3000 Kilometer wandern für den Naturschutz
Knapp 3000 Kilometer für die Natur
Heiko Gärtner geht 3000 Kilometer auf dem Jakobsweg mit Ausrüstung aus der Steinzeit. Er und sein Begleiter machten in den letzten beiden Tagen in Bregenz Halt. Mit der Tour will er ein Zeichen für den Naturschutz setzen.
Von MICHAEL STEINLECHNER
16 Tage dauert der lange Marsch von Heiko Gärtner und Josef Bogner bereits. 426 von 3000 Kilometer hatten die beiden hinter sich gebracht, als sie sich in Bregenz in die Fluten des Bodensees stürzen. „Wir sind schwarz hereingegangen und weiß wieder herausgekommen", scherzt Gärtner mit Hinweis auf die spärlichen Waschgelegenheiten auf ihrer Reise.
Der 31-jährige Deutsche und sein Begleiter sind am 7. Juli in Neumarkt in der Oberpfalz zu der beschwerlichen Tour aufgebrochen. Sie gehen zu Fuß rund 3000 Kilometer nach Santiago de Compostela in Spanien. Gärtner und Bogner sind auf den Spuren vieler Pilger, die den Jakobsweg hinter sich gebracht haben. Wohl kaum jemand hat jedoch versucht, was Heiko Gärtner sich vorgenommen hat: Er will sich so ernähren, wie das schon die Neandertaler getan hatten. Nüsse, Kräuter, Dörrfleisch und ab und an eine kleine Maus stehen auf dem Speiseplan. Erfahrung mit Essen dieser Art hat der ausgebildete Naturpädagoge schon zur Genüge gesammelt: beim Überlebenstraining in Polen, aber auch bei Naturvölkern wie den Maori in Neuseeland.
Gärtner will mit der Pilgerreise über 3000 Kilometer ein Zeichen setzen. Ein Zeichen dafür, dass die Natur geschützt werden muss. Gerade bei der Arbeit mit Kindern bemerke er oft, dass diese immer mehr den Bezug zur Natur verlören. „Es ist an der Zeit, das Schulsystem zu verändern. Leider sind meine Anregungen bis jetzt auf taube Ohren gestoßen", bedauert der Naturpädagoge. Seine Tour soll ihm helfen, sich Gehör zu verschaffen.
„Beschützer" braucht Schlaf
Mit Gärtner reist Josef Bogner. Der pensionierte Postbeamte bestreitet den Trip allerdings mit modernen Mitteln. Er isst „normale" Lebensmittel und trägt moderne Kleidung. In Bregenz trennen sich die Wege der beiden jedoch vorerst.
„Der Beschützer" - wie Gärtner ihn mit einem Augenzwinkern nennt - hat Probleme mit dem Schlafen: „Ich bin schon mehrere Male durch die Sahara getourt und hatte dabei nie solche Beschwerden." Bogner soll sich drei Wochen zu Hause erholen und will dann wieder für den Rest der 3000 Kilometer bei seinem Weggefährten sein. Seinen Platz wird währenddessen Gärtners Lebensgefährtin Raphaela einnehmen.
Bogners „Chef" hat auf seinem Weg der 3000 Kilometer vor allem mit den Blasen an seinen Füßen zu kämpfen. Zum Beweis zieht er aus seinem selbst gefertigten Rucksack aus Ziegenleder etliche Packungen mit Blasenpflastern. Mit Schuhen der Größe 46 hat er die Reise angetreten. „Mittlerweile habe ich Größe 50, weil alles so geschwollen ist", sagt Gärtner und lacht.
Weiter bis zum Atlantik
„100 Tage plus/minus 20" hat der Survival-Experte für die Reise nach eigenen Angaben eingeplant. In knapp 20 Tagen will er den Genfer See erreichen. In rund 60 Tages-Etappen soll Frankreich durchquert sein, ehe dann noch einmal 20 Etappen bis Santiago de Compostela absolviert werden müssen. „Wenn dann nach über 3000 Kilometer noch Zeit bleibt, gehen wir bis zur Atlantik-Küste", gibt sich Josef Bogner trotz Schlafmangels kämpferisch.
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