Wien umsonst besichtigen: Übernachten im Kloster

Lange Zeit haben wir uns geweigert, weil es uns immer zu groß, zu laut und zu turbulent war. Nun aber haben wir doch einen Abstecher nach Wien gemacht und die Stadt besichtigt. Ironischerweise aus dem gleichen Grund, warum wir sie eigentlich meiden wollten: Ihrer Größe. Denn nun, da wir um die Alpen herum in Richtung Italien wollen, mussten wir ohnehin mitten durch. Und da war es sinnvoller einmal in einem Kloster zu übernachten, als den ganzen Weg auf einmal zu machen. Und so nutzen wir die Gelegenheit, um zu schauen, was man in Wien ohne Geld alles erleben konnte. Man kann sagen, unsere Großstadttour „Wien umsonst“ war durchaus spannend und ereignisreich. Nur natürlich war sie alles andere als leise. Von Sissis letzter Ruhestätte unten in der Kapuzinergruft von Wien einmal abgesehen.

Wiener Kathedrale von innen

Die Wiener Kathedrale ist eines von vielen Monumenten, das man vollkommen ohne Geld besichtigen kann.

Übernachten im Kapuziner Kloster Wien

Das wichtigste, wenn man eine Stadt wie Wien umsonst erleben will, ist es, alles rechtzeitig zu organisieren. Denn wenn man erst einmal vor Ort ist und dann mit seinem Gepäck durch die Stadt irren muss, um einen kostenlosen Schlafplatz aufzutreiben, dann ist man hoffnungslos verloren. Es kann sein, dass man etwas findet, aber es wird auf jeden Fall eine Tortur.

Enkaufsmeile Wien

Wenn man seine Übernachtung im Kloster organisiert hat, kann man auch gemütlich durch die Einkaufsmeile von Wien schlendern.

In unserem Fall haben wir Glück gehabt und eine Zusage vom Kapuzinerkloster direkt in der Wiener Innenstadt bekommen. Klöster sind nicht nur in Wien, sondern auch in vielen anderen Städten eine gute Anlaufstelle, wenn man ohne Geld reisen will. Wichtig ist dabei jedoch stets, dass die Reise einen Sinn und ein Ziel hat. Und zwar ein Ziel, das für andere erstrebenswert und nachvollziehbar ist. Klöster sind keine kostenlosen All-Inklusive-Hotels und haben daher auch kein Interesse daran, als kostenlose Unterkunft für Touristen missbraucht zu werden. Ist man jedoch auf einer spirituellen Reise und/oder für einen guten Zweck unterwegs und ist es erkennbar, warum man ohne Geld reist, helfen sie einem in der Regel gerne weiter.

Kirche im Umbau Wien

Mithilfe von Klöstern und Kirchen kann man auch in Wien ohne Geld übernachten.

Die meisten Orden haben zudem Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft als einen Grundbaustein Ihrer Ordensleitlinien verankert und sind daher theoretisch sogar verpflichtet, einen aufzunehmen, wenn man dies benötigt. Eine Garantie ist dies allerdings nicht.

wiener Innenstadtbrunnnen

Wer Wien umsonst erleben will, sollte sich gut darauf vorbereiten.

Ein verstecktes Kloster

Als wir Wien erreichten, waren wir bereits Regen durchtränkt und vom Wind vollkommen ausgekühlt. Ohne große Umschweife machten wir uns daher gleich zu unserem Zielkloster auf. Doch an der angegebenen Adresse ließ sich kein Kloster entwickeln. Es war ein Häuserblock mit lauter Schaufenstern und Ladenlokalen, wie auch bei den Blocks um ihn herum. Erst als wir ihn fast umrundet hatten, tauchte ein kleines Portal auf durch das man in das Innere des Blocks gelangte, in dem das Kloster versteckt lag. Nach außen hin waren lediglich ein Hoftor, der Eingang zur Kirche und der Eingang zur sogenannten Franziskanergruft erkennbar.

Wir entschieden uns für den letzten Eingang und trafen auf eine junge Frau an einer Kasse, die Bereit war, den Bruder zu rufen, der uns als Kontakt genannt worden war. Dieser holte uns ab und brachte uns in das versteckte Innere des Klosters, das normalerweise nur Brüder der gleichen Kongregation zu sehen bekamen. Er war ein freundlicher, kleiner Mann in den Achtzigern und gehörte damit zur älteren Generation, die hier im Kloster lebte. Die anderen seiner Riege waren Mitte sechzig, Mitte siebzig und Mitte neunzig. Sämtliche Brüder der jüngeren Generationen lernten wir erst beim Frühstück kennen, denn diese waren zurzeit alle ausgeflogen.

Die Kapuzinergruft

Nach dem Mittagessen wurden wir eingeladen, einen Blick in die Kapuzinergruft zu werfen, die normalerweise 8 € Eintritt kostete. Zu unserer Überraschung trafen wir dabei nicht auf die Grabmäler verstorbener Ordensbrüder, sondern auf die von Sissi, Kaiser Franz und ihrer gesamten Ahnenlinie seit dem 16. Jahrhundert. Der Bruder erzählte uns, dass die Habsburger Familie, die seither das österreichische Königreich bzw. Kaiserreich angeführt hatte, damals große Stücke auf die Kapuziner hielt. Daher ermöglichten sie es dem noch jungen Orden, sich in Wien niederzulassen und bauten ihnen sogar das Kloster. Die einzige Bedingung war, dass sie die Pflege und Seelsorge in Bezug auf die Gräber der jeweiligen Kaiser und der nächsten Angehörigen übernahmen.

Ein tonnenschwerer Sarkophag

Ein tonnenschwerer Sarkophag

Katakombden mit Königsgräbern

Katakombden mit Königsgräbern

Dies taten sie seither über alle Jahrhunderte hinweg. Das jüngste Grab, das man in der Gruft finden kann, ist von 2010. Ein paar Särge können noch aufgenommen werden, aber dann wird die Tradition enden. Denn die Gruft ist nahezu voll und seit es keinen echten amtierenden Kaiser mehr gibt, ist es schwer zu entscheiden, wer ein Anrecht auf eine letzte Ruhestätte in der Kapuzinergruft hat und wer nicht. Denn die Habsburger haben heute mehrere hundert lebende Mitglieder, die alle möglichen Tätigkeiten ausführen.

Prunkvolle Sarkophage

Eine Besichtigung der Kapuzinergruft ist definitiv empfehlenswert, denn die Särge, bzw. Sarkophage in denen die Habsburger Kaiserfamilie hier bestattet liegt, sind einzigartig. Man fühlt sich wie Indiana Jones, wenn man zwischen ihnen hindurchgeht. Welche Schätze wohl als Grabbeigaben noch in ihrem Inneren verborgen liegen, lässt sich kaum ausmalen. Doch auch die kunstvollen Särge selbst müssen bereits ein Vermögen wert sein. Ein einziger von ihnen wiegt in etwa 10 Tonnen. Nur um einmal eine Hausnummer zu haben.

Besichtigung der Wiener Innenstadt: Wien erleben ohne Geld

Wer noch nie zuvor in Wien war, braucht sich über die Frage, was man hier kostenlos erleben kann, zunächst keine Gedanken machen. Die Stadt ist so groß und so voller Kulturgeschichte, dass man rund drei Tage damit verbringen kann, sich alles einmal anzuschauen, ohne auch nur ein einziges Mal irgendwo hineinzugehen, wo man Eintritt bezahlen muss. Da wären die Kaiserapartments, der Heldenplatz, der Dom, die Fußgängerzone, die Staatsoper und vieles mehr.

Wir selbst hatten sogar vor, einiges auch von innen zu besichtigen, doch aufgrund von Zeitmangel fielen diese Punkte leider aus. Dafür konnten wir einige andere amüsante und interessante Dinge sehen. So lohnt es sich zum Beispiel vor dem Kaiserpalast den Kutschern mit ihren Pferden zuzusehen, die hier auf Kundschaft warten. Es ist eine Art spezielle Attraktion für Wien, dass man hier Kutschfahrten durch die Innenstadt machen kann. Für die Pferde ist das natürlich nicht der Knaller, denn dadurch müssen sie permanent im Straßenlärm stehen. Auch, dass sie ausschließlich über Asphalt und Kopfsteinpflaster laufen müssen wird sie nicht so richtig freuen. Dennoch haben sie sich ihre Lebensfreude nicht nehmen lassen und kabbeln sich gerne wie die kleinen Kinder.

Spruch des Tages: Jeder hat so seine Leichen im Keller.
Heiko Gärtner
Heiko Gärtner ist Wildnismentor, Extremjournalist, Survivalexperte, Weltreisender und einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Antlitz- und Körperdiagnostik. Nachdem er einige Jahre als Agenturleiter und Verkaufstrainer bei einer großen Versicherungsagentur gearbeitet hat, gab er diesen Job auf, um seiner wahren Berufung zu folgen. Er wurde Nationalparkranger, Berg- und Höhlenretter, arbeitete in einer Greifenwarte und gründete schließlich seine eigene Survival- und Wildnisschule. Seit 2014 wandert er zu Fuß um die Welt und verfasste dabei mehrere Bücher.