Tag 428: Winterwunderland

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Tag 428: Winterwunderland

Tag 428: Winterwunderland

Noch 7 Tage bis zu Heikos 2. Weltreisegeburtstag

So viel also zum Thema „Der Winter ist vorbei!“ Heute haben wir den 5. März und das zweite Mal in auf unserer Reise kamen wir in den Schnee. Draußen reißt der Sturm an unseren Fensterläden und heult dabei ums Haus, als wollte er es niederreißen. Wettertechnisch ist heute definitiv der ungemütlichste Tag seit unserem Aufbruch und obwohl wir nun bereits seit einer halben Stunde im Warmen sitzen, ist die Wärme des Raumes noch nicht bis zu unseren Nervenenden durchgedrungen. Heiko versucht seine Körpertemperatur gerade mit einer heißen Dusche wieder auf Vordermann zu bringen. Die Frage ist nur, ob das Wasser dabei wirklich heiß wird. Bislang macht es noch nicht den Eindruck. Gans offensichtlich ist aber der Badezimmerboden extrem kalt, denn bis zur letzten Sekunde weigerte er sich, seine Socken und seine Hausschuhe auszuziehen. Leider durfte ich kein Foto machen, aber ihr könnt euch das Bild sicher vorstellen, wie er splitterfasernackt aber mit dicken Wollsocken und Hausschuhen vor der Dusche stand und sich überlegte, wie er es anstellen konnte, dass er unter das heiße Wasser gelangte, ohne dabei mit den Füßen den Boden berühren zu müssen.

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Als uns unsere Gastgeber in Lunano vor zwei Tagen davor warnten, dass es demnächst schneien würde, hatten wir uns noch darüber lustig gemacht. Sie Sonne hatte geschienen und man konnte mit freiem Oberkörper in der Wiese liegen und es sich gut gehen lassen. Schnee war so unvorstellbar gewesen, wie nur irgendetwas. Doch heute in der Früh wurden wir gleich von einem fiesen Wind begrüßt. Es war bitterkalt und das wurde auch nicht besser, als wir mit jedem Schritt weiter bergauf kamen. Die Anstrengung führte dennoch dazu, dass wir nach kurzer Zeit vollkommen durchgeschwitzt waren und so wirkte sich der kalte Wind gleich noch stärker aus. Meine Muskeln sind so verspannt, dass ich meinen Kopf beim Tippen nicht nach links und rechts drehen kann. Gut das mein Bildschirm so klein ist und ich das auch nicht tun muss. Mein Rücken, der fest an die Heizung gepresst ist, taut langsam etwas auf.

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Wwwwwwuuuuuuuschhhhhhh!

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Der Wind draußen fährt zu neuen Höstleistungen auf. Es ist langsam wirklich beängstigend. Wenn dieser Bericht in der Mitte plötzlich abrupt enden sollte, dann bin ich wahrscheinlich mitsamt des Zimmers weggeflogen. Nicht auszumalen, was uns erwartet hätte, wenn wir uns nicht rechtzeitig in dieses Hotel hätten flüchten können. Bereits am Vormittag waren wir einige Male kurz davor, von der Straße geweht zu werden. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, was für ein Windfang so ein Pilgerwagen sein kann. Wir wurden ohne Witz mehrere Male richtig aus der Bahn geworfen und mussten mit aller Kraft gegensteuern. Hoffentlich geht es den beiden Wagen gut. Sie stehen nämlich draußen im Hinterhof zwischen Blumenkübeln eingekeilt an der Hauswand. Innen war kein Platz für sie.

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Als wir die erste Anhöhe erreicht hatten, konnten wir auf einem benachbarten Berg den ersten Schnee sehen. Bislang waren die schneebedeckten Gipfel immer deutlich höher gewesen als wir, doch diesmal waren es nicht einmal mehr hundert Meter. Und richtig! Einige Biegungen weiter lag auch bei uns der Schnee auf der Straße. Nur dünn und er war bereits am Schmelzen, aber immerhin. Ein Auto mit Schneeketten kam uns entgegen. Klar hingen hier überall Schilder, dass es Pflicht war, solche Ketten dabeizuhaben, aber das war jetzt doch etwas übertrieben. Denn die Straße selbst war ja frei, nur an den Seiten und im Grünbereich war alles weiß. Wenn die Autofahrer das hier öfter machten, dann erklärte das jedoch immerhin den schlechten Zustand der Straßen, der hier überall vorherrschte.

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Zumindest einen Teil davon. Ein wesentlich größerer Teil ließ sich wohl einfach mit der absoluten Fehlplanung des Straßenbauamtes begründen. Auf Sicherheit wurde hier einfach mal keinen Wert gelegt, soviel konnte man sagen. Für Heikos Augen, die noch immer mit dem geschulten Blick eines Versicherungsagenturleiters auf die Dinge schauten, war es die reinste Qual. Wie konnte man Straßen so in die Hänge bauen, dass sie abrutschen mussten. Es war kein: „Ok, das könnte vielleicht einmal ein Problem werden“. Es war nicht einmal ein „Ok, das könnte vielleicht halten!“ Es war absolut gewiss, dass diese Konstruktionen abrutschen mussten und das taten sie auch bei jedem Regenguss, wo immer sie nur konnten. Für uns war das nicht besonders schlimm, doch als Autofahrer und vor allem für LKWs musste es brandgefährlich sein. An einer Stelle war die ganze rechte Fahrbahn ins Tal gestürzt. Unten lag sogar noch deutlich sichtbar das Achtungsschild, das vor Steinrutschen warnte. An einer anderen Stelle hatte man die eingebrochene Asphaltdecke notdürftig mit Sand abgedeckt. Als Heiko auf eine Stelle trat, unter der sich ein Loch befand, brach er mit dem ganzen Fuß darin ein. Dies war keine Nebenstraße und auch kein Feldweg, es war eine Strada Provinziale also eine staatliche Straße, die mit unseren Bundesstraßen vergleichbar sind.

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Trotz des fiesen Wetters machte es aber dennoch Spaß, durch die verschneiten Berge zu wandern. Zum ersten Mal konnten wie unsere Pilgerwagen auf ihre Schneetauglichkeit testen und hatten durchaus unseren Spaß dabei. Als wir dann schließlich in das Dorf kamen, in dem wir übernachten wollten, war es jedoch so windig, dass es für Heiko unmöglich war, irgendwo im Freien zu warten. Wir wanderten also gemeinsam im Dorf umher und ließen unsere Wagen an einer Straße stehen. Bei diesem Wetter ging eh niemand vor die Tür, was also hätte passieren sollen. Der Pfarrer wurde erst um halb vier erwartet und bis dahin wären wir zwei Eiszapfen gewesen, die keine Unterkunft mehr gebraucht hätten. Weitergehen kam jedoch auch nicht in Frage, denn bis nach San Marino kam nun keine Ortschaft mehr und das waren noch 12km. Zum Glück entdeckte Heiko das Hotel della Salute, ein kleines ehemaliges Hotel, dass nun zu einem Kurzentrum für Menschen mit psychischen Problemen umgebaut wurde. Vor allem Patienten mit Depressionen und Burn-Out kamen hier her. Zunächst sah es schlecht für uns aus, weil ausgerechnet heute Abend eine neue Gruppe erwartet wurde, doch dann stellte sich heraus, dass einer der Gäste kurzfristig abgesagt hatte und so wurde ein Doppelzimmer für uns frei. Jetzt wo wir von eben jenem Zimmer draußen den Sturm wüten hören, erscheint uns dieser Gast, der uns sein Zimmer überließ wirklich als Lebensretter.

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Spruch des Tages: Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden. (Mark Twain)

Höhenmeter: 470 m

Tagesetappe: 18 km

Gesamtstrecke: 7826,77 km

Wetter: Schnee, Wind, Regen und eisige Kälte

Etappenziel: Hotel della Salute, 61010 Montegrimano, Italien

Bewertungen:

 
2016-02-03T00:01:19+00:00 Allgemein, Italien, Tagesberichte|

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