Ayahuasca in Deutschland buchen – uralter Rausch oder moderner Selbstfindungstrip?


Menschen fliegen heute nach Peru, Brasilien, Costa Rica oder Kolumbien, um sich unter Anleitung eines Schamanen einen bitteren Pflanzensud einzuverleiben, zu erbrechen, Halluzinationen zu erleben und anschließend davon zu berichten, sie hätten ihr wahres Ich gefunden.
Und inzwischen muss man dafür teilweise nicht einmal mehr um die halbe Welt reisen. Auch in Europa und selbst in Deutschland werden sogenannte Ayahuasca-Zeremonien und Psychedelic Retreats beworben. Das klingt zunächst nach einem modernen Esoteriktrend. Doch die eigentliche Geschichte beginnt Tausende Jahre früher.
Der Mensch wollte seinen Bewusstseinszustand schon verändern, bevor es Städte gab
Der Wunsch nach Rausch ist keineswegs eine Erfindung unserer modernen Gesellschaft.
Einer der erstaunlichsten archäologischen Funde stammt aus der Raqefet-Höhle im heutigen Israel. Dort fanden Wissenschaftler in rund 13.000 Jahre alten Steinmörsern Hinweise darauf, dass Jäger und Sammler Getreide fermentierten und eine bierähnliche Flüssigkeit herstellten.
Das Bemerkenswerte daran: Die Gefäße befanden sich an einer Begräbnisstätte.
Die Forscher vermuten deshalb, dass das Getränk nicht einfach der steinzeitliche Feierabenddrink war, sondern bei rituellen Festen zu Ehren der Toten eine Rolle gespielt haben könnte. Damit reicht einer der ältesten nachweisbaren vom Menschen hergestellten Rauschzustände bis in eine Zeit zurück, in der Landwirtschaft gerade erst entstand. Auch Schlafmohn taucht bereits sehr früh auf.
Archäologische Funde aus dem Mittelmeerraum zeigen Mohn bereits im frühen Neolithikum. Für Italien reichen entsprechende Funde ungefähr bis in die Mitte des 6. Jahrtausends vor Christus zurück. Allerdings muss man vorsichtig sein: Mohn kann Nahrung, Ölquelle, Medizin oder Rauschmittel gewesen sein. Ein gefundener Mohnsamen beweist noch keinen Opiumrausch.
Deutlich direkter wird es rund 3.000 Jahre vor unserer Zeit.
In einer bronzezeitlichen Bestattungshöhle auf Menorca untersuchten Wissenschaftler menschliche Haare und fanden darin Atropin, Scopolamin und Ephedrin. Damit gibt es direkten chemischen Nachweis dafür, dass Menschen damals verschiedene psychoaktive Pflanzen konsumiert hatten. Die Fundumstände sprechen dafür, dass diese Pflanzen in einem besonderen sozialen oder rituellen Zusammenhang verwendet wurden. Der Rausch begleitet den Menschen also offenbar schon verdammt lange.
Warum berauschten sich Menschen überhaupt?
Aus steinzeitlicher Perspektive wäre es wahrscheinlich falsch, unseren heutigen Begriff des „Drogenkonsums“ einfach zurückzuprojizieren.
Eine Pflanze konnte gleichzeitig:
Medizin, Schmerzmittel, Gift, Sakrament und Rauschmittel sein.
Und derjenige, der wusste, welche Pflanze in welcher Menge welche Wirkung hatte, besaß enormes Wissen. Psychoaktive Substanzen konnten vermutlich ganz unterschiedliche Funktionen erfüllen: Schmerz unterdrücken, Hunger oder Erschöpfung beeinflussen, Angst verändern, Trauer begleiten, Gemeinschaft erzeugen oder außergewöhnliche Bewusstseinszustände hervorrufen. Und genau diese Zustände wurden in vielen Kulturen religiös interpretiert.
Der Mensch sah vielleicht keine durch eine Substanz erzeugte Halluzination.
- Er sah einen Ahnen.
- Einen Gott.
- Einen Geist.
- Oder eine Botschaft aus einer anderen Welt.
Ob es diese Welt tatsächlich gab, ist eine Glaubensfrage. Dass das Gehirn unter psychoaktiven Substanzen außergewöhnliche Wahrnehmungen erzeugen kann, dagegen nicht.
Und dann kommen wir zu Ayahuasca
Ayahuasca stammt aus indigenen Traditionen Südamerikas.
Die heute bekannteste Form kombiniert Pflanzen, die DMT enthalten, mit Pflanzen wie Banisteriopsis caapi, deren Harmala-Alkaloide die Wirkung von oral aufgenommenem DMT überhaupt erst ermöglichen beziehungsweise stark verändern.
Wie alt exakt die heutige Ayahuasca-Rezeptur ist, wissen wir nicht. Aber ein spektakulärer Fund aus Bolivien zeigt, wie tief das Wissen über psychoaktive Pflanzen bereits vor der europäischen Kolonisierung entwickelt war.
In einem ungefähr 1.000 Jahre alten Ritualbündel fanden Forscher unter anderem: DMT, Harmine, Bufotenin und Kokain beziehungsweise dessen Abbauprodukt. Damit waren dort sowohl DMT als auch Harmine vorhanden – zwei zentrale chemische Komponenten, die wir heute mit Ayahuasca verbinden.
Die Forscher betonen jedoch ausdrücklich, dass daraus nicht bewiesen werden kann, dass damals bereits exakt das heutige Ayahuasca-Getränk gebraut wurde. Es zeigt aber, dass rituelle Spezialisten unterschiedliche psychoaktive Pflanzen kannten, über enorme Entfernungen beschafften und möglicherweise miteinander kombinierten. Das ist eigentlich viel faszinierender als die Behauptung, irgendein heute angebotener Retreat würde eine seit 10.000 Jahren unveränderte Zeremonie nachspielen.
Vom Stammesritual zum Wochenend-Retreat
Und genau hier wird es kontrovers.
Früher war die Verwendung solcher Pflanzen häufig in eine Kultur eingebettet.
- Es gab Regeln.
- Rituale.
- Tabus.
- Traditionswissen.
- Menschen, die über Jahre lernten, mit diesen Pflanzen umzugehen.
Heute öffnet man Google und findet Angebote wie: „Transformiere dein Leben an einem Wochenende.“
Man bezahlt einige hundert oder einige tausend Euro, fährt zu einem Retreat und konsumiert eine Substanz aus einem vollkommen anderen kulturellen Kontext. Aus dem Ritual ist ein Produkt geworden. Aus dem Schamanen ein Dienstleister. Aus der spirituellen Reise ein buchbares Erlebnis. Das bedeutet nicht automatisch, dass jeder moderne Retreat unseriös ist aber es verändert die Sache fundamental.
Warum sind gerade Vielreisende so empfänglich dafür?
Reisen versetzt Menschen ohnehin ständig in einen Ausnahmezustand.
Neue Länder, neue Kulturen, keine gewohnten Strukturen und wenig soziale Kontrolle. Das Gefühl, jederzeit jemand anderes sein zu können.
Genau deshalb begegnet man in der Traveller-, Backpacker- und Vanlife-Szene überdurchschnittlich häufig Menschen, die irgendwann bei Meditation, Breathwork, Kakaozeremonien, Pilzen oder Ayahuasca landen.
Es geht häufig weniger um klassische Drogensucht als um etwas anderes: Selbsterfahrung.
„Ich will mich selbst finden.“
„Ich will mein Ego verlieren.“
„Ich will mein Trauma verstehen.“
„Ich möchte meinen Geist erweitern.“
Und vielleicht sagt das sogar mehr über unsere heutige Gesellschaft aus als über Ayahuasca. Wir haben technologisch nahezu alles.
Aber eine wachsende Zahl von Menschen scheint trotzdem das Gefühl zu haben, dass ihnen etwas fehlt.
- Gemeinschaft.
- Rituale.
- Natur.
- Sinn.
- Übergänge.
- Das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein.
Der steinzeitliche Mensch hatte wahrscheinlich nicht unseren Begriff von „Mental Health“, „Selbstoptimierung“ oder „Persönlichkeitsentwicklung“. Dafür hatte er Rituale und genau dieses Vakuum versucht die moderne Psychedelika-Szene teilweise zu füllen.
Kann man Ayahuasca in Deutschland überhaupt sicher buchen?
Hier wird die romantische Vorstellung schnell sehr nüchtern.
DMT steht in Deutschland in Anlage I des Betäubungsmittelgesetzes und zählt damit zu den nicht verkehrsfähigen Betäubungsmitteln.
Der Begriff „Ayahuasca“ selbst steht dort zwar nicht als Produktname. Enthält der verwendete Sud jedoch DMT, macht ein spiritueller oder zeremonieller Rahmen den Umgang damit nicht automatisch legal.
Dass solche Zeremonien trotzdem angeboten werden, bedeutet also keineswegs, dass sie behördlich genehmigt wären.
Es gab in Deutschland bereits Strafverfahren gegen Veranstalter solcher Retreats. In einem dokumentierten Verfahren vor dem Amtsgericht Reutlingen wurden beispielsweise über Jahre Ayahuasca-Zeremonien veranstaltet; die drei Angeklagten verfügten nach Darstellung ihrer Verteidiger über keine entsprechende Erlaubnis und erhielten Bewährungsstrafen.
Manche Angebote, die bei einer Suche nach „Ayahuasca Deutschland“ auftauchen, führen deshalb tatsächlich zu Veranstaltungen außerhalb Deutschlands, zu anderen Pflanzenzeremonien oder zu Angeboten, deren Rechtslage zumindest nicht so ist, wie die Werbung vermuten lässt. Selbst Portale aus der Szene weisen darauf hin, dass klassische DMT-haltige Ayahuasca-Zeremonien in Deutschland rechtlich problematisch beziehungsweise praktisch nicht legal regulär anzubieten sind.
→ Doch wie kann man sein Erlebnis durch erfahrene Begleiter finden: hier die zuverlässige Sitzung mit Ayahuasca Retreat in Deutschland buchen.
„Natürlich“ bedeutet außerdem nicht automatisch ungefährlich
Eine weitere moderne Verklärung lautet: „Das ist keine Droge. Das ist Pflanzenmedizin.“
Biochemisch ist diese Abgrenzung ziemlich sinnlos.
Morphin stammt aus einer Pflanze, Kokain stammt aus einer Pflanze, Nikotin stammt aus einer Pflanze und DMT kommt ebenfalls natürlich vor.
Ob eine Substanz natürlich entstanden ist, sagt zunächst wenig darüber aus, wie stark sie auf unseren Organismus wirkt.
Bei Ayahuasca kommt noch etwas hinzu: Harmala-Alkaloide beeinflussen das Enzym Monoaminoxidase. Dadurch können Wechselwirkungen mit Medikamenten und anderen Substanzen relevant werden. Außerdem können psychedelische Erfahrungen psychisch extrem belastend ausfallen. Eine Zeremonie ist deshalb keine harmlose Wellnessanwendung nur deshalb, weil Kerzen brennen, jemand eine Trommel schlägt und das Getränk aus Pflanzen besteht.
Vielleicht suchen wir heute dasselbe wie vor 10.000 Jahren
Das eigentlich Faszinierende ist deshalb gar nicht Ayahuasca, es ist der Mensch. Wir haben Smartphones, künstliche Intelligenz, Flugzeuge und moderne Medizin. Und trotzdem tun wir etwas, das Menschen offenbar seit Jahrtausenden tun:
Wir verändern absichtlich unser Bewusstsein und hoffen, dort etwas zu finden, das wir im normalen Zustand nicht erkennen.
- Vielleicht einen Gott.
- Vielleicht eine Antwort.
- Vielleicht uns selbst.
- Oder vielleicht einfach nur einen außergewöhnlichen Rausch.
Der entscheidende Unterschied ist nur: Der Steinzeitmensch musste dafür vermutlich Teil eines Rituals und einer Gemeinschaft sein.
Der moderne Mensch braucht oftmals nur noch: Kreditkarte, Flugticket und Buchungsbestätigung und vielleicht ist genau das der kontroverseste Teil der ganzen Geschichte.
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