fleischproduktion. Früher standen Rinder einfach auf der Weide und haben Gras gefressen, mit dem wir eh nichts anfangen konnten. Dabei haben sie sich auch alle Wildkräuter aussuchen können, die nötig waren um gesund zu bleiben. Sie hatten genügend Nährstoffe, hatten ein glückliches und zufriedenes Leben und wurden dann von den Jägern getötet und verzehrt. Heute bekommen die meisten Schlachttiere Kraftfutter, das aus Mais oder anderem Getreide hergestellt wird. Dieses Getreide wird zuvor in Monokulturen angebaut und könnte rein theoretisch auch einfach so von uns gegessen werden. In Europa werden rund 60% allen Getreides an Masttiere verfüttert. In den USA sind es sogar 90%. Das heißt im Klartext: In Amerika fressen Kühe, Schweine und Geflügeltiere mehr Getreide, als man zur Sättigung der Bevölkerung von China und Indien insgesamt benötigen würde.

Auf die ganze Welt gerechnet fressen die Schlachttiere eine Futtermenge, mit der man 8,7 Milliarden Menschen ernähren könnte. Um 100 Rinder zu mästen, braucht man genauso viel Nahrung, wie 2000 Menschen verbrauchen würden.

Anders gerechnet: Um ein Rind ein Jahr lang zu mästen, benötigt man rund ein halbes Hektar Land. Am Ende des Jahres hat man dann etwa 300kg Fleisch, das in unserer Gesellschaft als verwertbar zählt. Der Rest wird entsorgt und vernichtet. Hätte man die gleiche Fläche Land in der gleichen Zeit zum Anbau von Bionahrungsmitteln verwendet, und dort beispielsweise Kartoffeln oder Tomaten angepflanzt, hätte man am Ende mehr als 2 Tonnen an Nahrung gewonnen.

Dass wir als Menschen alle Merkmale von Allesfressern aufweisen, die für ihre gesunde Ernährung sowohl tierische als auch pflanzliche Nahrung benötigen steht außer Frage und ich will an dieser Stelle weder auf eine Vegetarier-Diskussion eingehen noch für den generellen Verzicht auf Fleisch plädieren. Würden wir uns noch immer auf natürliche Weise ernähren, so wäre ein vegetarisches Leben prinzipiell nur in der Äquatorregion möglich und selbst dort haben sich die meisten Urvölker zum Teil von Fleisch ernährt.

Die Frage ist viel mehr, warum wir es mit dem Fleischkonsum in den letzten Jahrzehnten so übertreiben. Derartige Fleischmengen verzehren wir erst seit dem zweiten Weltkrieg und seit dem ist unser Konsum stätig gestiegen. Im gleichen Maße stieg auch die Zahl der Übergewichtigen und Fettleibigen an. Es ist also nicht so, als würden wir diesen Überkonsum brauchen. Wir werden dazu überredet.

Der Grund ist folgender:

Seit etwa 60 Jahren zentralisiert sich unsere Landwirtschaft. Das klingt fortschrittlich, heißt aber nichts anderes, als dass die kleinen Bauernhöfe nach und nach von reichen Großkonzernen aufgekauft und in Massenproduktionsstätten umgewandelt werden. Interessanter Weise gehören die neuen Großbetriebe verdächtig oft riesigen Chemie-, Bank- oder Versicherungsunternehmen.

Seit dieser Zentralisierung und Industrialisierung hat sich der Ertrag der Felder mehr als verdreifacht. Unter fleißiger Mithilfe von Gentechnik, chemischen Düngemitteln und giftigen Pestiziden, Fungiziden und Herbiziden natürlich. Bedenkt noch einmal, dass wir rund 80% unserer Nahrung wegwerfen. Wozu also diese Produktionssteigerung um ein Produkt zu erzeugen, das gar nicht gebraucht wird.

Die Antwort darauf liegt in unserem Geldsystem versteckt. Um das zu erklären, muss ich ein kleines bisschen ausholen. Nehmen wir einmal an, es gäbe nur eine einzige Bank und ihr wärt der erste, der sich bei dieser Bank einen Kredit geben lässt, um sich ein Haus zu bauen. Ihr benötigt einen Kredit von 100.000€ (Es ist ein kleines Haus) und ihr bekommt das Geld von der Bank bar auf die Hand. Es ist nun das einzige Geld, dass sich im Umlauf befindet. Die Bank verlangt jedoch, dass ihr den Kredit mit Zinsen zurückzahlt und möchte am Ende einen Gewinn von 10% haben. Statt der 100.000€ müsst ihr nun also 110.000€ zurückzahlen. Doch die 10.000€ Zinsen existieren in der Realität nicht. Sie sind lediglich eine Ziffer auf dem Computer der Bank. Wenn ihr nun arbeiten Geht und das Geld, das ihr ausgegeben habt zurückbekommen wollt, beispielsweise indem ihr Socken für die Bauarbeiter strickt, dann könnt ihr am Ende trotzdem nicht mehr als 100.000€ bekommen, weil es mehr auf der Welt einfach nicht gibt. Es sei denn, einer der Bauarbeiter nimmt ebenfalls einen Kredit auf, über den neues Geld erschaffen wird. Auf diese Weise entsteht auf der einen Seite ein immer größerer Berg an Geld, der irgendwo im Umlauf ist, und auf der anderen Seite entsteht ein noch größeres Loch an Schulden, das niemals gestopft werden kann.

Mehr für dich:
Tag 409: Das Rundum-Sorglos-Paket für die Füße

Dies ist ein sehr vereinfachtes Bild, aber nicht anders funktioniert unser heutiges Geldsystem. Wenn es wirklich nur eine Bank und einen Kunden geben würde, dann würde es natürlich sofort auffallen. Es funktioniert nur, so lange sich das Geld und die Schulden permanent in Bewegung befinden. Nur solange das System von niemandem verstanden wird, bleibt es am Leben.

Damit das funktionieren kann, braucht das Geldsystem, dass zum Großteil nur noch virtuell existiert, einen realen Gegenpart, bei dem im gleichen Maße Werte erzeugt werden, wie die Menge an Geld zunimmt. Dies ist der Grund dafür, weshalb wir alle in unseren Hamsterrädern immer schneller laufen müssen. Weshalb die Produktivität eines Unternehmens jährlich zunehmen muss. Denn sobald es mehr Geld als Wahren gibt, verliert es seinen Wert. Es kommt zur Inflation und schließlich zum Systemzusammenbruch. Erinnert ihr euch, dass die Eigentümer der Großplantagen, die auf ständige Produktionssteigerung pochen, oftmals Banken sind? Es geht hier also nicht um die Ernährung der Weltbevölkerung, sondern um das Überleben des Finanzwesens.

Damit das nicht passiert müssen mehrere Dinge geschehen. Zum einen muss man die Menschen dazu bringen, permanent zu konsumieren, auch wenn sie überhaupt nichts brauchen. Dies gelingt am Besten durch den Grundsatz: „Neu ist immer besser!“ Sobald etwas veraltet ist, wird es weggeschmissen und man kauft etwas Neues. Gleichzeitig kann man dafür sorgen, dass die produzierten Güter nicht mehr lange halten und möglichst schnell kaputt gehen, damit man sie durch etwas neues ersetzen muss.

Doch auch die Konsumfähigkeit der Menschen ist begrenzt und liegt weit unter dem, was an Waren produziert werden muss, um mit der Geldproduktion mitzuhalten. Daraus ergibt sich ein neues Problem. Wenn eine Wahre auf dem Markt zu häufig ist, dann verliert sie ebenfalls an Wert. Um das zu verhindern, muss man die Überproduktion irgendwie vom Markt fernhalten. Zum Beispiel in dem man sie einfach ungenutzt wieder vernichtet.

Bei den Lebensmitteln kann man das besonders gut rechtfertigen, weil sich diese nach einer gewissen Zeit selbst zerstören. Geschickter ist es jedoch, den Nahrungsmittelüberschuss so zu beseitigen, dass man noch einmal Geld damit machen kann. Was gäbe es da besseres, als ihn zu Futtermittel zu verarbeiten und die Überschussnahrung großzügig zu verschwenden um wieder ein neues Produkt zu erschaffen.

Merkt ihr, wie eng alles miteinander verknüpft ist?

Die Erfindung der Massentierhaltung führte natürlich zu einem plötzlichen Überangebot an Fleisch, das es zuvor nicht gegeben hatte. Noch heute heißt es „Sonntagsbraten“ weil ein Braten am Sonntag früher etwas besonders war. Fleisch ist ein wichtiger Nährstoff- und Energielieferant, doch es sollte nur einen kleinen Teil unserer Ernährung ausmachen. Eine großangelegte Werbekampagne, aufwändig finanzierte, pseudowissenschaftliche Studien und eine geschickte Fleischpropaganda schafften es jedoch, dass wir unseren Konsum stark genug steigerten, um das neue Überangebot loszuwerden. Zumindest zu einem gewissen Teil. Der Rest wird wie immer entsorgt.

Aus gesundheitlicher Sicht ist dieses System ein absolutes Desaster. Im Klartext: Es ist die Hauptursache für unsere Zivilisationskrankheiten und gleichzeitig auch für unser immenses Bevölkerungswachstum.

Eine Population passt sich auf natürliche Weise immer ihrem Nahrungsangebot an. So ist ein Mäusevolk in einer Dürreregion deutlich kleiner, als auf einer Müllhalde für Lebensmittel. Eine Spezies, die unvorstellbar große Mengen an Nahrung produzieren kann, wird sich auch im gleichen Maße ausbreiten. Es sei denn, sie hat einen natürlichen Feind, der sie wieder dezimiert. Im Falle des Menschen haben wir nur noch einen einzigen Todfeind und der sind wir selbst.

Mehr für dich:
Tag 288: Die Abenteuer von Rocking Rudi

So kommt es, dass mit der Steigerung unserer Nahrungsmittel auch unsere Weltbevölkerung ständig gestiegen ist und noch immer weiter steigt. Was gibt es da besseres, um dem entgegenzuwirken, als die Lebensmittel dann auch gleich wieder zur Dezimierung zu verwenden?

So produzieren wir Massen an Nahrungsmitteln, die keinen Nährwert mehr haben und die dazu führen, dass wir bei vollem Magen langsam verhungert. Anstatt wenig Fleisch zu essen, das wirklich Energie hat und das gesund und nährstoffreich aufgewachsen ist, essen wir große Mengen an minderwertigem Fleisch, dass mit Antibiotika und Giften vollgepumpt ist, und uns so krank macht. Gerade Rindfleisch wäre in natürlicher Haltung ein besonders gesundes Fleisch, eben weil es so viel Pflanzenenergie enthält. Ein Kilogramm Rindfleisch entspricht rund 10kg pflanzlicher Nahrung, die das Rind zuvor gegessen hat. Bei Hühnchen und anderem Geflügel ist das Verhältnis sogar 1:12. Bei Schweinen hingegen nur 1:3 was einer der Gründe ist, warum es für uns nicht besonders gesund ist. In der Massentierhaltung bedeutet es natürlich auch, dass man mit der Haltung von Geflügel und Rindern große Mengen an Getreide und Soja vernichten kann. Gleichzeitig reichern sich natürlich auch die Pestizide, mit denen das Futter verseucht ist, im Muskelgewebe der Tiere an. Auf diese Weise wird der große Vorteil dieser Fleischsorten ins Gegenteil verkehrt und das Fleisch wird auch für uns zu einem Gift. Überlegt einmal, in welchem Ausmaß wir allein über Fleisch und Milchprodukte zwangsmedikamentiert werden! Stellt euch vor, wie es uns gehen würde, wenn wir unsere pflanzliche Nahrung wieder auf natürliche Weise ohne Gifte und chemische Düngemittel anbauen würden, wenn wir auf Genmanipulation verzichten würden, und wenn wir unseren Fleischkonsum auf ein gesundes Maß reduzierten. Das Fleisch, dass wir dann noch bräuchten, könnte durch wilde oder zumindest durch natürlich aufgezogene Tiere gewonnen werden, so dass es uns wirklich mit Energie versorgen würde. Auch dann wären wir noch weit von echter, heilender Wildnahrung entfernt, aber wir würden zumindest die 1,5kg Gift weglassen, die wir im Jahr zu uns nehmen. Die einzigen Fleischsorten, bei denen man sich weniger Gedanken machen muss, sind Schafe und Ziegen. Diese werden selbst in der Großproduktion fast nie mi Kraftfutter gefüttert sondern dürfen auf einer Wiese weiden. Daher ist hier der Unterschied zwischen Biologischer und Konventioneller Aufzucht auch am geringsten.

Leider spielt der gesundheitliche Aspekt bei der Nahrungsproduktion nicht einmal als Ersatzspieler eine Rolle. Er ist lediglich das Vereinsmaskottchen, dass ab uns zu lustig in die Kamera winken darf, um einen Werbeerfolg einzubringen. Und aus wirtschaftlicher Sicht hat das aktuelle System so viele Vorteile, dass es keinen Grund gibt, irgendetwas daran zu verändern.

Die Übermäßige Nahrungsproduktion kurbelt die Wirtschaft an und hält damit das Seifenblasensystem des Geldes vom Platzen ab. Gleichzeitig hält es die Menschen in einer Abhängigkeit und über die entstehenden Krankheiten freut sich die Pharmaindustrie. Je effektiver wir die Nahrung anbauen, desto schneller tötet sie, also können wir das Bevölkerungswachstum zumindest ein bisschen ausgleichen. Und wenn man den produzierten Überschuss dann auch noch gewinnbringend verschwenden kann, dann lohnt es sich gleich doppelt.

Dass die Fleischwirtschaft dabei selbst keine Gewinne einfährt, sondern im Endeffekt sogar mehr kostet, als sie unterm Strich einbringt, spielt dabei keine Wirkliche Rolle. Denn durch geschickte Lobbyarbeit wird sie durch großzügige Subventionen von der EU und den einzelnen Ländern gefördert. Allein die EU-Fördergelder für die Rindfleischproduktion betragen im Jahr mehr als 2,5 Milliarden Euro. Wir bezahlen unser Steak also nicht nur an der Kühltheke oder im Restaurant, sondern auch durch unsere Steuergelder. Dies ermöglicht es den Herstellern, die lästige Bio-Konkurrenz preislich so weit zu unterbieten, dass sie sich kaum halten kann. Sich als Bauer ohne Fleischproduktion über Wasser zu halten, ist daher heute fast unmöglich. Gleichzeitig lässt die Subventionierung einen großen Spielraum für den Einkauf von Hybridsaatgut, Medikamenten, Pestiziden und Düngemitteln. Und zu guter Letzt spielt sie den Befürwortern der Genmanipulation in die Hände. Denn auf Dauer schickt es sich nicht, wenn man die Bürger die Landwirtschaft mit Steuergeldern finanzieren lässt. Da sollte man sich schon eine Lösung überlegen. Am besten, indem man noch mehr, noch effektiver in noch kürzerer Zeit anbaut. Vielleicht durch die Entwicklung von Genpflanzen. So schließt sich dann der Kreis.

Spruch des Tages: Je öfter eine Dummheit wiederholt wird, desto mehr bekommt sie den Anschein der Klugheit.

Höhenmeter: 390 m

Tagesetappe: 15 km

Gesamtstrecke: 4248,97 km

Bewertungen:

 

About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

2 Comments

  1. Steffi 4. August 2014 at 20:20 - Reply

    Das ist ja alles bekannt und keine neue Studie. Wäre es nicht eine sinnvolle Aufgabe für euch, sich für eine gerechte Nahrungsmittelverteilung oder für ein Weniger an Massenproduktion zu engagieren?

    • info@naturspirit.de 9. August 2014 at 17:52 - Reply

      Sinnvoll wäre es auf jeden Fall! Und wichtig auch, aber im Moment habe ich ehrlich gesagt noch keine Idee, wie das klappen kann. Heiko hat vor 4 Jahren eine Unterschriftenaktion gemacht, bei der er viele tausend Stimmen für die Einführung von einem Fach über natives Wissen in Schulen bekommen hat. Sie ist nicht einmal angeschaut worden. In unserer Wildnisschule zu hause bilden gute Trainer jedes Jahr viele Menschen aus, die sich für eine natürliche Lebensweise im Einklang mit der Natur engargieren. Wir versuchen also wirklich etwas zu verändern. Doch das System funktioniert aus wirtschaftlicher Sicht eben perfekt und daher ist es schwer, es umzustoßen. Wenn du eine Idee hast sind wir Begeistert sie zu hören. Was uns selbst anbelangt, glauben wir, dass der erste Schritt eine Aufklärung ist. Je mehr Menschen verstehen, wie unsere Gesellschaft funktioniert, desto mehr können sich für eine Veränderung einsetzen und desto mehr können auf gute Ideen kommen.

Leave A Comment

Translate »