
Wenn wir an Outdoor Erste Hilfe denken, dann haben wir meist Bilder von halsbrecherischen Rettungsaktionen und der Versorgung schwerer Verletzungen im Kopf. Viel häufiger passiert es jedoch, dass man sich kleine leichte Verletzungen und Blessuren zuzieht, die einen zwar nicht umbringen, die aber dennoch sehr unangenehm sein können. Und meist hat man genau dann, wenn man sich eine solche Verletzung zuzieht, keine Erste-Hilfe-Ausrüstung dabei, um sie zu versorgen. Aus diesem Grund haben wir euch hier einige Tipps zusammengestellt, wie ihr diese Verletzungen auch ohne große Ausrüstung behandeln könnt, einfach mit dem, was ihr ohnehin bei euch tragt oder was ihr direkt in der Natur findet.

Bei einem Krampf wird erstmal gedehnt
Vor allem, wenn man in unwegsamem Gelände unterwegs ist, entstehen leichte oder mittlere Hautverletzung relativ schnell. Um zu verhindern, dass Blut auf eure Ausrüstung und Dreck in die Wunde gelangt, ist es oft wichtig sie zu verschließen. Wenn ihr kein Pflaster für leichte Verletzungen dabei habt, könnt ihr alternativ das Harz von Kiefern, Fichten, Tannen oder Duglasien verwenden. Es enthält verschiedene ätherische Öle enthält, die sowohl entzündungshemmend als auch heilungsfördernd wirken. In den meisten Fällen müsst ihr nicht lange suchen, bis ihr an einem Stamm ein paar dicke Tropfen Harz findet, die ihr auf eure Wunde streichen könnt. Der einzige Nachteil dieses Naturpflasters ist, dass es recht klebrig ist und daher leicht an allem anhaftet, was damit in Berührung kommt. Es ist daher oft hilfreich, wenn ihr zusätzlich noch ein Taschentuch oder etwas Vergleichbares darum wickelt. Da das Harz aber steril und antiseptisch ist, ist es nun kein Problem mehr, wenn euer Taschentuch nicht ganz so rein ist.
Hin und wieder geschieht es, dass sich eine Wunde entzündet, eitert und nur noch langsam oder gar nicht mehr verheilt. Um das zu verhindern ist es wichtig, sie regelmäßig zu desinfizieren. Daher ist es gut, dass wir immer ein effektives, natürliches Desinfektionsmittel in Form unseres Urins bei uns haben, mit dem wir die Wunde ausspülen können. Auf den ersten Blick mag es etwas befremdlich erscheinen und oft kostet es am Anfang etwas Überwindung, den eigenen Urin auf die Haut aufzutragen, aber der Erfolg ist es auf jeden Fall wert. Solange der Urin frisch ist, ist er vollkommen Keimfrei und er enthält stets genau die Substanzen, die unseren Körper in der aktuellen Situation bei der Wundheilung und der Auflösung des Entzündungsherdes unterstützen.
Wenn eine Wunde bereits stark eitert und sich nicht verschließen will, könnt ihr sie entweder mit Torfmoos oder einem sauberen, uringetränkten Tuch ausreiben, bis das rosa Fleisch sichtbar wird. Torfmoos hat ebenfalls einen hohen entzündungshemmenden Faktor und wird schon seit Urzeiten zur Wundreinigung genutzt. Sollte die Wunde dennoch weiter eitern, habt ihr die Möglichkeit, der Natur selbst das Feld zu überlassen, in dem ihr zulasst, dass Fliegen ihre Eier in die Wunde legen. Wenn die Maden schlüpfen fressen sie nur das tote Fleisch und sorgen für eine Wundreinigung, sodass sich die Haut anschließend wieder verschließen kann.

Eitrige Wunden müssen desinfiziert werden.
Vor allem wenn die Füße im Sommer schnell schwitzen oder wenn man durch einen heftigen Regenschauer für längere Zeit in nassen Schuhen wandern musste, kann man sich leicht eine Blase holen, die einem das komplette Abenteuer vermiesen kann. Wenn ihr trotz der Blase normal weiterlaufen könnt, ohne dass sie sich vergrößert oder aufplatzt, oder wenn ihr euren Füßen eine Pause zum Regenerieren gönnen könnt, ist es das Beste, sie einfach unbehandelt zu lassen, da sie so am schnellsten wieder verheilt. Falls sie sich durch den permanenten Druck, der auf sie ausgeübt wird jedoch stetig weiter vergrößert, müsst ihr sie öffnen und das Blasenwasser entfernen. Für leichte Verletzungen wie hierbei, gibt es verschiedene Methoden. Optimal ist es, wenn sich in eurem Wandergepäck ein kleines Nähset mit Nadel und Faden befindet.
Wenn das der Fall ist, nehmt ihr eine Nadel und desinfizierst sie über einer Flamme, indem ihr sie erhitzt, bis sie leicht zu Glühen beginnt. Anschließend lasst ihr sie wieder erkalten und fädelt dann einen kurzen Faden ein, an dessen Ende ihr einen Knoten macht. Nun stecht ihr die Nadel durch die Haut, die sich von eurem Fuß gelöst hat und unter der sich das Blasenwasser befindet. Achtet darauf, dass ihr seitlich hineinstecht, sodass ihr die Nadel durch ein zweites Loch wieder nach außen bringen könnt. Dann lasst ihr den Faden aus der Nadel gleiten und schneidet ihn so ab, dass ihr auch auf der anderen Seite einen Knoten machen könnt. Kürzt diesen so weit wie möglich ein, damit er euch später beim Laufen nicht stört und damit ihr nicht aus Versehen darauf treten könnt.
Der Faden sorgt nun dafür, dass sich die Nadellöcher nicht verschließen können, sodass das Blasenwasser langsam auslaufen kann. Ihr braucht die Blase daher nicht ausdrücken, was zum einen angenehm ist und zum anderen euren Fuß schont, sodass er schneller verheilen kann. Selbst wenn sich nun beim Weiterlaufen neues Blasenwasser bildet, kann es sich nun nicht mehr sammeln. Solltet ihr keine Nadel und keinen Faden bei euch haben, könnt ihr die Blase auch mit einem spitzen Messer öffnen.
Erhitzt die Messerspitze dafür wieder zur Desinfektion über einer Flamme und stecht sie vorsichtig von der Seite her in die Blase, sodass das Messer parallel zur Hautoberfläche verläuft. Gleichzeitig drückt ihr nun mit der anderen Hand von der gegenüberliegenden Seite die Flüssigkeit in Richtung Einstichstelle, sodass sie entweichen kann.
TIPP: Solltest ihr weder eine Nadel noch ein Messer bei euch tragen, könnt ihr zum Aufstecken auch eine spitze Kiefernnadel oder einen Pflanzendorn nehmen. Kiefernnadeln enthalten ätherische Öle, die desinfizierend wirken, sodass auch hierbei keine Entzündung entsteht. Bei Dornen hingegen müsst ihr darauf achten, dass ihr weder Giftpflanzen erwischt noch solche, auf die ihr allergisch reagiert. In jedem Fall ist es hilfreich, die Blase nach dem Aufstechen mit einem Pflaster, am besten einem Blasenpflaster abzudecken, damit sie nicht weiter scheuern kann.

Die Outdoor Erste Hilfe Variante gegen Blasen an den Füßen.
Solange wir nicht extrem allergisch auf das Gift der Insekten reagieren, sind ihre Bisse und Stiche vor allem unangenehm und lästig. Um juckende Schwellungen und leichte Verletzungen damit zu lindern oder gänzlich zu verhindern, könnt ihr euch ein Antiallergikum aus Spitzwegerich herstellen. Die kleine Pflanze, die fast auf jeder heimischen Wiese zu finden ist, hat lange, lanzettenförmige Blätter mit durchgängigen, dicken Adern darin und ist, wenn ihr sie einmal bestimmt habt, leicht zu erkennen und unverwechselbar. Wenn ihr einen Spitzwegerich gefunden habt, pflückt ihr ein paar Blätter und zerkaut sie zu einem zähen Brei. Diesen Brei könnt ihr dann auf euren Insektenstich großflächig auftragen. Durch den Speichel öffnen sich die Pflanzenzellen und geben einen Saft frei, der eine starke anti-allergene Wirkung hat. Damit der Brei nicht wieder herunterfällt, könnt ihr nun ein Tuch oder etwas Ähnliches darum wickeln. Haltet die Stichstelle ruhig und kühl, bis das Gift vollständig abgebaut wurde. Wenn ihr sehr stark und sehr lange auf den Stich reagiert, kann es hilfreich sein, den Spitzwegerich-Brei nach einiger Zeit zu erneuern. Falls ihr keinen Spitzwegerich finden solltet, könnt ihr alternativ auch den verwandten Breitwegerich oder den mittleren Wegerich verwenden. Beide wirken ebenfalls, wenn auch nicht ganz so intensiv wie ihr länglicher Verwandter.
Bei Bienenstichen müsst ihr jedoch beachten, dass der Stachel meist in der Haut stecken bleibt und erst entfernt werden muss. Wenn ihr keine Pinzette bei euch habt, packt ihr diesen direkt über der Haut mit den Fingernägeln von Daumen und Zeigefinder. Achtet darauf, dass ihr nicht auf die Giftblase drückt, damit ihr nicht noch mehr Gift in die Stichwunde presst und zieht den Stachel dann vorsichtig heraus.
Wichtig: Manche Menschen reagieren auf Insektenstiche so allergisch, dass sie einen anaphylaktischen Schock bekommen. In diesem Fall wird aus dem kleinen Ärgernis ein ernster Notfall, besonders wenn ihr euch in unwegsamem Gelände befindet. Nun ist es wichtig, ruhig zu bleiben und so schnell wie möglich ärztliche Hilfe zu bekommen. Achtet darauf, dass der Patient die Schocklage einnimmt, dass er sich im Kühlen befindet und möglichst viel Wasser zu sich nimmt.

Gerade bei sehr trockener, warmer Luft, sowie in extremen Höhenlagen, kann es vorkommen, dass die Nase einfach spontan zu bluten beginnt.
Um die Blutung möglichst schnell wieder zu stoppen, solltet ihr euch möglichst ruhig hinsetzen, den Kopf leicht nach vorne beugen und genau an der Stelle mit den Fingern seitlich auf euren Nasenrücken drücken, an der die Blutgefäße über das Nasenbein verlaufen, sodass sich diese schneller wieder verschließen können.

Manche Zähnen können beim Zurück schieben an die Stelle wieder anwachsen
Wenn ihr euch durch einen Unfall einen Zahn ausgeschlagen habt, ist es das Beste, ihn wieder zurück in die Zahnlücke zu schieben und mit leichtem Druck festzuhalten. Dadurch ist die Chance am größten, dass er wieder anwächst.
Sollte der Zahn schmutzig sein, könnt ihr ihn vorsichtig reinigen, am besten mit Milch.
Achtet jedoch darauf, dass ihr mit den Fingern nicht auf die Zahnwurzeln kommt, um diese nicht zu beschädigen wenn ihr leicht verletzt seid. Wenn der Zahn auch nach längerem Warten nicht wieder anwächst, bewahrt ihn am besten in der Backe auf, bis ihr einen Arzt aufsuchen könnt.
Wenn ihr von einem Tier gebissen wurdet, ist es wichtig, die Wunde umgehend mit sehr viel Wasser auszuwaschen, da die Mundflora die im Artfremden Speichel vorherrscht sehr leicht zu starken Entzündungen führen kann. Weicht die Bissstelle daher zunächst in kaltes Wasser ein oder lass für mindestens fünf Minuten Wasser darüber laufen. Wenn sie blutet, könnt ihr sie anschließend mit einem Tuch verbinden. Auch hierbei ist die Eigenurintherapie für solch leichte Verletzungen sehr hilfreich.

Leichte Verletzungen wie eine Bisswunde, soll zuerst mit kaltem Wasser eingeweicht werden.
Nach einem Kontakt mit giftigen Quallen, Seeanemonen und Korallen bleiben oft sogenannte Brennfäden auf der Haut zurück, die ein Gift aussenden, das zu Reizungen und Verätzungen führt. Diese müsst ihr mit fließendem Wasser sowie Alkohol oder Essig abwaschen. Wenn ihr auf einen Seeigel oder ein ähnliches Tier getreten seid, bleiben die Stacheln oft tief in der Haut stecken und entzünden sich leicht. Um sie zu entfernen könnt ihr euren Fuß ins Wasser halten, das so heiß ist, dass ihr es gerade noch ertragen könnt. Dadurch wird das Gift in den Stacheln entschärft und die Schmerzen lassen nach. Anschließend könnt ihr die Stacheln entfernen, was jedoch keine leichte Aufgabe ist, weshalb hierbei ein Arzt zu Rate gezogen werden sollte.

Bei einem Krampf in die entgegengesetzte Richtung dehnen
Besonders wenn es sehr warm ist und man durch das ständige Schwitzen viele Mineralsalze verliert, kann es leicht zu Krämpfen kommen. Vor allem dann, wenn man Anstrengung und langes Wandern nicht gewohnt ist.
Um den Krampf zu lösen müsst ihr den entsprechenden Muskel in die entgegengesetzte Richtung dehnen und könnt ihn gleichzeitig an den betroffenen Stellen massieren. Fragt euch dabei jedoch immer, ob der Krampf wirklich nur von der Überbelastung kommt, oder ob er noch eine andere Ursache hat. Schlangenbisse beispielsweise können ebenfalls leichte Verletzungen wie Krämpfe auslösen, die dann natürlich entsprechend behandelt werden müssen.
Wenn ein Fremdkörper ins Auge geraten ist, zieht ihr als Erstes die Lider auseinander und schaut nach, um was für ein Objekt es sich handelt. Wenn etwas direkt im Augapfel steckt, solltet ihr es auf keinen Fall entfernen, sondern immer einen Arzt aufsuchen. Schwimmt das Objekt hingegen im Auge, könnt ihr es mit Wasser ausspülen. Auch die meisten Fremdkörper, die in den Gehörgang eingedrungen sind, lassen sich so ausspülen. Hierbei solltet ihr am besten lauwarmes Wasser verwenden.

Schwimmt ein Gegenstand im Auge, könnt ihr dies mit Wasser einfach ausspülen.
Beim Hantieren mit spitzen Angelhaken kann es leicht passieren, dass man sich einen von ihnen unter die Haut jagt. Da sie spitze Widerhaken haben könnt ihr ihn anschließend nicht einfach wieder herausziehen. Sollten sich die Widerhaken wie bei diesen leichten Verletzungen noch im Fleisch befinden, müsst ihr den Angelhaken zunächst so drehen und schieben, dass sie wieder zum Vorschein kommen. Anschließend könnt ihr sie mit einer Zange direkt über der Haut abschneiden und den Rest des Hakens wieder auf dem gleichen Wege entfernen, auf dem er auch in die Haut eingedrungen ist.

Mit einem Angelhaken im Finger muss man vorsichtig und ruhig vorgehen.
Ein Schwerverletzter oder lebensgefährlich Verletzter ist in der medizinischen Definition ein Mensch, bei welchem ein Körperteil oder Organ durch plötzliche Einwirkung so schwer beschädigt wurde, dass es nicht mehr funktionsfähig ist.
Ob Verletzungen, leichte bis schwere Wunden, Brüche, Risse und Gelenksverletzungen, durch einen Autounfall kann euch dies schneller passieren als einem lieb ist. Im Alltag kann es sogar jederzeit passieren, dass man sich verletzt. In der örtlichen Unfalluntersuchung werden Unfälle in verschiedene Kategorien eingeteilt. Es werden sechs Unfallkategorien unterschieden. Die Unfallkategorien 1–3 bezeichnen Unfälle mit Personenschaden und die Kategorien 4–6 Unfälle mit Sachschaden. Die Kriterien für die Einteilung der Personenschäden in die Kategorien kann dabei von Land zu Land variieren.
Wenn ihr auf Abenteurtrips oder Survivaltouren im Ausland unterwegs seid, solltet ihr euch zuvor unbedingt die englischen Begriffe für die Unfallklassifizierung einprägen, damit ihr im Ernstfall genau beschreiben könnt, was passiert ist. Leichte Verletzungen werden im englischen als "quick to take offence" bezeichnet. Schwere Verletzungen hingegen gibt man mit "traffic injury severity"an.
Wenn ihr in der Natur unterwegs seid, gibt es kaum ein Thema, das so wichtig ist, wie Orientierung. Orientierung im Gelände ist die Kunst, stets zu wissen, wo man ist, wo man hin will und wie man wieder zurückfindet. Es geht also immer um drei zentrale Fragen: „Wo bin ich?“ „Wo will ich hin?“ und „Wie stelle ich das an?“ Um diese Fragen zu beantworten, gibt es heute eine Menge technische Hilfsmittel, wie Karten, Kompasse, Wander-Apps, GPS-Geräte und Navigationssysteme. Doch wer sich wirklich frei in der Natur bewegen will, muss seine Orientierung auch ohne diese Hilfsmittel halten können. Dafür haben wir euch im folgenden einige Tipps zusammen gestellt.

Es klingt lapidar, aber eure Aufmerksamkeit ist das A und O eurer Orientierungsfähigkeit. Verlaufen tun wir uns stets nur deshalb, weil wir uns nicht merken, woher wir gekommen sind. Und dies passiert, weil wir nicht aufmerksam genug auf unsere Umgebung achten. Wenn ihr das erste Mal in einer neuen Stadt umherstreift, passiert es auch leicht, dass ihr euch verlauft. Haltet ihr euch jedoch länger in der Stadt auf, dann bekommen die einzelnen Straßen und Ecken eine Art Persönlichkeit. Ihr nehmt sie genauer wahr, verknüpfst diese mit Erinnerungen und allmählich entsteht in eurem Kopf ein Bild. Je aufmerksamer ihr seid, desto schneller prägt sich dieses Bild in eurem Kopf ein und desto weniger passiert es euch, dass ihr euch bei der Orientierung im Gelände verlauft.
Wandert ihr bereits beim ersten Mal aufmerksam durch die Straßen und nehmt ihre Besonderheiten bewusst wahr, erinnert ihr euch auch ohne Wiederholung an euren Weg und könnt euch nun nicht mehr verlaufen. Bedenkt dabei jedoch, dass ihr auf dem Rückweg aus der anderen Richtung kommt. Daher ist es wichtig, immer wieder auch einen Blick zurück zu werfen und zu sehen, wie die Straßen, Bäume und Gebäude aus der anderen Richtung aussehen.
Die Orientierung im Gelände ist letztlich nicht anders als die in der Stadt. Die Schwierigkeit besteht lediglich darin, dass sich Bäume für unseren oberflächlichen Blick viel stärker ähneln, als Häuser und Straßen. Wir haben das Gefühl, dass ohnehin alles gleich aussieht und so schaltet unser Geist in der Regel ab und versucht gar nicht mehr, sich den Weg zu merken. Hier ist es also noch einmal besonders wichtig, mit voll geöffneten Sinnen unterwegs zu sein. Versucht stets so viel wahrzunehmen wie möglich, nicht nur mit den Augen, sondern auch mit der Nase, den Ohren und den Füßen. Je mehr Informationen über eure Umgebung in euer Bewusstsein gelangen, desto leichter fällt es euch, euch später wieder an den Heimweg zu erinnern. Praktisch für eine Unterstützung zur Orientierung mit Karte und Kompass ist ein handliches PDF.

Unsere fünf physischen Sinne unterstützen uns bei der Orientierung im Wald
Um sich den Rückweg noch leichter merken zu können, gibt es eine uralte Methode, die sogar schon bei den Aborigines gute Dienste geleistet hat. Diese Methode der Orientierung im Wald ist die sogenannte Songline. Dazu wählt man während des Gehens immer wieder markante Punkte aus – besonders dann wenn man seine Richtung ändert – und baut diese in eine möglichst lebhafte Geschichte ein. Am Anfang ist es hilfreich, wenn man die Geschichte laut ausspricht um so einen intensiveren Bezug zu ihr aufzubauen. Wichtig ist jedoch vor allem, dass sie möglichst intensive Bilder, Farben und Gefühle in einem hervorruft, da diese so besonders gut im Kopf haften bleibt. Macht man sich nun auf den Rückweg, geht man die einzelnen Stationen der Geschichte in umgekehrter Reihenfolge noch einmal durch und leitet sich so zu seinem Ausgangspunkt zurück. Diese Methode hat allerdings den Nachteil, dass man sich, wenn man sie nicht geübt hat, sehr stark auf die Geschichte und den Weg konzentrieren muss und dadurch kaum Gelegenheit hat die Gegend rechts und links davon wahrzunehmen.

Wasserfall als Markierung
Wenn ihr in einem Gebiet seid, in dem es zu wenig auffällige Orientierungspunkte gibt, könnt ihr euren Weg auch wie bei der Bundeswehr in regelmäßigen Abständen markieren. Am besten eignen sich dafür Äste oder Steine, die ihr in ungewöhnlichen Formationen anordnet oder an Stellen legt, an denen sie natürlicherweise nicht vorkommen. Je nachdem wo und wie ihr unterwegs seid, müsst ihr abwägen, ob es in der momentanen Situation hilfreicher ist eine möglichst auffällige Spur zu legen, die dann aber auch von jedem anderen verfolgt werden kann. Oder besser eine, die man nur erkennen kann, wenn man weiß, dass sie da ist. Letztere birgt natürlich die Gefahr, dass ihr sie selbst überseht.
Das wichtigste Mittel bei der Orientierung im Gelände sind die sogenannten Landmarken. Dies sind auffällige Grundzüge, die eine Landschaft ausmachen, die man gut erkennen kann und die so groß sind, dass man sich an ihnen über eine längere Strecke hinweg orientieren kann. Dazu zählen Bergrücken, Flüsse, Waldränder, Schluchten und in unseren Wäldern natürlich auch Wege und Straßen. In einigen Gebieten wie beispielsweise den Apalachen in Virginia, verlaufen die Berge relativ gerade und parallel (in diesem Fall von Südwest nach Nordost). Hat man die Verlaufsrichtung einmal bestimmt, so weiß man automatisch in welche Richtung man läuft, wenn man z.B. einem Tal folgt. Sobald man dies einmal erkannt hat, kann man sich relativ frei im Gelände bewegen, da man weiß, dass man zum Lager zurückkommt, wenn man beispielsweise so geht, dass der Bergrücken immer rechts von einem ist. Nur wenn man den Berg überquert wird es wichtig, sich neue Landmarken zu suchen, die einen zurück zum Ausgangspunkt führen können.
Auch Flüsse sind besonders gute Orientierungspunkte im Gelände, da sie einem nicht nur einen langfristigen Anhaltspunkt liefern, sondern durch die Fließrichtung auch noch anzeigen, in welche Richtung man gehen muss. Wenn ihr euch in der Wildnis verirrt habt und den Weg zurück in die Zivilisation sucht, kann euch ein Fluss dabei ebenfalls hervorragende Dienste leisten. Menschen siedeln seit jeher am liebsten am Wasser und so werdet ihr fast immer früher oder später auf einen Ort oder eine Stadt treffen, wenn ihr einem Fluss abwärts folgt. Die einzige Ausnahme hierbei sind Wüstengebiete. Wenn ihr in einer Wüste auf einen Fluss oder ein Rinnsal trefft, folgt ihm flussaufwärts. Anders als in anderen Gebieten sammelt sich das Wasser hier nicht zu immer größeren Flüssen zusammen, sondern versiegt meist früher oder später im Sand. Geht ihr dem Wasser jedoch entgegen, werdet ihr früher oder später auf die Quelle treffen und hier ist die Chance auf eine Besiedlung am größten.
Wichtig ist jedoch, dass ihr euch bewusst macht, dass ihr nicht die einzigen sein werdet, die Flüsse als Orientierungshilfe auswählen. Je nachdem in welchen Regionen der Erde ihr unterwegs seid, kann es recht riskant sein, direkt neben dem Fluss zu laufen. In Kanada, Russland und anderen Bärenregionen ist hier die Chance am Größten, auf einen der pelzigen Riesen zu treffen.

Flüsse kann man als Orientierung im Gelände verwenden
Wenn ihr gerade an einem Punkt seid, an dem euch eure Augen keine Orientierung im Gelände bieten, kann es sein, dass eure Ohren ein gutes Stück weiterhelfen können. Bleibt dafür einen Moment stehen und achtet auf markante Geräusche wie Wasserrauschen, Straßenlärm und dergleichen mehr. Wenn ihr zurück in eine Stadt finden wollt, gibt es meist eine ganze Palette an Geräuschen, die euch verraten, ob ihr dieser näher kommt und in welche Richtung ihr weiterziehen müsst. Wichtig ist jedoch, dass ihr sehr aufmerksam und genau hinhört, denn oftmals klingen das Rauschen des Windes in den Blättern der Bäume, das Rauschen des Wassers in einem Fluss oder an einer Küste und das Rauschen vorbeifahrender Autos auf einer Autobahn von weitem sehr ähnlich. Sodass man sich auch leicht in die Irre führen lassen kann.

Akkustische Zeichen wie ein Wasserfall können als Orientierungspunkt dienen
Ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Orientierung im Gelände spielen kleinere Auffälligkeiten in der Landschaft, die man vielleicht nicht von weitem sehen kann, die euch aber immer wieder einen bestimmten Weg markieren können. Hierzu zählen auffällig gewachsene Bäume, besondere Felsen, dicke Steine und alle anderen ungewöhnlichen Naturerscheinungen, die ihr ausfindig machen könnt. Ihr könnt sie entweder in eure Songline mit einbauen, oder euch als wichtige Wegepunkte merken. Ein Fluss oder ein Bergrücken als Orientierungshilfe ist gut und wichtig, aber wenn ihr euer Lager nicht direkt neben ihnen aufgebaut habt, dann braucht ihr etwas, woran ihr erkennt, wann ihr in welche Richtung abbiegen müsst.

Ein außergewöhnlicher Baum dient als markante Wegmarkierung
Die Erde dreht sich innerhalb von 24 Stunden genau einmal gegen den Uhrzeigersinn (von Westen nach Osten) um ihre eigene Achse. Dadurch scheint sich die Sonne von Osten nach Westen über den Himmel zu bewegen, wobei sie pro Stunde um ca. 15° nach Westen wandert.
Bei der Orientierung ohne Kompass wird die Sonne zu einer perfekten Unterstützung, hierzu gibt es auch ein Arbeitsblatt. Wenn die Sonne ihren höchsten Punkt erreicht hat, steht sie auf der Nordhalbkugel genau im Süden, auf der Südhalbkugel genau im Norden und in der Äquator Gegend fast genau senkrecht über einem (Zenit). Dies könnt ihr nutzen, um anhand der Sonne die Himmelsrichtungen zu bestimmen und euch so wieder neu zu orientieren, wenn ihr nicht mehr wisst, in welche Richtung ihr gehen müsst. Am einfachsten funktioniert dies, wenn ihr eine Uhr dabei habt. Dabei müsst ihr allerdings berücksichtigen, dass sich unsere Sommerzeit entgegen der „echten“ Zeit um eine Stunde vorverschiebt. Ihr müsst also von der Uhrzeit, die auf einer Uhr angezeigt wird, eine Stunde abziehen. Habt ihr nur eine Digitaluhr dabei, lässt sich mittels Papier und Stift auch eine improvisierte Analoguhr basteln, indem ihr ein Ziffernblatt malt und die 12:00 Marke sowie den Stundenzeiger zur aktuellen Zeit eintragt.

Die Sonne als Orientierungspunkt beim Pilgern für Franz Bujor
Die Technik ist umso genauer, je weiter man vom Äquator entfernt ist. Haltet dafür eure Uhr waagerecht, und richtet den Stundenzeiger genau auf die Sonne. Um noch genauer zu sein, könnt ihr diesen auch anhand des Schattenwurfs eines geraden Objektes ausrichten. Nun denkt euch eine Linie, die den Winkel zwischen dem Stundenzeiger und der 12:00 Uhr Marke genau in der Hälfte teilt. Diese gedachte Linie zeigt auf der Nordhalbkugel in Richtung Süden. Eine Ausnahme bildet die Zeit vor 06:00 und nach 18:00 Uhr. Hier zeigt die gedachte Linie nach Norden – vorausgesetzt man kann die Sonne um diese Zeit schon sehen. Auf der Südhalbkugel richtet man hingegen die 12:00-Marke auf die Sonne und halbiert den Winkel bis zum Stundenzeiger. Die dabei entstehende gedachte Linie zeigt (zwischen 06:00 und 18:00) nach Norden.
Wenn ihr keine Uhr, dafür aber etwas Zeit habt, könnt ihr die Himmelsrichtungen auch mit einem Stock bestimmen, den ihr an einer ebenen Stelle senkrecht in den Boden steckt, sodass sein Schatten gut sichtbar ist. Nun markiert ihr das Ende des Schattens mit einem Stein oder etwas ähnlichem und wartet, bis der Schatten ein gutes Stück weitergewandert ist. Je länger ihr wartet, desto genauer wird die Bestimmung. Das Minimum, damit es funktioniert ist aber eine viertel Stunde. Wenn ihr so weit seid, markiert auch das neue Ende des Schattens mit einem Stein und verbindet beide Markierungen mit einer Linie oder einem geraden Stock. Diese Linie verläuft nun ungefähr in Ost-West-Richtung, wobei die zuerst gesetzte Markierung in West-, die zweite in Ostrichtung weist.
Egal, ob ihr eine Wanderung durch die Naturgebiete Deutschlands macht oder eine Wildnisexpedition in Kanada, es ist stets wichtig, dass ihr wisst wo ihr seid und wohin ihr wollt. Für die Orientierung gibt es heute im Zeitalter der Satelliten gestützten Navigationsgeräte viele technische Hilfsmittel, doch die sicherste und zuverlässigste Variante ist noch immer die Orientierung mit Hilfe von Karte und Kompass. Damit diese leicht von der Hand geht und ihr euch nicht nur auf euer Kartenmaterial, sondern auch auf eure eigenen Fähigkeiten im Umgang damit verlassen könnt, haben wir euch hier einige Tipps als Anleitung zur Orientierung mit Karte und Kompass zusammengestellt.

Kartenmaterial von Kompass
Um euch mit Hilfe einer Karte und eines Kompass sicher orientieren zu können, müsst ihr zunächst einmal entscheiden, welches Kartenmaterial für eure Belange hilfreich ist und welches nicht. In einer Zeit, in der unser Planet bis auf den Millimeter genau kartiert ist, sollte man eigentlich meinen, dass es nichts Leichteres gibt, als gute Wander- oder Fahrradkarten aufzutreiben. Leider ist dies ganz und gar nicht der Fall.
Wirklich gute Karten gibt es im Handel in der Regel nur für ausgeschriebene und viel besuchte Wandergebiete. Gerade in der Grundschule wird es gerne genutzt, den Ausflug mit den Kindern und anschaulichen Wanderkarten durchzuführen. Deutschland ist dabei sehr gut kartiert und hier bekommt ihr für fast alle Regionen Rad- und Wanderkarten, die so genau sind, dass ihr euch auch wirklich nach ihnen richten könnt. In anderen Ländern sieht dies leider schon ganz anders aus. Das beginnt nicht erst ab Afrika oder Indien, sondern schon bei Spanien und Osteuropa. Hier bekommt man fast nur noch Straßenkarten in einem Maßstab von 1:250.000 bis 1:1.000.000. Sie reichen also nur noch aus, um mit dem Auto auf den größeren Verkehrsstraßen unterwegs zu sein, helfen einem als Wanderer oder Radfahrer aber nur noch sehr wenig weiter.
TIPP: Ideal ist es wenn ihr eine Karte im Maßstab von 1:10.000 oder 1:50.000 für euer Wandergebiet auftreiben könnt. Wenn ihr außerhalb von üblichen Wandergebieten unterwegs sein wollt, gibt es teilweise die Möglichkeit, passende Karten bei den zuständigen Stadtverwaltungen und/oder Forstämtern anzufordern. Dies ist jedoch meist recht komplex und zeitaufwändig. Wir selbst haben die Erfahrung gemacht, dass hier Ausdrucke einer topografischen Karte oder eines Satellitenbildes von Google-Maps ebenfalls gute Dienste leistet, wenn man den Ausschnitt passend wählt.

Eine typische Landkarte
Generell gibt es zwei unterschiedliche Arten von Kartenmaterialien, natürlich auch alternativ für Kinder. Die erste Orientierung mit Karte und Kompass, ist eine sogenannte planimetrische Karte. Auf ihr wird das Gebiet als flache Oberfläche gezeigt, wobei es meist keine Informationen über die Landschaft selbst gibt. Stattdessen sind lediglich Straßen, Wege, Flüsse, Eisenbahnschienen, Dörfer, Städte und Seen eingezeichnet. In diesem Kartenstil sind die meisten Straßenkarten und Stadtpläne gehalten. Die andere Variante ist die topografische Karte, die zusätzlich auch noch Informationen über die Beschaffenheit des Geländes wiedergibt. Hier erkennt ihr also auch Hügel, Berge, Täler, Wälder, Sümpfe und vieles mehr, das euch bei eurer Orientierung unterstützt. Wenn ihr die Möglichkeit habt, solltest ihr daher immer eine topografische Karte verwenden.
Auch in Sachen Kompass gibt es sehr unterschiedliche Materialien. Für die Übung der Orientierung mit der Karte eignen sich vor allem ein Lineal-Kompass oder ein Marschkompass. Der Lineal-Kompass wird hauptsächlich von Wanderern und Bergsteigern benutzt. Er ist leicht und eignet sich durch eine durchsichtige Bodenplatte, auf der der eigentliche Kompass sitzt und die mit Lineal und Winkelangaben versehen ist, besonders gut um Informationen von einer Karte auf die wirkliche Welt zu übertragen oder anderes herum. Der Marschkompass wie auch von der Bundeswehr genutzt ist noch etwas genauer, robust und meist aus Messing oder Bronze, was ihn natürlich auch schwerer macht. Er wird meist von Landvermessern oder Soldaten benutzt und hat 2 Haarvisiere, durch die sich entfernte Objekte besonders gut anpeilen lassen. Dafür lässt er sich schwieriger auf eine Karte übertragen. Wir selbst haben die besten Erfahrungen einer Orientierung mit Karte und Kompass, mit einem Lineal-Kompass gemacht.

Eine gute Orientierung mit Karte und Kompass ist für einen Survivalguide unerlässlich
Jede Karte ist ein vereinfacht dargestelltes Abbild der Erdoberfläche, aus der Vogelperspektive, wobei die einzelnen Landschaftsmerkmale als Symbole dargestellt werden. Es ist also gewissermaßen ein verschlüsseltes Bild der Wirklichkeit und wenn man es wieder entschlüsseln will, muss man dazu die Sprache der Karte verstehen. Mit etwas Übung werdet ihr dabei irgendwann so gut werden, dass ihr bei einem Blick auf eine Karte bereits ein Bild der Landschaft im Kopf habt. Die einzelnen Symbole für Wälder, Sumpfgebiete und ähnliches unterscheiden sich dabei je nach Kartentyp und Hersteller. Flüsse und Seen werden hingegen in der Regel als blaue Linien bzw. Flächen eingezeichnet und Straßen meist in Weiß, Gelb, Orange oder Rot, wobei jede Farbe auf eine bestimmte Größe der Straße hindeutet. Eisenbahnlinien sind meist sehr dünne Linien in Grau oder Schwarz, die an den Bahnhöfen etwas dicker werden.
Darüber hinaus gibt es vor allem zwei Dinge, die beim Lesen und der Orientierung mit Karte und Kompass wichtig sind. Das erste ist die Umrechnung des Maßstabes, also die Frage, wie viele Zentimeter auf der Karte, welche reale Entfernung in der Natur ausmachen. Dazu findet ihr auf jeder guten Karte einen sogenannten „Bruch“, also eine kleine Umrechnungsgrafik zwischen Karte und Wirklichkeit. Bei einer Karte mit einem Maßstab von 1:50.000 entspricht ein Zentimeter auf der Karte 500 Meter in der Natur. Wenn ihr dies wisst, könnt ihr nun die Entfernungen abschätzen, die ihr zurücklegen müsst, wenn ihr von einem Punkt auf eurer Karte zu einem anderen kommen wollt. Um die Entfernungen leichter zu bestimmen haben einige Karten ein Gittermuster, sodass ihr nur die Kästchen zählen müsst, um genau zu wissen, wie weit euer Ziel von euch entfernt ist.
Wichtig dabei zu wissen ist, dass die Diagonale eines Kästchens 1,4 mal so lang ist, wie seine Seiten. Wenn ihr keine Rasterlinien auf der Karte habt, musst ihr die Entfernung mit einem Hilfsmittel abmessen. Wenn es sich bei eurem Weg um eine gerade Linie handelt, könnt ihr dafür einfach ein Blatt Papier oder etwas Ähnliches nehmen, das ihr dann anschließend neben euren Bruch legt. Wollt ihr hingegen einer kurvigen Straße oder einem gewundenen Fluss folgen, legt ihr diese am besten mit einer Schnur, einem Stück Draht oder etwas Zahnseide nach. Da man hierbei jedoch nie alle Kurven mitmacht, solltet ihr auf das Kilometerergebnis am Ende noch einmal 10 % drauf rechnen, um euch nicht zu vertun.

Ein Fluss im Waldgebiet kann gut zur Orientierung dienen
Der zweite Punkt ist das Lesen der Höhenlinien. Sofern es sich bei eurer Karte um eine topografische Karte handelt, werdet ihr auf dieser mehrere sehr feine Linien erkennen, die sich meist schlängelig durch das Bild ziehen oder die kleinere und größere Kreise, Eier oder ähnliche Formen bilden. Diese Linien sind die sogenannten Höhenlinien. Es sind gedachte Linien, die alle Punkte miteinander verbinden, die sich auf der gleichen Höhe über dem Meeresspiegel befinden. In der Regel sind zumindest einige dieser Linien an einer Stelle unterbrochen und zeigen hier eine kleine Zahl. Diese verrät den Meterstand über dem Meeresspiegel, auf der sich die Linie befindet.
Wenn ihr das System der Höhenlinien einmal verstanden hast, könnt ihr an diesen wichtige Informationen über eure Umgebung und auch über euren Wegverlauf ablesen. Wenn es nahezu keine Höhenlinien auf eurer Karte gibt, zeigt diese ein flaches, ebenes Gebiet an. Je dichter die Höhenlinien beieinander liegen, desto steiler geht hier in der Natur ein Berghang nach oben, bzw. unten. Ihr wisst nun also auf den ersten Blick, dass sich hier ein Berg oder gar ein Gebirge befindet und könnt euch nun auch anhand von diesem orientieren. Gleichzeitig erkennt ihr aber auch, wie anstrengend und steil euer Weg werden wird. Verläuft er parallel zu den Höhenlinien, habt ihr keine Auf- oder Abstiege zu erwarten. Je mehr Höhenlinien er jedoch in kurzem Abstand kreuzt, desto steiler wird er.

Eine einfache Kartendarstellung des El Camino de Santiago für Pilger
Um euch nun anhand eurer Karte orientieren zu können, ist es zunächst einmal wichtig, dass ihr diese mit der Außenwelt überein bringt. Wenn es nicht anders angegeben wird, dann zeigt die Oberseite eurer Karte stets nach Norden. Wenn ihr eure Karte also so dreht, dass ihr die Oberseite auch wirklich nach Norden haltet, entsprechen die Richtungsangaben auf der Karte genau den Richtungen, die ihr auch in Wirklichkeit einschlagen müsst. Dafür gibt es zwei unterschiedliche Methoden. Die erste ist das Einnorden mit dem Kompass. Hierfür eignet sich besonders der Lineal-Kompass. Dazu richtet man das Lineal der Bodenplatte zunächst so aus, dass es mit der Nordmarkierung auf dem Kompass übereinstimmt. Dann legt man ihn genau an die Oberkante der Karte und dreht alles so lange, bis die Kompassnadel auf die Nordmarkierung zeigt.
Die zweite Methode ist es, die Karte ohne einen Kompass anhand der Landmarken auszurichten. Wenn ihr zum Beispiel wisst, auf welcher Straße ihr euch befindet, und ihr zudem links von euch einen See seht, dann dreht euch so, dass der See auf eurer Karte in die gleiche Richtung zeigt. Je mehr Orientierungspunkte ihr dabei findet, die ihr in Einklang bringen könnt, desto genauer wird eure Ausrichtung.

Ein Kompass zur Orientierung
Wenn ihr euch im offenen Gelände bewegt, also keiner Landmarke und auch keinem Weg folgt, könnt ihr euch mit Hilfe eurer Karte und eures Kompasses eine Marschrichtung festlegen, der ihr dann folgen könnt. Auf diese Weise verhindert ihr, dass ihr im Kreis lauft oder euer Ziel aus den Augen verliert, wenn ihr es einmal nicht direkt sehen könnt.
Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die erste ist das sogenannte Peilen. Es ist immer dann sinnvoll, wenn es in großer Entfernung ein markantes Objekt gibt, auf das ihr zusteuern möchtet. Wenn ihr einen Marschkompass habt, visiert ihr dafür das Objekt mit den beiden Haarvisieren an und lest dabei die Gradzahl ab, die im Kompass angezeigt wird. Wenn ihr euren Kompass nun so haltet, dass die Nadel mit der Nordmarkierung übereinstimmt, zeigt euch die entsprechende Gradzahl immer genau die Richtung an, in die ihr gehen müsst. Bei einem Lineal-Kompass richtet ihr den Pfeil der Bodenplatte auf das entsprechende Objekt aus und dreht dann das Drehrad eures Kompasses so, dass Nordmarkierung und Kompassnadel übereinstimmen. Nun zeigt der Pfeil der Bodenplatte immer in die Marschrichtung und ihr könnt ihm folgen, bis ihr euer Ziel erreicht habt.
Die zweite Variante bei der Orientierung mit Karte und Kompass eignet sich dann, wenn ihr euer Ziel nicht in Wirklichkeit, sondern nur auf der Karte erkennen könnt. Dazu müsst ihr wiederum als erstes die Karte genau im Kurs einnorden. Anschließend legt ihr eueren Lineal-Kompass so auf die Karte, dass ihr euren aktuellen Standpunkt mit eurem Ziel verbindet und dreht das Rädchen wieder soweit, bis die Nordmarkierung mit der Kompassnadel übereinstimmt. Nun zeigt der Pfeil wiederum in eure Marschrichtung.
Wir wünschen euch nun viel Freude beim Orientieren in der Natur!